Margiana: Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan

Die alte Margiana, auch als Oxus-Zivilisation bekannt – nicht gerade einer jener frühen Hochkulturen, die im allgemeinen Bewusstsein sonderlich verankert sind. Doch nichtsdestotrotz beeindruckend und zu Unrecht kaum bekannt: Bereits im 3. Jahrtausend vor Christus entstanden im heutigen Turkmenistan gewaltige Städte mit quadratischen Plänen und mächtigen Mauern, mit Abwasserleitungen aus Ton und prächtig ausgestatteten Königsgräbern, die allesamt in den letzten Jahrzehnten ergraben wurden. Dieser faszinierenden Zivilisation und ihrer mangelnden Bekanntheit trägt die Ausstellung „Margiana – Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan“ Rechnung, die erst in Berlin und Hamburg, in Kürze auch in Mannheim zahlreiche Originalfunde der deutschen Öffentlichkeit präsentiert. Nicht nur die Ausstellung selbst ist empfehlenswert, sondern auch der dazugehörige Katalog selben Namens.
Ein guter Teil des ersten Viertels ist dabei zunächst der Vorstellung des Landes Turkmenistan und seiner großen Museen gewidmet – der schwächste Teil. Man merkt stark die charakteristischen Komplexe einer noch jungen Republik, die auf ihrer Suche nach Identität noch dabei ist, das eigene archäologische Erbe zu erschließen und zu vereinnahmen – ein Stadium, das schon viele Länder durchgemacht haben, das unsere eingeschlossen. In unseren Augen kurios ist etwa, wenn in einem Beitrag der turkmenische Staatschef mehrfach charakteristisch als der „geschätzte Präsident“ bezeichnet wird und auch sonst oft von „dem turkmenischen Volk“ und seinen Traditionen gesprochen wird. Ja, letztlich handelt es sich bei einem Teil des Werkes deutlich um turkmenische Nationalpropaganda – doch das vermag die Qualität des archäologischen Teils nur wenig zu tangieren. Im Anschluss folgt ein anschauliches Panorama der Erforschung und der Funde der Margiana, reich bebildert und gut geschrieben. Man erfährt einiges über die gefundenen Städte und ihren Aufbau, die Kunst in Form faszinierender Siegel und Figurinen, die beeindruckenden Funde der Königsgräber (z.B. ganze Wagen und bis zu zwei Meter lange Steinstäbe), nicht zuletzt die Einbettung der Oxus-Zivilisation in ein weites Handelsnetz, was etwa gefundene Roll- und Stempelsiegel aus Mesopotamien und der Indus-Kultur belegen.
Die zweite Hälfte wird vom Katalog der Objekte eingenommen, die in der Ausstellung gezeigt wurden – vollständig, in hervorragenden Fotos präsentiert, ein jedes noch eingehender erläutert. Abgerundet wird der Band durch eine Reihe großartiger Fotografien, die die renommierte Fotografin Herlinde Koelbl im Zuge der Ausstellungsvorbereitung in Turkmenistan von Land und Leuten machte.
All das macht „Margiana – Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan“ zu einem gleichsam fachlich wie technisch hochwertigen Panorama einer mehr als zu Unrecht vergessenen Hochkultur, wahrscheinlich bis auf Weiteres die einzige solche Publikation auf dem deutschen Markt.

Die Himmelsscheibe von Nebra

Sie ist wahrscheinlich der prominenteste Fund deutscher Archäologie der letzten Jahrzehnte: Die sogenannte „Himmelsscheibe von Nebra“. Nicht nur das beeindruckende Objekt selbst und die effektive Vermarktung haben zu ihrem Ruhm beigetragen, sondern nicht zuletzt die spektakuläre Auffindungsgeschichte, die ohne Weiteres ein literarischer Thriller hätte sein können. Unter dem unmissverständlichen Titel „Die Himmelsscheibe von Nebra: Der Schlüssel zu einer untergegangenen Kultur im Herzen Europas“ hat nunmehr Harald Meller, „Finder“, Verwahrer und Vermarkter der Himmelsscheibe, zusammen mit Kai Michel eine massentaugliche Monographie darüber verfasst.
Der erste Teil des Werkes ist der Himmelsscheibe selbst gewidmet: Die Geschichte ihrer Auffindung und Sicherstellung aus dem Raubhandel, allzu literarisch und damit außerordentlich packend und spannend erzählt, dann die Ergebnisse der zahlreichen daran durchgeführten Untersuchungen – nicht zuletzt, um vor Gericht die Echtheit und Bedeutung des Stückes zu beweisen – und schließlich auch die astronomische Interpretation. Letztere ist natürlich ein hochumstrittenes Thema, doch abseits der zahlreichen pseudowissenschaftlichen Erklärungsversuche scheint jene Deutung, die auch Meller & Co. präferieren, absolut plausibel. Im Anschluss an die Himmelsscheibe selbst werden weitere beeindruckende Fundkomplexe der sogenannten Aunjetitzer Kultur (v. a. mehrere Fürstengräber in Grabhügeln sowie Hortfunde) beschrieben, hochinteressant gleichsam die Funde, ihre Interpretation und die anschaulich dargestellte Forschungsgeschichte. Aus alldem (und weiteren Argumenten) schließt Meller die Existenz eines Königreiches schon in jener frühen Bronzezeit, das von einer mehrere Jahrzehnte währenden Dynastie geführt wurde. Vermutlich dürfte es dieser Punkt sein, an dem sich die übrige Fachwelt am ehesten reiben wird: Inwieweit die Belege ausreichen, ein wohlsituiertes Fürstentum, das zweifellos existiert hat, als „Königreich“ von größeren Ausmaßen zu deuten, mag zumindest zweifelhaft sein. So ist doch Harald Meller, selbst Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt, auch aus anderen Forschungen bekannt für teils sehr spektakuläre Entdeckungen, deren Interpretation nicht immer ganz so eindeutig ist wie behauptet (z.B. die allzu detailliert „rekonstruierten“ „Ehrenmorde“ von Eulau).
Den teils recht sensationalistischen Charakter merkt man dem Buch bisweilen auch an, gerade in Bezug auf die Sicherstellung der Himmelsscheibe, die Rekonstruktion des mutmaßlichen Königreiches und die Spekulationen zur Herkunft des Objekts. All dies muss nicht falsch sein, ja ist in weiten Teilen durchaus plausibel, doch vielleicht manchmal etwas zu pathetisch aufbereitet – wobei gerade dies bisweilen durchaus ironisch erscheint. Oft hat man als Leser auch das Gefühl, der Ur- und Frühgeschichtler Meller leide als solcher unter gewissen Komplexen angesichts der frühen Hochkulturen in anderen Kulturkreisen (z.B. Mesopotamien), denen eine zwar nicht gleichartige, aber doch respektable „Alternative“ gegenübergestellt werden soll.
All dies vermag jedoch nicht über ein letztlich sehr informatives populärwissenschaftliches Sachbuch über eine hochinteressante Kultur der europäischen Bronzezeit mit ihren beeindruckenden Hinterlassenschaften hinwegzutäuschen. Besonders ist die anschauliche Kombination von Funden und Forschungsgeschichte zu loben, gerade auch bei den Aunjetitzer Fürstengräbern. Was hingegen eher fehlt, ist eine Darstellung der weniger spektakulären Fundstellen der Aunjetitzer Kultur: Siedlungen und Gräberfelder, gibt es so etwas überhaupt? Obgleich ansonsten sehr informativ und anschaulich, bleibt so doch ein nicht unwesentlicher Teil jener Kultur im Dunkeln, worüber man gerne mehr erfahren hätte. Wie jede auf den ersten Blick sensationelle Publikation der Archäologie sollte man auch „Die Himmelsscheibe von Nebra“ unbedingt kritisch lesen, doch lohnen tut sich die Lektüre auf jeden Fall.

