Riesenskelettfunde (Überblick)

Modell eines Riesenskelettes im Mystery Park Interlaken, für die Ausstellung Unsolved Mysteries rekonstruiert aus einem Schädelfragment aus Ecuador (Foto LI, dazu auch Colavito 2016)

Eigene Recherchen:

Seit mindestens dreitausend Jahren beschäftigt eine Sorte rätselhafter Funde immer wieder die Menschen: Knochen und Skelette gewaltiger, menschenartiger Wesen – Riesen. Bereits antike Berichte und Mythen nehmen auf solche Ausgrabungen Bezug, ebenso Quellen des Mittelalters. Eine Hochzeit erlebten sie jedoch im Amerika des 19. Jahrhunderts, wo aus Zeitungen, lokalen Chroniken etc. hunderte bis tausende angebliche Funde von Riesenskeletten (bzw. -knochen und -mumien) belegt sind. Insbesondere diese Quellen dienen einer ganzen Subdisziplin der heutigen Grenz- und Pseudowissenschaft als Grundlage für Theorien über vorzeitliche Riesenvölker. Neben Verbindungen mit der Prä-Astronautik sowie diffusionistischen (-> Moundbuilder-Mythos, Riesen als überlegene Kulturbringer) und katastrophistischen (-> Atlantis) Geschichtsmodellen ist diese „Gigantologie“ besonders häufig in kreationistischen Weltbildern beheimatet. Zentrale Themen sind hierbei die auch in der Prä-Astronautik beliebte, auf Genesis 6 sowie das apokryphe Buch Henoch zurückgehende Theorie, die Riesen seien einer Vermischung von „Gottessöhnen“/Engeln und menschlichen Frauen entsprungen, sowie die (falsche) Annahme, die Existenz von Riesen würde die (falsch verstandene) Evolutionstheorie widerlegen.
Von anderen „krypto-archäologischen“ Themenkreisen unterscheiden sich die angeblichen Riesenskelette durch die unglaublich große Zahl an Einzelquellen. Wenn auch die Skelette selbst in der Regel nicht physisch vorliegen, so geht die Zahl schriftlich erwähnter in die tausende. Schon allein aus diesem Grund und der oft undurchsichtigen Quellenlage ist es weder möglich noch zu erwarten, all diese Fälle aufzuklären. Daher können für die Masse der Berichte oft nur Plausibilitätsschlüsse und Vermutungen auf Basis der wenigen sicher beurteilbaren Fälle erfolgen. Insofern lässt sich der tatsächliche Ursprung mancher Skelette in realen Riesen (d.h. einer deutlich größeren anderen Menschenart) natürlich nicht sicher ausschließen, doch fehlen bislang konkrete positive Belege für diese Annahme. Dass bislang kein echtes Riesenskelett von der akademischen Wissenschaft untersucht und publiziert wurde, erklären die einschlägigen Gigantologen in der Regel mit Verschwörungstheorien, etwa bezüglich bewusster Verheimlichung solcher Funde durch die amerikanische Smithsonian Institution. Davon abgesehen sind bisher verschiedene andere Erklärungen vorgebracht worden, die einige mutmaßliche Funde sicher und eine große Zahl mit hoher Plausibilität erklären:

  1. Funde übergroßer Einzelindividuen, die etwa unter Gigantismus/Akromelagie litten. Dies kommt unbestritten vor und dürfte einen Teil der Funde erklären, ist jedoch rein statistisch nicht geeignet als Erklärung für die große Menge angeblicher Funde; auch überschreiten manche genannten Funde die dadurch mögliche Größe deutlich. Letzteres gilt auch für die Annahme überdurchschnittlich großer menschlicher Populationen, die sich mangels einschlägiger Daten meist auch nicht anderweitig belegen lassen.
  2. Messfehler bzw. falsche Vorstellungen menschlicher Knochenmaße. Dies erklärt nachweislich einen Teil der Fundmeldungen (s.u.).
  3. Fehlinterpretation fossiler Knochen prähistorischer Tiere, v.a. Mastodonten und Mammuts. Dies erklärt nachweislich eine große Zahl von Funden, gerade auch der extrem großen. Auch wenn solche Fehlinterpretationen vor allem in Antike und Mittelalter sowie bei einzelnen Knochen naheliegend sind, so kommen sie doch noch im 19. Jahrhundert und auch bei annähernd vollständigen Skeletten vor (z.B. Williamson County Giant). Unter den realen Funden wahrscheinlich die bedeutsamste Erklärung (s.u.).
  4. Falschmeldungen. „Fake News“ füllten bereits im 19. Jahrhundert die Zeitungen (berühmtestes Beispiel ist vielleicht die angebliche Entdeckung einer Rasse von Fledermausmenschen auf dem Mond). Ohne unabhängige Belege sind Zeitungsberichte gerade aus jener Zeit als Quellen nicht grundsätzlich vertrauenswürdig. Falschmeldungen sind in großer Zahl anzunehmen, im Einzelnen aber meist schwer nachweisbar. Immer wieder wurden auch reale, aber weniger spektakuläre Funde in Zeitungen oder bei Übernahme der Meldungen durch weitere Zeitungen hochstilisiert und/oder verfälscht.
  5. Verfälschung von Quellen bei der Wiedergabe – entweder durch frühere Zeitungsautoren, vor allem aber durch überambitionierte moderne Riesenforscher. Viele amerikanische Funde gehen auf reale Skelette zurück, die aber gar nicht riesig waren (s.u.). Dies geht von Missverständnissen bei altertümlichen Begriffen (z.B. double rows of teeth) oder Maßangaben bis hin zu eindeutigen Lügen rezenter Pseudowissenschaftler.

