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Das Labyrinth des Maal Dweb

Clark Ashton Smith ist der nicht ganz vergessene Zeitgenosse von H. P. Lovecraft und Robert E. Howard aus den Zeiten der Pulp-Magazine wie Weird Tales. Sein literarisches Werk – im Laufe des letzten Jahrzehnts erstmals als sechsbändige Sammelausgabe auf Deutsch erschienen – besteht neben seiner Lyrik vor allem aus Kurzgeschichten, die alle Spielarten der Phantastik durchziehen und doch kaum irgendeiner anderen Strömung vor oder nach ihm ähneln. „Das Labyrinth des Maal Dweb“ ist hierbei der dritte Band nach Die Stadt der Singenden Flamme und „Die Grabgewölbe von Yoh-Vombis“ und enthält insgesamt 16 Geschichten. Am Ende werden diese ergänzt durch einen editorischen Kommentar zu einer jeden, der vor allem auf die Publikationsgeschichte eingeht und oft auch zugehörige Quellen aus Smiths umfangreichem Briefverkehr erschließt.
Vielleicht mehr noch als die anderen zeigt diese Sammlung Hoch und Tief von Smiths Schaffen: Obgleich mit überquellender Fantasie und sprachlichem Ausdrucksvermögen gesegnet, war dieser doch zeitlebens gezwungen, sich immer wieder den plakativeren und weniger literarischen Interessen der Leser und vor allem Herausgeber der zeitgenössischen Magazine anzupassen. Davon zeugen etwa die Geschichten „Der Flirt“ und „Etwas Neues“ – sehr kurze Texte mit eher plattem, schlüpfrigen Inhalt, die der Autor selbst zeitlebens als Mist bezeichnete. Auch sonst sind Stil und Qualität der Texte relativ wechselhaft.
Mit den meisten seiner Geschichten bewegte sich Clark Ashton Smith an der Grenze zwischen früher Science-Fiction und Fantasy, manchmal auch Horror, freilich ohne sich damit in klar umgrenzte Genres wie die klassische Gothic Fiction oder Mittelalter-Fantasy zu stellen. Gerne siedelte er seine Erzählungen auf fremden Planeten und Dimensionen an, den fernsten Abgründen von Zeit und Raum, in denen sich dann letztlich alles verbergen kann. So reist ein Protagonist in „Ein Abenteuer in der Zukunft“ Jahrtausende in der Zeit nach vorne, nur um dort eine utopische Menschheit kennen zu lernen, die sich gleichsam in einer Krise mit den Bewohnern des Mars und der Venus befindet. Gar nicht unähnlich ist „Invasion von der Venus“ – eindringlich und mit globalem Blickwinkel schildert Smith hier, wie zunehmend Bereiche der Erde von einer expansionistischen außerirdischen Spezies kolonisiert werden, und nimmt dabei das Konzept des Terraforming vorweg. Bereits in der Zukunft spielt „Die Dimension des Zufalls“, nur um die Piloten eines dortigen Weltkrieges dann auch noch in eine andere Dimension zu werfen, die allen Naturgesetzen Hohn spricht. Obwohl meist recht knapp und verdichtet erzählt, erhält jedes Abenteuer eine ganze Reihe erstaunlicher Einfälle.
Trotz innovativer Idee eine sagenhaft schlechte Geschichte ist dagegen „Der Allmächtige des Mars“: Smith schrieb diese nach einem Konzept, das aus einem Leserwettbewerb hervorgegangen war. Es beginnt mit der plötzlichen Landung eines außerirdischen Raumschiffs mitten in einem amerikanischen Stadion – eine Superintelligenz vom Mars hat beschlossen, eine Gruppe ausgewählter Menschen auf seinen Planeten einzuladen und mit ihrer überwältigenden Weisheit zu beglücken. Schon bald bilden sich unter den Menschen zwei Lager – die aufgeschlossenen Unterstützer des „Allmächtigen“ und die ewig kritischen Konservativen. Deren Charakterisierung fällt jedoch so zum Erbrechen plakativ, klischeehaft und übertrieben aus, dass die Geschichte darin manch Satire übertreffen dürfte. Die Figur des dogmatisch-ignoranten Professors, dessen Natur natürlich am Ende auf einen Großteil der Menschheit ausgedehnt wird, hätte glatt der establishmentfeindlichen Tirade eines Verschwörungstheoretikers entstammen können. Das Ende dann ist nicht nur genauso schwarzweiß-gemalt, sondern geradezu infantil-faschistoid wie die Apokalypse einer fiktiven Religion.
Dem entgegen steht die Titelgeschichte „Das Labyrinth des Maal Dweb“, hier auch direkt gefolgt von ihrer Fortsetzung „Das Wagnis des Maal Dweb“. Auf einem fremden Planeten herrscht der gleichnamige nahezu allmächtige Zauberer, der immer wieder junge Frauen in seine Burg ruft. Schließlich jedoch folgt ein junger Krieger seiner Geliebten in festem Entschluss, Maal Dweb zu töten – und sieht sich in dessen Heim einem Pandämonium von Wundern gegenüber. Hier noch am ehesten sind die Sprachgewalt und groteske Fantasie Smiths zu erahnen, die in manch anderen Geschichten künstlich gedrosselt wurden, womit „Maal Dweb“ zum Highlight faszinierender Unterhaltung wird. Im „Wagnis“ schließlich geht Maal Dweb selbst auf Wanderschaft und findet sich plötzlich als Verteidiger halbmenschlicher Pflanzenwesen gegen böse Reptiloiden wieder. Den beiden Geschichten geht in der Ausgabe zudem eine Einführung von Will Murray voraus, der insbesondere die Hintergründe der Werksgeschichte erläutert.
Auch sonst sind ferne Planeten für Smith keinesfalls vorwiegend Schauplatz klassischer Science-Fiction, sondern vielmehr Projektionsfläche reiner Fantasy – nirgendwo wird dies klarer als in „Sadastor“, wo in einer märchenhaften Handlung gar ein Dämon einen fremden Planeten bereist. Ebenso sprengt „Die Kette des Aforgomon“ jeden Kontext von Raum und Zeit: Der Schriftsteller John Milwarp wird tot in seinem Arbeitszimmer aufgefunden, anscheinend wie aus dem Nichts von glühenden Ketten verbrannt. Doch wie sich herausstellt, ist dies nur das letztendliche Ergebnis eines äonenweiten Dramas von Seelenwanderung, Liebe über den Tod hinaus und blasphemischer Magie.
Eine besondere Freude für Lovecraft-Fans stellt sicherlich „Die Rückkehr des Hexers dar“, worin prominent das Necronomicon auftaucht. Obwohl seinerseits von mehreren Magazinen abgelehnt, da viel zu schrecklich, stellt es nach heutigen Maßstäben schlichtweg eine solide, eher mittelmäßig verstörende Horrorgeschichte dar. Bezüge in eine ähnliche Richtung finden sich in „Ein Trank für die Mondgöttin“, wo Archäologen die Magie des versunkenen Pazifikreiches von Mu wieder zum Leben erwecken. Fast übertrieben wurde der innovative Stil jedoch in „Genius Loci“, das trotz ausgefeilter Sprache und maximal dichter Atmosphäre inhaltlich relativ unscharf bleibt. Schlussendlich finden sich noch eine orientalische Erzählung aus Smiths Jugend („Prinz Alcouz und der Magier“), eine dramatische Abenteuergeschichte aus Afrika („Die Venus von Azombeii“) und eine bitterböse Sozialsatire („Ein Gedichtband von Burns“).
Leider vermögen nicht alle Geschichten in „Das Labyrinth des Maal Dweb“ gänzlich zu überzeugen – manche sind unspektakulär, andere trotz faszinierender Idee eher reizlos inszeniert. Auch die kolonialistisch-rassistischen Aspekte in „Die Venus von Azombeii“ und vor allem dem Rassenkrieg in „Ein Abenteuer in der Zukunft“ hinterlassen heutzutage doch einen unangenehmen Nachgeschmack. Auf der anderen Seite aber stehen bildgewaltige Visionen exotischer Phantastik, die gleichsam grotesk und faszinierend daherkommen. Auf jeden Fall bietet der Band vielfältige Einblicke in das Werk eines zu Unrecht wenig bekannten Autors, dessen imaginäre Welten kaum eine Parallele finden.