Wurde Amerika in der Antike entdeckt?

„Wurde Amerika in der Antike entdeckt?“ Der Name des Buches von Hans Giffhorn deutet bereits eine weitere jener längst zahlreichen Theorien zu präkolumbischen Kontakten zwischen alter und neuer Welt an, die letztlich seit Kolumbus‘ (Wieder)Entdeckung, vor allem aber seit dem 19. Jahrhundert blühen. Der Großteil besagter Theorien ist längst entweder widerlegt oder wies von Anfang an zu wenig konkrete Belege auf, als dass man sie widerlegen könnte. Anders bei Giffhorn: Bei ihm waren es ausnahmsweise nicht Ägypter, Phönizier oder gar die verlorenen zehn Stämme Israels, sondern iberische Kelten des zweiten Jahrhunderts vor Christus, womöglich gemeinsam mit den letzten Karthagern und Ureinwohnern Mallorcas, die bereits über tausend Jahre vor den Wikingern den Atlantik überquert haben sollen, um im Andengebiet die Zivilisation der Chachapoya zu begründen. Was wie eine weitere pseudowissenschaftliche These klingt, stellt sich tatsächlich als wohlfundierte Theorie heraus. Das sieht man nicht allein am Mann Hans Giffhorn, Professor für Kulturwissenschaften, oder dem angesehenen C. H. Beck-Verlag (der immerhin auch schon die weniger seriösen Bücher eines Harald Haarmann herausbrachte …), sondern schlichtweg am Inhalt:
Stück für Stück werden die Belege dargelegt, die für einen – und zwar nur diesen – Kontakt sprechen: Neben wirklich markanten und sogar in Details spezifischen Kulturparallelen (fast identische Häuser, Steinschleudern, Schädeltrepanationen etc.) etwa der Nachweis von Tuberkulose in zahlreichen Mumien der Chachapoya (eigentlich eine Alte-Welt-Krankheit, soweit bisher bekannt), eine keltisch erscheinende Messingaxt im brasilianischen Regenwald (tatsächlich von richtigen Wissenschaftlern untersucht und datiert), an die iberische Schrift erinnernde Felszeichnungen in Brasilien, ein Bericht über die Entdeckung eines Landes im Westen durch die Karthager bei Diodor und nicht zuletzt das auffällige Vorkommen hellhäutiger, dabei rot- oder braunhaariger Menschen in abgelegenen Populationen peruanischer Ureinwohner ohne Kontakt zu Europäern – und gleichsam DNA-Tests, die die Herkunft der entsprechenden Gene aus der alten Welt, mit hoher Wahrscheinlichkeit gar Nordspanien belegen.
Es ist nicht die Art Argumente, die man von Grenzwissenschaftlern gewohnt ist – nicht vordergründig spektakuläre Einzelfunde mit unklarem Fundkontext, nicht vage Parallelen, die genauso gut durch Zufall zu erklären wären. Gerade die Messingaxt macht diesen Unterschied deutlich – obwohl, wenn authentisch, ein allzu schlagkräftiger Beweis, verlässt sich Giffhorn nicht darauf, sondern argumentiert so weiter, als gäbe es sie nicht. Bei all seinen Beweismitteln wird nicht gegen, sondern in Zusammenarbeit mit entsprechenden Fachexperten der jeweiligen Wissenschaften gearbeitet; statt einschlägigem Wissenschaftler-Bashing vielmehr differenziert auf bestehende Probleme in den etablierten Theorien und Machtstrukturen hingewiesen. Der Stil ist dabei sachlich und systematisch, nicht sensationalistisch oder nicht stringent wie bei „unkonventionellen“ Theorien oft zu beobachten, immer bedacht auch auf Hinterfragung der eigenen Schlüsse und ihre Absicherung durch alle denkbaren Studien. (Es muss ein herber Schlag für alle Autoren der sogenannten „alternativen Archäologie“ sein, diese Erkenntnis, dass man derartige Theorien tatsächlich auch nach wissenschaftlichen Standards vorbringen kann.)
In der zweiten Hälfte des Buches wird ein hypothetisches Szenario entworfen, wie die Auswanderung der Kelten und Karthager abgelaufen sein könnte. Bei alledem bleibt Giffhorn, obgleich er viele Leser bereits überzeugt haben dürfte, noch immer so vorsichtig, von einer Theorie zu sprechen, auf der weitere Forschungen aufbauen können und sollten, nicht etwa von der längst bewiesenen Wahrheit.
Trotz allgemein kritischer Grundeinstellung (siehe meine anderen Rezensionen) vermochte ich weder mit gesundem Menschenverstand, noch mit Fachwissen oder einer Internetsuche nach Gegendarstellungen plausible Einwände finden, die die vorgebrachte Theorie, ihre Belege oder die Methode der Beweisführung entkräften würden. Die offenkundige Zusammenarbeit des Autors mit zahlreichen anerkannten Experten lässt auch die – niemals leichtfertig zu postulierende, aber immer in Betracht zu ziehende – Möglichkeit schlichter Lügen und Falschinformationen unwahrscheinlich erscheinen. Man kann im Endeffekt nur hoffen, dass in Zukunft endlich weitere, dann umfangreiche und offizielle Forschungen sich der Thematik annehmen. Denn „Wurde Amerika in der Antike entdeckt?“ ist eben kein Teil der Grenz- und Pseudowissenschaft, die das Thema präkolumbische Amerika-Kontakte seit langem für sich gepachtet haben, sondern schlichtweg Wissenschaft über eine unkonventionelle Theorie, der bis auf Weiteres nur die wohl gehegten Traditionen unseres Geschichtsbildes im Wege stehen.

