Othenio Abel: Vorzeitliche Tierreste im deutschen Mythus, Brauchtum und Volksglauben (PDF)

Oberschenkelknochen eines Riesen, zeitgenössisches Gemälde (Bernisches Historisches Museum) – tatsächlich Relikt eines Mammuts

Noch heute spüren wir Faszination und Ehrfurcht, wenn wir die fossilen Knochen prähistorischer Tiere erblicken. In früheren Zeiten, da weder Evolutionstheorie noch moderne Paläontologie Entstehung und Ursprung solcher Objekte zu erklären vermochten, inspirierten die immer wieder zu findenden Gebeine von Dinosauriern, pleistozänen Elefanten und kleinen Meereslebewesen mitten im Inland zwangsläufig eine Vielzahl von Sagen und Legenden. Mussten sich die frühen Paläontologen wie George Cuvier noch täglich mit solchen lokalen Legenden und volkstümlichen Fehlinterpretationen beschäftigen, geriet das Thema in den späteren Jahren dieser Wissenschaft doch zunehmend in Vergessenheit und die Beschäftigung damit zu einem Randphänomen.
Einen großen Dienst für die Wissenschaft und das Verständnis alter Mythen und Sagen hat Adrienne Mayor geleistet, die in The First Fossile Hunters die Fossilfunde und daraus entstandenen Legenden der alten Griechen und Römer sowie in Fossile Legends of the First Americans jene der nordamerikanischen Ureinwohner darstellte: Während die Griechen und Römer die gewaltigen Knochen vorzeitlicher Säugetiere als Gebeine sagenhafter Heroen deuteten, entwickelten manche Indianervölker allzu komplexe Mythologien rund um Geschlechter vorzeitlicher Ungeheuer, die von Katastrophen und göttlichen Strafgerichten vernichtet wurden – womit sie der Wahrheit manchmal näher kamen als ihre Zeitgenossen in der alten Welt.
Doch auch in heimischen Gefilden mangelt es nicht an interessanten Sagen über die Bedeutung fossiler Tierreste. Als Überblick bis heute unübertroffen ist hierbei das Buch Vorzeitliche Tierreste im deutschen Mythus, Brauchtum und Volksglauben des frühen deutschen Paläontologen Othenio Abel (1875-1946) von 1939. Dieser beschreibt eine Vielzahl volkstümlicher Überlieferungen betreffend die hierzulande vorzufindenden Fossilien: Seien es große Knochen, die Drachen oder Riesen zugeschrieben wurden und bisweilen direkt als Vorbild für deren Rekonstruktionen dienten, seien es kleine Objekte wie die den Mythos schon im Namen tragenden „Donnerkeile“ (Belemniten), die als Geschosse des Gottes Donar oder von Hexen und Alben galten, ja gar als versteinerter Urin von Luchsen interpretiert wurden. Mag das Werk auch in manchen Formulierungen – betreffend etwa die zeitgenössischen Rassenvorstellungen und Germanenkitsch – deutlich angestaubt sein, ist es doch bis heute eine umfassende und nützliche Sammlung einschlägiger Überlieferungen. Leider ist Abels Buch mangels Nachdrucken kaum mehr und allenfalls zu hohen Preisen erhältlich, auch eine Onlineveröffentlichung scheint bislang nicht erfolgt zu sein. Da es aber nunmehr über siebzig Jahre nach dem Tod Othenio Abels nicht länger durch das Urheberrecht geschützt wird, nahm ich mir die Freiheit, Vorzeitliche Tierreste im deutschen Mythus, Brauchtum und Volksglauben in der örtlichen Universitätsbibliothek einzuscannen, um es fortan frei hier zum Download bereitzustellen. Viel Spaß und bereichernde Lektüre mit diesem interessanten Werk der Wissenschaftsgeschichte!

Zum Download:

Vorzeitliche Tierreste im deutschen Mythus, Brauchtum und Volksglauben

 

Neu erschienen: Knochenzart

Seit wenigen Tagen im Handel erhältlich:

„Knochenzart“, die neue Horror-Anthologie des Herausgebers Detlef Klewer – darin vertreten auch meine Geschichte „Der Mann mit der Mistgabel“.

Karina-Verlag
332 Seiten
Taschenbuch 16,90€
e-book 4,99€

Hexen, Bankräuber, Kannibalen, Punks? Die außergewöhnliche Themenmischung erdacht von achtzehn Autorinnen und Autoren aus Österreich, Deutschland und der Schweiz überrascht sowohl mit Fantastik, als auch Grusel, Spannung und Humor. Da befinden sich der Earl von Gaudibert und seine Gemahlin Gann in der Gesellschaft Reisender, die sich die Wartezeit mit der Erzählung skurriler Gruselgeschichten vertreiben aber … handelt es sich wirklich um … Gruselgeschichten? An anderem Ort wird ein Hardboiled-Detective auf die mysteriöse Spur der Fische angesetzt … Einen hartgesottenen Veteranen ereilt auf einem verdammten Planeten sein klimatogrünes Wunder … Und was treibt derweil eigentlich Dreadface , der Mann mit der Mistgabel ? Lassen Sie sich verführen zu einem Leseerlebnis der besonderen Art … Knochenzart eben …

Burrows Cave

 

Gesichter aus Burrows Cave (Quelle; Bürgin 1998, 43)

