Kommentare zur Grenzwissenschaft

Steine für Giganten (1/3) – Die Riesenhämmer von Great Orme

Bearbeitete und unbearbeitete Steingeräte aus der Great-Orme-Mine (Lewis 1996, 115).

Wohl in die tausende gehen die Berichte über Skelette von Riesen, die angeblich zu allen Zeiten und in vielen Ländern entdeckt wurden. Doch neben diesen hat längst auch eine andere Fundgattung das Interesse der parawissenschaftlichen „Gigantologie“ geweckt: Werkzeuge von einer solchen Größe, dass vermeintlich nur übermenschlich große Personen sie benutzt haben können. Während die Riesenskelette seltsamerweise samt und sonders nicht mehr auffindbar sind, lassen sich manche dieser Artefakte durchaus in Museen bestaunen. Ein Beispiel für solche Objekte bilden die „Riesenhämmer“ der Great-Orme-Mine, die inzwischen auf zahlreichen einschlägigen Seiten zitiert werden.

2008 erschien im Nexus-Magazin ein Artikel mit dem Titel „Riesenmenschen wandelten auf der Erde“.[1] Der Autor Ted Twietmeyer ist langjähriger Projektmanager, der nach Aussage des Autorenportraits der Zeitschrift bereits für die NASA und das US-Verteidigungsministerium arbeitete. Schwerpunkt des Artikels bildet die Vorstellung mutmaßlicher Riesen-Artefakte. Garniert wird dies durch generetypische Ausblicke auf falsch betitelte mesopotamische Reliefs und vorzeitliche Megalithanlagen. Mittlerweile ist der gesamte Text im alternativhistorischen Portal Atlantisforschung.de verfügbar, auch eine englische Fassung findet sich auf mehreren einschlägigen Seiten im Internet.[2] Der Riesen-Blog Greater Ancestor World Museum übernahm einen Großteil des Artikels wortwörtlich, aber ohne Quellenangabe.[3]

Die Hammersteine von Great Orme

Im Norden von Wales liegt die Great-Orme-Mine, mit über acht Kilometern an Tunneln die größte bislang entdeckte vorgeschichtliche Kupfermine. In der Bronzezeit von 1800 – 1200 v.u.Z. wurde hier in großem Maßstab Kupfer abgebaut, bevor mit Erreichen des Grundwasserspiegels und der zunehmenden Etablierung von Eisen schließlich die Bedeutung des dortigen Bergbaus schwand. Erst in der Neuzeit kam es zu neuerlichen Minenaktivitäten, die vom 18. bis ins frühe 19. Jahrhundert andauerten. Ausgrabungen förderten über 20.000 Tierknochen und rund 3.000 Steinhämmer zutage, die die Great-Orme-Mine zu einem herausragenden archäologischen Fundplatz machen.[4]
Das Gewicht der steinernen Hämmer rangiert zwischen 2 und 29 kg bei einer Länge von 5 bis 40 cm.[5] Während also die meisten Stücke relativ konventionelle Ausmaße zeigen, fallen einige deutlich aus dem Rahmen. Auf diese „Riesenhämmer“ bezieht sich Twietmeyer in seinem Artikel:

Die größten heute benutzten Vorschlaghämmer wiegen 20 Pfund (etwa 9 kg) (Abb. 1), obwohl solche in der 10-Pfund-Kategorie (4,5 kg) im Alltag häufiger zu finden sind. Ein erwachsener Mensch (ohne Rückenprobleme) kann einen 20-Pfund-Hammer schwingen, wenn auch nur für begrenzte Zeit. […] Also – wer oder was hätte diesen Knochenjob mit einem 64-Pfünder ausüben können? Erhöhen wir einmal die Körpergröße der damaligen Menschen auf Proportionen, die sie in die Lage versetzen würden, so ein Werkzeug zu benutzen. Dann müssen die Arbeiter in der Kupfermine Riesen gewesen sein – vielleicht 3,70 m bis 5,50 m groß, etwa dreimal größer als ein heutiger Durchschnittsmensch.“[6]

Die Existenz der überdimensionierten Hämmer wird in den archäologischen Publikationen bestätigt – nur über ihre Deutung lässt sich streiten. Kommen tatsächlich nur Riesen als Nutzer solch schwerer Werkzeuge in Betracht?

Überdimensionierte Waffen und Werkzeuge sind im archäologischen Befund kein Einzelfall und werden regelmäßig von Befürwortern der Riesenthese herangezogen. Anhand der Objekte selber lässt sich meist weder eine Nutzung noch eine Nicht-Nutzung durch Riesen belegen, Urteile hierzu geschehen eher über Plausibilitätsargumente wie Ockhams Rasiermesser[7]. Anders sieht es tatsächlich bei den Hämmern von Great Orme aus. Abnutzungsspuren belegen hier, dass die meisten der Steine tatsächlich genutzt wurden, was etwa eine Deponierung als bloßes „Kultobjekt“ eher ausschließt.[8] Anhand von Bearbeitungsspuren lässt sich teilweise auf die Art Nutzung schließen, wie Andrew Lewis in seiner Abschlussarbeit über die Great-Orme-Mine erläutert:

A few (~5%) of the tools exhibited signs of modification to aid with hafting for handles or supportive slings. Where modification was observed it normally consisted of light nicking or pecking on either side of the midriff, or in exceptional cases, shallow grooving to the same positions (figures 29g, 30g). Modified hammers from the surface spoil deposits tend to be around 3kg in weight. No hammers with continuous grooving are known from the site. In the case of the large hammers or pounders, even though no signs of modification are present, it would have been difficult to handle such large tools and therefore some type of sling arrangement is likely to have been fitted, perhaps used in a similar fashion to the modern day ‘demolition hammer’.[9]

Nur ein kleiner Teil der Hammersteine zeigt Modifikationen zur Befestigung an Stielen oder Schlingen, darunter keiner der überdimensionierten Hämmer. Der Vergleich mit einem geschäfteten Hammer, wie er heutzutage verwendet und von Twietmeyer skizziert wird, ist damit gegenstandslos und zeugt von mangelhafter Kenntnis der tatsächlichen Funde.
Vielmehr, so die Annahme von Lewis, könnten die großen Steine in einer Schlingenvorrichtung ähnlich modernen Abrissbirnen verwendet worden sein. Dabei wäre auch eine Beteiligung mehrerer Menschen beim Schwingen denkbar, ein Anheben und Zuschlagen mit bloßer Muskelkraft eines Einzelnen nicht notwendig. Diese banale Erklärung einer sinnvollen Verwendung der Hammersteine kommt ohne eine hypothetische Riesenrasse aus. Gemäß Ockhams Rasiermesser ist somit die Abrissbirnen-Hypothese zu bevorzugen, solange Existenz und Anwesenheit vorzeitlicher Riesen nicht anderweitig belegt sind. Doch könnte es sein, dass solche Belege längst vorliegen – in Form altorientalischer Bildnisse und megalithischer Monumente, wie Twietmeyer im Anschluss spekuliert?

(Twietmeyer 2008)

 

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Quellen

[1] Ted Twietmeyer, Riesenmenschen wandelten auf der Erde. Nexus-Magazin 17 (2008).
Kopie unter: https://atlantisforschung.de/index.php?title=Riesenmenschen_wandelten_auf_der_Erde

[2] Ted Twietmeyer, There Were Giants in the Earth in Those Days: Evidence Of Giants Who Walked The Earth…..Page 25

Ted Twietmeyer, Evidence Of Giants Who Walked The Earth.

[3] Greater Ancestor World Museum, Who could have weilded a 64lb Hammer? (28.04.2011)

[4] Sian James: Digging into the darkness: the experience of copper mining in the Great Orme, North Wales, in: Marion Dowd / Robert Hensey (Hg.), The Archaeology of Darkness. Oxbow Books, Oxford/Philadelphia 2016, 75-83 (76). Twietmeyer bezieht sich mit einer Angabe von 6 km Länge und über 2.500 Hämmern womöglich auf eine ältere Quelle.

[5] C. Andrew Lewis: Prehistoric Mining at the Great Orme. Criteria for the identification of early mining. University of Wales, Bangor 1996, 118: „The most common (90-95%) implement from the site are unmodified generally ovoid shaped pebble, cobble and boulder sized beach derived stones, typically they are described as hammers, mauls, pounders and crushers. They vary greatly in size and shape from some of 50mm long, 0.25 kg in weight to others up to 400mm long and weighing 29kg (64lbs).”

[6] Twietmeyer 2008.

[7] d.h. die Erklärung ist am geeignetsten, die mit den geringsten Zusatzhypothesen auskommt, womit „konventionellen“ Erklärungen etwa gegenüber Riesen, Aliens und Zauberei zu bevorzugen sind.

[8] Lewis 1996, 118.

[9] Lewis 1996, 118 f.

[10] Twietmeyer 2008.

Steine für Giganten (2/3) – Riesen im alten Mesopotamien?

(Twietmeyer 2008)

Auf die Great-Orme-Werkzeuge folgt der obligatorische Hinweis auf die biblischen Nephilim (samt außerirdischer Deutung), die in keiner grenzwissenschaftlichen Publikation über Riesen fehlen dürfen. Eindrucksvoller aber scheinen Relikte aus einem anderen Kulturkreis: „In sumerischen Texten und Bildern finden wir Hinweise auf eine Riesen-Rasse“. Anstelle von Texten jedoch müssen zwei Abbildungen herhalten, die auf den ersten Blick für sich sprechen.
Die Wahl ausgerechnet der Sumerer kann kaum ein Zufall sein: Kaum eine Zivilisation (ausgenommen Ägypten) steht mehr für uralte Hochkultur mit rätselhaften Überlieferungen. Durch Zecharia Sitchins Anunnaki-Theorien ist die sumerisch-babylonische Mythologie untrennbar mit den Thesen der Präastronautik assoziiert. Hinzu kommt die geographische wie kulturelle Nähe zum antiken Israel, der von nur allzu vielen Riesen bevölkerten Welt des Alten Testaments. All dies vermag zusammen mit Bildern beeindruckender Kunstwerke hervorragend darüber hinwegzutäuschen, dass gerade Mesopotamien hinsichtlich seiner Überlieferungen ein erstaunlich riesenarmer Kulturkreis ist. Doch bereits die beiden Bilder bergen Probleme.

