The Best of SNAFU: Military Horror

Selbst erfahrene Kämpfer treffen bisweilen auf Bedrohungen, für die sie nicht ausgebildet wurden: Zombies, Riesenskorpione, Zeitreisende Zwerge, Mongolische Todeswürmer. All dies findet sich in „The Best of SNAFU“, einer Auswahl der (mutmaßlich) besten Geschichten der gleichnamigen Reihe, von der ich zuvor noch nie gehört hatte. Acht Erzählungen sind es insgesamt, in ihrer Länge rangierend zwischen Kurzgeschichte und Novelle, vereint auf über 470 Seiten. „Military Horror“ ist der Untertitel und wohl eine Art genauere Genrebeschreibung. In der Tat haben die Geschichten militärischen Kontext und entsprechende Protagonisten, zum Glück aber ohne nennenswerte „Militärromantik“ und entsprechenden Pathos. Als Horror indes würde ich das Genre nicht wirklich bezeichnen, vielmehr handelt es sich um Action mit Fantasy- oder Science-Fiction-Elementen. Tatsächlich gelingt es sämtlichen Autoren dabei, ein richtiges Maß zu finden: Durchweg hält sich die Spannung wie in einem Thriller, der keine Pause einlegt, meist in geradlinigen Plots ohne wirkliche Sprünge, doch trotz aller Action ohne in stupiden Trash abzugleiten. Dafür haben die Stories auch genau die richtige Länge, sodass sich in einem Rutsch durcherzählen und dabei trotzdem eine angemessene Handlung aufbauen lässt. Es ist schwer zu sagen, welche Geschichte am meisten besticht. Dafür sind sie eigentlich zu unterschiedlich, spielt doch die eine in einer klassischen Zombie-Postapokalypse, andere dagegen im Urwald Afrikas, der mongolischen Einöde, dem mittelalterlichen Skandinavien oder gar der Zeit der Kreuzzüge. Es wäre verfehlt, allzu tiefgehende Gedanken und Handlungen zu erwarten – was das Buch indes verspricht, das liefert es: Nämlich dynamische Unterhaltung ohne Durststrecken, professionell geschrieben und fachlich fundiert, wo erforderlich, aber vor allem spannend vom Anfang bis zum Ende.

Horror Cinema

Das Genre des Horrorfilmes hat bekanntlich einen ambivalenten Ruf, werden seine Vertreter doch von so manchen als bloßer Schund, wenn nicht gar gefährlich aufgefasst. Jene Kritiker wird man schwerlich belehren können, doch zum Glück gibt es andere Experten, die sich dieser Filmgattung mit mehr Professionalität nähern. Einen breiten Rundumschlag nimmt dabei das dicke Werk „Horror Cinema“ des TASCHEN-Verlags vor. Reich illustriert mit zahlreichen Szenenbildern und historischen Filmplakaten gibt dieses auf 640 Seiten zunächst einen Überblick über die wichtigsten Untergenres des filmischen Horrors (darunter etwa „Slasher und Serienmörder“, „Kannibalen, Freaks und Hinterwäldler“, „Die Lebenden Toten“ und sogar „Ungeheuer in Frauengestalt“), wobei die wichtigsten Titel angeschnitten werden. Die zweite Hälfte dann behandelt insgesamt 50 Musterbeispiele des Horrorfilms genauer, wobei die gesamte Vielfalt des Genres abgebildet wird: So reicht der Bogen von Schwarzweiß-Klassikern wie „Nosferatu“ und „Frankenstein“ über „Psycho“ und „Der Exorzist“ bis hin zu modernen Vertretern wie „Scream“, „The Sixth Sense“ und „Blair Witch Projekt“. 2017 veröffentlicht, ist das Buch damit sogar annähernd auf dem Stand der Zeit, obgleich es nie lange dauert, bis ein solches Werk wieder teilweise veraltet ist.
Es versteht sich wohl von selbst, dass ein Werk mit so vielen Unterkapiteln und Informationen schwerlich am Stück durchzulesen ist – nichtsdestotrotz jedoch gelingt den Autoren ein sehr flüssiger und gut zu lesender Stil, bei dem einzig die zahlreichen Bildunterschriften den Lesefluss stören. Ein ambivalenter Aspekt ist indes das Bemühen, bei den meisten behandelten Filmen nicht zu „spoilern“, sprich das Ende nicht zu verraten – einerseits erhält es zu einem gewissen Grad die Spannung, wenn man die Filme noch nicht gesehen hat, andererseits (etwa bei „Psycho“) behindert der Verzicht auf Offenbarung der Endpointe mitunter die Analyse. Unvermeidlich ist leider, dass all die Filmvorstellungen, schon allein dem Umfang geschuldet, oberflächlich bleiben müssen und somit mitunter eher wenig Neues bringen. Zudem ein wenig amüsant bleibt das Bemühen der Artikel, jeden einzelnen Film besonders zu loben (bei der Auswahl von Klassikern natürlich berechtigt) und auf den noch immer vorhandenen Horror-Faktor hinzuweisen (oft genug Ansichtssache).
Das mögen gewisse Kritikpunkte sein, doch sie verblassen angesichts der generellen Qualität des Buches. Wirklich hochwertig ist es durch die vielen Bilder, repräsentativ indes durch den breiten Schnitt durch Zeiten und Subgenres. Zumindest zum Teil dürfte es auch Horrorfilmkennern noch neues bringen – und seien es nur nebensächliche Filmerwähnungen wie die der skurrilen Nosferatu-Adaption „Shadow of the Vampire“. Auf jeden Fall ist und bleibt es ein hervorragendes Übersichtswerk über Geschichte und Perlen des Horrorfilms von den Anfängen bis zu den 2000ern.