Die Kinder der Nacht (REH Horrorgeschichten 5)

Die Kinder der Nacht: Horrorgeschichten von [Robert E. Howard]Mit „Die Kinder der Nacht“ ist 2015 der fünfte und letzte Teil der gesammelten Horror- (und anderen) Geschichten von Robert E. Howard erschienen. Erneut erwarten den Leser 400 Seiten voller Spannung und Action, mal mehr und mal weniger phantastisch.
Die Titelgeschichte führt Howards schon oft aufgegriffenes Thema der monströsen Rasse aus Britanniens Vorgeschichte weiter aus und kombiniert es abermals mit seinem ebenfalls gern genutzten Motiv der Seelenreise zu früheren Leben des Protagonisten – hier mit einem ungewohnt bedrohlichen Ende in der Jetztzeit. Besonders ausgeführt wird darum herum die zeitgenössische, heute befremdlich anmutende Rassentheorie, die doch einen gewissen (pseudo)intellektuellen Unterbau des Themas liefert.
Auch andere Geschichten sind deutlich dem Horror verhaftet: „Der schwarze Stein“ ist einerseits eine von Howards drastischsten Geschichten hinsichtlich Gewalt und Sexualität, evoziert darüber hinaus jedoch eine viel weiter gehende Atmosphäre uralten Grauens rund um die Expedition zu einem uralten Monolithen in den Bergen Ungarns. „Das Haus zwischen den Eichen“, gemeinsam mit August Derleth verfasst, weist gewisse Bezüge dazu auf, doch verortet das Grauen nunmehr unsichtbar in einem alten Haus – weniger blutig, doch nicht weniger bedrohlich. Beides sind intelligent inszenierte Geschichten mit einer Tiefe an Hintergründen, die stark (und sicher kaum zufällig) an den Stil H. P. Lovecrafts erinnern. Eine sehr kurze Werwolf-Geschichte folgt schließlich noch mit „Im Wald von Villefère“.
Deutlich verschieden und allzu individuell sind zwei andere Geschichten: „For the Love of Barbara Allen“ spielt vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs erneut mit dem Seelenreisen-Thema, hier allzu emotional bedrückend. Dagegen sprengt „Die Bewohner der Schwarzen Küste“ jede Konvention, wenn ein Paar nach einem Flugzeugabsturz auf einer rätselhaften Insel landet und sich dort einer unerwarteten Gefahr gegenübersieht – doch weder Held noch Monster sind schließlich das, was man von ihnen erwarten würde.
Eine dritte Seelenreise in die Vorzeit (dieses Motiv kommt wirklich oft vor …) gibt es in „Garten der Furcht“, wenn ein gewisser James Allison alias Steinzeit-Ase Hunwulf in einer wilden Mischung aus Eiszeit, Neolithikum und Fantasy auf den letzten Vertreter einer vormenschlichen Rasse trifft. Auch „Die Götter von Bal Sagoth“ mag einem nach Lektüre der anderen Howard-Bände etwas vertraut vorkommen, werden doch auch hier wieder beliebte Tropen recycelt: Der frühmittelalterliche Ire Turlogh O’Brien landet zusammen mit seinem Feind, dem Sachsen Athelstane, auf einer fremden Insel, wo eine Wikingerprinzessin ihre Herrschaft über ein grausam-exotisches Eingeborenenvolk zu bewahren versucht – Eskalationen mit Schwert und Axt vorprogrammiert.
Die übrigen Geschichten ähneln sich mit einer Ausnahme allesamt insofern, dass sie – wie typisch bei Howard – zähe Heldenfiguren verschiedener Zeitepochen bösen, kriminellen Fremdlingen gegenüberstellen. In „Schwarzes Canaan“ sind es die Schwarzen im Amerika des 19. Jahrhunderts, die in den Sümpfen eine Rebellion planen, in „Herr der Toten“ Mongolen und andere Asiaten inmitten der urbanen Szene des organisierten Verbrechens und in „Der Schatz des Tartaren“ ein ganzes Inventar bedrohlicher Orientalen. „Namen im schwarzen Buch“ führt die Geschichte von „Herr der Toten“ weiter, auch wenn in der Reihenfolge des Buches eine weitere Geschichte dazwischen liegt – dies ist wohl die Verschnaufpause, die der Bösewicht brauchte, um sich von seinem doch nicht tödlichen Schädeltrauma zu erholen. Gewissermaßen lesen sich diese Stories wie eine repräsentative Zusammenstellung rassistisch-exotistischer Stereotype – bis hin zu den Jesiden („Der Messingpfau“), die in guter Tradition als gewalttätige Satansanbeter charakterisiert werden. Immerhin werden die Helden manchmal von zutiefst orientalisch-traditionellen, aber wenigstens kampfstarken Mitstreitern mit scharfen Klingen unterstützt. Innovativ ist wohl keine der Geschichten, doch immerhin unterhaltsam.
An letzter Stelle schließlich steht das wieder grandiose Historien-Epos „Der graue Gott vergeht“ über die Schlacht von Clontarf im Jahr 1014. Das Aufeinandertreffen des irischen Hochkönigs Brian Boru mit der Koalition der Truppen von Leinster und skandinavischen Heerführern stilisiert Howard mit respektabler historischer Sachkenntnis zum schicksalsträchtigen Sieg Irlands über die heidnische Kultur der Wikinger.
Letztlich illustriert „Die Kinder der Nacht“ mehr noch als die anderen Bände das Hoch und Tief von Robert E. Howards Lebenswerk: Neben intelligenten Horror- und Historiengeschichten mit gut recherchierten oder konstruierten Hintergründen, die auch einmal ungewöhnliche Ideen verarbeiten, stehen Pulp-Stories mit wiederkehrendem Handlungsschema aus Exotismus/Xenophobie, grimmigen Helden und sehr viel Action, die allesamt unterhaltsam, aber doch relativ schlicht und auf Dauer ermüdend sind. Auf der einen Seite werden bestimmte Motive sehr auffällig immer wieder verwendet, auf der anderen sorgen diverse Bezüge und Anspielungen zwischen den Geschichten für den Eindruck eines gemeinsamen Universums über Zeitalter und Genres hinweg. Vielleicht nicht der beste Band der Reihe, aber gerade für die Horrorgeschichten lohnt sich die Lektüre dennoch.

Die unter den Gräbern hausen (REH Horrorgeschichten 4)

„Die unter den Gräbern hausen“ ist der vierte Band der Horrorgeschichten-Ausgabe von Robert E. Howard im Festa-Verlag. Auch hier begegnet uns auf knapp über 400 Seiten wieder eine schillernde Mischung düsterer Schauergeschichten und historisch-phantastischer Heldenerzählungen voller Action und Schrecken.

Besonders stark vertreten sind in diesem Band die Abenteuer um den grimmigen Puritaner Solomon Kane, der Abenteuer im frühkolonialen Afrika erlebt. In „Blutige Schatten“, der ersten je veröffentlichten Solomon-Kane-Geschichte, jagt dieser etwa einen Räuberhäuptling über zwei Kontinente, wobei er auch zum ersten Mal auf den rätselhaften Zauberer N’Longa trifft.
Bei vier der Geschichten handelt es sich um unvollendete Fragmente, die Howard zu Lebzeiten nicht mehr fertigstellen konnte (oder wollte). Naheliegenderweise ist es ein wenig frustrierend, wenn jeweils die Handlung plötzlich abbricht und das Ende fehlt, doch in einer vollständigen Ausgabe dürfen natürlich auch diese nicht fehlen. In den Bänden 2 bis 4 der gesammelten Horrorgeschichten („Tote erinnern sich“, Der schwarze Hund des Todes und „Die unter den Gräbern hausen“) ist somit der gesamte Solomon-Kane-Zyklus enthalten.
Zumindest die Geschichten und Fragmente in dieser Sammlung folgen alle einem ähnlichen Schema, wenn Kane sich wieder und wieder barbarischer afrikanischer Stämme erwehren muss, die bei Howard offenbar wenig anderes zu tun haben, als Leute zu Ehren grausamer alter Götter niederzumetzeln. Dies jedoch nur, wenn sie nicht gerade von einer alten, unbekannten Hochkultur im Herzen des Schwarzen Kontinents unterdrückt werden – eine vergessene Kolonie von Atlantis in „Der Schädelmond“ oder eine vergessene assyrische Kolonie in „Die Kinder Asshurs“. Wobei die Atlanter und Assyrer natürlich finsteren alten Göttern samt Menschenopfern ebenfalls nicht abgeneigt sind, was sich wohl von selbst versteht. Man ahnt es: Die Solomon-Kane-Geschichten in diesem Buch zählen nicht wirklich zu Howards innovativsten Geschichten, was den Band gegenüber den anderen der Reihe etwas abfallen lässt. Immerhin in „Die Burg des Teufels“ legt sich Kane mit einem europäischen Adligen an – zu schade nur, dass das Fragment abbricht, bevor er die titelgebende Burg erreicht.

Die anderen Erzählungen dagegen sind vielseitiger: Moderne Horrorgeschichten sind mit der Titelgeschichte, „Der Nasenlose“ und „Der Dämon des Ringes“ vertreten. In „Die unter den Gräbern hausen“ wird ein Mann scheinbar von seinem verstorbenen Bruder heimgesucht und will sich mit zwei Bekannten endgültig dessen Todes versichern – mit fatalem Ausgang. Die Geschichte verarbeitet erneut das bereits mehrfach aus Volk der Finsternis bekannte Motiv einer uralten, unterirdischen Menschenrasse, hier zweifellos besonders wirksam inszeniert. Etwas unglücklich geraten ist wiederum „Der Nasenlose“: Bei dieser Geschichte um eine rätselhafte ägyptische Mumie wird die Pointe leider schon viel zu früh allzu offensichtlich angedeutet, wodurch der Spannungsbogen einiges an Intensität verliert. „Der Dämon des Ringes“ schließlich ist ein solider, kurzer Mystery-Thriller um einen Mann, dessen eigentlich liebende Ehefrau ihn mehrfach umzubringen versucht. In „Der Geist von Tom Molyneaux“ geht es um den harten Boxkampf zweier ungeschlagener Champions (mit natürlich ungewöhnlichem Ausgang) – von dem langjährigen Boxfan und Amateurboxer Robert E. Howard brillant atmosphärisch in Szene gesetzt.
Ein besonderes Highlight ist „Das Haus von Arabu“, das uns ins antike Sumer entführt, wo der reisende Held Pyrrhas sich zwischen der Vielzahl altorientalischer Götter, Dämonen und Intrigen bewähren muss. Obgleich der Handlungsbogen doch typische Motive verarbeitet und es eine Reihe kleinerer Unschärfen gibt, so beweist Howard doch hier eine beeindruckende Vertrautheit auch mit der Welt des antiken Mesopotamien (im Rahmen des zeitgenössischen Forschungsstandes), die er atmosphärisch und für eine Pulp-Geschichte recht authentisch zum Leben erweckt. Zwei weitere historische Erzählungen runden den Band ab: „Würmer der Erde“ wie auch „Der dunkle Mann“ spielen im antiken bzw. frühmittelalterlichen Britannien rund um die Heldentaten des ikonischen Piktenkönigs Bran Mak Morn und des wilden Gälen Turlogh O’Brien einige Jahrhunderte später – bekanntermaßen ein beliebtes Setting in den Geschichten Howards. Beide sind sie typische howard’sche Barbarenhelden, wie sie in dessen Werken alle Zeitalter bevölkern: Übermenschlich stark und zäh, ehrenhaft und zugleich rachsüchtig bis zum Blutrausch, dabei letztendlich immer latent depressiv.
Daran schließt folgerichtig der letzte Beitrag an: In einem umfangreichen Essay analisiert Don Herron Howards Barbarengestalten in Hinblick auf Vorbilder, Charakteristika und vor allem das Erbe, das sie als neuer Archetyp in der phantastischen Literatur antreten sollten. Ein Schwerpunkt liegt natürlich unweigerlich auf dem durch Marvel-Comics und Schwarzenegger-Verfilmungen zu Berühmtheit gelangten Conan, von dem freilich keine Geschichte im vorliegenden Band vertreten ist, doch treffen all diese Merkmale ganz genauso auf seine Geistesgefährten Bran Mak Morn, Turlogh O’Brien, Pyrrhas und andere zu – von Howards „Barbaren in tausend Gestalten“ könnte man in Anlehnung an Joseph Campbells Heldentypologie fast sprechen.