Bei der Abbildung 4 handelt es sich um die Monumentalstatue AO19861, heute neben mehreren menschenköpfigen Stieren im Louvre zu bestaunen. Betitelt ist sie doppelt fehlerhaft als „Sumerischer Riese mit sechs Fingern“. Tatsächlich ist die Statue mitnichten sumerisch. Vielmehr stammt sie aus Dur Šarrukin (heute Chorsabad), einer der Residenzstädte des Neuassyrischen Reiches. Der assyrische König Sargon II. (721-705 v.u.Z.) ließ sie ab 717 als neue Königsresidenz erbauen. Nach seinem Tod jedoch wurde der Regierungssitz von seinem Sohn und Nachfolger Sanherib aufgegeben und der Regierungssitz nach Ninive verlegt.[2] Die assyrische Statue datiert damit rund 1300 Jahre jünger als das Ende der sumerischen Kultur.
Dass die überlebensgroße Figur auch tatsächlich eine übergroße Person repräsentiert, erkennt man an dem zugehörigen Löwen – eigentlich lebensgroß dargestellt, erscheint dieser in den Armen des hünenhaften Helden wie eine harmlose Hauskatze. Dargestellt ist möglicherweise der aus dem Gilgamesch-Epos bekannte Held Enkidu. Diese alles andere als sichere Identifikation beruht nicht zuletzt auf der sehr ähnlichen, vom selben Ort stammenden Statue AO19862. Diese wird unter anderem aufgrund der Maße als Abbild des mythischen Königs Gilgamesch gedeutet. Sie ist mit rund 5,5 m ebenso groß wie der legendäre Held nach Aussage des bekannten Epos. Enkidu wird im Epos als ein wenig kleiner beschrieben, was auch auf die zweite Statue zutrifft.[3] Ist diese Identifikation korrekt, so sind mit den beiden Statuen tatsächlich die beiden einzigen bekannten Riesen der mesopotamischen Mythologie dargestellt. Das Gilgamesch-Epos charakterisiert beide eindeutig als übermenschlich groß – auch wenn sie keine Vertreter einer besonderen Rasse von Riesen sind. Gilgamesch ist als Sohn der Göttin Ninsumun und des zumindest teilweise göttlichen Königs Lugalbanda „zu zwei Dritteln Gott und einem Drittel Mensch“, von den Göttern mit besonderen Eigenschaften ausgestattet. Enkidu dagegen wird von der Muttergöttin Aruru individuell aus Lehm geschaffen, um Gilgamesch einen gleichstarken Gegner entgegenzusetzen. Andere explizit als Riesen charakterisierte Gestalten existieren in der mesopotamischen Mythen- und Sagenwelt nicht[4] – einen Grenzfall vielleicht ausgenommen:
Durch die markante Frisur verkörpert die Statue zugleich den ikonographischen Typus des „sechslockigen Helden“. Diese Gestalten treten vor allem in Siegelbildern häufig auf. Dort kämpfen sie meist gegen Tiere und Mischwesen oder dienen als Torwächter. Ob sie als Riesen vorgestellt wurden, lässt sich aufgrund der nicht naturalistischen Proportionen der Siegelbilder unmöglich sagen. Nach einer etablierten Theorie sind diese bildlich belegten „Helden“ mit den in mythologischen und rituellen Texten bezeugten Laḫmū zu identifizieren. Diese treten mythisch vor allem als Diener des Weisheitsgottes Enki (akkadisch Ea) auf[5]; zudem werden sie als schützende Numina in Ritualen angerufen. Konkrete Belege für eine Vorstellung der Laḫmū als Riesen gibt es keine.

Höher aufgelöstes Foto der Statue – der „sechste Finger“ ist nur das Ende des Griffes in der Hand.

Die Erwähnung von „sechs Fingern“ bei Twietmeyer ist eine in grenzwissenschaftlichen Kreisen wohlbekannte Chiffre: Ausgehend von der Beschreibung eines Riesen mit sechs Fingern und Zehen an Händen und Füßen in der Bibel[6] wird dieses Detail regelmäßig den hypothetischen vorzeitlichen Riesenrassen zugeschrieben. Ist also auch ein mesopotamischer Riese so dargestellt, bestünde eine Verbindung und somit ein Beleg für die biblische Riesenüberlieferung der Nephilim – so die Theorie.
Bei näherer Betrachtung kommen hinsichtlich der sechs Finger jedoch gewisse Zweifel. Was auf dem schlecht aufgelösten Foto bei Twietmeyer wie ein zweiter Daumen an der Innenseite der Hand aussieht, offenbart sich bei einem besseren Foto der Statue[7] als bloßer Fortsatz vom Griff der Knute in der Hand des Helden. Auch die zweite Hand weist nur fünf sichtbare Finger auf.

Die zweite Abbildung betitelt Twietmeyer als „Sumerische Tontafel mit sitzendem Riesen-König“. Auch hier stimmt wenig: Das Relief ist weder sumerisch noch eine Tontafel noch die Darstellung eines Riesenkönigs.
Abgebildet ist die Steintafel des Nabû-apla-iddina, durch die Inschrift eindeutig in das Jahr 853 v. Chr. und damit in die neubabylonische Zeit zu datieren (über 1100 Jahre nach dem Ende der sumerischen Kultur). Bei der thronenden Gestalt handelt es sich nicht um einen Riesenkönig, sondern um den Sonnengott Šamaš. Die mehrfache Hörnerkrone identifiziert den Sitzenden als Gottheit; die Zuordnung zu Šamaš belegen sowohl die vor ihm zu sehende Sonnenscheibe als auch die Inschrift.[8]

Der Name des Gottes: dUTU = Šamaš

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Quellen

[1] Twietmeyer 2008.

[2] Grant Frame: Khorsabad, in: Eric M. Meyers (Hg.), The Oxford Encyclopedia of Archaeology in the Ancient Near East Volume 3. Oxford University Press, New York/Oxford 1997, 295-298 (295).

[3] Amar Annus: Louvre Gilgamesh (AO 19862) is depicted in life size. NABU 2012, Nr. 32.

[4] Der im Gilgamesch-Epos auftretende Gegner Humbaba (sum. Huwawa) wird zwar modern häufig als Riese bezeichnet, im Text jedoch eher als eine übernatürlich-göttliche Entität beschrieben.

[5] So etwa im Atram-ḫasis-Epos und der mythischen Erzählung Inana und Enki.

[6] 2. Sam. 21, 20-21: „Und es erhob sich noch ein Krieg bei Gat. Da war ein langer Mann, der hatte sechs Finger an seinen Händen und sechs Zehen an seinen Füßen, das sind vierundzwanzig an der Zahl, und auch er war vom Geschlecht der Riesen. Und als er Israel hohnsprach, erschlug ihn Jonatan, der Sohn Schammas, der ein Bruder Davids war.“

[7] Bild: Gil Dbd (Lizenz CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons)

[8] Winfried Orthmann (Hrsg.): Der Alte Orient. Propyläen Kunstgeschichte 14. Propyläen Verlag Berlin, Berlin 1975, 325 f (Nr. 248).

Steine für Giganten (3/3) – Riesen als Megalithbaumeister?

So stellte sich der Theologe Johan Picardt im Jahr 1660 die Errichtung von Großsteingräbern durch Riesen vor.

Die Idee, dass nur Riesen die großen Steine megalithischer Bauwerke bewegt haben können, ist nicht neu. Bereits die alten Griechen führten die bronzezeitlichen Stadtmauern von Mykene und Tiryns auf die mythischen Kyklopen zurück, weshalb bei Bauwerken aus sehr großen, unregelmäßig geformten Steinen noch immer von „Zyklopenmauern“ gesprochen wird. In hiesigen Breiten zeugen etwa die im Volksmund als „Hünengräber“ bezeichneten Großsteingräber der neolithischen Trichterbecherkultur von der Vorstellung, Riesen hätten diese errichtet. Vergleichbare Überlieferungen finden sich über die Megalithbauwerke vieler Länder – von den Mittelmeerinseln Malta und Sardinien bis zu den Dolmen auf den Golanhöhen, wo bereits die Bibel legendäre Riesenvölker verortete.
Diese Erklärung mag in den Augen der meisten heutigen Menschen abergläubisch erscheinen, leuchtet aber zumindest auf den ersten Blick ein. Doch sind Riesen tatsächlich eine so gute Erklärung für megalithische Bauwerke, deren Errichtung man normalen neolithischen Menschen und ihren damaligen Techniken nicht zutraut? Twietmeyer ist sich sicher:

Einige Prinzipien sind von Natur aus universell. Wer über sechs Meter groß ist und mit einem fünfeinhalb Meter langen Stein hantiert, für den wäre es wohl nicht schwieriger, ihn ins Erdreich zu setzen, als für einen modernen erwachsenen Menschen, einen Betonpfahl für einen Briefkasten aufzustellen. Das stellt die Sache vielleicht etwas zu simpel dar, aber Sie verstehen sicher das Konzept.“

Abhängig von der Größe der Wesen, die vor vielen Jahrtausenden auf der Erde wandelten, ist das Hantieren mit den zum Bau vieler Monumente benutzten Blöcken (Große Pyramide, Stonehenge) funktionell wohl nichts anderes, als wenn ein normaler Mensch einen Standard-Betonblock (20 x 20 x 40 cm) anhebt, wie er beim Hausbau verwendet wird.“