Zipfelmützengötter

Was der ungewöhnliche Titel „Zipfelmützengötter“ von Petrus van der Let verspricht, klingt erst einmal interessant: Eine über zahlreiche Kulturen hinweg fassbare Tradition von Kindsgottgestalten, die vor allem immer wieder durch ihre Zipfelmützen auffallen – und das ganze noch eingebettet in eine psychologische Erklärung für die Religion als solche. Im Endeffekt ist das Buch, keine zweihundert Seiten lang, recht gut lesbar, aber doch eine ziemliche Enttäuschung.
Die Grundprämisse, ganz zu Beginn vorgestellt, ist folgende: Viele unserer Mythen, die ja auch auf der ganzen Welt ähnliche Züge aufweisen, wurzeln tatsächlich in den ebenso parallelen Erlebnissen im Säuglingsalter, das noch durch eine ganz spezifische Art der Wahrnehmung geprägt ist – so vermögen Babys etwa noch nichts in größerer Entfernung wahrzunehmen. Die Parallelen zu manchen tatsächlichen Mythen klingen dann auch fast recht plausibel. Doch sind derartige Ansätze schon a priori mit Vorsicht zu genießen: Der genaue Wirkzusammenhang zwischen kindlicher Erfahrung und Mythenbildung ist nicht nur nicht nachgewiesen; es fehlt auch an einem plausiblen Kausalitätskonzept, so naheliegend die bloßen Parallelen im Ergebnis auch wirken mögen. Angesichts dieser Abseitsstellung von jeglicher empirischer Beweisführung sind derartige Theorien folglich auch weder be- noch widerlegbar, ergo nicht mehr so wirklich wissenschaftlich. Denkbar sind solche Beziehungen durchaus, auszuschließen keineswegs – doch müsste zunächst die Methodik eines Nachweises entwickelt werden, um die Theorie der (Beinahe-)Esoterik zu entreißen.
Doch zurück zum Buch – das nämlich kommt nach der Einleitung tatsächlich kaum noch auf jenes Grundthema zurück. Vielmehr werden in mehr oder weniger assoziativer Aneinanderreihung zahlreiche mythische, mehr aber noch historische Themen aus verschiedenen Zeitaltern erläutert, die alle einen vagen – und die Betonung liegt auf „vagen“ – Bezug zu Zipfelmützen haben. Angefangen bei der Geschichte des Gottes Mithra – also erst ziemlich spät, den gesamten alten Orient trotz umfangreichen Potenzials ausklammernd – geht es weiter durch die gesamte europäische Geschichte bis hin zu den Jakobinern der Französischen Revolution, den protofaschistischen Fantasien eines Jörg Lanz von Liebenfels und dem Ku-Klux-Clan … weil die auch alle mal irgendwie Zipfelmützen trugen. Zumindest zeitweise. Manchmal. Die ursprüngliche Hypothese, die sich ja schon qua Klappentext eher auf Mythen zu beziehen schien, gerät dabei ziemlich aus dem Blickfeld. Die einzelnen Abschnitte sind dann schließlich auch oft extrem wertend, ja bestehen mitunter aus einer schon voyeuristisch zu nennenden Ausschlachtung verschiedener historischer Übel. Das Ganze geschieht zwar aus einer religions- und faschismusfeindlichen Perspektive, der ich mich ideologisch anzuschließen vermag, doch in einem Sachbuch mit eigentlich anderem Thema hat es in dieser Form trotzdem wenig zu suchen. Was die sachliche Richtigkeit der Informationen angeht, scheint ein Großteil recht solide (vielleicht nur mangels besserer Kenntnisse des Lesers?) – mehr als pseudowissenschaftlich kommt indes die kurze Erwähnung des Diskos von Phaistos relativ am Anfang daher, der ganz selbstverständlich als mittlerweile übersetzt präsentiert wird – diametral entgegengesetzt zum tatsächlichen Faktum eines archäologischen Rätsels, an dem sich schon Generationen von Forschern die Zähne ausgebissen haben.
Am Ende fragt man sich also, was das Buch eigentlich bezwecken wollte. Vom Hauptthema wurde schon ziemlich schnell abgewichen, nur um dann mehr oder minder informativ ein Reihe relativ willkürlich ausgewählter Episoden der Geschichte etwas näher darzustellen, was sporadisch mitunter durchaus lehrreich sein kann (wenn sich dahinter nicht noch weitere große Fehler wie beim Diskos von Phaistos verbergen), aber nicht wirklich größeren Kontext hat. Was es dann am Ende tatsächlich mit den „Zipfelmützengöttern“ auf sich hat, darf der Leser sich nach einer nur geringen Zahl wirklicher Beispiele fortan selbst erschließen.

Unsolved Mysteries: Die Welt des Unerklärlichen

Liebhabern des Mysteriösen, der sogenannten „alternativen Archäologie“, sind sie wohlbekannt: die Tonfiguren von Acambaro aus Mexiko, von denen einige aussehen wie Dinosaurier; jener in Felsgestein eingeschlossene Eisenhammer, der angeblich aus der Kreidezeit stammen soll; die vielen Figurinen aus Südamerika, die aussehen wie Astronauten in Raumanzügen … Inzwischen haben sich viele dieser mysteriösen Relikte angesammelt, zusammengetragen von Anhängern der Prä-Astronautik, Kreationisten, modernen Geheimnisjägern. Genug auf jeden Fall, dass Klaus Dona im Jahr 2001 die Ausstellung „Unsolved Mysteries – die Welt des Unerklärlichen“ ins Leben rief, die für eine begrenzte Zeit zahlreiche Originale dieser Stücke erstmalig in Europa versammelte.
Nicht zuletzt aufgrund meines damaligen Alters von rund drei Jahren war es mir nicht möglich, die Ausstellung zu besuchen – doch wie die meisten anderen archäologischen Ausstellungen brachte auch „Unsolved Mysteries“ einen Katalog heraus, der reich bebildert und kommentiert die zahlreichen Exponate darstellt. Es bedurfte einer gewissen Mühe, das Buch im Internet-Gebrauchthandel aufzustöbern, da es längst nicht mehr nachgedruckt und aufgrund von Namensähnlichkeiten gerne einmal verwechselt oder missverständlich angeboten wird. (Einigermaßen auf der sicheren Seite ist man mit der ISBN 3-9501474-0-3, zumal auch kein alleiniger Autor oder Herausgeber genannt ist.)