Phlegon: Das Buch der Wunder

Der Mensch steht auf Sensationsgeschichten – das war zweitausend Jahre vor der BILD-Zeitung und skurrilen Internet-Blogs nicht anders als jetzt. So ist es auch kein Wunder, dass sich im 2. Jhd. n. Chr. ein Herr namens Phlegon von Tralleis hinsetzte und eine Sammlung erstaunlicher Anekdoten zusammenstellte – das „Buch der Wunder“. Leider ist heute nur noch ein Teil davon erhalten, kaum dreißig Seiten nämlich – in einem kurzen Rutsch durchzulesen. Darin nun finden sich allerlei mysteriöse Anekdoten: Berichte von Menschen, die nach ihrem Tode als Geister oder Untote wiederkehren (und mithin gar die Zukunft vorhersagen), von Missgeburten verschiedener Art, von Hermaphroditen und Androgynen, Geschlechtsänderungen, angeblich gefundenen Knochen von Riesen und so weiter.
Die erste und umfangreichste Geschichte berichtet von einer Frau, die nach ihrem Tod als Wiedergängerin zur Geliebten eines Mannes wird – eine wirkmächtige Geschichte, die unter anderem Geschichten von Theophile Gautier, Washington Irving und Goethes Ballade „Die Braut von Korinth“ inspirierte. Etwas enttäuschend indes fand ich den Abschnitt über die Riesenfunde, bei denen es sich überwiegend nur um einzelne Knochen von beeindruckender Größe handelte, womit sie höchstwahrscheinlich prähistorischen Tieren zuzuordnen sein dürften. Interessant ist das Buch in seiner Gesamtheit vor allem dahingehend, dass es abseits der bekannten (epischen/literarischen) Mythologie einen Eindruck vom (Aber-)Glauben der antiken Menschen vermittelt und von den „Wundern“, die diese in ihrer Umwelt beobachteten.
Es gibt heute offensichtlich zwei Editionen des Werkes, von denen jene mit dem blauen Umschlag offensichtlich die umfangreichere ist. Sie enthält nicht nur den gesamten Text, zweisprachig in Deutsch und Griechisch, sowie einen Kommentar zur Werksgeschichte, sondern darüber hinaus alle drei der oben erwähnten Adaptionen jener Untoten-Legende. Für ein so kleines antikes Werk ist damit eine respektabel zusammengestellte Publikation entstanden, bei der einzig der abartig hohe Preis, unter dem sie gehandelt wird, zu bemängeln ist. Über die weit billigere andere Ausgabe von bloß 62 Seiten hingegen vermag ich nicht zu urteilen. Lesenswert jedenfalls ist Phlegons Anekdotensammlung auf jeden Fall und man wünscht sich schnell, es sei mehr davon erhalten beziehungsweise verfasst worden.