Im Gesamturteil fällt „Die unter den Gräbern hausen“ gegenüber den vorigen Bänden etwas ab, was vor allem an den allzu schematischen (und nach heutigen Standards ziemlich rassistischen) Solomon-Kane-Geschichten liegt. Denen stehen mit der gut durchdachten Titelgeschichte und der atemlosen Box-Geschichte „Der Geist von Tom Molyneaux“ allerdings auch einige Perlen gegenüber, begleitet durch zwar typische, aber spannend-atmosphärische Historien-Action wie das Babylonien-Abenteuer „Das Haus von Arabu“ und das wikingerzeitliche Barbarenepos „Der dunkle Mann“. Doch ob nun intelligenter Horror oder Pulp-Geschichten mit Handlung nach Baukastenprinzip – flüssig zu lesen sind sie doch alle und machen das Buch letztendlich zu einem unterhaltsamen Lesespaß.

Volk der Finsternis (REH Horrorgeschichten 1)

Robert E. Howard (1906-1936) wird vor allem wahrgenommen als Autor von Low Fantasy- und Abenteuergeschichten, unter denen Conan der Barbar seine mit Abstand prominenteste Schöpfung ist. Weniger bekannt sind seine zahlreichen Erzählungen aus dem Bereich des Horrors und der Dark Fantasy, von denen einige dem von seinem Zeitgenossen und Bekannten H. P. Lovecraft begründeten Cthulhu-Mythos zuzuordnen sind. In einer fünfbändigen Ausgabe veröffentlichte der Festa-Verlag erstmalig über 70 dieser Kurzgeschichten und Fragmente in deutscher Sprache – den Anfang macht der Band „Volk der Finsternis“.
Insgesamt 16 Geschichten auf 352 Seiten entführen uns in verschiedenste Welten: Von Howards zeitgenössischen Texas des frühen 20. Jahrhunderts bis ins exotische Afrika der Kolonialzeit, von einer düsteren amerikanischen Fischerstadt bis in die arabische Wüste, China und sogar das ferne Paläolithikum. Überall lauert das Grauen in verschiedenster Form: Schreckliche Kulte und Götzen aus uralter Zeit, vergessene Völker, Untote und Gestaltwandler. Mehr noch als in den anderen Bänden der Reihe finden sich in „Volk der Finsternis“ Geschichten aus dem Umfeld des Cthulhu-Mythos (u.a. „Schaufelt mir kein Grab“, „Die Kreatur mit den Hufen“, „Der schwarze Bär schlägt zu“) – doch bleiben die Bezüge bis auf knappe Erwähnungen der Großen Alten oder des auch von Lovecraft adaptierten Buch „Unaussprechliche Kulte“ eher oberflächlich.

Mitunter wird der trotz seiner kurzen Lebenszeit erstaunlich produktive Howard als bloßer Schreiber stumpfsinniger „Schundliteratur“ angesehen – eine Bewertung, die so pauschal abzulehnen, aber hinsichtlich mancher Aspekte auch nicht gänzlich aus der Luft gegriffen ist. Besonders auffällig sind hier die Erzählungen „Die Traumschlange“ und „Die Kobra aus dem Traum“, die letztlich beide dasselbe Thema mit demselben Ergebnis verarbeiten. Auch sonst fällt gerade bei diesem ersten Band der gesammelten Werke auf, dass viele Geschichten relativ ähnlichen Mustern mit sich wiederholenden Stereotypen folgen: Howards Protagonisten sind oft überzeichnet kernige Kämpfergestalten, die mit unglaublicher Zähigkeit den Kampf gegen Ungeheuer und Barbarenvölker aufnehmen. Kampf und Gemetzel werden zur eigenen Ästhetik erhoben, Action kommt bei Howard nie zu kurz. Anders als etwa ein Lovecraft verwendet Howard keine übermäßig hochgestochene Sprache. Seine brillante Sprachbeherrschung erweist sich nicht in detaillierten Beschreibungen und intellektuellem Ausdruck, sondern vielmehr in der dramaturgisch vollendeten Anwendung verhältnismäßig schlichter Sprache: Selbst in der modernen Fantasy erreichen wenige Autoren ein solches Maß an Dynamik, dass der Leser so in das Geschehen hineingezogen und buchstäblich hindurchgejagt wird wie bei Robert E. Howard (Stephen King: „eine so unglaubliche Energie, dass geradezu Funken sprühen“). Auch diese Aneinanderreihung von Kurzgeschichten ließt sich so flüssig wie ein guter Roman weg, der Unterhaltungswert ist erstklassig – Respekt gebührt hierbei nicht zuletzt der deutschen Übersetzung durch Doris Hummel.

Unangenehm befremdlich muten heutzutage jene Abenteuergeschichten vor allem im kolonialen Afrika an, in denen die einheimischen Schwarzen nur allzu gerne als barbarische Anhänger uralter Kulte und Schrecken erscheinen („Wolfsgesicht“, „Die Hyäne“, „Der Mond von Zambebwei“). Was heute offen rassistisch erscheint, ging in den 20er Jahren wahrscheinlich noch als normaler Exotismus phantastischer Geschichten durch. Und auch wenn Rasse und ihr Phänotyp ein immer wieder betontes Motiv sind, so erreicht Howard doch immerhin nicht die unverhohlene Menschenverachtung seines Genossen Lovecraft. Ein ähnliches Motiv, das in mehreren Geschichten aufgegriffen wird, ist die Vorgeschichte Großbritanniens, vorgestellt als Abfolge von Eroberungen verschiedener Völker – wobei ein uraltes, nicht mehr ganz menschliches Volk zur Grundlage für die Zwerge, Elfen und anderen Wesen des Volksglaubens wurde und unterirdisch in schrecklich degenerierter Form überlebt hat („Volk der Finsternis“, „Das kleine Volk“). Hinter diesem wiederkehrenden Motiv steckt bei Howard mehr als ein bloßer Fantasy-Topos, wie gerade diese Ausgabe herauszustellen weiß: Drei im Anhang abgedruckte Briefe zwischen Howard, Lovecraft und ihrem Verleger Farnsworth Wright zeugen von den den komplexen ethnologischen Überlegungen, die Howards Darstellungen zugrunde lagen. Auf Basis damaliger linguistischer und archäologischer Theorien entwickelte Howard eigene Modelle zur ethnischen Vorgeschichte Britanniens, die er in seinen Geschichten verarbeitete und auch mit Lovecraft lebhaft diskutierte. Mögen diese Ansätze im Rahmen der heutigen Forschung größtenteils obsolet geworden sein, so sind sie doch auf faszinierende Weise Zeitdokument der Gelehrsamkeit jener Zeit vor fast einhundert Jahren, für die Howard ein bemerkenswertes Maß historischer Kenntnisse in seine Texte integrierte. Dieser Mentalitätswandel der Forschung ist wohl noch bezeichnender in „Speer und Reißzähne“, Howards erster im Alter von 18 Jahren an die Zeitschrift Weird Tales verkaufter Geschichte: Geschildert wird der Konflikt zwischen Cro-Magnon-Menschen und Neandertalern in der Steinzeit – erstere etwas und letztere extrem barbarisch dargestellt, wie es Anfang des 20. Jahrhunderts noch weithin den etablierten Klischees entsprach. Überhaupt sind geschichtliche Bezüge, verhältnismäßig gut recherchiert, typisch für Howards Werk, zu dem schließlich auch ganze Zyklen historischer Erzählungen gehören (auf Deutsch u.a. in den Sammelbänden „Die Schwertkämpferin“ und „Der Löwe von Tiberias“ erschienen). Gerne lässt er dabei auch mehrere Zeitebenen sich überschneiden – in „Das Feuer von Asshurbanipal“ etwa, wo Schatzsucher eine alte assyrische Ruinenstadt in der arabischen Wüste aufsuchen, oder in „Volk der Finsternis“ selbst, da in Form einer Vision Ereignisse in der Gegenwart mit solchen in der fernen britischen Vorgeschichte parallelisiert werden.