Recht hat er nur mit dem ersten Satz. Einige Prinzipien sind in der Tat von Natur aus universell – ebendiese aber widerlegen die folgenden Aussagen. Tatsächlich steht bereits die hypothetische Existenz von Riesen, erst recht aber ihre Beteiligung bei megalithischen Bauwerken vor einem physikalischen Problem:
Bei einer Verdopplung der Seitenlänge eines Körpers (etwa der Höhe eines Menschen) steigt dessen Masse im Kubik – während ein Würfel mit einer Kantenlänge von 1 m genau 1 m³ Volumen besitzt (1x1x1), sind es bei 2 m bereits 8 m³ (2x2x2), bei 3 m schon 27 m³ (3x3x3). Nehmen wir aus Gründen der mathematischen Einfachheit einen großen Menschen von 2 m Körperhöhe und einem Gewicht von 100 kg an (was gemäß BMI noch „Normalgewicht“, aber bereits knapp an der Grenze zum Übergewicht liegen soll, was auch immer dies bedeutet). Bei gleichen Proportionen hätte dieser Mensch folglich bei einer Größe von 3 m bereits ein Gewicht von 337,5 kg (100 kgx1,5×1,5×1,5), bei einer Größe von 4 m ein Gewicht von 800 kg. Twietmeyer spekuliert über Riesen von 3,70 m bis 5,50 m – letztere hätten bei zuvor genannten Proportionen ein Gewicht von rund 2.080 kg erreicht. Dasselbe gilt selbstverständlich auch für Megalithen, je größer ihre Ausmaße werden.

Was aber hat dies zu tun mit der Fähigkeit von Riesen, große Steine zu bewegen?
Das Problem liegt in der Natur der Muskulatur: Die Muskelkraft ist nicht abhängig von der Masse des Muskels, sondern von der Summe der Querschnitte sämtlicher Muskelfasern. Diese entspricht näherungsweise dem Querschnitt des gesamten Muskels und wird als physiologischer Querschnitt bezeichnet.[1] Der zweidimensionale Querschnitt aber wächst bei verdoppelter Größe eben nicht im Kubik, sondern nur im Quadrat (ein zweidimensionales Quadrat von 2 m Seitenlänge hat eine Fläche von 4 m², der entsprechende Würfel jedoch eine Masse von 8 m³). Dies bedeutet, dass bei selber Statur ein größeres Wesen zwar in absoluten Zahlen stärker, im Verhältnis zu seiner Körpermasse jedoch immer schwächer wird: „Da die Muskelkraft proportional zu der Querschnittsfläche eines Muskels ist, haben kleine Tiere relativ stärkere Muskeln im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht“[2]. Dies ist der Grund, weshalb winzige Ameisen im Verhältnis zu ihrer Körpermasse so viel stärker sind als wir und mühelos das Dreißigfache ihres eigenen Gewichts tragen können.[3] Für eine über sechs Meter große Person wäre es folglich eben nicht dasselbe, einen fünfeinhalb Meter langen Stein zu bewegen, wie für uns, einen dünnen Betonpfahl aufzustellen – sie müsste überproportional stärker sein, um dies zu vollbringen.

Die stärksten Gewichtheber unter uns Menschen vermögen für kurze Zeit über 400 kg zu heben – jedoch nicht weiter als auf Kniehöhe und nur für wenige Sekunden, was für die Errichtung von Monumenten folglich ausscheidet. Zum Vergleich besser geeignet sind also Leistungen hinsichtlich des längeren Bewegens schwerer Steine.
In Húsafell auf Island befindet sich der 186 kg schwere Húsafell-Stein, der bis heute in Wettkämpfen im Gewichtheben genutzt wird. Dem kanadischen Strongman Gregg Ernst gelang es 1992 erstmals, den Stein 70 m weit zu tragen. Gebrochen wurde dieser Rekord erst 2017 von dem Isländer Hafþór Júlíus Björnsson (bekannt als der „reitende Berg“ Gregor Clegane in der Serie Game of Thrones), der den Stein 90 m weit trug.[4] Von einer vergleichbaren Leistung – zwar unter Mühen, doch erfolgreich den Stein anheben und über eine mittlere Distanz bzw. Zeitdauer zu tragen – müsste man auch zum Aufstellen von Megalithen ausgehen. Nennenswert größere Steine könnten von einzelnen Ausnahmeathleten zwar kurzzeitig gehoben, aber kaum sinnvoll transportiert werden.[5] Nehmen wir im Folgenden also die Leistung Björnssons – eines der stärksten Männer unserer Zeit an einem außergewöhnlich schweren Stein – zum Maßstab für eine optimistische Schätzung der Leistung riesischer Megalithbauer.
Hafþór Björnsson ist 2,05 groß und rund 180 kg schwer.[6] Nehmen wir für einen hypothetischen Riesenbaumeister also eine vergleichbare Statur und proportional größere Kraft an. Mit diesem Extrembeispiel wäre somit noch am ehesten das absolute Maximum des Denkbaren gegeben, das die Fähigkeiten eines durchschnittlichen Individuums noch bei weitem übersteigen dürfte. Die überproportionale Muskelmasse könnte freilich den Körperbau spiegeln, den man bei einem Riesen, der ein ungleich höheres Körpergewicht bewegen muss, ohnehin annehmen müsste. Ansonsten ist es höchst unwahrscheinlich, dass Menschen der Bronzezeit mit damaliger Ernährung etc. einen Trainingsstand vergleichbar modernen Bodybuildern erreicht hätten.
Bei einer Größe von 4 m käme ein solcher Bodybuilder-Riese auf ein Gewicht von rund 1.440 kg und könnte einen Stein von 744 kg bewegen. Bei einer Größe von 6 m, wie es Twietmeyer noch ernsthaft in Betracht zieht, käme man auf ein Eigengewicht von 4.860 kg (vergleichbar einem ausgewachsenen afrikanischen Elefantenbullen) und eine bewegbare Last von 1.674 kg. Während also der lebende Björnsson einen Stein von mehr als seinem Eigengewicht bewegen konnte, schafft bei selber Statur der Riese mit doppelter Körpergröße nur noch die Hälfte, bei dreifacher bloß ein Drittel seiner eigenen Körpermasse. Ein solcher Körperbau ist bereits ohne weitere Kraftakte problematisch – die Knochen des Riesen müssten ungleich stabiler gebaut sein, um nicht unter seinem eigenen Körpergewicht (zuzüglich eines zu transportierenden Steins) zu brechen. Dies läge zoologisch im Bereich des Denkbaren[7], würde aber eine solche anatomische Umstrukturierung voraussetzen, dass die hypothetische Riesenrasse kaum noch länger – wie stets von Grenzwissenschaftlern behauptet – zur menschlichen Gattung zählen dürfte. Doch ab von allgemeinen physiologischen Aspekten hypothetischer Riesen: Reicht diese Kraft überhaupt, um Megalithen zu bewegen?

Das Großsteingrab mit dem größten Deckstein in Schleswig-Holstein ist der Brutkamp in Albersdorf. Der Deckstein wiegt 23 Tonnen. Allein um diesen Fels zu bewegen, bräuchte es also 14 Riesen von 6 m Größe und maximal muskulöser Statur – vorausgesetzt, diese könnten den Stein gleichzeitig anpacken und dabei das Maximum ihrer Kraft entfalten.

Der Brutkamp in Albersdorf (Kr. Dithmarschen), verglichen mit anderen Megalithanlagen noch ein relativ bescheidenes Bauwerk. Nicht weniger als 14 Riesen von maximal denkbarer Größe und Kraft bräuchte es, den Deckstein an seinen Platz zu bewegen. (Foto LI)

Die Sandsteinblöcke von Stonehenge wiegen mit bis zu 50 Tonnen sogar doppelt so viel. Mit 5 m Höhe sind sie kleiner als die Riesen selbst und immer noch kleiner als das Beispiel in Twietmeyers Artikel. Nicht weniger als 30 perfekte Riesen müssten einen solchen Stein anpacken, um ihn zu heben und zu bewegen – wesentlich mehr natürlich, wenn man solche mit durchschnittlicher Körperkraft ansetzen würde. Ohne Hilfsmittel zur Kraftverstärkung wie Seile, Flaschenzüge etc. ist es rein mechanisch undenkbar, dass diese den Stein gemeinsam effektiv packen könnten.
Stonehenge markiert in Sachen Megalithen noch keinesfalls das Ende des Spektrums vorgeschichtlicher Megalithen: Manche Monolithen wie ägyptische Obelisken, die große Stele von Aksum (Äthiopien) oder der Menhir von Locmariaquer (Bretagne) erreichen ein Gewicht von über 300 Tonnen. Die Zyklopenmauer von Sacsayhuaman (Peru) besteht aus Steinen von bis zu 200 Tonnen, eine Statue Ramses II. am Ramesseum in Theben (Ägypten) wiegt sogar ganze 1.000 Tonnen. Ganze 180 Riesen von maximaler Größe und Kraft müssten ihre Kräfte bündeln, um nur durch Muskelkraft einen Monolithen von 300 Tonnen zu bewegen.

