Das größte Geheimnis

Heute stelle ich ihnen eines der wichtigsten Werke der Verschwörungsliteratur vor: „Das größte Geheimnis“ von David Icke. In diesem zweifelhaften Werk stellt der Autor die gewagte These auf, dass die Menschheit in Wirklichkeit von einer Rasse reptilienartiger Wesen kontrolliert wird. Was zunächst wie ein Scherz oder eine Parodie auf andere Verschwörungstheorien klingt, ist in diesem Falle durchaus ernst gemeint.

Die Reptiloiden-Theorie
Ickes Theorie setzt sich aus verschiedenen Elementen der Parawissenschaft, Esoterik und Verschwörungstheorie zusammen. Zum Teil bezieht er sich auf die Thesen Zecharia Sitchins (siehe meine Buchvorstellung „Der zwölfte Planet“), die beweisen sollen, dass vor langer Zeit Außerirdische auf der Erde gelandet sind und die Menschheit geschaffen haben. Diese Außerirdischen besitzen laut Icke ein reptilienartiges Aussehen. Von den Reptiloiden stammen verschiedene „Blutlinien“ ab, die seit der Antike die Geschicke der Menschheit steuern. Zu diesen Blutlinien gehören zum Beispiel der Großteil aller Adelsgeschlechter sowie führende Familien aus Wirtschaft, Politik, Medien und Religion. Eine dieser Blutlinien, im Buch Ramses-Piso-Bush genannt, entstand im antiken Mesopotamien (wo alles seinen Anfang nahm), breitete sich dann nach Ägypten (Ramses der Große), Rom (die Familie Piso und das Geschlecht der Julier) und Mitteleuropa (die Merowinger- und Karolinger-Könige) aus. Auch das britische Königshaus sowie die meisten amerikanischen Präsidenten (insbesondere George Bush) sollen zu dieser Blutlinie gehören. Eine weitere Blutlinie ist die (vorgeblich) jüdische Bänkersfamilie Rothschild. Die eigentlichen Reptiloiden befinden sich außerhalb der von uns wahrnehmbaren Welt in der Vierten Dimension und kontrollieren die Mitglieder dieser Familien durch ihre Geisteskräfte. Die enge Verwandtschaft soll den Reptiloiden dabei helfen, die Kontrolle über ihre „Wirtskörper“ übernehmen zu können. Ganz im Sinne gewöhnlicher Verschwörungstheorien arbeiten diese Familien unter Führung der Reptiloiden daran, die absolute Weltherrschaft zu erringen und eine „Neue Weltordnung“ zu installieren. Diese sieht vor, die Menschheit durch Kriege (darunter auch einen 3. Weltkrieg) um mehrere Milliarden zu reduzieren und die Reste zu einem einzigen, globalen Staat zu vereinen. Die Bürger sollen mit Mikrochips ausgestattet werden (vorgeblich, um ihnen das Leben zu erleichtern, z.B. durch bargeldlosen Zahlungsverkehr), mit denen sie letztendlich vollständig kontrolliert werden. Desweiteren werden diverse weniger wichtige Elemente genannt, die mit den Reptiloiden in Zusammenhang stehen:
– Durch „einatomiges Gold“ erlangen die Reptiloiden unglaubliche Geisteskräfte
– Indem sie Menschen gezielt traumatisieren, sorgen die Reptiloiden für Persönlichkeitsspaltungen, durch die sie widerum die Menschen kontrollieren können
– Es gab  schon vor langer Zeit hochentwickelte Zivilisationen auf der Erde und auf anderen Planeten (Atlantis lässt grüßen)
– Die Erde ist innen hohl und wird dort von Reptiloiden und unbekannten Menschenrassen bewohnt
– Die Reptiloiden trinken Blut und führen satanische Rituale durch, um sich in unserer Welt als solche zu manifestieren und gewisse Zauber zu wirken
– Natürlich sind auch die Illuminaten, die Freimaurer und die Templer nicht unbeteiligt, da sie von den Reptiloiden kontrolliert werden