Fundumstände. April 1982. Der Amerikaner Russell Burrows aus Olney, Illinois, stößt in einem abgelegenen Tal angeblich auf ein unterirdisches Tunnelsystem. In diesem entdeckte er nach eigener Aussage, nachdem er den Eingang freigeschaufelt und die verriegelte Tür geöffnet hatte, mehrere Grabkammern mit Bestattungen: Ein aufgebahrtes Skelett mit Grabbeigaben in Form von Äxten, Speerspitzen und Kupfer- und Bronzewerkzeugen in einer ersten sowie eine Frau und zwei Kinder, die anscheinend mit Axthieben getötet wurden, in einer zweiten Kammer. Burrows erwähnt auch Geister, die die Gruft bewachen sollen, wobei er eine kurze Erscheinung eines solchen gehabt haben will.1:36-47 Erst 1987-88 erkundete Burrows die Hauptkammer, in der er angeblich neben zahlreichen Statuen von Menschen und Mischwesen auch einen großen Steinsarkophag entdeckte, darin einen goldenen Sarkophag mit einer Mumie.1:166 Vor allem aber habe er in der Höhle unzählige Goldobjekten und gravierte Steine vorgefunden, von denen er mehrere tausend Stück aus der Höhle entfernte – die einzigen untersuchbaren Ergebnisse der Entdeckung .2:25ff

Satyr und Alien (?) aus Burrows Cave (Quelle)

Beschreibung. Während die Funde aus Burrows Cave längst auf verschiedene Privatsammlungen verteilt sind, existieren doch zahlreiche Fotos. Auf vielen Steinen finden sich kurze oder etwa längere Inschriften, die aus Zeichen verschiedener Schriftsysteme (darunter ägyptisch, phönizisch, iberisch, sumerisch, etruskisch …) zusammengesetzt sind. Andere zeigen bildliche Darstellungen – sehr häufig Profilgesichter, darunter Indianer, Römer, ein bärtiger „König“, ein „Jesusportrait“ und ein comichaftes Hühner-Wesen; außerdem auch zahlreiche ägyptisch anmutende Darstellungen, Fabelwesen (etwa ein Zentaur mit Dreizack sowie Satyre), behelmte Gestalten, Gestirne, Schiffe und sogar ein Elefant. Harry Hubbard zufolge fanden sich auf Steinen, von denen keine öffentlich bekannten Bilder existieren, auch Darstellungen von „prähistorischen Land- und Seekreaturen und seltsamen Wesen in Anzügen“ sowie Flugobjekten, mutmaßlich extraterrestrischen Wesen und auch Büsten mit reptilienartigen Gesichtszügen.2:47 All dies ermöglicht entsprechend eine Vereinnahmung für verschiedenste diffusionistische oder prä-astronautische Theorien. Während die Funde in der Grabkammer Burrows selbst instinktiv „ägyptisch“ erschienen:166, machen andere Parteien etwa Ägypter und Libyer (Jack Ward1:54), römisch-hellenistische Mauretanier (Paul Schaffranke)4 oder „Sonnenkönige“ außerirdischer Abstammung (Joseph Mahan1:210) für die Relikte verantwortlich.

Weitere Ereignisse. Bereits kurz nach der Entdeckung gab Burrows eine kleine Zahl von Steinen an Thelma McClain weiter, die Betreiberin eines lokalen Antiquitätenladens.1:52 Dort stieß der Museumsbetreiber Jack Ward, selbst ein Vertreter diffusionistischer Theorien, auf die seltsamen Fundstücke und nahm Kontakt zu Burrows auf. Dieser überließ ihm schließlich den Großteil der Funde; im Gegenzug sollte Ward weitere Forschungen finanzieren.1:54f Über mehrere Jahre bemühten sich beide – auch unter Einbeziehung weiterer Personen wie Virginia Hourigan, Norman Cullen sowie Warren Cook und Warren Dexter – um die Bekanntmachung und wissenschaftliche Akzeptanz der mutmaßlich spektakulären Funde; die Geschichte der Zusammenarbeit einschließlich der zahlreichen Verwicklungen dokumentierte Burrows in dem gemeinsam mit Fred Rydholm verfassten Buch The Mystery Cave of Many Faces.

Wie sich nach dem Tode Jack Wards 1991 herausstellte, hatte dieser einen Großteil der Objekte hinter Burrows Rücken verkauft – insgesamt 1665 Steine sowie eine Zigarrenkiste voller Goldmünzen, die angeblich rund 250 000 $ einbrachten.1:202
Schließlich schaltete sich mit Harry Hubbard, dem Gründer der Forschungsgesellschaft „Ptolemy Productions“ ein weiterer Akteur in die Affäre ein. Anhand von Dokumenten (darunter mutmaßliche Korrespondenzen Burrows, größtenteils aus dem Nachlas von Jack Ward), die er später auch dem Schweizer Grenzwissenschaftler Luc Bürgin zur Verfügung stellte, beschuldigte Hubbard wiederum Burrows: Dieser habe zwischen 1987 und 1989 selbst Goldobjekte aus der Höhle im Wert von rund 7 Mio. Dollar verkauft, zudem von Ward über Jahre hinweg über 20 000 Dollar für seine weiteren Aktivitäten vorschießen lassen, die er schließlich 1990 in Form von Goldobjekten zurückbezahlte. Burrows selbst bestritt zunächst die Existenz, nach Offenlegung schließlich die Authentizität besagter Dokumente und bezeichnete Hubbard in dieser Angelegenheit als Lügner. Die Goldobjekte seien nie aus der Höhle entfernt worden, wobei es sich bei vielen der bekannten Steine um Duplikate der (am Ende womöglich verkauften) Goldfunde handle.2:31ff Von den eigentlichen Goldobjekten scheinen keine Bilder zu existieren; bei jenen in Burrows‘ Buch abgedruckten handele es sich (dem Errata-Zettel zufolge) ausschließlich um Replikate au vergoldetem Blei.