Ganz egal, ob man Anhänger der fraglichen Theorien ist oder nicht, ist der Katalog doch eine Bereicherung, schon allein durch die Darstellung so vieler einzelner Stücke mitsamt Bildern, mehr als in den üblichen Monographien des Genres der grenzwissenschaftlichen Archäologie. Insofern eignet es sich zu dem Thema gut als oberflächliches Nachschlagewerk.
Doch wie ist es um den Sachinhalt bestellt? Wie viele Ausstellungskataloge gliedert sich das Buch in zwei Hälften: Einen mit Artikeln zu verschiedenen Themen, geschrieben teils von bekannten Autoren des Genres, sowie einen zweiten mit dem Katalog der Objekte. Die Autoren des Katalogteils bleiben ungenannt – auf jeden Fall aber dürfte Reinhard Habeck (der auch als Mitherausgeber fungiert) einen maßgeblichen Teil dazu beigesteuert haben, scheint doch die Beschreibung eines der „Astronauten“ fast wortgleich mit der in seinem Buch „Dinge, die es nicht geben dürfte“.
Die Texte des ersten Teils sind von sehr unterschiedlicher Qualität. Besonders die ersten leiden alle an einem recht simplen Sprachstil, der vielleicht in Hinblick auf Massentauglichkeit gewählt wurde. Einigermaßen fundiert und interessant geschrieben sind die Beiträge über Prä-Astronautik und Cargo-Kulte von Ulrich Dopatka und Peter Fiebag/Horst Dunkel, ebenso Andrew Collins‘ Abschnitt über die Pyramiden. Andere wie die Artikel über die Funde von Acambaro und Glozel bleiben ziemlich schlicht und oberflächlich. Highlight ist indes das von dem berüchtigten Neokatastrophisten Hans-Joachim Zillmer verfasste Kapitel, in dem dieser wieder einmal versucht, die Evolution mit Funden und Behauptungen zugunsten einer fast kreationistischen Katastrophentheorie zu widerlegen. Nicht nur, dass er dabei (wie zu erwarten) wissenschaftliche Fakten ignoriert oder einfach ablehnt, gegen eine Strohpuppe der Wissenschaft aus dem 19. Jahrhundert argumentiert und längst widerlegte Beweise präsentiert: Auch zitiert er gerne andere Autoren, die darin nur wieder ihn selbst zitieren und loben. Am erstaunlichsten ist indes die Erwähnung einer alten Tonfigur (S. 37) – im Rahmen einer Aufzählung von Funden gleich zweimal, wortwörtlich identisch!

Doch zeugt dieser Schnitzer nun von Zillmers Inkompetenz oder vielmehr von der des Lektors? Letzterem ist ganz bestimmt kein Vorwurf zu machen, müssen wir doch in Anbetracht des Gesamtwerkes davon ausgehen, dass er höchstwahrscheinlich nicht existierte. In der Tat nämlich strotzt das Buch vor Fehlern – neben diversen inhaltlichen (womit gar nicht einmal die zentralen argumentativen Knackpunkte gemeint sind, sondern vor allem die Kleinigkeiten) vor allem auch zahllose orthografische in vielerlei Form. Mit Fug und Recht kann man da von einem lieblos und schlampig zusammengestellten Werk sprechen.

Und der Katalogteil? Die Fotografien sind samt und sonders mittelmäßig – einigermaßen akzeptabel noch, aber nicht ansatzweise dem gewohnten Standard von Ausstellungskatalogen entsprechend (zumal alle Stücke offensichtlich in der Ausstellung und nicht etwa in einem professionellen Studio fotografiert wurden). Doch sie erfüllen ihren Zweck und bieten doch eine hinreichende Illustration zahlreicher erstaunlicher Themen: Neben Astronauten-Figurinen und Kristallschädeln auch eine ganze Reihe mutmaßlicher Belegstücke für präkolumbische Kontakte zwischen alter und neuer Welt, etliche Stücke aus einschlägig bekannten Sammlungen wie der Burrows Cave und der „Metallbibliothek“ des Pater Crespi, erstaunliche Stücke des Fundortes Glozel (Frankreich) und eine beträchtliche Zahl solcher vor allem aus Südamerika, die nicht von grenzwissenschaftlicher Relevanz sind, sondern einfach nur erstaunlich. Nicht zuletzt ist es den Ausstellern gelungen, die bekanntesten Exponate des berüchtigten Creation Evidence Museums in Glen Rose, Texas, für ihre Ausstellung zu entleihen – zwar alle längst als stumpfe Fehlinterpretationen enttarnt (siehe etwa die Website von Glen Kuban), die nicht ansatzweie ihren Anpruch einlösen, die etablierte Erdgeschichte zu widerlegen, doch nichtsdestotrotz berühmt in diesem Genre. Schade ist indes, dass die meisten der Acambaro-Figuren ohne Abbildung bleiben, was die Beschreibungen der Einzelstücke ziemlich öde und beliebig macht. Positiv zu erwähnen sind indes die peniblen Daten wie Größe sowie Fund- und Aufbewahrungsort aller Stücke, während die beistehenden Texte hingegen eher oberflächlich bleiben.