Der Mythos des Cthulhu: Erzählungen von [Robert E. Howard]

Das Werk von Robert E. Howard lädt auf vielerlei Weise zur Erörterung ein: Hinsichtlich der verarbeiteten historischen Stoffe und ihrer Forschungsgeschichte im frühen 20. Jahrhundert ebenso wie im Kontext der zeitgenössischen Phantastik aus dem Umkreis von Weird Tales, gleichsam vor dem Hintergrund der Person und Biographie Howards wie seiner literarischen Bekanntschaften und Vorbilder. Bei aller Analyse aber sind die phantastischen Geschichten doch zuallererst großartige Unterhaltung, die so lebendig wie das Werk kaum eines anderen in exotische Zeiten und Länder voller finsterer Bedrohungen entführt.

Mehrere Geschichten aus „Volk der Finsternis“ sind übrigens auch in dem jüngst erschienenen Band „Der Mythos des Cthulhu“ enthalten. Dieser versammelt als Paperback (im Gegensatz zu den teuren Hardcovern der fünfbändigen Reihe) auf rund 500 Seiten sämtliche Cthulhu-Mythos-Geschichten Howards, die verteilt auch in den gesammelten Horrorgeschichten enthalten sind.

Steine für Giganten (1/3) – Die Riesenhämmer von Great Orme

Bearbeitete und unbearbeitete Steingeräte aus der Great-Orme-Mine (Lewis 1996, 115).

Wohl in die tausende gehen die Berichte über Skelette von Riesen, die angeblich zu allen Zeiten und in vielen Ländern entdeckt wurden. Doch neben diesen hat längst auch eine andere Fundgattung das Interesse der parawissenschaftlichen „Gigantologie“ geweckt: Werkzeuge von einer solchen Größe, dass vermeintlich nur übermenschlich große Personen sie benutzt haben können. Während die Riesenskelette seltsamerweise samt und sonders nicht mehr auffindbar sind, lassen sich manche dieser Artefakte durchaus in Museen bestaunen. Ein Beispiel für solche Objekte bilden die „Riesenhämmer“ der Great-Orme-Mine, die inzwischen auf zahlreichen einschlägigen Seiten zitiert werden.

2008 erschien im Nexus-Magazin ein Artikel mit dem Titel „Riesenmenschen wandelten auf der Erde“.[1] Der Autor Ted Twietmeyer ist langjähriger Projektmanager, der nach Aussage des Autorenportraits der Zeitschrift bereits für die NASA und das US-Verteidigungsministerium arbeitete. Schwerpunkt des Artikels bildet die Vorstellung mutmaßlicher Riesen-Artefakte. Garniert wird dies durch generetypische Ausblicke auf falsch betitelte mesopotamische Reliefs und vorzeitliche Megalithanlagen. Mittlerweile ist der gesamte Text im alternativhistorischen Portal Atlantisforschung.de verfügbar, auch eine englische Fassung findet sich auf mehreren einschlägigen Seiten im Internet.[2] Der Riesen-Blog Greater Ancestor World Museum übernahm einen Großteil des Artikels wortwörtlich, aber ohne Quellenangabe.[3]

Die Hammersteine von Great Orme

Im Norden von Wales liegt die Great-Orme-Mine, mit über acht Kilometern an Tunneln die größte bislang entdeckte vorgeschichtliche Kupfermine. In der Bronzezeit von 1800 – 1200 v.u.Z. wurde hier in großem Maßstab Kupfer abgebaut, bevor mit Erreichen des Grundwasserspiegels und der zunehmenden Etablierung von Eisen schließlich die Bedeutung des dortigen Bergbaus schwand. Erst in der Neuzeit kam es zu neuerlichen Minenaktivitäten, die vom 18. bis ins frühe 19. Jahrhundert andauerten. Ausgrabungen förderten über 20.000 Tierknochen und rund 3.000 Steinhämmer zutage, die die Great-Orme-Mine zu einem herausragenden archäologischen Fundplatz machen.[4]
Das Gewicht der steinernen Hämmer rangiert zwischen 2 und 29 kg bei einer Länge von 5 bis 40 cm.[5] Während also die meisten Stücke relativ konventionelle Ausmaße zeigen, fallen einige deutlich aus dem Rahmen. Auf diese „Riesenhämmer“ bezieht sich Twietmeyer in seinem Artikel:

Die größten heute benutzten Vorschlaghämmer wiegen 20 Pfund (etwa 9 kg) (Abb. 1), obwohl solche in der 10-Pfund-Kategorie (4,5 kg) im Alltag häufiger zu finden sind. Ein erwachsener Mensch (ohne Rückenprobleme) kann einen 20-Pfund-Hammer schwingen, wenn auch nur für begrenzte Zeit. […] Also – wer oder was hätte diesen Knochenjob mit einem 64-Pfünder ausüben können? Erhöhen wir einmal die Körpergröße der damaligen Menschen auf Proportionen, die sie in die Lage versetzen würden, so ein Werkzeug zu benutzen. Dann müssen die Arbeiter in der Kupfermine Riesen gewesen sein – vielleicht 3,70 m bis 5,50 m groß, etwa dreimal größer als ein heutiger Durchschnittsmensch.“[6]

Die Existenz der überdimensionierten Hämmer wird in den archäologischen Publikationen bestätigt – nur über ihre Deutung lässt sich streiten. Kommen tatsächlich nur Riesen als Nutzer solch schwerer Werkzeuge in Betracht?

Überdimensionierte Waffen und Werkzeuge sind im archäologischen Befund kein Einzelfall und werden regelmäßig von Befürwortern der Riesenthese herangezogen. Anhand der Objekte selber lässt sich meist weder eine Nutzung noch eine Nicht-Nutzung durch Riesen belegen, Urteile hierzu geschehen eher über Plausibilitätsargumente wie Ockhams Rasiermesser[7]. Anders sieht es tatsächlich bei den Hämmern von Great Orme aus. Abnutzungsspuren belegen hier, dass die meisten der Steine tatsächlich genutzt wurden, was etwa eine Deponierung als bloßes „Kultobjekt“ eher ausschließt.[8] Anhand von Bearbeitungsspuren lässt sich teilweise auf die Art Nutzung schließen, wie Andrew Lewis in seiner Abschlussarbeit über die Great-Orme-Mine erläutert:

A few (~5%) of the tools exhibited signs of modification to aid with hafting for handles or supportive slings. Where modification was observed it normally consisted of light nicking or pecking on either side of the midriff, or in exceptional cases, shallow grooving to the same positions (figures 29g, 30g). Modified hammers from the surface spoil deposits tend to be around 3kg in weight. No hammers with continuous grooving are known from the site. In the case of the large hammers or pounders, even though no signs of modification are present, it would have been difficult to handle such large tools and therefore some type of sling arrangement is likely to have been fitted, perhaps used in a similar fashion to the modern day ‘demolition hammer’.[9]

Nur ein kleiner Teil der Hammersteine zeigt Modifikationen zur Befestigung an Stielen oder Schlingen, darunter keiner der überdimensionierten Hämmer. Der Vergleich mit einem geschäfteten Hammer, wie er heutzutage verwendet und von Twietmeyer skizziert wird, ist damit gegenstandslos und zeugt von mangelhafter Kenntnis der tatsächlichen Funde.
Vielmehr, so die Annahme von Lewis, könnten die großen Steine in einer Schlingenvorrichtung ähnlich modernen Abrissbirnen verwendet worden sein. Dabei wäre auch eine Beteiligung mehrerer Menschen beim Schwingen denkbar, ein Anheben und Zuschlagen mit bloßer Muskelkraft eines Einzelnen nicht notwendig. Diese banale Erklärung einer sinnvollen Verwendung der Hammersteine kommt ohne eine hypothetische Riesenrasse aus. Gemäß Ockhams Rasiermesser ist somit die Abrissbirnen-Hypothese zu bevorzugen, solange Existenz und Anwesenheit vorzeitlicher Riesen nicht anderweitig belegt sind. Doch könnte es sein, dass solche Belege längst vorliegen – in Form altorientalischer Bildnisse und megalithischer Monumente, wie Twietmeyer im Anschluss spekuliert?

(Twietmeyer 2008)

 

Weiter mit: Steine für Giganten II – Riesen im alten Mesopotamien?

Weiter mit: Steine für Giganten III – Riesen als Megalithbaumeister?

Artikel als PDF: WK.LI_2020_Steine für Giganten

Quellen

[1] Ted Twietmeyer, Riesenmenschen wandelten auf der Erde. Nexus-Magazin 17 (2008).
Kopie unter: https://atlantisforschung.de/index.php?title=Riesenmenschen_wandelten_auf_der_Erde

[2] Ted Twietmeyer, There Were Giants in the Earth in Those Days: Evidence Of Giants Who Walked The Earth…..Page 25

Ted Twietmeyer, Evidence Of Giants Who Walked The Earth.

[3] Greater Ancestor World Museum, Who could have weilded a 64lb Hammer? (28.04.2011)

[4] Sian James: Digging into the darkness: the experience of copper mining in the Great Orme, North Wales, in: Marion Dowd / Robert Hensey (Hg.), The Archaeology of Darkness. Oxbow Books, Oxford/Philadelphia 2016, 75-83 (76). Twietmeyer bezieht sich mit einer Angabe von 6 km Länge und über 2.500 Hämmern womöglich auf eine ältere Quelle.

[5] C. Andrew Lewis: Prehistoric Mining at the Great Orme. Criteria for the identification of early mining. University of Wales, Bangor 1996, 118: „The most common (90-95%) implement from the site are unmodified generally ovoid shaped pebble, cobble and boulder sized beach derived stones, typically they are described as hammers, mauls, pounders and crushers. They vary greatly in size and shape from some of 50mm long, 0.25 kg in weight to others up to 400mm long and weighing 29kg (64lbs).”

[6] Twietmeyer 2008.

[7] d.h. die Erklärung ist am geeignetsten, die mit den geringsten Zusatzhypothesen auskommt, womit „konventionellen“ Erklärungen etwa gegenüber Riesen, Aliens und Zauberei zu bevorzugen sind.

[8] Lewis 1996, 118.

[9] Lewis 1996, 118 f.

[10] Twietmeyer 2008.

Steine für Giganten (2/3) – Riesen im alten Mesopotamien?

(Twietmeyer 2008)

Auf die Great-Orme-Werkzeuge folgt der obligatorische Hinweis auf die biblischen Nephilim (samt außerirdischer Deutung), die in keiner grenzwissenschaftlichen Publikation über Riesen fehlen dürfen. Eindrucksvoller aber scheinen Relikte aus einem anderen Kulturkreis: „In sumerischen Texten und Bildern finden wir Hinweise auf eine Riesen-Rasse“. Anstelle von Texten jedoch müssen zwei Abbildungen herhalten, die auf den ersten Blick für sich sprechen.
Die Wahl ausgerechnet der Sumerer kann kaum ein Zufall sein: Kaum eine Zivilisation (ausgenommen Ägypten) steht mehr für uralte Hochkultur mit rätselhaften Überlieferungen. Durch Zecharia Sitchins Anunnaki-Theorien ist die sumerisch-babylonische Mythologie untrennbar mit den Thesen der Präastronautik assoziiert. Hinzu kommt die geographische wie kulturelle Nähe zum antiken Israel, der von nur allzu vielen Riesen bevölkerten Welt des Alten Testaments. All dies vermag zusammen mit Bildern beeindruckender Kunstwerke hervorragend darüber hinwegzutäuschen, dass gerade Mesopotamien hinsichtlich seiner Überlieferungen ein erstaunlich riesenarmer Kulturkreis ist. Doch bereits die beiden Bilder bergen Probleme.

Bei der Abbildung 4 handelt es sich um die Monumentalstatue AO19861, heute neben mehreren menschenköpfigen Stieren im Louvre zu bestaunen. Betitelt ist sie doppelt fehlerhaft als „Sumerischer Riese mit sechs Fingern“. Tatsächlich ist die Statue mitnichten sumerisch. Vielmehr stammt sie aus Dur Šarrukin (heute Chorsabad), einer der Residenzstädte des Neuassyrischen Reiches. Der assyrische König Sargon II. (721-705 v.u.Z.) ließ sie ab 717 als neue Königsresidenz erbauen. Nach seinem Tod jedoch wurde der Regierungssitz von seinem Sohn und Nachfolger Sanherib aufgegeben und der Regierungssitz nach Ninive verlegt.[2] Die assyrische Statue datiert damit rund 1300 Jahre jünger als das Ende der sumerischen Kultur.
Dass die überlebensgroße Figur auch tatsächlich eine übergroße Person repräsentiert, erkennt man an dem zugehörigen Löwen – eigentlich lebensgroß dargestellt, erscheint dieser in den Armen des hünenhaften Helden wie eine harmlose Hauskatze. Dargestellt ist möglicherweise der aus dem Gilgamesch-Epos bekannte Held Enkidu. Diese alles andere als sichere Identifikation beruht nicht zuletzt auf der sehr ähnlichen, vom selben Ort stammenden Statue AO19862. Diese wird unter anderem aufgrund der Maße als Abbild des mythischen Königs Gilgamesch gedeutet. Sie ist mit rund 5,5 m ebenso groß wie der legendäre Held nach Aussage des bekannten Epos. Enkidu wird im Epos als ein wenig kleiner beschrieben, was auch auf die zweite Statue zutrifft.[3] Ist diese Identifikation korrekt, so sind mit den beiden Statuen tatsächlich die beiden einzigen bekannten Riesen der mesopotamischen Mythologie dargestellt. Das Gilgamesch-Epos charakterisiert beide eindeutig als übermenschlich groß – auch wenn sie keine Vertreter einer besonderen Rasse von Riesen sind. Gilgamesch ist als Sohn der Göttin Ninsumun und des zumindest teilweise göttlichen Königs Lugalbanda „zu zwei Dritteln Gott und einem Drittel Mensch“, von den Göttern mit besonderen Eigenschaften ausgestattet. Enkidu dagegen wird von der Muttergöttin Aruru individuell aus Lehm geschaffen, um Gilgamesch einen gleichstarken Gegner entgegenzusetzen. Andere explizit als Riesen charakterisierte Gestalten existieren in der mesopotamischen Mythen- und Sagenwelt nicht[4] – einen Grenzfall vielleicht ausgenommen:
Durch die markante Frisur verkörpert die Statue zugleich den ikonographischen Typus des „sechslockigen Helden“. Diese Gestalten treten vor allem in Siegelbildern häufig auf. Dort kämpfen sie meist gegen Tiere und Mischwesen oder dienen als Torwächter. Ob sie als Riesen vorgestellt wurden, lässt sich aufgrund der nicht naturalistischen Proportionen der Siegelbilder unmöglich sagen. Nach einer etablierten Theorie sind diese bildlich belegten „Helden“ mit den in mythologischen und rituellen Texten bezeugten Laḫmū zu identifizieren. Diese treten mythisch vor allem als Diener des Weisheitsgottes Enki (akkadisch Ea) auf[5]; zudem werden sie als schützende Numina in Ritualen angerufen. Konkrete Belege für eine Vorstellung der Laḫmū als Riesen gibt es keine.

Höher aufgelöstes Foto der Statue – der „sechste Finger“ ist nur das Ende des Griffes in der Hand.

Die Erwähnung von „sechs Fingern“ bei Twietmeyer ist eine in grenzwissenschaftlichen Kreisen wohlbekannte Chiffre: Ausgehend von der Beschreibung eines Riesen mit sechs Fingern und Zehen an Händen und Füßen in der Bibel[6] wird dieses Detail regelmäßig den hypothetischen vorzeitlichen Riesenrassen zugeschrieben. Ist also auch ein mesopotamischer Riese so dargestellt, bestünde eine Verbindung und somit ein Beleg für die biblische Riesenüberlieferung der Nephilim – so die Theorie.
Bei näherer Betrachtung kommen hinsichtlich der sechs Finger jedoch gewisse Zweifel. Was auf dem schlecht aufgelösten Foto bei Twietmeyer wie ein zweiter Daumen an der Innenseite der Hand aussieht, offenbart sich bei einem besseren Foto der Statue[7] als bloßer Fortsatz vom Griff der Knute in der Hand des Helden. Auch die zweite Hand weist nur fünf sichtbare Finger auf.

Die zweite Abbildung betitelt Twietmeyer als „Sumerische Tontafel mit sitzendem Riesen-König“. Auch hier stimmt wenig: Das Relief ist weder sumerisch noch eine Tontafel noch die Darstellung eines Riesenkönigs.
Abgebildet ist die Steintafel des Nabû-apla-iddina, durch die Inschrift eindeutig in das Jahr 853 v. Chr. und damit in die neubabylonische Zeit zu datieren (über 1100 Jahre nach dem Ende der sumerischen Kultur). Bei der thronenden Gestalt handelt es sich nicht um einen Riesenkönig, sondern um den Sonnengott Šamaš. Die mehrfache Hörnerkrone identifiziert den Sitzenden als Gottheit; die Zuordnung zu Šamaš belegen sowohl die vor ihm zu sehende Sonnenscheibe als auch die Inschrift.[8]

Der Name des Gottes: dUTU = Šamaš

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Quellen

[1] Twietmeyer 2008.

[2] Grant Frame: Khorsabad, in: Eric M. Meyers (Hg.), The Oxford Encyclopedia of Archaeology in the Ancient Near East Volume 3. Oxford University Press, New York/Oxford 1997, 295-298 (295).

[3] Amar Annus: Louvre Gilgamesh (AO 19862) is depicted in life size. NABU 2012, Nr. 32.

[4] Der im Gilgamesch-Epos auftretende Gegner Humbaba (sum. Huwawa) wird zwar modern häufig als Riese bezeichnet, im Text jedoch eher als eine übernatürlich-göttliche Entität beschrieben.

[5] So etwa im Atram-ḫasis-Epos und der mythischen Erzählung Inana und Enki.

[6] 2. Sam. 21, 20-21: „Und es erhob sich noch ein Krieg bei Gat. Da war ein langer Mann, der hatte sechs Finger an seinen Händen und sechs Zehen an seinen Füßen, das sind vierundzwanzig an der Zahl, und auch er war vom Geschlecht der Riesen. Und als er Israel hohnsprach, erschlug ihn Jonatan, der Sohn Schammas, der ein Bruder Davids war.“

[7] Bild: Gil Dbd (Lizenz CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons)

[8] Winfried Orthmann (Hrsg.): Der Alte Orient. Propyläen Kunstgeschichte 14. Propyläen Verlag Berlin, Berlin 1975, 325 f (Nr. 248).

Steine für Giganten (3/3) – Riesen als Megalithbaumeister?