Diese Berechnungen zeigen nicht, dass hypothetische Riesen nicht in der Lage gewesen wären, megalithische Monumente zu errichten – dies wären sie mit Sicherheit. Vielmehr beweist die Milchmädchenrechnung, dass es selbst Riesen allein kraft ihrer bloßen Muskelkraft nicht möglich gewesen wäre. Sehr wohl hätten Riesen – nimmt man ihre tatsächliche Existenz an – bei solchen Bauprojekten mitwirken und durch ihre übermenschliche Kraft manche Mühe reduzieren können. Jedoch wären auch sie genau wie Menschen auf intelligente Methoden der Kraftübertragung und Aufwandsminimierung angewiesen gewesen: Schlitten und/oder Holzrollen, um Steine mit weitaus weniger beteiligten Arbeitern über Distanzen zu bewegen; Seile, um diese mit mehr Männern zu ziehen, als unmittelbar anpacken könnten; Rampen, um den Stein an einen höher gelegenen Zielpunkt zu befördern; schließlich Kenntnis von Hebelwirkung und anderen physikalischen Kräften, um kraftsparende Bewegungen zu ermöglichen. Wasser konnte genutzt werden, um den Boden vor einem Schlitten zu befeuchten und damit die Reibung zu vermindern, wie es etwa auf einem Relief im Grab des Djehutihotep (Ägypten) zu sehen ist. In vielen Kulturen (so den jungneolithischen Megalithkulturen Mittel- und Nordeuropas wie der Trichterbecherkultur) dürften zudem Rindergespanne zum Ziehen von Steinen eingesetzt worden sein. Dies sind all jene Methoden, die auch die seriöse Wissenschaft für die Errichtung von Megalithmonumenten durch Menschen annimmt.

Relief aus dem Grab des Djehutihotep (12. Dynastie), Deir el Bersha. 172 Arbeiter ziehen eine Statue von ca. 58 Tonnen, andere befeuchten den Boden vor dem Schlitten mit Wasser. (Quelle)

Dass all dies keine bloße Theorie ist, beweisen moderne Versuche: So errichteten Archäologen und Studenten am 14.05.2015 mit prähistorischen Methoden (wenngleich ohne Einsatz von Ochsengespannen) ein Großsteingrab mit einem Deckstein von 4,7 Tonnen auf dem Campus der Universität Kiel.[9] Ein 32 Tonnen schwerer Deckstein wurde in Bougon, Frankreich, bereits 1997 mit wenigen Dutzend Menschen über eine Strecke von 4 km gezogen, nachdem derselbe Versuch bei anderer Technik 1979 noch 200 Helfer erfordert hatte. Und einer der Trilithen von Stonehenge, aus Beton gewichtsgetreu nachgegossen (mit 5 Tonnen schwerem Deckstein), wurde 1990 in der tschechischen Stadt Strakonice durch Einsatz von Seilen und Hebeln (ohne Flaschenzüge) aufgerichtet, wobei zehn Leute drei Tage arbeiteten.[10] Dass sich solche Methoden im Ausmaß fast beliebig steigern lassen, beweist der Fall des größten jemals von Menschen bewegten Felsens: Der Donnerstein, Basis für die bronzene Reiterstatue Zar Peters des Großen auf dem Senatsplatz in St. Petersburg, wiegt nicht weniger als 1.250 Tonnen. Vor der endgültigen Bearbeitung sogar rund 1.500 Tonnen schwer, wurde er 1770 innerhalb von 9 Monaten von 400 Männern vom 22 Kilometer entfernten Lachta nach St. Petersburg befördert. Dabei kamen zwar Spille zur Konzentration der Kraft, jedoch keine Zugtiere oder Maschinen zum Einsatz.[11] Es ist bei intelligenter Anwendung einfacher Mittel also auch für Menschen ohne Unterstützung durch moderne Technologie oder übermenschliche Helfer möglich, gewaltige Megalithen zu bewegen. Gesteht man diese einfachen Mittel aber einer „primitiven“ Kultur nicht zu, so wären auch Riesen keine Lösung des Problems gewesen – selbst bei unrealistischer Größe und Trainingsstand hätte deren Kraft für viele bezeugte Megalithen nicht ausgerecht.
Selbst wenn, wie es sich die Grenzwissenschaftler ausmalen, in der Vorzeit Riesen existiert und bei der Errichtung von Megalithanlagen geholfen hätten, so hätten die Arbeitstechniken nichtsdestotrotz dieselben sein müssen wie ohne sie. Allenfalls hätten die Riesen die Anzahl der nötigen Arbeiter reduziert – ob dies in Anbetracht ihres auch exponentiell größeren Ressourcenverbrauchs aber auch langfristig effizienter gewesen wäre als die Unterhaltung einer größeren Zahl menschlicher Arbeitskräfte, ist eine andere Frage. Die Schlussfolgerung lässt sich folglich simpel zusammenfassen: Gab es Riesen, hätte man trotzdem Technik gebraucht. Gab es aber Technik, so braucht man keine Riesen mehr.
Megalithbauwerke können also ebenso wenig wie die zuvor skizzierten Aspekte als Argumente für die Annahme einer früheren Riesenrasse herhalten.

Rekonstruiertes Ganggrab an der Uni Kiel. Den Deckstein hätte selbst der stärkste Riese nicht anheben können – Studenten mit der richtigen Technik dagegen schafften die Errichtung (Foto LI).

Rekonstruiertes Ganggrab an der Uni Kiel. Den Deckstein hätte selbst der stärkste Riese nicht anheben können – Studenten mit der richtigen Technik dagegen schafften die Errichtung (Foto LI).

Fazit

Der Artikel von Ted Twietmeyer steht nur exemplarisch für ein ganzes Genre vulgär-archäologischer Parawissenschaft, die sich durch ignorante Unkenntnis realer Zusammenhänge auszeichnet. Aus der oberflächlichen Betrachtung antiker Befunde werden gewagte Thesen festgemacht, die bereits mit nur wenig tiefer gehenden Sachkenntnissen und logischen Überlegungen nicht mehr vereinbar sind: Hammersteine, die aufgrund ihrer Bearbeitung nicht zum Einsatz vergleichbar modernen Hämmern geeignet waren, werden in Wort und Bild selbstverständlich als solche dargestellt, eine auf der Hand liegende alternative Anwendung nicht erwogen. Mesopotamische Bildzeugnisse werden aus ihrem Kontext gerissen und sensationell falsch betitelt, um oberflächliche Parallelen zu grenzwissenschaftlichen Topoi zu generieren. Die Argumentation hinsichtlich der Megalithen schließlich scheitert an den simplen Gesetzen der Physik.
Mag das altbekannte Motiv riesischer Megalithbauer vielleicht noch mit volkstümlichen Legenden konform gehen, erreicht doch die zweite Annahme Twietmeyers fast den Rang von Satire: Ihm zufolge „müssen die Arbeiter in der Kupfermine Riesen gewesen sein“. Tatsächlich sind viele Tunnel der Great-Orme-Mine extrem schmal, teilweise nur 20 cm breit – kaum zugänglich für normalgroße Erwachsene, unmöglich für noch größere Individuen. Allein die für ihre Ausmaße nötige Vergrößerung der Stollen hätte den Zugewinn an Arbeitskraft zunichte gemacht. Funde besonders kleiner Werkzeuge in diesen schmalen Bereichen der Great-Orme-Mine legen vielmehr nahe, dass man bereits in der Bronzezeit bevorzugt kleine Erwachsene oder Kinder zur Minenarbeit einsetzte, wie man es auch aus jüngerer Vergangenheit kennt.[12] Riesen wären aus offensichtlichen Gründen die letzten Personen gewesen, die man im Bergbau beschäftigt hätte.
Nicht umsonst haben Mythen und Sagen längst mit ganz anderem Ergebnis das Bild einer idealen Bergbaurasse geprägt: Es sind nicht Riesen, sondern Zwerge.

 

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Quellen

[1] https://flexikon.doccheck.com/de/Physiologischer_Querschnitt

[2] https://www.tagesspiegel.de/wissen/aha-warum-koennen-ameisen-so-viel-tragen/1331970.html

[3] Ebd.

[4] https://en.wikipedia.org/wiki/Húsafell_Stone

[5] Am 2. Mai 2020 hob Björnsson als erster Mensch 501 kg im Kreuzheben auf die Knie – dies jedoch nur mühsam und für wenige Augenblicke, was für Bauvorhaben wertlos wäre.
Quelle: https://www.reuters.com/article/us-weightlifting-deadlift-bjornsson/weightlifting-the-mountain-bjornsson-deadlifts-501-kg-to-set-world-record-idUSKBN22E0R1

[6] https://www.gq.com/story/game-of-thrones-the-mountain-workout

[7] Dass zweibeinige Landwirbeltiere prinzipiell einen für das Gewicht von mehreren Tonnen geeigneten Körperbau entwickeln können, beweisen prähistorische Raubdinosaurier (Theropoden) wie der Tyrannosaurus.

[8] Umzeichnung von Sir John Gardner Wilkinson (Wikimedia Commons, gemeinfrei).

[9] https://mysteria3000.de/magazin/ganggrab-an-der-uni-kiel-errichtet/

[10] Uta von Freden / Siegmar von Schnurbein (Hg.): Spuren der Jahrtausende. Archäologie und Geschichte in Deutschland. Theiss, Stuttgart 2002, 142.

[11] A. de Rochas: Transport du Pedestal de la Statue de Pierre le Grand A Saint-Pétersbourg. La Nature 470 (1882), 347-351.

[12] James 2016, 79.

Aliens zwischen Bergen – Ein Tag im JungfrauPark Interlaken

Ein Freizeitpark über die Theorien der Prä-Astronautik? Gibt es – in Interlaken (Schweiz). Eröffnet 2003 als Mystery Park unter Mitwirkung Erich von Dänikens, ist er nach Insolvenz und Verkauf seit 2010 unter dem Namen JungfrauPark zu besuchen. Das Programm besteht neben einigen Bereichen für Kinder vor allem aus mehreren Filmvorführungen und Rekonstruktionen zur Prä-Astronautik, angelehnt an die Werke von Dänikens. Zusammen mit meinem Freund Sait Can Kutsal habe ich den Park letzten Juli im Rahmen eines Uniprojekts besucht und näher unter die Lupe genommen. Was hat man sich unter einem Freizeitpark zur Grenzwissenschaft vorzustellen, was ist inhaltlich von den Darbietungen zu halten – und was sind die Gründe für den bis heute ausbleibenden Erfolg des JungfrauParks? Unsere Eindrücke schildern wir im folgenden Artikel:

Aliens zwischen Bergen – Ein Tag im JungfrauPark Interlaken

ParaMagazin 9: Meganthropus & Denisova-Mensch

ParaMagazin: Ausgabe 9Erscheinungstermin: 30.08.2019
Verlag: Twilight-Line Medien
Format: A4
ISBN: 978-3-944315-90-4

Titelthema: Ein Aufsatz von mir über Meganthropus und die Denisova-Menschen. Vermögen Skelettfunde vorzeitlicher Hominiden wirklich die einstige Existenz von Riesen zu belegen?