Europäische Vorzeit (Kunst im Bild)

„Europäische Vorzeit“, ein Band der Reihe „Kunst im Bild“, will dem geneigten Leser unter Einsatz von Bildern die Kunst der europäischen Vorzeit nahebringen. Und gut, dass die Reihe nicht „Kunst im Text“ heißt – denn während die Bilder allesamt von guter Qualität und interessant anzuschauen sind, stellen sich die dazugehörigen Wortergüsse leider als ziemlicher Murks heraus.
Freilich, das Buch ist schon etwas älter, von 1985 nämlich. Doch auch von damaligen (Kunst-)Historikern hätte man eine gewisse Professionalität erwarten können, die der Autor Walter Torbrügge hier leider nicht an den Tag legt. Inwiefern? Zunächst wäre da der Aspekt des Aufbaus: Das Buch ist chronologisch in ein paar Zeitabschnitte gegliedert (Paläo- und Mesolithikum, Neolithikum, Bronze- und frühe Eisenzeit usw.), darin jedoch findet keine wirklich sichtbare Unterteilung statt. So hat man praktisch nie eine Vorstellung, in welcher Kultur man sich mit den gerade erörterten Kunstobjekten eigentlich bewegt, zumal der Autor hier eindeutige Zuordnungen meist konsequent vermeidet – so findet sich höchstens einmal im gesamten Buch das Wort „Linienbandkeramik“ (kleine Anmerkung für Nicht-Ur- und Frühgeschichtler: Das war die wichtigste Kultur des europäischen Neolithikums). Stattdessen wird ziemlich willkürlich zwischen einzelnen Kulturen gesprungen, ganz ohne Sinn für Zeit und Region. Besonders schön ist etwa die direkte Überleitung von der Zeit des Hellenismus zur Megalithkultur von Malta, bei der der unvorbelastete Leser denken wird, die maltesischen Megalithtempel seien während oder nach der Zeit der römischen Republik erbaut worden und nicht etwa Jahrtausende zuvor.
Der zweite große Kritikpunkt ist inhaltlicher Art: Nämlich hält der Autor starr, ja geradezu lächerlich ideologisch an dem Dogma fest, jegliche nennenswerte Kulturleistung im „primitiven“ Europa sei ein Import oder Imitat der Hochkulturen des Mittelmeerraums (was sich erstaunlicherweise durch alle Zeiten zieht). Mehr noch, der Autor ist sich nicht zu schade, gelegentlich Wörter wie etwa „barbarisch“ zu verwenden, wenn er die mitteleuropäischen Kulturen und all ihre Kunsterzeugnisse konsequent abwertet. „Insgesamt aber kann Europa sich noch nicht aus seinem prähistorischen Stadium lösen, es bleibt im Wesen barbarisch und Kostgänger der alten Hochkulturen und ihrer mediterranen Nachfolger“, so Torbrügge auf Seite 155, womit die sich durch das ganze Buch ziehende Kernaussage hinreichend zusammengefasst wäre. Ganz abgesehen davon hängt der Autor der weitverbreiteten Hybris mancher Altertumskundler an, stets ganz genau wissen zu meinen, was die Menschen früherer Zeiten genau dachten und glaubten. Die angeblichen kultischen Funktionen und Hintergründe verschiedener Objekte, bar jeder empirischen Grundlage, werden durchweg ganz selbstverständlich und meist ohne jegliche Relativierung, die einem Wissenschaftler gut zu Gesicht stünde, gepredigt.
Bei einem völligen Durchfall auf der inhaltlichen Ebene sind es letztlich allein die zahlreichen Bilder des auf hochwertigem Papier gedruckten Bandes, die an diesem einen gewissen Wert besitzen. Aber, diese Hypothese wage ich, solche dürften sich auch in inhaltlich qualifizierteren Werken finden.