Diskussion. In der Fachwelt werden die Funde aus Burrows Cave weithin als moderne Fabrikationen angesehen. Dafür spricht vor allem die vielfältige und gerade im Falle der Schriftzeichen sinnlose Vermischung verschiedener kultureller Traditionen. Ein Szenario, das die Anwesenheit all dieser Einflüsse erklärt, ist schwer zu finden bzw. wäre seinerseits eine höchst komplexe und gezwungene (damit unplausible) Theorie. Zudem bestehen weder Parallelen für die Funde in der Alten Welt, noch gibt es weitere Spuren der hypothetischen Kultur (Siedlungen mit Keramikresten etc., weitere Gräber, gehandelte oder verschleppte Artefakte an anderen Orten) in der Neuen.
Umstritten ist die Bedeutung der anscheinend einzigen eingehenden Untersuchung der Artefakte durch Wissenschaftler des Field Museum of Natural History in Chicago, denen Burrows eine Auswahl von rund zwanzig Objekten zur Untersuchung zur Verfügung gestellt hatte. Dr. Robert B. Pickering kam ohne Zweifel zu dem Schluss, dass es sich bei den Steinen um moderne Fertigungen, sprich Fälschungen handeln müsse. Die Gravierungen seien frisch und ohne Abnutzung oder Patina, wie bei alten Objekten zu erwarten; auch weise die Art der Bearbeitung auf eine Verwendung moderner Stahlwerkzeuge hin und unterscheide sich damit von jener bei authentischen Artefakten indianischen oder ägyptischen Ursprungs.1:67 Der Ägyptologe Frank J. Yurco kam anhand stilistischer Argumente zum selben Schluss, denn die ägyptisierenden Darstellungen weisen zahlreiche Anachronismen und Fehler auf: Im Bild eines Schreibers, der an eine Darstellung aus dem Alten Reich erinnert (während andere Bilder offensichtlich Motive des 1. Jts. v. Chr. kopieren), fehle die Schreibpalette (was den Pinsel somit sinnlos macht) und anstatt eines Zepters sei eine Axt dargestellt. Die Darstellung eines Edelmanns trage die nur Königen vorbehaltene Uräus-Schlange, ein Königszepter sei falsch herum dargestellt und auch sonst Ikonographie und Symbolik „entstellt“ und „verwirrt“. Die Hieroglyphen ergäben keinerlei Sinn; der Stil spreche weiterhin für eine Anfertigung aller Stücke durch einen einzigen Künstler. Dem Fälschungsvorwurf schlossen sich die Archäologen Catherine Sease und David Reese an, vor allem mit Hinweis auf die amateurhafte Ausführung und kulturelle Widersprüchlichkeit der Objekte.1:69-74 Dem vernichtenden Urteil setzt Burrows selbst jedoch eine seltsame Beobachtung entgegen: Ihm zufolge seien die Artefakte bei der Rücksendung genauso verpackt gewesen wie zuvor, also mutmaßlich niemals ausgepackt und untersucht worden.1:75 Dies ist so nicht weiter überprüfbar – zumindest die stilistischen Argumente bestätigen sich jedoch an den von den Objekten veröffentlichten Fotos.

Der Elefantenstein aus Burrows Cave. Das mittlere Zeichen der oberen Zeile hat beim Original aus der Crespi-Sammlung einen senkrechten Mittelstrich; das „kursive“ Zeichen hier entspricht Barry Fells fehlerhafter Umzeichnung (Quelle).