So stellte sich der Theologe Johan Picardt im Jahr 1660 die Errichtung von Großsteingräbern durch Riesen vor.

Die Idee, dass nur Riesen die großen Steine megalithischer Bauwerke bewegt haben können, ist nicht neu. Bereits die alten Griechen führten die bronzezeitlichen Stadtmauern von Mykene und Tiryns auf die mythischen Kyklopen zurück, weshalb bei Bauwerken aus sehr großen, unregelmäßig geformten Steinen noch immer von „Zyklopenmauern“ gesprochen wird. In hiesigen Breiten zeugen etwa die im Volksmund als „Hünengräber“ bezeichneten Großsteingräber der neolithischen Trichterbecherkultur von der Vorstellung, Riesen hätten diese errichtet. Vergleichbare Überlieferungen finden sich über die Megalithbauwerke vieler Länder – von den Mittelmeerinseln Malta und Sardinien bis zu den Dolmen auf den Golanhöhen, wo bereits die Bibel legendäre Riesenvölker verortete.
Diese Erklärung mag in den Augen der meisten heutigen Menschen abergläubisch erscheinen, leuchtet aber zumindest auf den ersten Blick ein. Doch sind Riesen tatsächlich eine so gute Erklärung für megalithische Bauwerke, deren Errichtung man normalen neolithischen Menschen und ihren damaligen Techniken nicht zutraut? Twietmeyer ist sich sicher:

Einige Prinzipien sind von Natur aus universell. Wer über sechs Meter groß ist und mit einem fünfeinhalb Meter langen Stein hantiert, für den wäre es wohl nicht schwieriger, ihn ins Erdreich zu setzen, als für einen modernen erwachsenen Menschen, einen Betonpfahl für einen Briefkasten aufzustellen. Das stellt die Sache vielleicht etwas zu simpel dar, aber Sie verstehen sicher das Konzept.“

Abhängig von der Größe der Wesen, die vor vielen Jahrtausenden auf der Erde wandelten, ist das Hantieren mit den zum Bau vieler Monumente benutzten Blöcken (Große Pyramide, Stonehenge) funktionell wohl nichts anderes, als wenn ein normaler Mensch einen Standard-Betonblock (20 x 20 x 40 cm) anhebt, wie er beim Hausbau verwendet wird.“

Recht hat er nur mit dem ersten Satz. Einige Prinzipien sind in der Tat von Natur aus universell – ebendiese aber widerlegen die folgenden Aussagen. Tatsächlich steht bereits die hypothetische Existenz von Riesen, erst recht aber ihre Beteiligung bei megalithischen Bauwerken vor einem physikalischen Problem:
Bei einer Verdopplung der Seitenlänge eines Körpers (etwa der Höhe eines Menschen) steigt dessen Masse im Kubik – während ein Würfel mit einer Kantenlänge von 1 m genau 1 m³ Volumen besitzt (1x1x1), sind es bei 2 m bereits 8 m³ (2x2x2), bei 3 m schon 27 m³ (3x3x3). Nehmen wir aus Gründen der mathematischen Einfachheit einen großen Menschen von 2 m Körperhöhe und einem Gewicht von 100 kg an (was gemäß BMI noch „Normalgewicht“, aber bereits knapp an der Grenze zum Übergewicht liegen soll, was auch immer dies bedeutet). Bei gleichen Proportionen hätte dieser Mensch folglich bei einer Größe von 3 m bereits ein Gewicht von 337,5 kg (100 kgx1,5×1,5×1,5), bei einer Größe von 4 m ein Gewicht von 800 kg. Twietmeyer spekuliert über Riesen von 3,70 m bis 5,50 m – letztere hätten bei zuvor genannten Proportionen ein Gewicht von rund 2.080 kg erreicht. Dasselbe gilt selbstverständlich auch für Megalithen, je größer ihre Ausmaße werden.

Was aber hat dies zu tun mit der Fähigkeit von Riesen, große Steine zu bewegen?
Das Problem liegt in der Natur der Muskulatur: Die Muskelkraft ist nicht abhängig von der Masse des Muskels, sondern von der Summe der Querschnitte sämtlicher Muskelfasern. Diese entspricht näherungsweise dem Querschnitt des gesamten Muskels und wird als physiologischer Querschnitt bezeichnet.[1] Der zweidimensionale Querschnitt aber wächst bei verdoppelter Größe eben nicht im Kubik, sondern nur im Quadrat (ein zweidimensionales Quadrat von 2 m Seitenlänge hat eine Fläche von 4 m², der entsprechende Würfel jedoch eine Masse von 8 m³). Dies bedeutet, dass bei selber Statur ein größeres Wesen zwar in absoluten Zahlen stärker, im Verhältnis zu seiner Körpermasse jedoch immer schwächer wird: „Da die Muskelkraft proportional zu der Querschnittsfläche eines Muskels ist, haben kleine Tiere relativ stärkere Muskeln im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht“[2]. Dies ist der Grund, weshalb winzige Ameisen im Verhältnis zu ihrer Körpermasse so viel stärker sind als wir und mühelos das Dreißigfache ihres eigenen Gewichts tragen können.[3] Für eine über sechs Meter große Person wäre es folglich eben nicht dasselbe, einen fünfeinhalb Meter langen Stein zu bewegen, wie für uns, einen dünnen Betonpfahl aufzustellen – sie müsste überproportional stärker sein, um dies zu vollbringen.

Die stärksten Gewichtheber unter uns Menschen vermögen für kurze Zeit über 400 kg zu heben – jedoch nicht weiter als auf Kniehöhe und nur für wenige Sekunden, was für die Errichtung von Monumenten folglich ausscheidet. Zum Vergleich besser geeignet sind also Leistungen hinsichtlich des längeren Bewegens schwerer Steine.
In Húsafell auf Island befindet sich der 186 kg schwere Húsafell-Stein, der bis heute in Wettkämpfen im Gewichtheben genutzt wird. Dem kanadischen Strongman Gregg Ernst gelang es 1992 erstmals, den Stein 70 m weit zu tragen. Gebrochen wurde dieser Rekord erst 2017 von dem Isländer Hafþór Júlíus Björnsson (bekannt als der „reitende Berg“ Gregor Clegane in der Serie Game of Thrones), der den Stein 90 m weit trug.[4] Von einer vergleichbaren Leistung – zwar unter Mühen, doch erfolgreich den Stein anheben und über eine mittlere Distanz bzw. Zeitdauer zu tragen – müsste man auch zum Aufstellen von Megalithen ausgehen. Nennenswert größere Steine könnten von einzelnen Ausnahmeathleten zwar kurzzeitig gehoben, aber kaum sinnvoll transportiert werden.[5] Nehmen wir im Folgenden also die Leistung Björnssons – eines der stärksten Männer unserer Zeit an einem außergewöhnlich schweren Stein – zum Maßstab für eine optimistische Schätzung der Leistung riesischer Megalithbauer.
Hafþór Björnsson ist 2,05 groß und rund 180 kg schwer.[6] Nehmen wir für einen hypothetischen Riesenbaumeister also eine vergleichbare Statur und proportional größere Kraft an. Mit diesem Extrembeispiel wäre somit noch am ehesten das absolute Maximum des Denkbaren gegeben, das die Fähigkeiten eines durchschnittlichen Individuums noch bei weitem übersteigen dürfte. Die überproportionale Muskelmasse könnte freilich den Körperbau spiegeln, den man bei einem Riesen, der ein ungleich höheres Körpergewicht bewegen muss, ohnehin annehmen müsste. Ansonsten ist es höchst unwahrscheinlich, dass Menschen der Bronzezeit mit damaliger Ernährung etc. einen Trainingsstand vergleichbar modernen Bodybuildern erreicht hätten.
Bei einer Größe von 4 m käme ein solcher Bodybuilder-Riese auf ein Gewicht von rund 1.440 kg und könnte einen Stein von 744 kg bewegen. Bei einer Größe von 6 m, wie es Twietmeyer noch ernsthaft in Betracht zieht, käme man auf ein Eigengewicht von 4.860 kg (vergleichbar einem ausgewachsenen afrikanischen Elefantenbullen) und eine bewegbare Last von 1.674 kg. Während also der lebende Björnsson einen Stein von mehr als seinem Eigengewicht bewegen konnte, schafft bei selber Statur der Riese mit doppelter Körpergröße nur noch die Hälfte, bei dreifacher bloß ein Drittel seiner eigenen Körpermasse. Ein solcher Körperbau ist bereits ohne weitere Kraftakte problematisch – die Knochen des Riesen müssten ungleich stabiler gebaut sein, um nicht unter seinem eigenen Körpergewicht (zuzüglich eines zu transportierenden Steins) zu brechen. Dies läge zoologisch im Bereich des Denkbaren[7], würde aber eine solche anatomische Umstrukturierung voraussetzen, dass die hypothetische Riesenrasse kaum noch länger – wie stets von Grenzwissenschaftlern behauptet – zur menschlichen Gattung zählen dürfte. Doch ab von allgemeinen physiologischen Aspekten hypothetischer Riesen: Reicht diese Kraft überhaupt, um Megalithen zu bewegen?

Das Großsteingrab mit dem größten Deckstein in Schleswig-Holstein ist der Brutkamp in Albersdorf. Der Deckstein wiegt 23 Tonnen. Allein um diesen Fels zu bewegen, bräuchte es also 14 Riesen von 6 m Größe und maximal muskulöser Statur – vorausgesetzt, diese könnten den Stein gleichzeitig anpacken und dabei das Maximum ihrer Kraft entfalten.