Das Rätsel der Donauzivilisation

Die ersten Hochkulturen, das waren die Ägypter, Sumerer, vielleicht noch Elamer (wobei die allzu gerne vergessen werden). Doch eine wird stets unterschlagen – meint zumindest der Sprachforscher Harald Haarmann. Die Rede ist von der von ihm postulierten „Donauzivilisation“. Bereits im Neolithikum ab 6.000 v. Chr. soll auf dem Balkan eine beeindruckend hoch entwickelte Kultur existiert haben, die bereits lange vor den Sumerern die Verarbeitung von Metall, die Töpferscheibe und sogar die Schrift gekannt habe.
Freilich – Haarmann Thesen werden von der Fachwelt weitgehend zurückgewiesen, obgleich man ihn immerhin nicht in die Reihe der Pseudowissenschaftler und Geschichtsrevisionisten zählt. Was also ist zu halten von jener ominösen vorgeschichtlichen Kultur des Balkans?
Es handelt sich jedenfalls nicht um eine jener nie entdeckten, untergegangenen Zivilisation in Tradition von Atlantis und Lemuria, sondern vielmehr um einen Oberbegriff für mehrere archäologisch nachgewiesene Regionalkulturen (darunter etwa Winca, Karanovo und Cucuteni), die der Ur- und Frühgeschichte eigentlich wohlbekannt sind. Das Buch „Das Rätsel der Donauzivilisation – Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas“ gibt einen interessanten, weitgehend allgemeinverständlichen Einblick in diese. Präzise erläutert Haarmann etwa Architektur und Kleinkunst, soweit sie durch Ausgrabungen belegt sind. Auch zeigt der Sprachforscher etliche Wörter des Altgriechischen auf, manche von denen nur allzu bekannt, die sich als ein vorgriechisches (d.h. nicht indogermanisches) Erbe direkt von dieser „alteuropäischen“ Kultur herleiten. So weit, so interessant, so wenig revolutionär.
Worum also geht es bei den spezifisch neuen Aspekten Haarmanns und wie sind diese zu bewerten? Da wäre zum einen, ganz maßgeblich, die Schrift. Der wissenschaftliche Konsens geht dahin, die sogenannten Winca-Zeichen, die ganze zwei Jahrtausende vor der Keilschrift auftraten, nicht als vollwertige Schrift zu klassifizieren. Darüber kann man wohl streiten. Ich wage diesbezüglich zu behaupten, dass es sich um eine eher sinnlose Diskussion handelt, da der Übergang von primitiven Symbolsystemen zur richtigen Schrift wohl als fließend anzusehen ist – auch mit den ersten Keilschriftzeichen konnte man noch keine richtigen Texte schreiben.
Und dann wäre da noch der Aspekt der Kultur mit besonderem Fokus auf der Religion. Hier tritt der ansonsten relativ empirische Haarmann auf ganzer Linie aufs Glatteis. Aus rudimentären Fundstücken will er auf allerlei ziemlich explizite kultische und religiöse Bräuche und Vorstellungen schließen, die allesamt durchaus denkbar sind, aber schwerlich eindeutig aus den Funden hervorgehen. Auch seine Annahmen einer weitgehend egalitären und friedlichen Gesellschaft mit Gleichberechtigung der Geschlechter bis hin zu einer Sonderstellung der Frauen scheinen eher Wunschdenken denn archäologisch nachweisbare Fakten zu repräentieren – hier scheint deutlich die Tradition von Marija Gimbutas und anderen Vertretern der populärwissenschaftlich oft so genannten „Matriarchatstheorien“ durch (ein nicht ganz treffender Begriff, aber doch der damit am meisten assoziierte). Auffällig ist die allzu positive Darstellung der Donauzivilisation, was fast an die Konstruktion einer Utopie in ferner Vergangenheit denken lässt.
Es bleibt zudem ein weiterer Kritikpunkt: Obwohl Haarmann tatsächlich eine Minderheitsmeinung vertritt, präsentiert er alles so, als handle es sich dabei ganz um den allgemein etablierten Konsens, wie er unbestreitbar aus den neuesten Erkenntnissen hervorgegangen sei. Das erschwert für all jene, die das Buch ohne zumindest oberflächliches Vorwissen lesen, leider das Aufkommen quellenkritischer Aufmerksamkeit – stattdessen wird der laienhafte Leser glauben, Haarmann spräche repräsentativ für die ganze Zunft der Wissenschaft. Das gilt auch etwa für die These des Schwarzmeer-Durchbruchs als Ursprung sämtlicher Sintflut-Mythen, was gleichsam umstritten ist.
Im Fazit also macht „Das Rätsel der Donauzivilisation“ eine ziemlich mittelmäßige Figur: Ja, definitiv ist das Buch informativ, bietet es doch eine Einführung in eine höchst interessante, doch wenig bekannte alte Kultur. Das aber kann leider nur unter der Voraussetzung quellenkritischer Kompetenzen beim Leser geleistet werden, denn zu einem weiten Teil besteht das Werk aus bloßen eher unbelegten Spekulationen, die als wissenschaftlich etablierte Tatsachen präsentiert werden. Für einen Kenner der Ur- und Frühgeschichte, vor allem nach Lektüre dieser oder einer vergleichbaren Rezension, dürfte das Buch sehr wohl von Wert sein – bei Leichtgläubigen indes könnte es mehr Fehlvorstellungen als Bildung vermitteln.