Meganthropus und Denisova-Mensch
Neue Erkenntnisse über vermeintliche Riesen der Vorzeit.

Außerdem enthalten: 
Ein dämonischer Kontakt – Eine junge Frau beschwört aus Interesse mit ihren Freundinnen Geister, doch aus dem Spiel wird schnell eine gefährliche Situation, als sich ein Dämon offenbart.

Der Fluch der alten Eiche – Eine Jahrhunderte alte Eiche in einem hessischen Waldstück, gespalten vom Blitz, ist immer wieder der Ort unheimlicher Begebenheiten.

Weitere Themen im Heft.

Neue Rubrik: Wunderkammer der Kulturgeschichte

Könnte es einst eine Rasse von Riesen gegeben haben? Wer war außer den Wikingern (und den Indianern) noch alles vor Kolumbus in Amerika? Woher wissen wir eigentlich, dass Cheops die Pyramide gebaut hat? Waren es nicht doch eher Aliens – jene, die auch schon die riesigen Linien in die Hochebene von Nazca gekratzt und eine Landeplattform in Baalbek errichtet haben? Und wieso ist auf einem alten Tempel in Kambodscha ein Stegosaurus dargestellt – könnten unsere Vorfahren den Urzeitechsen noch begegnet sein?

Schon seit längerem interessiere ich mich für grenzwissenschaftliche Theorien über unsere Vergangenheit (die Leser meiner Rezensionen dürften es längst bemerkt haben). Da wäre die Hypothese der Prä-Astronautik, die besagt, dass die Erde vor vielen Jahrtausenden von Außerirdischen besucht wurde. Diffusionistische Theorien (zum Beispiel in diesem Buch) gehen von Kontakten zwischen Kulturen aus, die nach konventioneller Lehrmeinung keinen Kontakt gehabt haben – eine ganze Reihe scheinbar der alten Welt entstammender Fundstücke in Amerika zeugt davon. Kreationisten versuchen mit kuriosen Funden die Evolution zu widerlegen (siehe meine Rezension zu „Mein Vater war ein MiB 2„), Nationalisten die Überlegenheit eines Volkes zu beweisen. Manche Legende hat sich als Wahrheit herausgestellt – Troja und Rungholt wurden ausgegraben, die Wikinger waren tatsächlich in Amerika. Viele mehr wurden durch die Wissenschaft widerlegt – die Michigan-Relikte sind Fälschungen, Tiahuanaco wurde wirklich mit Steinwerkzeugen errichtet und die Denisova-Menschen waren doch keine Riesen. Einige wenige schließlich bleiben bis heute rätselhaft – noch immer etwa hat niemand eine Erklärung für die „Karrenspuren“ von Malta gefunden.
Für Laien sind derartige Theorien und ihre Beweismittel oft auf den ersten Blick glaubwürdig und kaum zu überprüfen, umso mehr, da die einschlägigen Publikationen die Argumente der Gegenseite oft verschweigen. Und obgleich zahlreiche scheinbare Mysterien längst von der Wissenschaft aufgeklärt wurden, erzielen solche Gegendarstellungen doch keine nennenswerte Reichweite und die Thesen bleiben de facto unwidersprochen in der öffentlichen Wahrnehmung.

Nach bisher nur vereinzelten Essays zum Thema – so zum Serapeum von Sakkara, den Mischwesen im Werk des Eusebius von Caesarea und den kruden Theorien Michael Tellingers – habe ich nun das Projekt „Wunderkammer der Kulturgeschichte“ ins Leben gerufen. In Form eines enzyklopädischen Nachschlagewerkes sollen nach und nach immer mehr Beweismittel der Grenz- und Pseudowissenschaften aufgearbeitet und allgemeinverständlich dem Stand der Forschung gegenübergestellt werden. Bei allem theoretischen Anspruch auf Vorurteilsfreiheit läuft dies doch in der Regel auf eine Widerlegung hinaus. Das Rückgrat der Wissenschaft ist die kritische Überprüfung – was widerlegt werden kann, ist zu widerlegen, und erst die Überprüfung mit positivem Ergebnis adelt eine neue Theorie. So mag dieses Lexikon jeden Interessierten über all die vielen erwiesenen Irrtümer und Fehldarstellungen aufklären, die noch immer in vielen Publikationen weiter kursieren, und dem Unentschlossenen als kritisches Nachschlagewerk zur Verfügung stehen. Profitieren können auch nicht zuletzt die Vertreter unkonventioneller Theorien – schließlich kann jede seriöse Suche nach Außerirdischen, verschwundenen Völkern und anderen Rätseln erst dann erfolgversprechend sein, wenn sie nicht länger durch einen Wust von Fakes und Fehlinterpretationen behindert wird.

Hier geht’s zum neuen Portal:

Wunderkammer der Kulturgeschichte

Bisher sieht’s dort noch etwas kahl aus, doch das dürfte sich in nächster Zeit ändern. Ein paar erste Artikel sind schon hochgeladen, weitere (bereits fertig geschrieben) werden in den nächsten Tagen folgen. Immerhin hab ich’s schon geschafft, einen griffigen Titel zu finden und ein dazu passendes Logo zu entwerfen. Dank gebührt Gimp, Powerpoint und den ausgezeichneten Tafeln von Austen Henry Layard in „The Monuments of Ninive“.

Anregungen für weitere Themen sowie insbesondere Hinweise auf fundierte wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit diesen sind jederzeit willkommen!