Ein weiteres hartes Argument gegen die Echtheit der Stücke brachte der Autor Barry Fell vor, seinerseits einer der bekanntesten Verfechter diffusionistischer Theorien.
Einer der Steine aus der Burrows Cave kopiert bis ins Detail ein Objekt aus der Sammlung des Pater Crespi in Cuenca, Ecuador. Dargestellt ist eine Pyramide mit einer Inschrift, gekrönt von einer Sonne und einem Elefanten (daher als Elephant Stele bekannt). Fell druckte 1976 eine Umzeichnung der Stele in seinem Buch America B.C. ab, veränderte dabei jedoch bei der Korrektur ein Zeichen geringfügig, um es seiner angenommenen Übersetzung anzupassen; in späteren Publikationen behob er den Fehler. Auf dem Burrows-Cave-Stein erscheint die Elefanteninschrift in exakt dieser veränderten Variante, woraus Fell schloss, dieser müsse nach dem Vorbild seines Buches und somit nach 1976 angefertigt worden sein. Burrows selbst streitet die Gemeinsamkeit nicht ab (sein Buch zeigt auch eine Gegenüberstellung aller Varianten und gibt Fells Argumente korrekt wieder); den Vorwurf der Fälschung jedoch weist er zurück und beruft sich auf das Vorhandensein weiterer Steine mit der korrekten Inschrift, womit beide Fassungen in Burrows Cave bezeugt seien.1:91-94 Von jenen existieren auch Abbildungen, doch wäre zu untersuchen, ob die Existenz dieser Steine bereits vor Barry Fells Fälschungsvorwurf (1986) bezeugt ist (und sie nicht erst in Reaktion darauf hergestellt wurden).
Andere Gutachter sprachen sich für die Authentizität der Stücke aus, so der Ingenieur Dr. James Scherz, Dr. Joseph Mahan und der emeritierte Geschichtsprofessor Dr. Cyclone Covey1:179 – allesamt langjährige Verfechter diffusionistischer Theorien. Scherz erwähnt Korrosionsspuren an den Steinen, die auf hohes Alter hindeuten; weitere fachliche Argumente zitiert Burrows trotz sonst penibler Dokumentation (selbst der Aussagen seiner Gegner) jedoch keine.1:190f Das sonst am häufigsten genannte Argument für die Echtheit der Artefakte ist deren große Zahl, die schwerlich auf einen alleinigen Fälscher zurückgehen könne, doch ist dies – auch in Anbetracht anderer ähnlich gearteter Fälle wie etwa den Michigan-Relikten  oder der Crespi-Sammlung (von der selbst Pater Crespi selbst die rezente Fertigung vieler Stücke zugab1:99) – wohl ein eher schwaches Argument, das den Fleiß potentieller Fälscher unterschätzt.
Den Ort der angeblichen Höhle gab Burrows – auch gegenüber an einer Erforschung interessierten Wissenschaftlern – niemals preis, vorgeblich um sie vor Plünderung zu bewahren. Auch wurden niemals Fotografien des Höhleninneren gemacht oder weitere, besser untersuchbare Proben genommen. Für die Existenz der Höhle sowie die angeblich dort verbliebenen Funde existiert somit kein unabhängiger Nachweis. Der angebliche Eigentümer des Landes, auf dem sich die Höhle befunden haben soll, wurde von Russell Burrows als George Neff oder Mr. Black angegeben (später angeblich ein Pseudonym), wobei niemand anderes als Burrows selbst mit diesem Kontakt hatte. Sowohl Hubbard als auch Luc Bürgin sind der Meinung, dieser sei eine bloße Erfindung Burrows‘, um über fingierte Briefe Druck auf seine Unterstützer auszuüben und diese zum Kauf weiterer Artefakte zu animieren.2:42
Wenn man von einer Fabrikation der Objekte durch Burrows selbst ausgeht, stellt sich jedoch die Frage nach dem Ursprung des Goldes, das dieser und Jack Ward (den Recherchen von Hubbard zufolge) verkauft haben sollen – so dieses tatsächlich existierte. Zwar spricht am Ende vieles dafür, von einer neuzeitlichen Anfertigung der Artefakte auszugehen, doch bleiben weiterhin offene Fragen im Fall Burrows Cave.

Schiffsdarstellung (Quelle)

Q 1Russel Burrows / Fred Rydholm: The Mystery Cave of Many Face. A History of Burrow’s Cave. Superior Heartland, Marquette 1992.

R 2Luc Bürgin, Geheimakte Archäologie (25-50) / Luc Bürgin, Lexikon der verbotenen Archäologie / Unsolved Mysteries (161-168)

Q 4http://www.illinoiscaves.com/index.htm (dort zahlreiche Fotografien und vorgeschlagene Übersetzungen der Inschriften)

GD Richard E. Joltes: Burrows Cave. A Modern Hoax. (generelle Kritik)

Gilgameschs Aufstieg (Die Chroniken von Tilmun – Gilgamesch 1)

Twilight-Line Medien, 1. August 2019
172 Seiten

Taschenbuch 7,99€
Hardcover 15,99€ (nur über Verlag erhältlich)
e-book 2,99€

Zu einer Zeit,
als Götter zu Mythen
und Helden zu Legenden wurden,
erhob sich ein Krieger,
sich dem Schicksal zu stellen…

Im 27. Jahrhundert vor Chr., in der Nähe von Isin, Sumer

An den Ufern des Euphrat treffen die Armeen von Kisch und Uruk aufeinander, eine Entscheidungsschlacht um die Vorherrschaft bahnt sich an. In den Reihen der Krieger von Kisch jedoch befindet sich eine furchterregende Kreatur, ein Mischwesen, geschaffen von den Göttern, den Herrschern von Tilmun: Ur-saĝ-umun. Angst breitet sich unter den Truppen von Uruk aus, denn der Ur-saĝ-umun ist ein siebenköpfiges Ungeheuer mit unsagbarer Kraft. Dies ist die Stunde von Gilgamesch, einem Krieger und Befehlshaber der Truppen von Uruk. Er stellt sich der göttlichen Kreatur im Kampf…

Für die Erde! - Ausgabe 2
Hintergründe zum Werk finden sich im kostenlosen Online-Magazin rund um die Chroniken von Tilmun: Für die Erde! Ausgabe 2.

Gilgamesch ist der berühmteste Held der sumerisch-babylonischen Mythologie, zu zwei Dritteln Gott und zu einem Drittel Mensch. Er kämpfte gegen Ungeheuer, bot selbst Göttern die Stirn – und rang mit jener allzu menschlichen Eigenschaft der Sterblichkeit. Das Gilgamesch-Epos, zusammengestellt erstmal in der altbabylonischen Zeit (frühes 2. Jts. v. Chr.) und bekannt geworden in der berühmten 12-Tafel-Fassung aus der Bibliothek des Assurbanipal, ist weit mehr als nur eine Heldengeschichte, vielmehr eine Auseinandersetzung mit universellen Themen wie Herrschaft und Machtmissbrauch, Tod und Erinnerung.

Nicht nur das Epos, sondern auch die älteren sumerischen Gilgamesch-Erzählungen und zahlreiche weitere mythische Stoffe bilden die Grundlage dieser Neuinterpretation der jahrtausendealten Überlieferung als Science-Fiction-Serie. „Gilgameschs Aufstieg“ zeigt den nie zuvor erzählten Aufstieg Gilgameschs zur Macht. Weitere Teile erscheinen innerhalb der nächsten Monate.

Erhältlich unter anderem bei Amazon und im Shop der TwilightLine Medien GmbH.

 

Felsbilder von Tassili

„Großer Marsgott“, Jabbaren (Lhote 1959, Abb. 21)

Das Tassili-Massiv in der Sahara (Algerien) ist reich an prähistorischen Felszeichnungen. Die Datierung der mehr als 15 000 Abbildungen von Menschen und Tieren bleibt bis heute umstritten; Schätzungen schwanken zwischen einem Alter von sechs- bis zwölftausend Jahren.3:5f Die dortigen Darstellungen grotesker humanoider Wesen bieten bereits seit ihrer Entdeckung Anlass zu Deutungen als außerirdische Raumfahrer, maßgeblich popularisiert durch Erich von Däniken seit dessen ersten Büchern.
Mit den Felsbildern von Tasili untrennbar verbunden ist der Name Henri Lhote. Der französische Forschungsreisende und Ethnologe – ein Schüler von Henri Breuil, dem Begründer der Erforschung der frankokantabrischen Höhlenkunst – widmete sein Leben der Entdeckung und Dokumentation jener prähistorischen Kunstwerke der Sahara, denen er einen Status gleichberechtigt mit den berühmten Höhlenmalereien Frankreichs einräumte. Auf sein Buch A la découverte des fresques du Tassili (1958, dt. Die Felsbilder der Sahara) geht auch die Bezeichnung eines gewissen Bildtypus als „Marsmenschen“ zurück, weshalb ihm oft eine Einstellung im Sinne der Prä-Astronautik – fast ein Jahrzehnt vor EvDs Erinnerungen an die Zukunft – unterstellt wird.

Verschiedene „Rundköpfe“ (u.a. Bogenschütze), Jabbaren (Lhote 1959, Abb. 22)

Am Sandsteinmassiv von Jabbaren (Tuareg für Riesen nach den dortigen Felsbildern) stieß Lhote 1938 auf einige der ältesten und schließlich berühmtesten Felszeichnungen.1:67-69 Neben zahlreichen Tierdarstellungen und verschiedenen Mischwesen (darunter gehörnte Menschen und ein Wesen mit Elefantenkörper und Giraffenkopf) finden sich dort rundköpfige humanoide Gestalten, die Lhote als „Marsmenschen“(Martian)-Typus bezeichnete.1:69, 71 Bekannt ist der rund sechs Meter messende „große Marsgott“ (Abb. 21), dessen seitliche Kopfstrukturen an einen Helm erinnern; neben diesem treten auch „Rundköpfe“ mit Schwänzen und ohne nähere Gesichtsstrukturen auf (Abb. 22). Manche der Marsianer besitzen kleine, spitze Brüste und sind somit anscheinend als weiblich klassifiziert (Abb. 22, Pl. II). Nach den „Rundköpfigen“ benannte Lhote auch die mutmaßlich älteste Stilperiode der Tassili-Bilder (wiederum unterteilt in mehrere Phasen, gefolgt von einer „bovinen“ Periode).1:192 ff           
Ein gewaltiges Felsbild an der Fundstelle Sefar zeigt neben mehreren weiblichen „Rundköpfen“ eine riesige humanoide Gestalt mit unförmigem Kopf, die Lhote als „großen Gott“ deutet (Pl. II). Die ritualhafte Handlung und die Darstellung einer anscheinend gebärenden Frau deuten bei diesem Bild auf den Kontext eines Fruchtbarkeitskultes hin.1:207

Rundköpfe und „Großer Gott“, Sefar (Lhote 1959, Pl. II)

Deutung als Außerirdische. Bereits in seinem Erstlingswerk Erinnerungen an die Zukunft stellte Erich von Däniken eine Deutung der „Rundköpfe“ von Tassili als Außerirdische vor: „Uns will, ohne die Phantasie sonderlich zu strapazieren, scheinen, daß der große Marsgott in einem Raum- oder Taucheranzug dargestellt wurde. Auf seinen wuchtigen, plumpen Schultern liegt ein Helm, der durch eine Art von Gelenk mit dem Rumpf verbunden ist. Dort, wo Mund und Nase hingehören, zeigt der Helm verschiedene Schlitze.“EvD 1:47 Den „großen Gott“ von Sefar nennt von Däniken im Kontext von RiesenEvD 2:49, die Auswüchse eines gehörnten Mannes interpretiert er als Antennen (Abb. 37)EvD 2:71. Einen schwerelos dahingleitenden „Rundkopf“ des Fundplatzes Ti-n-Tazarift deutet Lhote als „Schwimmer“, von Däniken als Figur in einem „enganliegenden Raumfahreranzug mit Steuergeräten an den Schultern und Antennenstäben am Schutzhelm“ (Abb. 43)EvD 2:18.

Gehörnte Gestalt und Frau, Aouanrhet (Lhote 1959, Abb. 37)

In der Tat ist die prä-astronautische Deutung schon längt in der von Lhote geprägten Bezeichnung „Marsmenschen“ für die rundköpfigen Gestalten mit seltsamem Gesicht angelegt. So wird dieser auch von verschiedener Seite – darunter (bislang) die deutsche und englische Wikipedia – als früher Anhänger der Prä-Astronautik dargestellt, der eine solche Deutung tatsächlich postuliert habe. Die Realität sieht jedoch anders aus, wie aus Lhotes eigener Erklärung für die Bezeichnung hervorgeht:

Die Umrisse sind einfach und kunstlos, der runde Kopf, bei dem als einzige Besonderheit ein doppeltes Oval in der Mitte des Gesichts angedeutet ist, erinnert an das Bild, das wir uns gewöhnlich vom Marmenschen machen. Marsmenschen! Wäre das nicht ein zugkräftiger Titel für eine Sensationsreportage, der ungeahnte Perspektiven erschließt! Sollten Marsmenschen wirklich in die Sahara gekommen sein, dann nur vor Jahrtausenden, denn die Malereien der Rundköpfe im Tassili sind, soweit wir wissen, die allerältesten.“2:88

Daraus geht eindeutig hervor, dass Lhote eben nicht tatsächlich von außerirdischen Besuchern in grauer Vorzeit ausging, sondern die zeitgenössische Vorstellung von Außerirdischen vielmehr satirisch rezipierte. Kreative Namen für die von ihm entdeckten Felsbilder prägt er auch an anderer Stelle – etwa als er eine weibliche Figur bei Jabbaren nach der Romanfigur von Pierre Benoit Antinea nannte, explizit ohne damit etwas über die tatsächliche Bedeutung des Kunstwerks aussagen zu wollen.1:182 Auf einem Missverständnis basiert weiterhin die bisweilen wiederholte Behauptung, Lhote habe den von ihm entdeckten „Margott“ Jabbaren getauft – hierbei handelt es sich um den Fundort, der in der Bildunterschrift „Jabbaren. Der große Marsgott.“2:88 wie auch bei allen anderen Illustrationen des Buches vor der Bezeichnung genannt wird.
Über die bloße Bezeichnung hinausgehende Spekulationen über Außerirdische finden sich in Lhotes Werk nicht – indes distanzierte er sich deutlich von für ihn unverständlichen Hypothesen, die in den von ihm entdeckten Felsbildern die Überreste von Atlantis erkennen wollten und sich dabei auf das angebliche Wissen gewisser „theosophischer Sekten“ beriefen. Platons Atlantis-Bericht betrachtete er als reine Fiktion.1:181-190

„Schwimmer“, Ti-n-Tazarift (Lhote 1959, Abb. 43)

Könnte aber – unabhängig von den Ansichten Henri Lhotes – die Deutung der „Rundköpfe“ als Außerirdische in Raumanzügen doch berechtigt sein? In manchen Darstellungen (Abb. 22) scheinen die „Marsmenschen“ neben normalen Menschen aufzutreten, was eine Verschiedenheit von diesen nahelegt.
Von akademischer Seite vorgeschlagen wurde eine Deutung der seltsamen Gesichter als Masken. In der Tat finden sich in Sefar auch verschiedene Darstellungen von Masken bzw. Menschen mit Masken (Abb. 52/53), die solchen gleichen, die zu Lhotes Zeiten noch immer in Westafrika Verwendung fanden.1:223 Auch wenn ein solcher Zusammenhang für die Gestalt der „Marsmenschen“ bislang nicht belegt ist und somit eine bloße Hypothese verbleibt, so wäre diese gemäß Ockhams Rasiermesser der außerirdischen Deutung doch tendenziell vorzuziehen.
Gegen eine Deutung der Gestalten als Raumanzüge sprechen außerdem weitere Details: Einige der weiblichen „Rundköpfe“ in Pl. II (um den „großen Gott von Sefar“ herum) besitzen eindeutig Brüste sowie in einem Fall die Andeutung einer Vulva, womit sie offenbar nackt (und nicht in Raumanzügen) dargestellt sind. Einer der „Rundköpfe“ in Abb. 22 trägt in seiner Hand außerdem einen Bogen, was schwer mit der Vorstellung technologisch fortgeschrittener Außerirdischer zu vereinbaren ist.

Wenn es sich tatsächlich, wie von den Anhängern der Prä-Astronautik angenommen, um Darstellungen jener Außerirdischen handeln sollte, die angeblich so viele verschiedene Kulturen besuchten – müssten sich dann nicht ganz ähnliche Darstellungen auch in anderen Kulturen finden? Die in einschlägigen Publikationen angeführten Felsbilder, Reliefs, Statuen und Figurinen teilen zwar ihren oberflächlichen Anschein technologischer Details (oder zumindest das Vorhandensein irgendeiner Form von Helmen), unterscheiden sich untereinander jedoch viel zu sehr, als dass sie einander bestätigen würden. Mit möglicherweise einer Ausnahme:

Figurine aus Cuenca, Ecuador (Quelle 1 / Quelle 2)