Fachlich bzw. wissenschaftlich war von Anfang an nicht viel von dem Katalog „Unsolved Mysteries“ zu erwarten – natürlich wird nicht auf dem Stand der tatsächlichen Erkenntnisse berichtet und argumentiert, der doch über einige der Stücke und Themen längst hinweggegangen ist. Gleichzeitig wird ein Spagat versucht zwischen mysterienfreundlichem Agnostizismus (Habeck), fanatischem Geschichtsrevisionismus (Zillmer) und einer noch relativ konventionell ausgerichteten Erzählerinstanz mancher Einleitungen. Handwerklich enttäuscht das Werk durch die zahlreichen Fehler. Immerhin als zweitklassige Zusammenstellung so vieler bebilderter Funde taugt es doch etwas – zumindest, solange auf dem Markt keine erstklassige existiert. Beim Gebrauchtkauf sollte man einfach ein Angebot für unter einen Euro abwarten (wie ich es tat) – dann lohnt es sich auf jeden Fall.

Hell Hound

Bildergebnis für hell hound festaWas mag im Kopfe eines amoralischen, aber hoch intelligenten Kampfhundes vor sich gehen?
Diese Frage stellt – und beantwortet – Ken Greenhall in seinem Roman „Hell Hound“, Jahrzehnte nach der ersten Veröffentlichung nun erstmalig auf Deutsch erschienen in der Reihe „Pulp Legends“ des Festa-Verlags.
Wir folgen der Geschichte von Baxter, einem Bullterrier, der sich einfach mehr vom Leben verspricht als die stumpfsinnige Existenz im Besitz einer alten Dame. Was wäre, wenn die alte Frau eines Morgens oben an der Treppe stünde und plötzlich von hinten einen Stoß gegen ihre Beine bekäme? Der Mord, den Baxter wie ein Unfall aussehen lässt, führt ihn zu einem netten jungen Pärchen – bei dem er wenig später durch ein Baby fatale Konkurrenz bekommt. Und wieder sieht Baxter sich gezwungen, das Schicksal in die eigene Pfote zu nehmen, bis er schließlich bei einem 13jährigen Nazi landet, der ihn, von Gewalt fasziniert, schnell ins Herz schließt – doch obwohl und gerade weil die beiden einander besser verstehen als alle anderen zuvor, zeichnet sich eine fatale Entwicklung ab …

Wie schon der erste Teil der Reihe, Komm, wir spielen bei den Adams von Mendal W. Johnson, klingt auch „Hell Hound“ auf den ersten Blick nach einem trashigen Splatterfest, stellt sich dann aber als wohlinszenierter Psychothriller heraus. Das Buch ist mit seinen rund 200 Seiten schnell durchgelesen, zumal sehr flüssig und unterhaltsam zu lesen. Die oft eher einfachen Sätze zeugen eher von bewusstem Stil als Unvermögen des Autors, wie die bisweilen doch raffinierten Gedanken und Formulierungen durchblicken lassen. Mit ständigem Perspektivwechsel schafft Greenhall ein lebendiges Panorama der verschiedenen Charaktere, die doch alle irgendwie individuell und lebendig wirken, weitgehend ab von Klischees und über die ganze Länge des Werkes gut entwickelt und in Beziehung gesetzt. Freilich am faszinierendsten sind natürlich Baxter selbst und der gestörte Junge, der sein dritter Besitzer wird. Natürlich ist kaum zu sagen, wie realistisch die Gedanken eines Hundes wiedergegeben sind – doch ohne Zweifel gelingt Greenhall eine glaubwürdige Darstellung des zwar amoralischen, letztlich aber doch wieder verständlichen Bullterriers. Das Ende schließlich ist bitterböse und überraschend, ein bedrückender Zirkelschluss des eskalierenden Dramas. Wer also genug hat von harmloser Tier-Fantasy für Kinder, der dürfte mit dem düsteren und atmosphärisch dichten „Hell Hound“ von Ken Greenhall gut beraten sein.

Komm, wir spielen bei den Adams

Die 70er bis 90er Jahre brachten in den USA eine Flut trivialer Horrorromane hervor, von denen die meisten so schnell wieder vergessen wurden, wie sie erschienen. Eine Handvoll indes blieb zumindest Kennern als literarische Perlen in Erinnerung – und ebendiese sind es, die der Festa-Verlag nunmehr in der neuen Reihe „Pulp Legends“ als limitierte Sammlerausgaben zu veröffentlichen beginnt. Den Anfang der Serie macht der Psychothriller „Komm, wir spielen bei den Adams“ von Mendal W. Johnson.

Bildergebnis für komm wir spielen bei den adamsBarbara ist eine herzensgute, wenngleich etwas naive Studentin, die sich nichts Böses davon verspricht, als Babysitter für zwei Kinder einzuspringen, als die Eltern für eine Woche verreisen. Die Geschwister und deren Freunde haben sich jedoch einen teuflischen Plan in den Kopf gesetzt, um endlich einmal der ständigen Bevormundung durch die Erwachsenen zu entgehen. Am nächsten Morgen wacht Barbara gefesselt auf – die fünf Jugendlichen wollen sich eine schöne Woche machen und dabei die unglückselige Babysitterin gefangen halten. Schon bald aber beginnt die Situation zunehmend zu eskalieren, als die Kinder sich ihrer Macht bewusst werden. Ein guter Ausgang wird undenkbar …

Einen „der grausamsten Romane aller Zeiten“ verspricht der Klappentext – und tatsächlich lässt „Komm, wir spielen bei den Adams“ den Leser mit einem flauen Gefühl im Magen zurück. Entgegen der Erwartung ist es jedoch nicht die plastische Schilderung allerlei Grausamkeiten, in denen sich der Roman ergeht. Vielmehr liegt das Augenmerk auf der Psyche der Beteiligten, Täter wie Opfer: Barbara, zunächst noch mit typisch erwachsener Selbstsicherheit geschlagen, die angesichts der harten Realität zunehmend in Verzweiflung gerät. Und auf der anderen Seite die fünf Jugendlichen, die ihren lange angestauten Groll auf die Erwachsenenwelt auf sie projizieren, die permanent mit ihren Taten hadern und sich trotzdem immer weiter in eine Spirale der Gewalt hineinsteigern, jeder für sich mit individuellen Gedanken und Charakterzügen, fatal zusammengeschweißt durch die beherrschende Macht der Gruppe. Antrieb ist am ehesten ein entarteter Spieltrieb, eine Mischung aus pubertärem Protestdenken und letztlich ziemlicher Irrationalität. So kann man das Werk als eine ganz andere, wenngleich wohl brillante Coming-of-Age-Geschichte lesen, die doch in einzigartiger Form das machtbestimmte Spannungsfeld zwischen Kindern und Erwachsenen auslotet. Innere Monologe sind zahlreich, breit ausgekostet werden die sieben Tage der Anarchie. Ebendieser grausame Realismus abseits dramaturgischer Konventionen ist es auch, der letztlich am meisten verstört. All das würde freilich kaum funktionieren ohne den absolut fesselnden Schreibstil des Autors, bei dem eine jede Unterbrechung zum Ungemach wird. Freilich hätte das Buch etwas an Glaubwürdigkeit gewonnen, wären die kindlichen Protagonisten um einige Jahre jünger gewesen, stehen manche mit siebzehn und sechzehn Jahren doch der Erwachsenenwelt schon deutlich näher – womit ihre so offensiv kindliche Charakterisierung etwas an Glaubwürdigkeit verliert und vielleicht schon eher an eine erwachsene Projektion „kindlicher“ Denkweisen erinnert. Dem zum Trotze bleibt „Komm, wir spielen bei den Adams“ ein allzu bedrückender, dabei jedoch hoch spannender Thriller, ein mehr als gelungener Auftakt einer vielversprechenden Serie.