Der Brutkamp in Albersdorf (Kr. Dithmarschen), verglichen mit anderen Megalithanlagen noch ein relativ bescheidenes Bauwerk. Nicht weniger als 14 Riesen von maximal denkbarer Größe und Kraft bräuchte es, den Deckstein an seinen Platz zu bewegen. (Foto LI)

Die Sandsteinblöcke von Stonehenge wiegen mit bis zu 50 Tonnen sogar doppelt so viel. Mit 5 m Höhe sind sie kleiner als die Riesen selbst und immer noch kleiner als das Beispiel in Twietmeyers Artikel. Nicht weniger als 30 perfekte Riesen müssten einen solchen Stein anpacken, um ihn zu heben und zu bewegen – wesentlich mehr natürlich, wenn man solche mit durchschnittlicher Körperkraft ansetzen würde. Ohne Hilfsmittel zur Kraftverstärkung wie Seile, Flaschenzüge etc. ist es rein mechanisch undenkbar, dass diese den Stein gemeinsam effektiv packen könnten.
Stonehenge markiert in Sachen Megalithen noch keinesfalls das Ende des Spektrums vorgeschichtlicher Megalithen: Manche Monolithen wie ägyptische Obelisken, die große Stele von Aksum (Äthiopien) oder der Menhir von Locmariaquer (Bretagne) erreichen ein Gewicht von über 300 Tonnen. Die Zyklopenmauer von Sacsayhuaman (Peru) besteht aus Steinen von bis zu 200 Tonnen, eine Statue Ramses II. am Ramesseum in Theben (Ägypten) wiegt sogar ganze 1.000 Tonnen. Ganze 180 Riesen von maximaler Größe und Kraft müssten ihre Kräfte bündeln, um nur durch Muskelkraft einen Monolithen von 300 Tonnen zu bewegen.

Diese Berechnungen zeigen nicht, dass hypothetische Riesen nicht in der Lage gewesen wären, megalithische Monumente zu errichten – dies wären sie mit Sicherheit. Vielmehr beweist die Milchmädchenrechnung, dass es selbst Riesen allein kraft ihrer bloßen Muskelkraft nicht möglich gewesen wäre. Sehr wohl hätten Riesen – nimmt man ihre tatsächliche Existenz an – bei solchen Bauprojekten mitwirken und durch ihre übermenschliche Kraft manche Mühe reduzieren können. Jedoch wären auch sie genau wie Menschen auf intelligente Methoden der Kraftübertragung und Aufwandsminimierung angewiesen gewesen: Schlitten und/oder Holzrollen, um Steine mit weitaus weniger beteiligten Arbeitern über Distanzen zu bewegen; Seile, um diese mit mehr Männern zu ziehen, als unmittelbar anpacken könnten; Rampen, um den Stein an einen höher gelegenen Zielpunkt zu befördern; schließlich Kenntnis von Hebelwirkung und anderen physikalischen Kräften, um kraftsparende Bewegungen zu ermöglichen. Wasser konnte genutzt werden, um den Boden vor einem Schlitten zu befeuchten und damit die Reibung zu vermindern, wie es etwa auf einem Relief im Grab des Djehutihotep (Ägypten) zu sehen ist. In vielen Kulturen (so den jungneolithischen Megalithkulturen Mittel- und Nordeuropas wie der Trichterbecherkultur) dürften zudem Rindergespanne zum Ziehen von Steinen eingesetzt worden sein. Dies sind all jene Methoden, die auch die seriöse Wissenschaft für die Errichtung von Megalithmonumenten durch Menschen annimmt.

Relief aus dem Grab des Djehutihotep (12. Dynastie), Deir el Bersha. 172 Arbeiter ziehen eine Statue von ca. 58 Tonnen, andere befeuchten den Boden vor dem Schlitten mit Wasser. (Quelle)

Dass all dies keine bloße Theorie ist, beweisen moderne Versuche: So errichteten Archäologen und Studenten am 14.05.2015 mit prähistorischen Methoden (wenngleich ohne Einsatz von Ochsengespannen) ein Großsteingrab mit einem Deckstein von 4,7 Tonnen auf dem Campus der Universität Kiel.[9] Ein 32 Tonnen schwerer Deckstein wurde in Bougon, Frankreich, bereits 1997 mit wenigen Dutzend Menschen über eine Strecke von 4 km gezogen, nachdem derselbe Versuch bei anderer Technik 1979 noch 200 Helfer erfordert hatte. Und einer der Trilithen von Stonehenge, aus Beton gewichtsgetreu nachgegossen (mit 5 Tonnen schwerem Deckstein), wurde 1990 in der tschechischen Stadt Strakonice durch Einsatz von Seilen und Hebeln (ohne Flaschenzüge) aufgerichtet, wobei zehn Leute drei Tage arbeiteten.[10] Dass sich solche Methoden im Ausmaß fast beliebig steigern lassen, beweist der Fall des größten jemals von Menschen bewegten Felsens: Der Donnerstein, Basis für die bronzene Reiterstatue Zar Peters des Großen auf dem Senatsplatz in St. Petersburg, wiegt nicht weniger als 1.250 Tonnen. Vor der endgültigen Bearbeitung sogar rund 1.500 Tonnen schwer, wurde er 1770 innerhalb von 9 Monaten von 400 Männern vom 22 Kilometer entfernten Lachta nach St. Petersburg befördert. Dabei kamen zwar Spille zur Konzentration der Kraft, jedoch keine Zugtiere oder Maschinen zum Einsatz.[11] Es ist bei intelligenter Anwendung einfacher Mittel also auch für Menschen ohne Unterstützung durch moderne Technologie oder übermenschliche Helfer möglich, gewaltige Megalithen zu bewegen. Gesteht man diese einfachen Mittel aber einer „primitiven“ Kultur nicht zu, so wären auch Riesen keine Lösung des Problems gewesen – selbst bei unrealistischer Größe und Trainingsstand hätte deren Kraft für viele bezeugte Megalithen nicht ausgerecht.
Selbst wenn, wie es sich die Grenzwissenschaftler ausmalen, in der Vorzeit Riesen existiert und bei der Errichtung von Megalithanlagen geholfen hätten, so hätten die Arbeitstechniken nichtsdestotrotz dieselben sein müssen wie ohne sie. Allenfalls hätten die Riesen die Anzahl der nötigen Arbeiter reduziert – ob dies in Anbetracht ihres auch exponentiell größeren Ressourcenverbrauchs aber auch langfristig effizienter gewesen wäre als die Unterhaltung einer größeren Zahl menschlicher Arbeitskräfte, ist eine andere Frage. Die Schlussfolgerung lässt sich folglich simpel zusammenfassen: Gab es Riesen, hätte man trotzdem Technik gebraucht. Gab es aber Technik, so braucht man keine Riesen mehr.
Megalithbauwerke können also ebenso wenig wie die zuvor skizzierten Aspekte als Argumente für die Annahme einer früheren Riesenrasse herhalten.

Rekonstruiertes Ganggrab an der Uni Kiel. Den Deckstein hätte selbst der stärkste Riese nicht anheben können – Studenten mit der richtigen Technik dagegen schafften die Errichtung (Foto LI).

Rekonstruiertes Ganggrab an der Uni Kiel. Den Deckstein hätte selbst der stärkste Riese nicht anheben können – Studenten mit der richtigen Technik dagegen schafften die Errichtung (Foto LI).

Fazit

Der Artikel von Ted Twietmeyer steht nur exemplarisch für ein ganzes Genre vulgär-archäologischer Parawissenschaft, die sich durch ignorante Unkenntnis realer Zusammenhänge auszeichnet. Aus der oberflächlichen Betrachtung antiker Befunde werden gewagte Thesen festgemacht, die bereits mit nur wenig tiefer gehenden Sachkenntnissen und logischen Überlegungen nicht mehr vereinbar sind: Hammersteine, die aufgrund ihrer Bearbeitung nicht zum Einsatz vergleichbar modernen Hämmern geeignet waren, werden in Wort und Bild selbstverständlich als solche dargestellt, eine auf der Hand liegende alternative Anwendung nicht erwogen. Mesopotamische Bildzeugnisse werden aus ihrem Kontext gerissen und sensationell falsch betitelt, um oberflächliche Parallelen zu grenzwissenschaftlichen Topoi zu generieren. Die Argumentation hinsichtlich der Megalithen schließlich scheitert an den simplen Gesetzen der Physik.
Mag das altbekannte Motiv riesischer Megalithbauer vielleicht noch mit volkstümlichen Legenden konform gehen, erreicht doch die zweite Annahme Twietmeyers fast den Rang von Satire: Ihm zufolge „müssen die Arbeiter in der Kupfermine Riesen gewesen sein“. Tatsächlich sind viele Tunnel der Great-Orme-Mine extrem schmal, teilweise nur 20 cm breit – kaum zugänglich für normalgroße Erwachsene, unmöglich für noch größere Individuen. Allein die für ihre Ausmaße nötige Vergrößerung der Stollen hätte den Zugewinn an Arbeitskraft zunichte gemacht. Funde besonders kleiner Werkzeuge in diesen schmalen Bereichen der Great-Orme-Mine legen vielmehr nahe, dass man bereits in der Bronzezeit bevorzugt kleine Erwachsene oder Kinder zur Minenarbeit einsetzte, wie man es auch aus jüngerer Vergangenheit kennt.[12] Riesen wären aus offensichtlichen Gründen die letzten Personen gewesen, die man im Bergbau beschäftigt hätte.
Nicht umsonst haben Mythen und Sagen längst mit ganz anderem Ergebnis das Bild einer idealen Bergbaurasse geprägt: Es sind nicht Riesen, sondern Zwerge.