Die folgenden Links geben einen Überblick über die Quellen zu (angeblichen) Riesenskelettfunden einerseits, nachweislich aufgeklärter bzw. mit großer Sicherheit erklärbarer Einzelfunde andererseits. Intensiv befasste sich der Anthropologe Andy White mit den amerikanischen Riesenfunden und ihrer Rezeption, auch Jason Colavito beschäftigte sich wiederholt damit. Beim Wort „Riesen(-skelette etc.)“ in den folgenden Titeln sind meist die Anführungszeichen bzw. die Worte „angeblich“ bzw. „mutmaßlich“ mitzudenken – oft nämlich handelt es sich bei näherer Betrachtung (wahrscheinlich) nicht um solche. Dass einige Aspekte im Folgenden nicht oder nur mangelhaft berücksichtigt werden, ist bei diesem weit gefassten Thema unvermeidlich.

Allgemeine Überblicke – Artikel & Quellen

Andy White: „Ancient Giants“ (Überblick aller Artikel)

Jason Colavito: Giants in the Earth (Portal zu Artikeln & Primärquellen)

Atlantisforschung: Riesen, Zwerge & Co – Traumwesen, Märchengestalten oder prädiluviale Spezies? (viele unkritische Artikel & Quellen in deutscher Übersetzung)

Fehlinterpretation von Fossilien

Viele angebliche Riesenknochen und -skelette gehen auf Funde der Fossilien prähistorischer Großtiere zurück, meist Mastodonten und Mammuts, aber auch etwa Nashörner. Solche Knochen wurden in verschiedenen Kulturen als Reliquien behandelt und ausgestellt, so in der klassischen Antike aber auch in den mittelalterlichen Kirchen Europas, bei den Inka und Azteken sowie verschiedenen nordamerikanischen Indianerstämmen. Vereinzelt wurden bereits in der Antike vermeintliche Riesen- oder Monsterknochen später als zu Elefanten gehörig identifiziert. Vielleicht erstmalig erkannte 1728 der britische Gelehrte Hans Sloane die Reste prähistorischer Elefanten als verantwortlich für einen Großteil der bekannten Riesenfunde international, 1806 dann popularisierte der Begründer der modernen Paläontologie Georges Cuvier diese Erklärung. Nach geringerer Beachtung des Themas in der Forschung des 20. Jahrhunderts war es in den letzten Jahrzehnten vor allem die amerikanische Althistorikerin Adrienne Mayor, die mit ihren Büchern The First Fossile Hunters und Fossile Legends of the First Americans die Zusammenhänge griechisch-römischer und indianischer Mythen mit historischen Fossilfunden rekonstruierte. Mayor 2011 (127) verzeichnet insgesamt 26 aus antiken Quellen bekannte Fundplätze angeblicher Riesen- bzw. Monsterknochen im Mittelmeerraum (und 2 aus Indien), die durch neuzeitliche Fossilfunde am selben Ort bestätigt wurden. Laut verschiedenen antiken Texten (z.B. Pausanias) wurden diese Knochen in Tempeln und frühen Museen ausgestellt oder aufwendig wieder begraben – und tatsächlich gibt es zahlreiche archäologische Funde von vorzeitlichen Tierknochen an solchen Orten, unter anderem den „Heroengräbern“ in Messenien (Mayor 2011, 169 ff).
Oft wurden die Skelette prähistorischer Elefanten (deren Knochen den unsrigen nicht unähnlich sehen) in menschlicher Form montiert, was für viele Betrachter effektiv über den tierischen Ursprung hinwegtäuschte. Aus antiken und auch späteren Quellen besitzen wir zudem Zeugnisse für die Praxis, Skelette in dieser Form wiederzubestatten, was ihre humanoide Anordnung und Grabausstattung bei späteren Ausgrabungen erklärt. Solche Fehlinterpretationen kamen noch im 19. Jahrhundert zahlreich vor – und offenbar auch noch in der Gegenwart, wie manche „Beweismittel“ heutiger Riesenforscher belegen. Im Folgenden eine exemplarische Aufzählung angeblicher Riesenfunde, die letztendlich als fossile Faunenreste identifiziert wurden:

  • „Riesenknochen“ an schwedischen und Wiener Kirchen – u.a. Walknochen (Colavito 2015)
  • vor 1728: 9 verschiedene Riesenskelette/-knochen bei Sloane, die sich (meist anhand der Zähne) als Elefanten herausstellten (Sloane 1728)
  • 1613: 25 Fuß (~ 8m) großes Skelett des Riesen „Teutobochus Rex“ in Dauphiné, Fr. gefunden, Jahrhunderte später als Mastodon und dann Deinotherium identifiziert (Barthélémy 2013, de Blainville 1835)
  • 1725: Knochen von Stono, South Carolina – von Indianern und Kolonisten für Riesenknochen gehalten, nur afrikanische Sklaven und Wissenschaftler erkannten sie richtig als zu Elefanten (Mammuts) gehörig (Mayor 2005, 58)
  • 1827: Riesen von Tarija, Peru – u.a. Mastodon (Temple 1830)
  • 1843: wurde in Moldavien das Skelett eines prähistorischen Rhinozeros gefunden und von den Einheimischen fälschlich in Form eines menschlichen Riesen zusammengesetzt, was erst viel später von Paläontologen aufgeklärt wurde (Mayor 2011, 120 f).
  • 1845: Williamson County Giant – Mastodon (Smith 2013 und Smith 2016)
  • 1886: Riesenknochen von Cartersvilla, Ga. – Mammut (Inselmann 2020)
  • „Riesenzähne“ von Sardinien (White 2015)
  • (wahrscheinlich) die Riesenknochen des Carlos Vaca aus Ecuador, von Klaus Dona als Vorbild für den Mystery-Park-Riesen verwendet – Mastodon oder Faultier (Colavito 2016)

Sir Hans Sloane: Of the teeth and bones of elephants. The Philosophical Transactions 403-404 (1728), 457 ff. (auch Transkript bei Colavito)

Georges Cuvier: Sur les elephans vivans et fossiles. Annales du Museum d’Histoire Naturelle (Paris) 8 (1806), 3-58. (englische Übersetzung und Exzerpt bei Colavito)

Othenio Abel: Vorzeitliche Tierreste im deutschen Mythus, Brauchtum und Volksglauben. Gustav Fischer, Jena 1939.

Adrienne Mayor: The First Fossile Hunters. Dinosaurs, Mammoths, and Myths in Greek and Roman Times. Princeton University Press, Prinston 2011.

Adrienne Mayor: Fossile Legends of the First Americans. Princeton University Press, Princeton/Oxford 2005.

Riesenfunde in Europa (Antike, Mittelalter, Neuzeit)

Bereits klassische Autoren erwähnen vielfach Funde riesenhafter Knochen oder ganzer Skelette, die dann meist berühmten Heroen oder mythischen Ungeheuern zugeschrieben wurden. Es bestand die sich auch im Mittelalter (und bei modernen Kreationisten) fortsetzende Auffassung, in früherer Zeit seien die Menschen allgemein deutlich größer gewesen und seit dem „heroischen Zeitalter“ im Schrumpfen begriffen. Wie vor allem Adrienne Mayor herausstellte, dürfte es sich bei diesen Knochenfunden in der Regel um Fehlinterpretationen fossiler Tierreste (v.a. Elefanten) handeln.

Antike Quellen (Auswahl – nach Mayor 2011, 260-281):