Kritik der Prä-Astronautik – eine Doppelrezension

1968 veröffentlichte Erich von Däniken sein Buch „Erinnerungen an die Zukunft“ – nicht das erste Werk der sogenannten Prä-Astronautik, doch definitiv das, welches die These, in grauer Vorzeit hätten Außerirdische Einfluss auf die menschliche Zivilisation genommen, mehr als jedes zuvor einem breiten Publikum nahebrachte. Bis heute folgten zig weitere Bücher des Autors, die Zahl der dadurch inspirierten „Forscher“ ist Legion. Natürlich war das Werk von Dänikens von Anfang an heftiger Kritik ausgesetzt, die ihm Unplausibilität, Lügen, Quellenverdrehungen und sogar Plagiat vorwirft. Bis heute wird die Prä-Astronautik von der akademischen Wissenschaft nicht ernst genommen – was niemand öfter oder vehementer betont als die Prä-Astronautiker selbst. Doch welcher Art sind diese so vernichtenden Kritiken der „richtigen“ Wissenschaft eigentlich?
Es braucht einige Zeit, sie zu finden, sind sie doch weit weniger zahlreich und auflagenstark als das von ihnen behandelte Objekt. Zwei kritische Repliken fand und las ich – mit einem Fazit, das unterschiedlicher kaum sein könnte.

Bildergebnis für erinnerungen an die wirklichkeitZu den Kritikern der ersten Stunde gehörte Gerhard Gadow, der 1971, damals noch Schüler, die Gegendarstellung mit dem einfallsreichen Titel „Erinnerungen an die Wirklichkeit“ veröffentlichte.
Mit rund 100 Seiten ist das Büchlein nicht umfangreich und schnell durchgelesen – doch der Qualität tut das keinen Abbruch. In erster Linie nimmt Gadow sich Dänikens Quellen vor – mit fatalem Ergebnis: So wird etwa anhand einer ganzen Reihe Zitate nachgewiesen, dass Däniken zahlreiche Informationen, ja mitunter kaum umformuliert ganze Passagen samt Fehlern aus Robert Charroux‘ „Phantastische Vergangenheit“ übernahm, einem früheren und weniger bekannten Werk der Prä-Astronautik. An anderer Stelle, so bleibt kein anderer Schluss möglich, muss Däniken Informationen in den ihm bekannten Quellen, die seinen Thesen widersprechen, bewusst ignoriert haben. Doch auch abseits der bloßen Quellenkritik schlägt Gadow gnadenlos, doch wohl fundiert zu: Gleich mehrere der angeblichen Beweismittel Dänikens werden empirisch widerlegt – so etwa die Karte des Piri Reis (die überhaupt nicht das darstellt, was man ihr zuschreibt, und der bei Däniken eine moderne Karte als angeblicher Zwilling beigesellt wurde) oder das immer wieder beliebte Thema der Osterinsel-Statuen (die, wie moderne Experimente zeigen, sehr wohl bewegt werden konnten und ganz und gar nicht in Dänikens Hypothesen sie betreffend passen). Bei all dem bleiben manch harte Worte natürlich nicht aus, doch beschränkt sich Gadow auf das, was er wirklich aus seinen Beweisführungen ableiten kann – fundierte Urteile statt polemischer Schmähkritik. Natürlich finden sich auch in diesem Buch marginale Kritikpunkte, die sich aber überwiegend aus der Zeit der Entstehung herleiten lassen – als die Hieroglyphen der Grabplatte von Palenque einfach noch nicht entziffert waren und man durchaus noch das Wort „Neger“ benutzen konnte, ohne sich wie heute als eindeutiger Rassist zu outen. Davon unberührt bleibt freilich der Kern der Ausführungen, deren Schlussfolgerungen heute so aktuell sind wie damals. Trotz geringem Umfang letztlich ein vorzügliches Werk, das in nicht viel mehr Worten als notwendig Dänikens erstes Buch geradezu seziert.