Fossilien im Volksglauben und im Alltag

Seit meiner Kindheit interessiere ich mich für prähistorische Tiere und ihre Überreste, mittlerweile auch maßgeblich für Geschichte und alte Kulturen – wie großartig also, ein Sachbuch zu finden, das beide Themenbereiche kombiniert! „Fossilien im Volksglauben und im Alltag“ von Erich Thenius und Norbert Vavra, ein großformatiges Werk von 179 Seiten, könnte besser „Kulturgeschichte der Fossilien“ genannt werden, denn genau darum geht es: Wie Funde von Fossilien im Laufe der Geschichte rezipiert wurden – als Schmuckstücke von der Steinzeit bis heute, als mystische Heilsteine mit rätselhaften Kräften, als Ausstellungsobjekte und vieles mehr. Der erste größere Teil ist wohl auch der interessanteste. Hier geht es um die verschiedensten Glaubensvorstellungen, die v.a. im Volksglauben seit der Antike mit Fossilien verknüpft wurden: Belemniten („Donnerkeile“) als angebliche Pfeile von Alben, Ammoniten (der Name ist übrigens vom ägyptischen Gott Ammon/Amun abgeleitet) als sogenannte „Schlangensteine“, fossile Knochen als Überreste von Drachen und Einhörnern – die Liste ist lang. Fließend ist da dann der Übergang zur Rolle bestimmter Fossilien in der volkstümlichen „Medizin“ als Heilmittel gegen diverse Leiden. Weniger interessant hingegen sind die langen Kapitel zur Rezeption und Verwendung von Fossilien heute, von ihrer Verwendung als Schmuckstücke bis zur Dinomanie in allen Medien. Das ist zwar alles voller Informationen, aber wenig lehrreich, weil trocken und allzu oft doch wenig überraschend. Interessante Abschnitte wiederum behandeln etwa historische Fälschungen von Fossilien (von „Hydrarchos“ und dem Piltdown-Menschen bis zu den Steinen von Ica). Leider aber werden all diese für sich sehr interessanten Einzelfälle immer nur kurz und oberflächlich behandelt, sodass es für einschlägig informierte Leser nicht unbedingt etwas Neues gibt. Meiner Ansicht nach hätte das Buch viel gewonnen, wenn man die langen Passagen zur modernen Fossilienverwendung zugunsten von mehr zu diesen kuriosen Anekdoten und natürlich dem volkskundlichen Aspekt herausgestrichen hätte. Suboptimal auch, dass die unweigerlich immer wieder angeschnittenen grenzwissenschaftlichen Theorien vom Autor nicht ohne eine gewisse Selbstgerechtigkeit oft nur allzu plump abgetan werden – obgleich besagte Thesen meistens in der Tat nicht wissenschaftlich haltbar sind, so hätte man sich doch, wenn sie schon angeschnitten werden, eine etwas tiefere und ergebnisoffene Diskussion gewünscht. (Darüber hinaus sind in manchen Fällen Ausdruck und Orthografie etwas gewöhnungsbedürftig.)
Diese Kritikpunkte dürfen aber keinesfalls über die Gesamtbewertung des Buches hinwegtäuschen. Nicht nur die zahlreichen Bilder, die die Artikel allgegenwärtig illustrieren, machen es zu einer sehr interessanten Lektüre, sondern auch die gewaltige Masse an Aspekten und Hintergrundinformationen, gerade was die kulturhistorische Dimension und die Sagen zu den Fossilien angeht. Nicht perfekt, ja, aber trotzdem großartig.