Fakten und Fiktionen: Archäologie vs. Pseudowissenschaft

„Fakten und Fiktionen: Archäologie vs. Pseudowissenschaft“. Kaum zu glauben, dass sich die renommierte Reihe „Zaberns Bildbände zur Archäologie“ auf solch kontroverses Terrain begibt – und doch bitter nötig, florieren doch pseudowissenschaftliche Thesen über unsere Vergangenheit heutzutage mehr denn je. Herausgegeben von dem Ägyptologen Stefan Baumann, versammelt der großformatige Band eine Reihe von Beiträgen verschiedener Autoren rund um unwissenschaftliche Deutungen der Geschichte, von Atlantis bis Zecharia Sitchin. Natürlich sind sämtliche Autoren der akademischen Wissenschaft („Schulwissenschaft“) zugehörig, folglich den behandelten Theorien gegenüber kritisch bis ablehnend eingestellt – trotzdem gelingt es ihnen in der Regel, nicht arrogant den Zeigefinger akademischer Überheblichkeit zu erheben und ihre doch bisweilen durchaus harten Anschuldigungen gegen die Vertreter der Gegenseite hinreichend zu belegen. Erwähnenswert ist hier auch die kritische Antwort auf die zweifelhafte Interpretation des „Berliner Goldhuts“ als astronomisches bzw. kalendarisches Artefakt – geschieht diese letztlich pseudowissenschaftliche Darstellung doch nicht etwa durch außerakademische Autoren, sondern aus der Mitte des wissenschaftlichen Mainstreams heraus, wie auch in der musealen Präsentation des Objekts unübersehbar.
Die einzelnen Kapitel stecken dabei ein weites Spektrum ab: Zunächst gibt Baumann selbst eine Einführung in die Situation und charakteristische Argumentationsmuster der Grenzwissenschaft; darauf folgt ein historischer Rückblick auf die pseudowissenschaftliche Geschichtsvereinnahmung etwa im Faschismus und Kolonialismus durch Markus Bittermann. Beides im Prinzip hochinteressante Themen und gut geschriebene Beiträge – jedoch leiden beide stark an ihrer Kürze, womit sie einen nur unzureichenden Überblick zu geben vermögen. Es schließt sich ein Exkurs über die Auffindung der Moorleiche „Moora“ und deren Rezeption in den Medien (etwa „Galileo Mystery“) an – für sich ebenfalls interessant, auch wenn hier das Hauptthema des Buches etwas großzügig ausgelegt wird. Gerlinde Bigga gibt als nächstes einen (unvermeidlich) knappen, aber doch breiten und fundierten Überblick über die Geschichte der Interpretation von Fossilien, vom Museum des Kaisers Augustus bis zum Zeitalter Darwins. Sehr interessant sind mehrere der folgenden Kapitel, die sich mit spezifischen archäologischen Themen befassen – so etwa der Kunst der Späteiszeit (im Kontrast zum vorgestrigen Bild eines „primitiven Steinzeitmenschen“), dem angeblichen Petrusgrab unter dem Vatikan (das, wie hier sehr gut herausgestellt wird, mit ziemlicher Sicherheit nie existiert hat) oder der diffusen Entstehung Roms, die selbst in populärwissenschaftlichen Darstellungen noch immer gerne auf Romulus und Remus verkürzt wird. Joscha Gretzinger stellt den teils bis heute wirkmächtigen pseudowissenschaftlichen Rassentheorien die empirischen Fakten der Genetik entgegen, ein weit über die Grenzen der Archäologie und Anthropologie hinaus sozial relevantes Thema. Das Highlight des Buches, ebenfalls verfasst vom Herausgeber Stefan Baumann, ist schließlich ein Kapitel über die Rezeption des alten Ägypten durch Grenzwissenschaftler wie etwa Erich von Däniken, in dem er eines nach dem anderen eine ganze Reihe einschlägiger Funde und Thesen anhand der ägyptologischen Erkenntnisse widerlegt (Datierung, Zweck, Bauweise und angebliche astronomische Ausrichtung der Pyramiden; Helikopter etc. von Abydos, „Glühbirnen von Dendera“, „Flugzeug von Sakkara“, „Bagdad-Batterien“) – knapp und doch bemerkenswert stringent, dabei durchweg durch Belege gestützt. Etwas weniger breit gefächert ist der nächste Artikel bezüglich der Thesen Zecharia Sitchins (sumerische Götter, die Anunnaki, kamen einst vom zwölften Planeten Nibiru und erschufen die Menschheit). Dieser hat zwar ebenso eine ordentliche fachliche Qualität, konzentriert sich aber auf nur zwei zentrale Aspekte im Werk Sitchins: Die „Dingir-Rakete“ und die These des 12. Planeten. Schließlich gibt es auch noch ein Kapitel über das schon so oft lokalisierte Atlantis, wobei hier der Überblick zugunsten einer fast ausschließlichen Betrachtung der Thesen Eberhard Zanggers (Atlantis sei identisch mit Troia) zurückgestellt wird – der schwächste Beitrag im Buch, da über eine Reihe von Argumenten gegen Zangger hinaus vollkommen oberflächlich; auf andere Atlantis-Hypothesen wird nicht einmal eingegangen und diese letztlich alle relativ pauschal abgelehnt.
Davon vielleicht abgesehen weisen letztlich alle Beiträge in „Fakten und Fiktionen“ (bei gleichzeitig allgemeiner Verständlichkeit) eine hohe wissenschaftliche Qualität auf – die Argumente sind folgerichtig und nicht erzwungen, zugrunde liegt eine wirkliche Auseinandersetzung und keine oberflächliche Ablehnung. Indes gelingt es dem Werk doch nur bedingt, einen Überblick über das gewaltige Themenfeld zu bieten – dafür ist es mit kaum mehr als 140 Seiten einfach nicht umfangreich genug. Während einige Artikel penibel einzelne, klar umgrenzte Themenfelder aufarbeiten (u.a. Petrusgrab, Rom), sind die weiter gespannten dann doch zu kurz und oberflächlich für das eigentlich so komplexe Thema – nicht sachlich mangelhaft, aber doch unvollständig. Ebenso bleiben zentrale Themen der „alternativen Archäologie“ außen vor – so etwa das meiste aus dem Umkreis des Kreationismus und Katastrophismus (u.a. deren „Out-of-Place-Artefakte“ sowie scheinbare Beweise für eine Koexistenz von Menschen und Sauriern), weite Teile der Prä-Astronautik (bis auf Ägypten und Sitchin, beides großartig, leider nicht repräsentiert, so etwa Dänikens zahlreiche Südamerika-Fundstellen), Diffusionismus und seine scheinbaren Belege (so die vielen ominösen Fundkomplexe Amerikas) und einiges mehr. Gerade in Anbetracht des stolzen Preises von 39,95€ hätte man neben der soliden Qualität auch durchaus etwas mehr Quantität erwarten können. Immerhin die vorliegenden Beiträge gleichen ihren allzu knappen Umfang durch eine gute Ausstattung mit Quellenangaben aus, die der weiteren Recherche dienen können.
Anders als man vielleicht erwarten könnte, ist „Fakten und Fiktionen“ also alles andere als ein Überblickswerk – auch insofern, dass manche der behandelten Themen kaum die Themen der heute aktuellen Grenz- bzw. Pseudowissenschaft berühren. Was hingegen vorliegt, ist von nicht zu beanstandender Qualität und durchweg lehrreich. Letztlich also nicht ganz das Buch, das wir verdienen, aber doch eines, das wir sehr gut gebrauchen können.