 

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Quellen

[1] https://flexikon.doccheck.com/de/Physiologischer_Querschnitt

[2] https://www.tagesspiegel.de/wissen/aha-warum-koennen-ameisen-so-viel-tragen/1331970.html

[3] Ebd.

[4] https://en.wikipedia.org/wiki/Húsafell_Stone

[5] Am 2. Mai 2020 hob Björnsson als erster Mensch 501 kg im Kreuzheben auf die Knie – dies jedoch nur mühsam und für wenige Augenblicke, was für Bauvorhaben wertlos wäre.
Quelle: https://www.reuters.com/article/us-weightlifting-deadlift-bjornsson/weightlifting-the-mountain-bjornsson-deadlifts-501-kg-to-set-world-record-idUSKBN22E0R1

[6] https://www.gq.com/story/game-of-thrones-the-mountain-workout

[7] Dass zweibeinige Landwirbeltiere prinzipiell einen für das Gewicht von mehreren Tonnen geeigneten Körperbau entwickeln können, beweisen prähistorische Raubdinosaurier (Theropoden) wie der Tyrannosaurus.

[8] Umzeichnung von Sir John Gardner Wilkinson (Wikimedia Commons, gemeinfrei).

[9] https://mysteria3000.de/magazin/ganggrab-an-der-uni-kiel-errichtet/

[10] Uta von Freden / Siegmar von Schnurbein (Hg.): Spuren der Jahrtausende. Archäologie und Geschichte in Deutschland. Theiss, Stuttgart 2002, 142.

[11] A. de Rochas: Transport du Pedestal de la Statue de Pierre le Grand A Saint-Pétersbourg. La Nature 470 (1882), 347-351.

[12] James 2016, 79.

The Handyman

Christopher Golden & James A. Moore - BLUTBESUDELT OZBentley Little ist einer der „Stammautoren“ des jungen Buchheim-Verlags – also auch kein Wunder, dass mit „The Handyman“ ein Werk von ihm als 6. Band der limitierten Cemetery Dance Germany-Reihe erschienen ist. Auf rund 400 Seiten inszeniert Little eine innovative Neuinterpretation des altbekannten Geisterhaus-Themas rund um den vielleicht schrecklichsten Handwerker der Schauerliteratur …
Die Kindheit von Daniel verlief ruhig und unspektakulär – bis seine Eltern auf die folgenschwere Idee kommen, ein Ferienhaus für die Familie zu erwerben. Der Nachbar und allzu von sich selbst überzeugte Bastler Frank Watkins bietet an, das Fertighaus für sie aufzubauen. Doch Frank ist seltsam – sein Auftreten wirkt künstlich, allem Anschein nach hat er auch Teile des Baumaterials veruntreut. Schließlich häufen sich seltsame Vorkommnisse: Schatten gehen im Haus umher. Daniel hat Albträume von Franks alter Frau Irene. Und schließlich findet man gar einen Haufen toter Hunde in dem Hohlraum unter dem Haus. Als dann auch noch Daniels kleiner Bruder bei einem Unfall ums Leben kommt, ist Frank längst über alle Berge und unauffindbar.
Jahrzehnte später – Daniel ist inzwischen ein etablierter Makler, die traumatischen Ereignisse und das Zerbrechen seiner Familie fast verdrängt. Dann aber stößt er wie durch Zufall auf eine junge Familie, deren Geschichte der seinen erstaunlich ähnelt. Das Ferienhaus seiner Eltern war nicht das einzige – wie sich herausstellt, hat Frank noch viel mehr Häuser gebaut, seine teuflische Saat über Jahrzehnte in den ganzen Vereinigten Staaten ausgebracht. Überall häuften sich rätselhafte Ereignisse, Katastrophen jeder Art und tragische Unfälle. Schon bald schlagen Daniels Recherchen in Obsession um – während sich ihm das Ausmaß des Grauens mehr und mehr offenbart, beschließt er, Frank zu finden und Rache zu nehmen …
„The Handyman“ ist kein bloßer Geisterhausgrusel. Vielmehr ist Bentley Little ein hervorragend atmosphärischer Horrorroman gelungen, in dem sich Erschreckendes, Unbekanntes und schaurige Ahnungen perfekt ergänzen. Obgleich bisweilen drastisch, sind explizite Gräuel doch nicht der Kern der Handlung. Immer weiter wird man hineingezogen in die Suche nach Frank, der überall unter anderem Namen auftaucht, eine Spur tragischer Schicksale hinter sich herzieht und anscheinend nie gealtert ist … Gerade die Ausweitung auf eine ganze Reihe von Häusern und Schicksalen macht die Geschichte besonders wirkungsvoll: Wie Kurzgeschichten werden im Mittelteil weitere Episoden eingebettet, Puzzlesteine in einem Mosaik des Grauens um den teuflischen Häuserbauer Frank. Lebendig geschilderte Einzelschicksale werden so auf eine noch weitere Ebene abstrahiert, die schließlich zunehmend kosmische Dimensionen annimmt. Für diese Brillanz des Spannungsaufbaus ist das Ende schließlich fast schon unangenehm unspektakulär, wo man vielleicht ein dramatischeres Finale erwartet hätte. Doch das tut der Gesamtqualität des Werkes keinen Abbruch – leicht und flüssig geschrieben, noch dazu atmosphärisch illustriert von Glenn Chadbourne, bleibt „The Handyman“ ein hervorragender Schauerroman, der auf einzigartige Weise lebendige Schicksale und wirkungsvollen Kontext, klassischen Gothic Horror und harten Thriller miteinander vereint.

Absorption

Absorption von [Ian Cushing]Mit „Absorption“ ist vor kurzem das dritte Buch von Ian Cushing (In Ewigkeit, Die Träne der Zauberschen) erschienen – nach einer Novelle und einem Roman handelt es sich nun um die erste Kurzgeschichtensammlung des engagierten Neuautors. Obwohl – oder vielleicht gerade weil – im Self-Publishing veröffentlicht, ist es dem Autor bereits gelungen, eine Art eigene Marke zu etablieren. Das atmosphärische Cover stammt wie bei den vorigen Bänden von dem Künstler Karmazid, diesmal jedoch ergänzt durch zahlreiche weitere Illustrationen am Anfang eines jeden Kapitels. Das dient nicht nur dem Wiedererkennungswert, sondern verleiht dem Werk auch schon eine allein optische Qualität, die mühelos mit Verlagspublikationen mithalten kann und einen unverwechselbaren eigenen Akzent setzt.
12 Geschichten und ein Gedicht sind hier auf rund 250 Seiten versammelt – in Genre und Thema grundverschieden und doch verwandt im charakteristischen Stil des Autors.
Ein Mann sieht sich an Weihnachten hilflos einer „Home Invasion“ gegenüber, ein König muss sich mit seltsam archetypischen Beratern herumschlagen und eine an überhaupt kein reales Vorbild erinnernde Politikerin wird plötzlich mit der Realität konfrontiert …
Klassische Horrorfilmfiguren verbringen ihr allzu unspektakuläres (Un-)Leben in einer Seniorenresidenz, der gemeinsame Tod eines unglücklichen Liebespaares bringt nicht das gewünschte Ergebnis und auch ein erfolgreicher Topagent ist nicht ganz das, wofür er sich hält …
Am längsten schließlich ist die letzte Geschichte „Der Spuk“ – ein drastischer Psychothriller über eine labile Frau, die seltsame Geräusche im Haus vernimmt und doch nicht annähernd das Ausmaß der menschlichen Abgründe um sich herum erahnt …
Cushings Werke sind nur allzu persönlich, in diesem Falle noch verstärkt durch ein kurzes Nachwort zu den Hintergründen einer jeden Kurzgeschichte. Gewichtige Themen wie Tod, Liebe und Demenz reizen Cushing zu manch philosophischen Szenarien, die gerade in ihren subjektiven Ansätzen die ganze Skala von kitschig bis zynisch ausreizen. Möglich wir das nur durch eine trotz unweigerlicher Kürze meisterhaft lebendige Charakterzeichnung, beim introvertierten Musikliebhaber ebenso wie beim alten Ehepaar und eiskalten Psychopathen. Rund um die in mehreren Geschichten auftretende Ortschaft Pfuhlenbeck zeichnet sich mittlerweile ein ganzes Universum mit wiederkehrendem Figureninventar ab: In gleich zwei Geschichten begegnen wir Hank, einem schamlos herumphilosophierenden Trinker, der seinen dritten Auftritt übrigens in einem Beitrag der Anthologie „Zombie Zone Germany“ hat. Und auch die teils toten, teils lebendigen Protagonisten aus „Die Träne der Zauberschen“ erleben manch unerwarteten neuen Auftritt. Man kann gespannt sein, wie sich dieser Kosmos im Zukunft entwickeln mag …
Von Phantastik und Drama bis zum Märchen – „Absorption“ bedient ganz verschiedene Genres und lässt sich doch im Ganzen unmöglich einordnen. Innovativ aber sind alle Geschichten – so unterschiedlich auch ihre jeweilige Aussage, wird doch eine jede pointiert und plastisch zum Leben erweckt. Durchaus von einiger literarischer Qualität, liest sich das Buch doch aller Bedeutungslast zum Trotze kurzweilig und unterhaltsam – eine lohnende Lektüre also, die buchstäblich zur Absorption einlädt.

Anmerkung: Persönliches Rezensionsexemplar – könnte Spuren von Befangenheit enthalten.