Eine Keramikfigurine der Jama-Coaque-Kultur in Ecuador, aufbewahrt im Museo de las Culturas Aborigines in Cuenca, besitzt einen ähnlichen runden Kopf mit seitlichen Aufsätzen/Schläuchen(?), einer runden Mund(?)öffnung und einer Art Collier oder Halskragen bei gleichzeitig recht stämmigem Körperbau. Obgleich die Figurine in grenzwissenschaftlichen Werken immer wieder erwähnt wird (sie war sogar in der Ausstellung Unsolved Mysteries zu sehen), scheint zu meiner eigenen Verwunderung bislang niemand einen Zusammenhang zu den „Marsmenschen“ von Tassili angemerkt zu haben. Wenn auch die Ähnlichkeit womöglich eher auf Zufall zurückgehen mag (wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es irgendwo in der weltweiten Kulturgeschichte mindestens eine oberflächlich ähnliche Darstellung gibt?), so ist sie doch zu bemerkenswert, um sie unerwähnt zu lassen.

Die Frage nach der tatsächlichen Bedeutung der spezifischen Darstellungsform der „Marsmenschen“ von Tassili muss bis auf Weiteres offen bleiben. Anders als die Alien-Deutung würden Interpretationen als mythische (Misch-)Wesen oder maskierte Menschen (Schamanen?) in dieser Kunst- und Kulturepoche jedoch eindeutige Parallelen finden.

Q Henri Lhote: A la découverte des fresques du Tassili

          1Englisch: The search for the Tassili frescoes; the story of the prehistoric rock-paintings of the Sahara. Hutchinon & Co., London u.a. 1959.

          2Deutsch: Die Felsbilder der Sahara. Entdeckung einer 8000-jährigen Kultur. Zettner, Würzburg u.a. 1963.

Anm.: Ich habe mich entschieden, vorwiegend aus der englischen Ausgabe zu zitieren, da diese im Internet allgemein zugänglich und die Überprüfung somit besser möglich ist.

3David Coulson / Alec Campbell: Rock Art of the Tassili n Ajjer, Algeria

T/R EvD 1, Erinnerungen an die Zukunft (47-49) / EvD 2, Zurück zu den Sternen (18, 49, 71, 96-99, 147) / Unsolved Mysteries (204) / Reinhard Habeck, Bilder, die es nicht geben dürfte (38 f)

Zur Figurine aus Ecuador: Reinhard Habeck, Dinge, die es nicht geben dürfte (146 f) / Unsolved Mysteries (209)

Die Träne der Zauberschen

Ein Jahr nach seiner unkonventionellen Novelle „In Ewigkeit“, die ich die Ehre hatte rezensieren zu dürfen, hat Ian Cushing nun mit „Die Träne der Zauberschen“ sein zweites Buch veröffentlicht. Der 460 Seiten starke Roman entführt uns in zwei Zeitebenen einer tragischen Geschichte von Ungerechtigkeit und Vergeltung.
Im Jahre 1611 wurde die Bäckerin Barbara unschuldig Opfer eines Schauprozesses wegen Hexerei. Die drei Freunde Jan, Dirk und Marcus ahnen vierhundert Jahre später nichts davon, dass sie ein verheerendes Erbe in sich tragen – denn der Geist Barbaras, jahrhundertelang zur Untätigkeit verdammt, sinnt auf Vergeltung an ihnen und ihren Familien …
Ian Cushing ist es einmal mehr gelungen, eine ganze Gruppe authentischer Charaktere zu entwerfen, ein jeder mit individuellem Profil und perfekt zusammenspielend in einem dicht inszenierten Szenario auf dem Weg Richtung Katastrophe. Abwechselnd beobachten wir den Prozess Barbaras im siebzehnten Jahrhundert und das zunächst so idyllische Zusammenspiel der gegenwärtigen Protagonisten, die zunehmend von dem rachsüchtigen Geist heimgesucht werden. Dabei ist die Prequel-Handlung weit mehr als nur bloße Erklärung für sinnlosen Hass einer mordenden Untoten, hat diese doch auch nach Jahrhunderten der Verdammnis und der Rachegedanken ihren ursprünglichen Charakter nicht ganz verloren. So ist dann auch das Ende ganz anders, als man es von anderen Heimsuchungsgeschichten gewohnt ist und überrascht einen schon ziemlich – ein kreativer Bruch mit Konventionen, der gleich in mehrfacher Weise zum Nachdenken anregt, doch ohne dabei weniger folgerichtig zu sein.
Gerade für ein im Self-Publishing veröffentlichtes Buch beweist „Die Träne der Zauberschen“ eine bemerkenswerte Qualität – nicht nur was das professionell gestaltete Cover angeht, sondern auch in Ausdruck und Sprache, die durchweg das Niveau massentauglicher Bestseller erreichen. Dabei ist das Buch sehr flüssig zu lesen – Cushing beweist das Talent, selbst dann unterhaltsam zu schreiben, wenn gerade nicht die spannende Handlung vorangetrieben wird und es vielmehr um die Charakterisierung der Protagonisten und ihrer Familiensituation geht, was einen guten Teil der ersten Hälfte einnimmt. Wenig später schon geht es aber Schlag auf Schlag und die Handlung zieht schneller an, als man es erwartet hätte. Man merkt durchaus, dass gar nicht einmal die Phantastik Kern des Romans ist, sondern vielmehr wirklich die handelnden (bzw. behandelten) Personen und ihr tragisches Schicksal. All das sorgt für eine umso lebendigere Identifikation mit den Figuren, gerade auch emotional außerordentlich mitreißend.
„Die Träne der Zauberschen“ ist letztlich voll und ganz zu empfehlen – spannende und flüssige Unterhaltung, schnell gelesen, doch trotzdem nicht ohne einige inhaltliche Tiefe.