Die Archäologie-Verschwörung

Der Buchtitel „Die Archäologie-Verschwörung“ sagt eigentlich schon alles. Bei dem pseudowissenschaftlichen Werk von über 400 Seiten handelt es sich um einen Sammelband, herausgegeben von J. Douglas Kenyon, dem Herausgeber des amerikanischen Mystery-Magazins „Atlantis Rising“. In zahlreichen Artikeln fasst er selbst die Thesen verschiedener grenz- bzw. pseudowissenschaftlicher Publizisten zusammen, mitunter anhand persönlicher Gespräche, in anderen Kapiteln wiederum kommen diese Autoren selbst zu Wort – eine Mischung aus Anthologie und Überblickswerk also. Bei diesen zahlreichen Appetithäppchen handele es sich um „das Allerbeste, das das Magazin zu bieten hat“ (S. 13), was nach Lektüre des Buches nicht mehr unbedingt für besagtes Magazin spricht. Das Buch teilt sich auf in mehrere mehr oder weniger abgegrenzte Abschnitte rund um die Themen Katastrophismus, Atlantis und Hochtechnologie im alten Ägypten. Das fachliche Niveau variiert hierbei zu einem gewissen Grad, jedoch allgemein auf einem ziemlich niedrigen Niveau. Grundsätzlich besteht schon ein Großteil des Werkes letztlich aus nicht viel mehr als sich immer wieder wiederholenden Anklagen gegen die akademische Wissenschaft und ihre Ablehnung bzw. Ignoranz derartiger Theorien. Abgesehen davon, dass dies nur bedingt der Fall ist (wiederholt gab es fachwissenschaftliche Auseinandersetzungen mit grenzwissenschaftlichen Theorien), beweist vorliegendes Werk hervorragend, wie angemessen eine solche Haltung doch ist. Gebetsmühlenartig wiederholen die Autoren ihre ganz knapp verschwörungstheoretischen Vorwürfe, die Wissenschaft ignoriere oder unterdrücke besagtes Wissen – wobei ihnen doch trotz hunderter Seiten kein anderes Motiv einfällt als die Angst, „die Lehrbücher umschreiben zu müssen“. Tatsächlich werden Lehrbücher ständig umgeschrieben, und genau das ist der Sinn der Wissenschaft. Man denke hierbei nur an wissenschaftliche Umwälzungen wie die mittlerweile anerkannte Präsenz der Wikinger in Amerika, das durch Funde wie etwa die Schöninger Speere längst begrabene Bild des „tumben Steinzeitmenschen“, die Entdeckung neuer Hochkulturen wie der Jiroft- und Oxus-Zivilisation, die häufigen Umbenennungen prähistorischer Spezies auf Basis neuer Erkenntnisse (den Brontosaurus gibt es wieder, Indricotherium nicht mehr und ist der Neandertaler nun eine Unterart des Homo sapiens?), die Wandlung von Rekonstruktionen (Spinosaurus lief nun vermutlich auf vier Beinen) und nicht zuletzt die mittlerweile ganz selbstverständliche Tatsache REALER Katastrophen in der Erdgeschichte (in Abgrenzung von den fiktiven Katastrophen der Katastrophisten) wie dem Kreide-Tertiär-Impakt und dem perm-triassischen Massenaussterben. Von einem starren Beharren auf alten Dogmen, wie leichtfertig vorgeworfen, kann in Bezug auf die akademische Wissenschaft schwerlich die Rede sein. Vielmehr hat deren kritische bzw. ignorante Haltung zwei Ursachen: 1) muss man jede neue Hypothese zu widerlegen versuchen – erst das Scheitern der Widerlegung adelt die Theorie – und 2) haben die Pseudowissenschaftler selten bis nie versucht, auf wissenschaftlichem Niveau zu publizieren, sodass ein akademischer Diskurs darüber zustande kommen könnte. Wissenschaft fordert Belege für Hypothesen – und daher im Folgenden Belege für die mangelnde Fachqualität des Buches „Die Archäologie-Verschwörung“:
Ein schon publizistischer Makel ist die überwältigende Redundanz des Werkes – nicht zuletzt aufgrund des Ursprunges in Magazinartikeln wiederholen sich Behauptungen und Gedankengänge ständig; anstatt einer stringenten Argumentation wird in jeweils mehreren Artikeln praktisch dasselbe erzählt. Auf die Spitze treiben es die Kapitel „Das Geheimnis des Ursprungs Indiens“ (129-140) und „Indien – 30 000 v.u.Z.“ (269-281), wo über mehrere Seiten hinweg ganze Absätze wortwörtlich (!) oder nur mit dezenten Variationen wiederholt werden! Wenn es schon das „Allerbeste, das das Magazin zu bieten hat“ ist, kann man etwas ja auch gerne einmal zweimal sagen.
Auch inhaltlich vermag das Buch nicht wirklich zu überzeugen. Es beginnt mit der eigentlich aus dem frühen 19. Jahrhundert stammenden Theorie des Katastrophismus, d.h. der Hypothese, dass es keine lange Erdgeschichte und Evolution gab, sondern das heutige Angesicht der Erde durch globale Katastrophen geprägt wurde, von denen die letzte mit der von vielen Kulturen berichteten Sintflut identisch sei. Prophet dieses Neo-Katastrophismus ist Immanuel Velikovsky, der bereits in den 50er Jahren behauptete, die Venus habe sich in historischer Zeit der Erde angenähert und globale Zerstörung bewirkt. Mehrere Kapitel gelten allein der Verherrlichung Velikovskys und seines „Martyriums“ (er wurde von der Wissenschaft nicht ernst genommen), jedoch ohne dessen Beweisführungen selbst wiederzugeben. Immerhin eine zentrale These wird mehrfach wiederholt: Die große Verleugnung unserer Vergangenheit sei auf ein kollektives Trauma der Menschheit durch jene Katastrophen zurückzuführen, aufgrund dessen wir nach wie vor in einem „Schockzustand“ leben und uns nicht erinnern können bzw. wollen. Weshalb Traumata erblich sein sollten, wie sie sich etwa in den Genen zu manifestieren pflegen, diese Erklärung bleiben Velikovsky und seine Jünger uns freilich schuldig (Regel Nr. 1 der Genetik: Erworbene Eigenschaften werden nicht vererbt – und nein, auch die Epigenetik gibt derartiges nicht her). Von dieser reichlich lächerlichen, doch zentralen Behauptung abgesehen bleibt es auch nach etlichen Seiten bei der einzigen Aussage, dass man Velikovsky selbst lesen sollte, wenn man sich ein Bild von dessen Theorien machen will – ob man nun daran glaubt oder nicht. Ähnlich verfahren wird mit dem deutlich jüngeren und doch in grenzwissenschaftlichen Kreisen längst berühmten Buch „Verbotene Archäologie“ von Michael Cremo, einer Auflistung mutmaßlicher Belege für eine Existenz von Menschen vor vielen Millionen Jahren. Auch hier muss man letztlich das fragliche Buch lesen und beurteilen, um bestimmen zu können, ob die Erwähnung bei Kenyon einen Wert hat. (Es scheint, dass Cremos Datierungen vor allem wissenschaftlichen Publikationen des 19. Jahrhunderts entstammen, als die absoluten und relativen Datierungsmethoden noch lange nicht so ausgereift waren wie heute, wobei in der Art auch einige der erwähnten Fundplätze mittlerweile umdatiert wurden, doch wäre prinzipiell eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Werk vonnöten.)
Der Katastrophismus, wie er in „Die Archäologie-Verschwörung“ dargestellt wird, ist jedenfalls … man ahnt es wohl. Die zwei ersten Kapitel stellen ihn zunächst einmal als eine Alternative zu den beiden Konzepten Evolution und Kreationismus dar – was der Katastrophismus schon grundsätzlich nicht sein kann, denn er erklärt nicht (nicht einmal schlecht, wie der Kreationismus) die Entstehung der verschiedenen Lebensformen, nur ihre Auslöschung. Auch wenn es hier formell anders dargestellt wird, ist die Grundlage von Katastrophismus letztlich doch immer nur eine weitere Form von Kreationismus. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass die Autoren ihre Angriffe hier vor allem gegen die Evolutionstheorie richten – und dabei vor allem sich selbst und ihre fachliche Unfähigkeit bloßstellen. Das einzige wirkliche Argument, das Will Hart in „Darwins Niedergang“ ins Felde führt, ist das angebliche Fehlen von Übergangsformen im Fossilbericht. Daher im Folgenden eine kleine und nicht annähernd vollständige Auswahl von bisher gefundenen „Übergangsformen“. Zwischen Fischen und Amphibien: Panderichthys, Tiktaalik, Acanthostega, Ichthyostega; zwischen Dinosauriern und Vögeln: Microraptor, Archaeopteryx, Rahonavis, Jeholornis; zwischen Huftieren und Walen: Pakicetus, Ambulocetus, Rodhocetus, Indocetus, Basilosaurus; zwischen anderen Menschenaffen und Menschen: Orrorin, Sahelanthropus, Paranthropus, Autralopithecus africanus/afarensis/robustus, Homo habilis/erectus/ergaster/heidelbergensis/sapiens idaltu. (Präventiv noch die Bemerkung, dass nicht jede der angeführten Arten ein direkter Vorfahr sein muss, sondern womöglich auch ein Seitenzweig der dadurch verdeutlichten Entwicklungslinie sein kann.) Dass, wie von Hart immer wieder betont, die unmittelbaren Vorfahren der Blütenpflanzen bislang nicht identifiziert wurden (wenngleich zeitlich und verwandtschaftlich bereits stark eingeengt), stellt in Anbetracht dessen ein eher kosmetisches Problem dar (zumal die Koevolution mit bestäubenden Insekten von beidseitigem Vorteil ist – da weniger Konkurrenz & exklusivere Bestäubung – und sich somit evolutionstechnisch hervorragend begründen lässt). Das Pseudoargument der „fehlenden Bindeglieder“ taucht in einem späteren Abschnitt des Buches noch einmal in ganz ähnlicher Form auf, nämlich in Bezug auf die ägyptischen Pyramiden: „Wo stehen – um beim Beispiel der Großen Pyramide in Gizeh zu bleiben – die bei einer Entwicklung vom Primitiven zum Höheren notwendigerweise existierenden kleineren, viel kleineren Pyramiden, die sozusagen als Vorserienmuster dienten?“ (300). Hätte der Autor (zufälligerweise abermals Will Hart) vor dieser Publikation auch nur ein grundlegendes Werk über die ägyptischen Pyramiden konsultiert, so wäre er auf die Stufenpyramide des Djoser in Sakkara gestoßen, der man noch deutlich die Entwicklung aus den früheren (und zuhauf gefundenen) Mastabagräbern ansieht, sowie auf die drei (!) Pyramiden von Cheops Vater Snofru, von denen nach zwei missglückten Experimenten (bei der Meidum-Pyramide stürzte die Umhüllung herunter, die „Knickpyramide“ hat einen Knick) erst die dritte zum erwünschten Ergebnis führte.
Auch sonst ist, anders als behauptet die Evolution keinesfalls „noch nicht bewiesen“ (27). Zu den Beweisen zählen neben dem überwältigenden Fossilbericht unter anderem die beobachtete Evolution etwa bei Bakterien (dort sogar fundamentaler Art), aber auch Insekten und Fischen, außerdem das Vorhandensein von Rudimenten und Atavismen (von Vorfahren ererbte, jetzt nutzlose Merkmale) wie etwa die Beinreste bei Walen und Schlangen sowie nicht zuletzt die genetische Verbreitung von Mutationen, deren Menge an Übereinstimmungen bei verschiedenen Arten genau deren Verwandtschaftsgrad angibt, welcher sich zeitlich und genealogisch mit dem Fossilbericht deckt. Diese Belege werden von den Autoren natürlich nicht erwähnt; vielmehr beweisen diese ihre Unkenntnis dessen, worüber sie zu argumentieren glauben, auch durch Aussagen wie jene: „Wir haben alle gelernt, dass sich die Fische zu Amphibien verwandelten, die Amphibien zu Reptilien wurden, die Reptilien sich dann zu Vögeln weiterentwickelten und die Vögel dann zu den Säugetieren führten“ (27). Es wäre in der Art eine interessante Frage, wo Will Hart seine Kenntnisse der Evolutionstheorie erworben hat – kein Wissenschaftler (und wohl auch kaum die Mehrzahl der allgemeinen Bevölkerung) hält Vögel für die Vorfahren der Säugetiere. (Diese stammen vielmehr von einer heute ausgestorbenen Schwestergruppe der Reptilien, den Synapsiden, ab.)
Der nächste Abschnitt widmet sich den möglichen vorzeitlichen Kulturen, die womöglich Opfer jenes letzten hypothetischen Kataklysmus geworden sind – wenngleich illustriert an nur drei Beispielen, der Sphinx von Gizeh, jenen Ruinen auf dem Meeresboden vor Indien und dem Yonaguni-Monument im Meer bei Japan. Auch hier müsste man sich vielmehr mit den zugrundeliegenden Publikationen auseinandersetzen, wobei zumindest die Rückdatierung der Sphinx durch Robert Schoch einer wissenschaftlichen Diskussion durchaus zugänglich sein dürfte. „Die Archäologie-Verschwörung“ bietet an dieser Stelle jedoch nur einige oberflächliche Informationen nebst vielen Behauptungen. Es folgen mehrere Kapitel über Atlantis, die maßgeblich die Thesen Graham Hancocks zu einer vorzeitlichen „Erdkrustenverschiebung“ nacherzählen, auch diese weitgehend redundant. Einzig die Widerlegung der in Mode gekommenen Santorin-Identifikation von Atlantis durch Frank Joseph bietet in sich abgeschlossen eine recht solide Argumentation.
Andere Kapitel bewegen sich vollkommen im Bereich der Esoterik, so etwa Joseph Rays Lobpreisung auf René Adolphe Schwaller de Lubiczs „The Temple of Man“, wo dessen Interpretation des Karnak-Tempels als Sinnbild kosmischer Wahrheiten auf eine schier religiöse Stufe gelobt wird. Auch hier ist keine Auseinandersetzung möglich – werden doch nicht wirklich die (mutmaßlichen) Argumente und Gedankengänge wiedergegeben, sondern nur die Thesen Schwaller de Lubiczs‘ ins Grenzenlose verherrlicht. Die esoterischen Kapitel über die „Weisheit der Alten“ (wer sind eigentlich diese „Alten“, von denen immer die Rede ist?) halten sich allgemein recht wenig mit Argumentation auf und beschränken sich weitgehend auf kühne Behauptungen. Bezeichnend auch, dass selbsternannte „Seher“ wie Edgar Cayce und Rudolf Steiner als glaubwürdige Quellen präsentiert werden, ohne ihre Thesen und Qualifikationen auch nur zu hinterfragen.
Mehrere Kapitel des Ingenieurs Christopher Dunn widmen sich der Deutung der Cheops-Pyramide als Kraftwerk sowie der angeblich unmöglichen Präzision der Steinbearbeitung im alten Ägypten. Diese Abschnitte scheinen bodenständiger und sind einer Analyse zumindest zugänglich. Und auch wenn ich mich mit Dunn nicht auf technischer Ebene auseinanderzusetzen vermag, so bleibt doch trotz allem ein zentraler Kritikpunkt: Dunn betrachtet die ägyptischen Monumente einzig aus einer physischen und modernen Perspektive, ohne jemals auf die zur Verfügung stehenden ägyptischen Quellen einzugehen, so etwa die Papyri Jarf A und B, das Logbuch einer Arbeitskolonne der Cheops-Pyramide, die Steine zum Gizeh-Plateau schiffte, sowie die Pyramidentexte, die zumindest die späteren Pyramiden eindeutig als Grabmäler identifizieren. Besonders betont Dunn die Unmöglichkeit der hohen Präzision, mit der die Ägypter Stein bearbeiteten. Dies wirkt auf den ersten Blick plausibel. Leider geht er jedoch allenfalls rudimentär auf bisherige Hypothesen und Experimente zur antiken Steinbearbeitung ein (bzw. nur auf die, die scheiterten) – zu nennen wären pars pro toto etwa die Experimente von Jean-Pierre Protzen und Stella Nair, die die Präzision der in grenzwissenschaftlichen Publikationen so beliebten Megalithstrukturen von Tiahuanaco nur unter Einsatz von Steinwerkzeugen erfolgreich reproduzieren konnten. Ansonsten sticht Christopher Dunn unter den Autoren des Buches jedoch insofern heraus, dass er zumindest in einem Teil des von ihm behandelten Themas über tatsächliche Kenntnisse verfügt.
Nachdem überraschenderweise Außerirdische das ganze Buch über kaum eine Rolle gespielt haben, streifen schließlich zumindest die Artikel des letzten Abschnitts dieses Thema. Extrem kurz und kaum repräsentativ wird das Werk von Zecharia Sitchin vorgestellt (der anders als behauptet kein Sumerisch beherrschte und einen Großteil der von ihm mesopotamischen Mythen zugeschriebenen Thesen schlichtweg erfand, doch das ist eine andere Geschichte). Ein Beitrag von Len Kasten (der auch schon ein Buch über „Die geheime Weltherrschaft der Reptiloiden“ veröffentlichte) widmet sich möglichen Hinweisen auf eine außerirdische Ursache hinter den sogenannten Pulsaren, Heraugeber Kenyon schreibt noch über Strukturen auf Mars und Mond und ein letzter Beitrag versucht Physik mit reiner Esoterik zu verbinden (und ist, empirisch betrachtet, relativ substanzlos).
„Die Archäologie-Verschwörung“ ist durchaus lehrreich. Nicht über die wahre Vergangenheit der Erde, wohl aber über die Methodik der Pseudowissenschaftler. Sehr wohl gibt es unkonventionelle Themen, über die sich ernsthaft diskutieren lässt – man denke etwa an die durchaus professionell formulierte Theorie Hans Giffhorns zum altweltlichen Ursprung der Chachapoya, und auch andere Themen (Prä-Astronautik, Atlantis, Kryptozoologie) lassen sich empirisch erforschen. J. Douglas Kenyon und die seinen bestätigen mit ihrem Gemeinschaftwerk jedoch die Gesamtheit der negativen Vorurteile, die die akademische Wissenschaft (offensichtlich nicht ganz zu Unrecht) über ihre Zunft hegt: Sie ignorieren die wissenschaftlichen Publikationen und bekannten Fakten zu den Themen, über die sie sich äußern, argumentieren stattdessen gegen allerlei Strohmänner, zeigen durchweg (allenfalls Robert Schoch teilweise ausgenommen) eine starke Nähe zu Verschwörungstheorien, unseriösen Quellen (Seher etc.) und willkürlich-esoterischen Weltkonzepten, und vor allem: Sie ziehen niemals wirklich in Betracht, dass sie falsch liegen könnten – allein dies ist wohl Ursache genug für jene selektive und bigotte Betrachtung von Fakten, bar jeder Quellenkritik alles übernehmend, was den eigenen Thesen entspricht, und auf schier dummdreiste Art und Weise kritisch gegenüber allem anderen, ohne die Position der Gegenseite auch nur einmal eingehend zu recherchieren (siehe Evolution). Abermals, um den zwangsläufig zu erwartenden Vorwürfen vorzubeugen: Doch, es ist möglich, auch unkonventionelle Hypothesen zu diskutieren, wozu sicher viele Wissenschaftler auch bereit wären – doch nicht auf einer Basis, die sich schon methodisch in solcher Weise selbst disqualifiziert. Das Buch selbst enthält letztlich nicht wirklich etwas von Wert – selbst wenn man annähme, die darin zitierten und hochgelobten Werke (etwa Cremos „Verbotene Archäologie“, das Lebenswerk Velikovskys und am ehesten noch die ägyptologischen Publikationen) seien für sich ernstzunehmen (was ich pro forma nicht kategorisch ausschließen will), so könnten doch allein diese selbst darüber Aufschluss geben. Weitere Lektüre steht an, viele Theorien sind zu hinterfragen – über Kenyons „Archäologie-Verschwörung“ indes ist fast alles Wichtige gesagt: Ein höchst polemisches, dabei zugleich relativ substanzarmes Buch, über weite Teile redundant und sich in Wiederholungen ergötzend, das mehr über seine Autoren aussagt als über ihre Forschungsfelder.