Bildergebnis für beweisnot glanz und elend

Einen anderen Eindruck indes macht das Buch „Beweisnot: Glanz und Elend der Astronautengötter, das Ende einer Legende“ von Emil-Heinz Schmitz. Mit mehr als doppelt so vielen Seiten, zumal auch als Harcover erhältlich, macht es einen deutlich hochwertigeren Eindruck als Gerhard Gadows Broschüre. Der Inhalt freilich vermag diesen Anspruch weniger einzulösen. 
Das Buch beginnt mit reihenweise Zitaten aus dem Werk „Und sie waren doch da“ von Wilhelm Selhus – einem satirischen Sachbuch, das überspitzt die Erkenntnismethoden der Prä-Astronautiker parodiert. Eigentlich eine geeignete Einleitung – doch Schmitz übertreibt es schon hier. Über zig Seiten gibt er Selhus‘ „neologische“ Schlussfolgerungen wieder und behandelt sie wie mit vollem Ernst – was heißt, dass er stets über deren Unplausibilität herzieht und somit plump jeden ironischen Charakter vermiest. Es folgt ein historische Abriss über die frühe Geschichte der Prä-Astronautik-Theorie, die im Wesentlichen das Ziel verfolgt, zu belegen, dass Däniken bei weitem nicht der erste war, sondern seine Theorien auf einem schon längst allzu fruchtbaren Feld aufbaute. Das gelingt – einigermaßen interessant, im Laufe der Ausführungen dann aber doch eher trocken. Der schließlich überwiegende Teil des Buches ist dem Bemühen einer „Auseinandersetzung“ mit der prä-astronautischen Theorie gewidmet. Doch trotz zahlreicher penibler Fußnoten (wie sie die kritisierten Grenzwissenschaftler oft vermissen lassen, die aber trotzdem nicht alleine für Wissenschaftlichkeit ausreichen) kommt dabei nur ein anstrengend zu lesender Wust heraus, der am ehesten zum Fremdschämen einlädt. De facto besteht Schmitz‘ Kritik daraus, dass er zahlreiche oft ellenlange Passagen prä-astronautischer Werke wörtlich zitiert und deren Inhalt anschließend mit nichts als hämischen Kommentaren über deren Unglaubwürdigkeit abtut. Offensichtlich hat Schmitz wirklich zahlreiche Quellen gesichtet, wofür ihm ein gewisser Respekt gebührt – doch jeden eigenen Beitrag von Substanz sucht man vergeblich. Die auf die unzähligen Zitate folgende Kritik bleibt meist bei Urteilen wie folgenden: „Selbstverständlich! Man muss nur die nötige Phantasie entwickeln.“ (91); „Nun ja, der Phantasie sind wirklich keine Grenzen gesetzt.“ (Ebd.); „Das ist die Ansicht eines streitbaren Sonntagsforschers, mehr nicht! In Wirklichkeit beweisen all diese Überlieferungen gar nichts.“ (112); „Wir haben zu diesem „Raumfahrer“ nichts weiter zu sagen und überlassen es dem Leser, sich anhand der Abbildung sein eigenes Urteil zu bilden.“ (217f); abermals: „Der Leser möge selbst die Antwort geben!“ (224) und nicht zuletzt „Da kann man nur sagen: O armer Götter-Erich!“ (114). Ja, ich schließe mich der Ansicht Schmitz‘ an, dass viele der zitierten Thesen und Interpretationen ganz einfach unplausibel bis lächerlich sind und sich bisweilen durch bloßen gesunden Menschenverstand widerlegen lassen. Doch für diese Feststellung brauche ich kein Buch, das mir das sagt! Wenn der Leser sicher von selbst zum richtigen Urteil gelangen wird, wie ja oft genug postuliert, dann ist das Buch überflüssig. Schmitz indes geht in seiner deutlich zur Schau gestellten Borniertheit ganz selbstverständlich davon aus, dass all die genannten Theorien sich ohnehin schon selbst demaskieren und in ihrer Lächerlichkeit keine weitere Diskussion wert sind. Das ziemt sich vielleicht gerade noch für einen Kabarettisten, unter keinen Umständen aber für einen Autor mit wissenschaftlichem Anspruch. Fast wirkt es, als wolle Schmitz auf jeden Fall all jene Klischees bestätigen, die seine Gegner in den Grenzwissenschaften über den akademischen Betrieb kultivieren. 
Freilich – bisweilen gibt es in der Tat Gegenargumente. Hin und wieder zitiert Schmitz etwa ebenso umfangreich die Kommentare richtiger Wissenschaftler, die dann auch bisweilen wirkliche Sachargumente, oft aber auch nur ein wertendes Fazit beinhalten. So manche der angebotenen alternativen Erklärungen sind indes selbst wenig fundiert (wie etwa die These, Hörner hätten in Babylonien die Venus symbolisiert, S. 222) oder aber von unglaublicher Banalität („Mythen sind immer einfach nur phantastische Ausschmückungen“). Eigene Argumente, die hin und wieder gegen grenzwissenschaftliche Thesen angeführt werden, sind meist ziemlich platt – womit sie manchmal richtig liegen, öfters aber auch am Kern der Sache vorbeigehen. Kaum eine Auseinandersetzung gibt es indes mit jenen „handfesten“ Argumenten der Prä-Astronautiker. Die sind nämlich durchaus vorhanden, auch wenn sie sich bei näherer Betrachtung meist als schlichte Fehldarstellungen und -interpretationen herausstellen. Derartiges bleibt oft unwidersprochen oder wird ebenso als lächerlich abgetan, obwohl eine sachliche Widerlegung möglich und sinnvoll (allerdings mit größerem Rechercheaufwand verbunden) gewesen wäre. Ja, zugegeben, es finden sich auch einige sinnvolle Widerlegungen und verwertbare Argumente – doch machen sie eben nur einen auffällig geringen Teil eines Buches aus, das fast ausschließlich aus Zitaten und hämischer Polemik zu bestehen scheint. Auffällig ist dabei auch der inflationäre Gebrauch abwertender Aussagen über die fraglichen Autoren wie etwa Erich von Däniken (der die Dummheit seiner Leser ausnutze, nur aufs Geldverdienen aus sei etc.) – vieles davon mag stimmen, doch man hätte es belegen müssen, zumal ein derartig salopp-polemischer Tonfall sich ganz allgemein in einem solchen Werk wenig ziemt.

So könnten die beiden Bücher dann verschiedener kaum sein: Das eine weist penibel Plagiat, Quellenverdrehung und Unplausibilität nach und wird dabei nie polemischer als daraus resultierend (was schon genug ist), das andere indes ergötzt sich nur in bornierter Häme, bläht sich selbst durch eine Flut von Zitaten ohne Auseinandersetzung und mit wenig eigenem Beitrag auf und belegt seine Thesen nur hin wieder besser als die von ihm kritisierten Grenzwissenschaftler.
Was lernen wir daraus? Was ein Erich von Däniken postuliert, ist unseriös und nicht haltbar – doch nur weil man sich dagegen stellt, ist man selbst nicht unbedingt professioneller.