Eiskalte Entscheidung (Delta Operator I)

Was, wenn man auf einmal ausgerechnet den Menschen beschützen muss, an dem Rache zu nehmen man sich geschworen hat?
Mit seinem Thriller „Eiskalte Entscheidung“ entführt Marco Gruber den Leser in die blutige Parallelwelt skrupelloser Militärs und ihrer Opfer.

Steven Crowe war Elitesoldat des Delta-Kommandos, spezialisiert auf die gefährlichsten Missionen des amerikanischen Militärs – bis seine Vorgesetzten ihn bei einer tödlichen Geheimmission im Hinterland Chinas im Stich ließen. Jahre später, als ihm die Flucht aus der Gefangenschaft glückt und er sich von seinem einstigen Arbeitgeber vergessen sieht, sinnt er auf Vergeltung an jenen, die für sein Schicksal und den Tod seiner Kameraden verantwortlich sind. Doch sein Weg kreuzt ausgerechnet eine sich anbahnende Verschwörung: Aus Furcht vor dessen Abrüstungsplänen haben mehrere ranghohe Militärs ein Mordkomplott gegen den amerikanischen Präsidenten in die Wege geleitet – und mitten in den eisigen Tiroler Alpen gerät Crowe zwischen die Fronten …

Dass man mit Marco Grubers Roman ein im Self-Publishing veröffentlichte Erstlingswerk in Händen hält, davon spürt man beim Lesen nicht viel. Vielmehr wird über mehr als 400 Seiten ein spannender und unterhaltsamer Stil gehalten, gerade auch durch den häufigen Wechsel der Erzählperspektive angenehm kurzweilig, ohne den Leser mit Nebenhandlungen hinzuhalten. Unwichtige Zwischenschritte sind minimiert, wohingegen die spannungsgeladenen Episoden umso großzügiger ausgeführt werden. Dabei beobachtet der Leser zwar beide Parteien, eine vorzeitige Enthüllung zentraler Details wird trotzdem geschickt vermieden. Zwar treten eine Handvoll Kommafehler auf, inmitten eines ansonsten doch professionellen und gut lesbaren Ausdrucks fallen diese jedoch beim Gesamteindruck nicht wirklich in Gewicht.
Ungewohnt natürlich die Konzentration auf fast ausschließlich militärische Protagonisten, lebendig (jedoch bisweilen ähnlich) charakterisiert in ihrer tiefsitzenden, selbstgerecht-charakterfesten Soldatengesinnung und meist ganz besonders hoher Qualifikation – indes bleibt kriegsverherrlichend heroische Überzeichnung doch eher fern in diesem Pantheon verblendeter Antagonisten und desillusionierter Heldenfiguren. Über die die Richtigkeit vermag ich nicht zu urteilen, doch wirkt die penible Genauigkeit militärischer Details durchweg relativ glaubwürdig.
Der Untertitel „Delta Operator I“ deutet auf den Beginn einer geplanten Reihe hin – nicht unbedingt die schlechteste Idee, denn mit „Eiskalte Entscheidung“ ist definitiv ein solider und spannender Thriller gelungen.

Aliens zwischen Bergen – Ein Tag im JungfrauPark Interlaken

Ein Freizeitpark über die Theorien der Prä-Astronautik? Gibt es – in Interlaken (Schweiz). Eröffnet 2003 als Mystery Park unter Mitwirkung Erich von Dänikens, ist er nach Insolvenz und Verkauf seit 2010 unter dem Namen JungfrauPark zu besuchen. Das Programm besteht neben einigen Bereichen für Kinder vor allem aus mehreren Filmvorführungen und Rekonstruktionen zur Prä-Astronautik, angelehnt an die Werke von Dänikens. Zusammen mit meinem Freund Sait Can Kutsal habe ich den Park letzten Juli im Rahmen eines Uniprojekts besucht und näher unter die Lupe genommen. Was hat man sich unter einem Freizeitpark zur Grenzwissenschaft vorzustellen, was ist inhaltlich von den Darbietungen zu halten – und was sind die Gründe für den bis heute ausbleibenden Erfolg des JungfrauParks? Unsere Eindrücke schildern wir im folgenden Artikel:

Aliens zwischen Bergen – Ein Tag im JungfrauPark Interlaken

ParaMagazin 9: Meganthropus & Denisova-Mensch

ParaMagazin: Ausgabe 9ParaMagazin Augabe 9 – in Kürze erhältlich!

Das Titelthema: Ein Aufsatz von mir über Meganthropus und die Denisova-Menschen. Vermögen Skelettfunde vorzeitlicher Hominiden wirklich die einstige Existenz von Riesen zu belegen?

Außerdem enthalten: 
Ein dämonischer Kontakt – Eine junge Frau beschwört aus Interesse mit ihren Freundinnen Geister, doch aus dem Spiel wird schnell eine gefährliche Situation, als sich ein Dämon offenbart.

Der Fluch der alten Eiche – Eine Jahrhunderte alte Eiche in einem hessischen Waldstück, gespalten vom Blitz, ist immer wieder der Ort unheimlicher Begebenheiten.

Weitere Themen im Heft.