  • Herodot 1,67-68 (Skelett des Orestes in Tegea – 10 Fuß) / 9,83 (Riesenskelett bei Plataiai)
  • Pausanias 1,35,3 (Knochen des Ajax bei Troja) / 1,35,5-6 (riesige Skelette des Asterios – 15 Fuß – und des Hyllos) / 3,22,9 (Riesenknochen in Asklepios-Heiligtum von Asopos) / 5,13,1-7 (Schulterblatt des Pelops) / 8,29,1-4 (Skelett des Orontes – 10 Ellen) / 8,32,5 (Riesenskelette in Megalopolis)
  • Strabon 17,3,8 (Riesenskelett des Antaeus in Marousia, Marokko – 60 Fuß)
  • Plinius der Ältere 7,73-75 (verschiedene Riesenskelette – u.a. 10 Fuß)
  • Flavius Josephus, Jüdische Altertümer 5,2,3 (biblische Riesen & ihre Knochen)
  • Plutarch, Theseus 36 (Skelett des Theseus)
  • Plutarch, Sertorius 9 (Riesenskelett in Tingis, Marokko)
  • Philostratos, Leben des Apollonius von Tyana 5,16 (Existenz von Riesenskeletten – u.a. 45, 33, 18, 54 Fuß)
  • Philostratos, Über Heroen 7,9 (Riesenskelett des Ajax – 16 Fuß), 8,3-14 (verschiedene Riesenskelette)
  • Phlegon von Tralleis, Buch der Wunder 11-19 (diverse Fundmeldungen)
  • Lukian, Der ungelehrte Büchernarr 13 (Knochen des Geryon in Theben ausgestellt)
  • Augustinus, Der Gottesstaat 15,9 (über Riesen der Vorzeit)
  • Pseudo-Clemens, Recognitiones 1,29 (Existenz von Riesenknochen)

Riesenfunde in Mittelalter & Neuzeit:

Jason Colavito: Classical, Medieval, and Modern Fragments on Giants (Sammlung von Textauszügen in englischer Übersetzung)

Valerie Höttges: Typenverzeichnis der Riesen- und riesischen Teufelssagen. Suomalainen Tiedeakatemia, Helsinki 1937. (systematische Zusammenstellung lokaler Riesensagen aus dem deutschen Sprachraum, geordnet nach wiederkehrenden Motiven)

Amerikanische Riesenfundmeldungen des 19. Jahrhunderts

Quellensammlungen

High Newman / Jim Vieira: Giants on Record. America’s Hidden History, Secrets in the Mounds and the Smithsonian Files. Avalon Rising Publications, Glastonbury 2015.

Richard J. Dewhurst: The Ancient Giants who ruled America. The Missing Skeletons and the Great Smithsonian Cover-Up. Bear & Company, Rochester/Toronto 2014.

Atlantisforschung: Riesen im prähistorischen Nordamerika – Indizien und Belege

Jason Colavito: Newspaper Accounts of Giants / Smithsonian Giant Reports

Aufgeklärte/unglaubwürdige Fundmeldungen

(hier Messfehler und Quellenkritik – fehlinterpretierte Megafaunenreste s.o.)

  • Riesen von Ellensburg, Washington – Messfehler (White 2014)
  • Riesenskelett von Hispanola, New Mexico – Messfehler (White 2014)
  • Riesen von Delavan, Wisconsin – Skelette keine Riesen, sekundär verfälscht (White 2014)
  • Riese von Middleboro, Massachusetts – historisch bekannte Person (Weston 1906, 400 / Bradley 2020)
  • Grab 37 von Blossom Mound, Kalifornien – Akromegalie (Bartelink u.a. 2014 / Bradley 2020)
  • Charles Huntington über Riesenfund an Conewango Road, New York – Fehlmessung, Quelle unglaubwürdig, nach anderen Zeugen nicht riesig (White 2015)
  • Riesenschädel von Morhiss Mound, Texas – Schädel liegt vor und ist groß, aber nicht riesig (Dollar 2016)
  • Riesenschädel von Amelia Island, Florida – Quellenmanipulation (White 2014)
  • acht Riesen in Kupferrüstungen von Walkerton, Indiana – sekundär verfälscht (ein großes Skelett mit Kupferplatte / sieben normale, keine Größenangabe) (Colavito 2013)
  • Zweiköpfige Riesenmumie Kap Dwa – offenbar Fälschung (Kovalchek 2016)

Lovelock Cave

Zu den immer wieder in der „Gigantologie“ zitierten Geschichten gehört jene von Lovelock Cave: Nach Legenden der lokalen Paiute-Indianer soll es einst eine Rasse rothaariger, kannibalistischer Riesen namens Si-Te-Cah gegeben haben, die von den Indianern schließlich in ihrer Höhle verbrannt wurden. Später habe man bei den Ausgrabungen an diesem Ort Riesenskelette gefunden. Tatsächlich gibt es keinen Beleg für Riesen unter den bei den Ausgrabungen gefundenen Skeletten und Mumien, auch erwähnt die einzige ursprüngliche Quelle für die Si-Te-Cah-Sage zwar Kannibalen, aber keine Riesen.