Deadpool Killer-Kollektion: Bd. 11 – Held für Kopfgeld

Bei den Deadpool-Comics ist es immer ein Glücksspiel, was man geboten bekommt – so manche sind herrlich lustig und unterhaltsam, andere hingegen nur handlungsarm und trashig. Zu einer dritten Kategorie indes musste ich den 11. Band der sogenannten „Killer-Kollektion“ zählen, als ich diesen vor kurzem las. Der Comic von 144 Seiten enthält einen der ersten Erzählzyklen um den gestörten Antihelden aus dem Hause Marvel. So wird der Titelheld diesmal damit beauftragt, eine Gruppe von Mafiosis aus dem Weg zu räumen. Dabei trifft er unter anderem auf eine ganze Reihe erstaunlich attraktiver Frauen und schließlich noch einen Teenager, der zum kurzzeitigen Sidekick avanciert. Könnte eine wunderbare Geschichte werden, wird es aber nicht. Leider nämlich schafft der Comic es nicht, den Leser (d.h. mich) wirklich zu fesseln. Ungewohnt für Deadpool gibt es diesmal sogar eher wenig Action und Gewalt zu sehen – bisweilen werden Mordszenen sogar ausgeblendet. Das wäre kein Problem, wenn das Werk stattdessen mit Handlung oder Humor punkten könnte. Tut es aber leider nicht. Die Handlung ist eher flach, es mangelt an dem in manch anderen Comics so großartigen Humor. Zwar liest sich der Band recht flüssig, aber ohne wahren Genuss. Wie bei jedem Comic Respekt für den Zeichner – aber das war’s leider auch schon, denn die „Killer-Kollektion“ hat auch ohne konkrete Schwächen schlichtweg nichts, das sie sonderlich interessant machen würde. Und um mit einem letzten Kritikpunkt zum Abschluss zu kommen: Die meisten der auf dem Cover des Bandes abgebildeten Gestalten kommen darin nicht einmal vor.

Skulduggery Pleaant 10: Auferstehung

Eigentlich sah es so aus, als sei Derek Landys großartige Fantasy-Reihe „Skulduggery Pleasant“ nach Band 10 („Das Sterben des Lichts“) beendet. Doch dann erschien unerwartet noch ein Teil mit dem wohl mehr selbstreferentiellen als inhaltlich bedingten Titel „Auferstehung“.
Dieser elfte Band nun spielt mehrere Jahre nach dem letzten – Protagonistin Walküre kehrt nach längerer Abwesenheit wieder nach Irland zurück, noch immer traumatisiert von ihren vorigen Erlebnissen. Wie zu erwarten, zieht Skulduggery sie gegen ihren Willen in einen neuen Fall hinein: Eine Gruppe skrupelloser und gefährlicher Magier will allem Anschein nach einen Krieg mit den Sterblichen provozieren und darüber hinaus einen längst vergessenen Feind reaktivieren. Die Protagonisten ziehen schließlich noch den vierzehnjährigen Schüler Omen Darkly aus Roarhaven hinzu – zunächst nur für eine kleine Aufgabe, doch wie zu erwarten bleibt es nicht dabei.
Man kommt natürlich nicht darum herum, diesen Band mit den vorigen zu vergleichen. Während der Stil mit den oft amüsanten Dialogen ebenso wie das grundlegende Setting gleich bleiben, fällt schließlich vor allem eines auf: Dieser Teil lässt sich deutlich mehr Zeit als die vorigen – anders als jene handelt es sich nicht erneut um eine weitgehend abgeschlossene Geschichte, sondern vielmehr um den Auftakt zu weiteren Bänden. Insofern (Verzeihung für den Spoiler) ist hier nicht mit einer letztendlichen Auflösung zu rechnen. Man kann zwar schwerlich von Längen sprechen, denn das Buch liest sich sehr wohl flüssig und durchweg unterhaltsam, doch nicht ganz so dynamisch wie die vielen Teile zuvor.
Es gibt zahlreiche interessante neue Charaktere und Thematiken, die die Welt der Bücher durchaus bereichern. Nur Omen Darkly (der womöglich als neuer Hauptprotagonist aufgebaut werden soll?) bleibt relativ eindimensional; er entspricht weitgehend dem Stereotyp des fachlich und sozial erfolglosen Zauberschülers, der unter seiner Bedeutungslosigkeit leidet, was leider allzu oft thematisiert wird – schade. Ein wenig vermisste ich auch die epischen Auseinandersetzungen, die sich in den letzten Bänden mit netter Regelmäßigkeit fanden, doch was das angeht, dürfte auf die kommende Fortsetzung wohl wieder Verlass sein.
Das alles zusammen ergibt ein hervorragendes, gerne zu lesendes Buch, dessen Qualität aber doch hinter den anderen Bänden zurückbleibt. Doch was das angeht, dürfte man wohl mittlerweile auch etwas verwöhnt sein – ich habe schon schlechteren Büchern fünf Sterne bei Amazon gegeben.

Origin

„Origin“ ist das neueste Werk von Dan Brown und der fünfte Teil seiner Robert-Langdon-Reihe (nach „Illuminati“, „Sakrileg“, „Das verlorene Symbol“ und „Inferno“). Kernpunkt der Handlung diesmal – nicht weniger als die vielleicht größte Erkenntnis der Wissenschaftsgeschichte, die alle Religionen in ihren Grundfesten erschüttern soll. Das zumindest verspricht der geniale Futurologe und Atheist Edmond Kirsch, doch seine große Präsentation wird unerwartet unterbrochen. Nun ist wieder einmal Robert Langdon, selbst langjähriger Freund Kirschs, gefragt – im Wettlauf gegen die Zeit, Polizei und Killer auf den Fersen, versucht er auf eigene Faust das revolutionäre Geheimnis zu lüften …

Mit dieser Konstellation funktioniert „Origin“ ganz klar nach demselben Erfolgsrezept wie alle vorigen Bücher des Autors: Eine atemlose Schnitzeljagd zwischen (Kunst-)Geschichte und modernen Themen, die schon an Science-Fiction grenzen, haufenweise gut recherchierte Hintergründe zu beidem, eine extrem verdichtete Handlung mit mehreren Schauplätzen, natürlich Intrigen und Verschwörungen (bis hinauf ins spanische Königshaus), wie immer der Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft mit einem Kernthema, das nicht spektakulär genug sein kann – und natürlich manch erschreckender Plot-Twist am Ende. Es hat seinen Grund, dass dieses Konzept einen Bestseller nach dem anderen hervorgebracht hat – und auch dieses Mal funktioniert es. Flüssig und hochspannend lesen sich die 672 Seiten dahin, großartige Unterhaltung von der ersten bis zur letzten Seite.
Auf der negativen Seite stehen dagegen eher Kleinigkeiten: Etwa dass Langdon (und somit indirekt der Autor?) diesmal nur allzu deutlich Position für einen Ausgleich zwischen Religion und Wissenschaft bezieht und beide als gleichberechtigte Alternativen mit jeweiligen Extremisten darstellt . Auch fehlen praktisch vollkommen Bezüge zur Handlung der vorherigen Bände, auch dort, wo sich diese eigentlich zwangsläufig ergeben sollten. Man kann sich auch fragen, weshalb bei einem Hardcover für stolze 28 € nicht einmal ein Lesebändchen drin ist, aber da kann der Autor ja nichts für. Kein Kritikpunkt für mich sind indes die teils sehr umfangreichen Informationspassagen – das ist Geschmackssache, doch meinen Geschmack trifft es. Nicht zuletzt wäre da natürlich der Aspekt, der eigentlich vielmehr als Genialität zu betrachten ist: Es ist oft genug fast unmöglich, zwischen Fakt und Fiktion zu unterscheiden. Mehr noch als die Leser dürfte sich allenfalls die spanische Tourismusbranche über das Werk freuen, das einem manch bislang unbekannte Sehenswürdigkeit schmackhaft macht.