Feuer und Blut – Aufstieg und Fall des Hauses Targaryen von Westeros (Erstes Buch)

Viele Jahre schon warten die Fans auf den nächsten Band von George R. R. Martins preisgekrönter Buchreihe „Das Lied von Eis und Feuer“, unaufhaltsam schreitet die Verfilmung „Game of Thrones“ inzwischen ihrem Ende entgegen. Da erscheint nun endlich ein neues Buch – nicht gerade Band 6 bzw. 11 der Romanreihe, sondern ein unabhängiges Werk aus derselben Welt. „Feuer und Blut“, so der Titel – das ist kein Zitat von Donald Trump, sondern der Leitspruch des altehrwürdigen Hauses Targaryen, das dreihundert Jahre lang über Westeros herrschte. Die Hälfte davon hat Martin in das vorliegende Buch gepackt, das dementsprechend auch kein Roman, sondern mehr eine Chronik ist. Wenngleich eine allzu unterhaltsame Chronik, wie sich schnell herausstellt.
Auf fast 900 Seiten berichtet Martin aus der Perspektive des Erzmaesters Gyldayn über die ersten sieben Könige der Targaryen-Dynastie: Aegon I., der Eroberer, der zusammen mit seinen zwei Schwestern und drei Drachen fast ganz Westeros unterwarf. Seine Söhne Aenys, gutmütig und naiv, und Maegor, den man nicht umsonst den Grausamen nannte, die das neue Reich zu festigen versuchten und sich zahlreicher Rebellen zu erwehren hatten. Jaehaerys I., der nach anfänglichen Komplikationen über fünfzig Jahre regierte und Westeros eine beispiellose Zeit des Wohlstandes bescherte – wenngleich nicht ohne fatale Rückschläge in Form von Seuchen, einigen Kriegen und natürlich politischen Verwicklungen. Viserys I., dessen noch ruhige Herrschaft unvermeidlich in die verheerendste Katastrophe der Geschichte von Westeros mündete: Den Tanz der Drachen, jenen blutigen Bürgerkrieg zwischen zwei Linien des Hauses Targaryen, der die ganze kurze Herrschaft von Aegon II. über währte, zahlreiche Opfer unter Menschen wie Drachen forderte und schließlich ein ausgeblutetes Land unter der Führung des traumatisierten Aegon III. hinterließ, womit das Buch relativ abgeschnitten sein Ende findet.
Was Martin hier schreibt, liest sich fast wie Game of Thrones im Schnelldurchlauf: Eine Unzahl Akteure tritt auf, agiert, geht schließlich in tragischen Verwicklungen zugrunde inmitten einer hochkomplexen Welt voller Intrigen und Beziehungen. Das ist vielleicht nicht die leichteste Kost für Leser konventioneller Romane, ein Festschmaus aber für eingefleischte Fans der Reihe und Welt. Obgleich durchweg berichtend, schafft es Martin doch, an den zentralen Stellen Spannung aufzubauen und gerade soweit ins Szenische auszugreifen, wie es der Unterhaltung dient, ohne dem Stil zu schaden. Raffiniert gemacht ist dabei auch die Instanz des fiktiven Geschichtsschreibers, der bisweilen selbst zwischen widersprüchlichen Quellen abwägt oder bei Mangel an Information Vermutungen anstellt. Wiewohl sich auch der rote Faden an den Königen entlanghangelt, so bleibt doch immer noch massig Platz für zahlreiche Nebenstränge voller Hintergründe und Anspielungen, die doch alle wieder Einfluss auf das Schicksal der Welt haben. Wie man es schon aus den vorigen Romanbänden mit ihrer nicht vorhandenen Zweiteilung in Gut und Böse gewohnt ist, erschafft Martin auch hier eine teils schwer überblickbare Genealogie von Figuren, die doch alle komplex und innovativ sind, ambivalent und weitgehend frei von Klischees. Erneut, wenn nicht umso mehr, fällt der gnadenlose Realismus einer mittelalterlichen Welt mit all ihren Übeln auf, wobei allzu hart etwa die Sterblichkeit von Müttern und Kindern zu Buche schlägt. Und natürlich bekommt man endlich auch Drachen zu sehen, prominenter und präsenter als in allen Lied-von-Eis-und-Feuer-Bänden zuvor.
Freilich ist „Feuer und Blut“ nicht das erste Buch von Martin, das sich der Geschichte der Targaryens widmet. Schon in „Westeros: Die Welt von Eis und Feuer“ wurde ein historischer Abriss präsentiert, doch es wäre verfehlt, „Feuer und Blut“ als eine bloße Ausschlachtung alten Materials zu bezeichnen – vielmehr bietet sich damit erstmalig die Gesamtheit der Hintergründe (zumindest einer gewissen Zeit und Familie) dar, deren vorherige Fassung nur an der Oberfläche kratzte und zahlreiche Aspekte ausließ. Tatsächlich wurden jedoch auch schon Teile des Buches selbst zuvor eigenständig veröffentlicht, nämlich im Rahmen mehrerer Anthologien, so zum Beispiel eine Schilderung des Drachentanzes in „Königin im Exil“ und der Abschnitt „Der Bruder des Königs“ im gleichnamigen Sammelband. Beim Lesen des Gesamtbuches fallen indes keinerlei Brüche auf, die auf eine uneinheitliche Entstehung schließen ließen – vielmehr scheint es so, dass die Anthologiebeiträge einem bereits recht ausgereiften Gesamtmanuskripts entnommen wurden. Als jemand, der die Anthologien nicht besitzt (zumal eine von diesen, „The Book of Swords“, nie auf Deutsch erschienen ist), kann ich mich nur freuen, dass all diese verstreuten Beiträge nun in diesem einen Band vereinigt sind.
Ein weiterer zu lobender Aspekt ist der dem Buch beigefügte Stammbaum der Targaryen-Familie als Poster, der zusammengeklappt zugleich als Schutzumschlag fungiert – ein außergewöhnlich robuster Schutzumschlag zudem, da doppellagig und aus hochwertigerem Papier als bei vergleichbaren Umschlägen anderer Bücher. Hinzu kommen die zahlreichen Illustrationen, gleichwohl von Personen wie Ereignissen, die umso mehr zum Eintauchen in die Welt von Westeros beitragen.
All dies ergibt ein ziemliches Monumentalwerk, in Komplexität und Inhalt wohl jeden früheren Einzelband überbietend, zumal durchaus spannend und flüssig zu lesen. Nur für wirkliche Fans der Reihe, versteht sich, aber für die umso mehr. Und in Anbetracht der Tatsache, dass „Feuer und Blut“ nur die Hälfte der Targaryen-Dynastie abhandelt – so bleiben etwa die Eroberung von Dorne sowie sämtliche Schwarzfeuer-Rebellionen außen vor – bleibt nur zu hoffen, dass George R. R. Martin wenigstens diesmal zügig nachlegt.