Brian Dunning: The Red Haired Giants of Lovelock Cave

Andy White: Lovelock Cave and the Illusion of „A Jawbone That Slips Over That of a Large Man“

Riesen mit doppelten Zahnreihen

Oft werden in der gigantologischen Literatur doppelte Zahnreihen als Merkmal der prähistorischen Riesen genannt. Dies geht jedoch auf Missverständnisse bei der Interpretation der Quellen aus dem 19. Jhd. zurück, wie der Anthropologe Andy White in seinen Nachforschungen herausstellte. So bezeichnete die englische Phrase „double rows of teeth“ in der Hochphase der Riesenmeldungen nur selten abnorme konzentrische Zahnreihen (wie etwa bei Haien u.a.), sondern meist schlichtweg ein vollständiges Gebiss, d. h. die zwei Zahnreihen von Ober- und Unterkiefer. Die Verwendungshäufigkeit kehrte sich ab etwa 1900 hin zu mehrheitlich konzentrische Zahnreihen um, wobei die ursprünglich dominante Bedeutung heute überhaupt nicht mehr gebräuchlich ist. Unter „double teeth“ (auch dies in mehreren Riesenmeldungen bezeugt) verstand man ganz allgemein die Backenzähne (Molaren und Prämolaren) in Abgrenzung zu „single teeth“ (Schneide- und Eckzähne), da sie mit ihrer größeren Oberfläche und den doppelten Wurzeln wie aus mehreren „single teeth“ zusammengesetzt wirken. Die Formulierung „double teeth all around“ bezeichnete dagegen ein rundherum stark abgenutztes Gebiss, bei dem auch die Eck- und Schneidezähne durch Abschliff der Spitzen wie „double teeth“ aussehen.
Der Babylonische Talmud, eine Sammlung später rabbinischer Kommentare zum Alten Testament, berichtet von Riesen mit sechzehn Zahnreihen – was in der einschlägigen Literatur bisweilen fälschlich als doppelte Zahnreihen und damit weiterer Beleg für o.g. Phänomen zitiert wird (dazu Colavito 2014). Möglicherweise nennt der antike Autor Phlegon in seinem Buch der Wunder den Fund eines oder mehrerer Riesenschädel mit drei Zahnreihen, doch ist diese Übersetzung umstritten (dazu Colavito 2015).

Andy White: The Modern Mythology of Giants: „Double Rows of Teeth“

Andy White: „Double Rows of Teeth“ in Historical Perspective (statistische Analyse der historischen Verwendung von d.r.o.t.)

Andy White: I Spent $20 to Find Out that Jim Vieira and Hugh Newman Have Learned Nothing About „Double Rows of Teeth“ Over the Past Year (Analyse der Belegstellen in Vieira/Newmans Giants on Record)

Andy White: ATTENTION GIANT ENTHUSIASTS: Bigfoot Researchers Are Stealing Your „Evidence“

Weitere Artikel

Andy White: The „Giants of Olden Times“ Stories in 19th Century America: A Progress Report (über wiederkehrende Zeitungsartikel betreffend europäische Riesen)

Andy White: Mastodons, „Mound Builders,“ and the Willful Flattening of Time (zur Beziehung von Moundbuilders und Mastodons)

Andy White: Joe Taylor’s Sculpture of a 47″ Femur: What’s the Story? (über einen angeblichen Riesenfund in der Türkei und dessen gigantologische „Rekonstruktion“)

Rebecca Bradly: Giant Denisovan Fantasies (über Andrew Collins Theorien bzgl. Denisova-Menschen & amerikanischen Riesen)

Wikipedia: Cardiff Giant (berühmteste Fälschung – dort weitere Quellen und ähnliche Fakes)

Moderne Riesenfunde?

WdK: Meganthropus

WdK: Denisova-Menschen

WdK: Riesenfinger von Bir Hooker

Internet-Hoaxes

Mit einer gewissen Häufigkeit erscheinen auf zweifelhaften (Fake-)News-Seiten im Internet Berichte über rezente Funde von Riesenskeletten, oft illustriert durch Fotografien. Bei diesen handelt es sich um Bildbearbeitungen, die jedoch nicht für die einschlägigen Fake-Artikel, sondern vielmehr eine Reihe von Photoshop-Wettbewerben entstanden und ohne Genehmigung in einen erfundenen Kontext gesetzt wurden. Oft wird dasselbe Bild in verschiedenen Artikeln über Funde in unterschiedlichen Ländern verwendet. In der grenzwissenschaftlichen Literatur werden diese Hoaxes in der Regel nicht bzw. allenfalls als Negativbeispiele rezipiert.

Design Crowd: Giant Skeletons Seem Too Real To Be A Hoax (Ursprung der Bilder)

Aufklärung einzelner Fälle: