Widow’s Point

Widow's PointIn Amerika ist der Verlag „Cemetery Dance“, in dem bereits zahlreiche Werke namhafter Horror-Autoren erschienen, längst Kult. Nun endlich hat es sich der jüngst gegründete Buchheim-Verlag auf die Fahnen geschrieben, „Cemetery Dance“ auch nach Deutschland zu holen und ausgewählte Titel in einer limitierten Reihe für Sammler zu veröffentlichen. Den Anfang macht „Widow’s Point“, eine kurze Geisterhausnovelle aus der Feder von Richard und Billy Chizmar – als Sammlerausgabe sogar signiert von beiden (erhältlich über den Online-Shop des Festa-Verlags).
Im Zentrum des Buches steht der gleichnamige Leuchturm bei Harper’s Grove, dem ein dunkler Fluch nachgesagt wird. Dem will der Autor Thomas Livingston auf den Grund gehen – und lässt sich für ein Wochenende im verlassenen Leuchtturm einschließen …
Erzählt wird die Geschichte in Form der Aufzeichnungen Livingstons, den Aufnahmen seiner Kamera und seines Diktiergeräts. Das sorgt in Form einer literarischen „Found Footage“-Geschichte für ein allzu tiefes Eindringen in die bedrängende Atmosphäre, die sich immer enger um den ahnungslosen Livingston zieht. Während einerseits das Grauen des Leuchtturms in der Gegenwart Stück für Stück Fahrt aufnimmt, werden von Livingston auch zahlreiche vergangene Anekdoten zur Geschichte des Leuchtturms erzählt, was das hochverdichtete Handlungssetting in einen größeren Hintergrund einbettet. Das Geisterhausthema mag aus Film wie Literatur längst ziemlich abgenutzt sein, doch wirkt auch dieses weitere Werk noch relativ frisch in der Art seiner allzu lebendigen Inszenierung beider Erzählebenen. So ist die Novelle „Widow’s Point“ nicht nur eine würdige Einführung in die neue Reihe „Cemetery Dance“, sondern auch wunderbare Gruselunterhaltung – für eine kurze Zeit jedenfalls. Der einzige Makel an dem zwar großformatigen, aber relativ dünnen und groß geschriebenen Buch ist nämlich seine Kürze – mehr als eine gemütliche Lesesitzung vermag die Geschichte um den unheimlichen Leuchtturm letztlich nicht zu füllen.