Beweisführung und Glaubwürdigkeit
David Icke bezieht sich in seinem Buch auf diverse mehr oder minder vertrauenswürdige Quellen. Zum einen sucht er in der Tradition der Präastronautiker in alten Überlieferungen und Legenden nach Beweisen für seine Theorie. Besonders ist hierbei der Zulu-Schamane Credo Mutwa zu nennen, der ihm von der außerirdischen Reptilienrasse der „Chitauri“ (nicht die aus den Marvel-Comics) berichtete, die laut den Legenden der Zulu vor vielen Jahrtausenden zur Erde gekommen sind und die Menschen geschaffen haben. Es werden auch andere Überlieferungen über reptiloide Wesen aus verschiedenen Teilen der Welt genannt, darunter Neuinterpretationen der mesopotamischen Mythologie und der Bibel sowie die Naga aus der indischen Mythologie. Was die Pläne um die Neue Weltordnung etc. angeht, bezieht sich Icke auf andere Verschwörungstheoretiker sowie Menschen, die (angeblich) persönliche Erlebnisse mit den Reptiloiden gemacht haben. Von letzteren standen einige, aber nicht alle nachweislich unter Einfluss von LSD.
Erstaunlich ist die Lehre, die Icke gegen Ende des Buches aus all dem zieht: Er fordert keinefalls dazu auf, gegen die Reptiloiden zu kämpfen. Stattdessen solle man seiner kompletten Umwelt mit Liebe begegnen, da diese (dank des esoterischen Resonanzgesetzes) angeblich auch stets auf einen selbst zurückfällt und das Schicksal des gesamten Universums bestimmt. Überhaupt sind weite Teile des dargebotenen Systems reinste Esoterik verschiedenster Form – man kann auch sagen, Icke kombiniert so ziemlich alle para- und pseudowissenschaftlichen Theorien, die er irgendwo finden konnte. Kein Wunder, dass darunter auch einige sehr rechtsesoterische Ansätze sind wie etwa die Theorie von Fliegenden Untertassen im Dritten Reich und natürlich die „Arier“ als eine der uralten Rassen, die das Innere der Erde und die vorzeitliche Welt bewohn(t)en.
Letztendlich lässt sich sagen, dass die Beweisführung Ickes nicht glaubwürdig und überzeugend ist, ja geradezu absurd. Hier möchte ich noch einmal festhalten, dass ich nicht durch prinzipielle Vorurteile, sondern durch eine Untersuchung der betreffenden Materie zu dieser Kenntnis gelangt bin. Viele „Fakten“, die er nennt, sind nicht hinreichend belegt, manche auch schlicht falsch. Überhaupt ist die Datenmenge in vielen der betrachteten Themen viel zu umfangreich, als dass man so explizite Schlüsse (und nur diese) daraus ziehen könnte. das Buch ist zweifellos interessant, mitunter amüsant, aber keine verlässliche Richtlinie für ein vernünftiges Weltbild, auch eben weil so viele verschiedene Thesen und Theorien kombiniert werden. Letztendlich handelt es sich hier um die klassische Methodik einer jeden Verschwörungstheorie oder auch Religion: Eine These wird aufgestellt und beliebig erweitert, sodass sie in sich logisch erscheint – alle konkurrierenden Weltbilder oder auch sogenannte „wissenschaftliche Fakten“ werden eben als große Lügen auf die Verschwörer zurückgeführt. Das kehrt die Beweisführung und -last scheinbar um – es entsteht ein geschlossenes Wahngebilde, das sich (scheinbar) nicht widerlegen lässt, letztendlich nicht glaubwürdiger als jede Religion von Christentum bis Pastafarianismus oder auch die berühmte Bielefeldverschwörung.

Zu empfehlen?
„Das größte Geheimnis“ ist schwere Kost. Nicht nur inhaltlich, sondern auch vom Umfang her. Das Buch besitzt 598 Seiten mit sehr eng geschriebenem Text. Es ist schwer bis fast unmöglich, dieses Monumentalwerk vollständig durchzulesen. Zur Verteidigung muss ich jedoch sagen, dass es durchaus möglich ist, weite Teile zu überspringen und nur die wichtigen Kapitel zu lesen. Ich selbst habe es so getan. Natürlich kann man den Inhalt des Buches auch nicht ausnahmslos ernst nehmen (Ach echt?). Trotzdem ist es durchaus unterhaltsam und gibt unzählige interessante Denkanstöße. Für Menschen, die sich mit Parawissenschaft und Verschwörungstheorien auseinandersetzen, gehört „Das größte Geheimnis“ zweifellos zur Allgemeinbildung hinzu. Auch als Fantasyautor, wie ich einer bin, kann man davon nur profitieren.
Leuten, die lieber glaubwürdigere und besser recherchierte parawissenschaftliche Werke lesen, würde ich jedoch eher die Bücher von Zecharia Sitchin oder Erich von Däniken empfehlen.

Das Buch ist in gedruckter Form nur noch zu hohen Preisen erhältlich und kostet als e-Book 16,99 €. Jedoch lässt es sich auch kostenlos im Internet als pdf herunterladen – die Seite müssen Sie sich aber selbst heraussuchen.

Schreibe einen Kommentar