Geheimakte Archäologie

Bildergebnis für geheimakte archäologie„Geheimakte Archäologie“ von Luc Bürgin ist ein weiteres typisches Exemplar grenzwissenschaftlicher Literatur zur sogenannten „verbotenen Archäologie“. Wie in dem Genre üblich, stellt der Autor eine Reihe rätselhafter archäologischer Funde vor, die (anscheinend) noch immer einer Erklärung harren. Keiner von diesen ist hierbei wirklich neu; es handelt sich samt und sonders um alte Bekannte des Genres: Zunächst die berühmten und kontroversen Großsammlungen – die Funde aus Burrow’s Cave, die Michigan-Relikte, Pater Crespis Metallbibliothek, die Figuren von Acambaro und die Funde von Glozel (Frankreich). Der zweite Abschnitt behandelt jeweils sehr knapp Themen der Kryptozoologie, darunter der Minnesota-Eismann und der de-Loys-Affe, gefolgt von verschiedenen alten Bauwerken (Yonaguni-Monument, Pyramiden im Rock Lake, Geheimkammer der Cheops-Pyramide …) und den sogenannten Out-of-place-artifacts (darunter das Coso-Artefakt, der Metallkeil von Aiud und der versteinerte Hammer von London, Texas). Ein letztes Kapitel geht auf den angeblichen „Bibelcode“ ein.
Bei dieser Anzahl der behandelten Themen kann natürlich keine wirklich tiefe Auseinandersetzung erwartet werden. Und in der Tat sind die meisten Kapitel extrem knapp, oft nur wenige Seiten, in denen kurz die zentralen Informationen dargestellt werden – noch oberflächlicher also als die meisten ähnlich gearteten Bücher des Genres (z.B. von Erich von Däniken, Reinhard Habeck oder Hartwig Hausdorf). Aus der Reihe fällt indes das allererste Kapitel über die gemeinhin als Fälschungen identifizierten Funde aus Burrow’s Cave – dieses ist als einziges umfangreicher und dringt etwas in die Tiefe, wenn dort die Kontroverse relativ penibel aufgerollt wird, auch anhand mehrerer Originaldokumente (etwa Briefe) – zumal Luc Bürgin hier offensichtlich auch selbst aktive Forschung betrieben, sprich mit den Beteiligten korrespondiert hat. Dieses Kapitel kann also als nützlicher Beitrag zum Thema gelten, von den inhaltlichen Implikationen einmal ganz abgesehen. Auch die beiden nächsten Kapitel (Crespi-Sammlung & Michigan-Artefakte) sind noch einigermaßen ausführlich, der Rest dann schließlich deutlich knapper. Hingegen mangelt es dem Buch grundsätzlich nicht an Bildern – viele Fotografien der Funde illustrieren die Artikel, was nur zu loben ist. Hinzu kommen Abdrucke zahlreicher originaler Dokumente zur Fund- und Forschungsgeschichte mancher Objekte im Anhang, was dem Leser bei einer eventuellen eigenen Recherche unterstützt.
Luc Bürgin ist ganz klar ein Befürworter, nicht Kritiker der grenzwissenschaftlichen Interpretation von Funden. Nichtsdestotrotz werden zumindest bei einigen Themen auch alternative Erklärungen wiedergegeben, z.B. beim Hammer von London (der wahrscheinlich nicht aus der Kreidezeit stammt, sondern schlichtweg in eine moderne Steinkonkretion eingeschlossen ist). Dies ist löblich, wobei eine Auseinandersetzung mit entsprechenden Gegendarstellungen bei den meisten der Funde (z.B. die Acambaro-Figuren) doch fehlt.  Grundsätzlich enthält sich Bürgin weitgehend der eigenen Interpretation und der Ausschlachtung der Funde für konkrete Thesen (Außerirdische, Atlantis, Junge-Erde-Kreationismus …), sondern lässt sie vielmehr als Mysterium stehen. Aus der kritischen Haltung dem wissenschaftlichen Establishment gegenüber macht er trotzdem keinen Hehl, ist dem doch die gesamte umfangreiche Einleitung gewidmet. Mit einer Aufzählung von zahlreichen Revisionen (meist Rückdatierungen) wissenschaftlicher Lehrmeinungen in den letzten Jahrzehnten versucht er deren Fehlbarkeit zu belegen, was aber letztlich doch ein Schuss ins eigene Bein ist – beweist er damit doch vielmehr, dass die akademische Wissenschaft sehr wohl im Angesicht neuer Funde ihre Theorien revidiert, anstatt dogmatisch am Alten festzuhalten.
Das kurze und unterhaltsame Buch ist schnell durchgelesen. Viele der behandelten Themen sind in diesem Genre altbekannt, womit das Buch allenfalls als Überblickswerk taugt, im Falle von Burrow’s Cave und durch die Dokumente ist jedoch zumindest ein gewisser (grenz)wissenschaftlicher Mehrwert geboten. Letztlich ist es kein in diesem Genre wirklich herausstechendes Buch – weder positiv durch inhaltliche Qualität noch negativ durch ein überdurchschnittliches Maß falscher und pseudowissenschaftlicher Aussagen, die sich beide im soliden Mittelfeld bewegen.