Neue Rubrik: Wunderkammer der Kulturgeschichte

Könnte es einst eine Rasse von Riesen gegeben haben? Wer war außer den Wikingern (und den Indianern) noch alles vor Kolumbus in Amerika? Woher wissen wir eigentlich, dass Cheops die Pyramide gebaut hat? Waren es nicht doch eher Aliens – jene, die auch schon die riesigen Linien in die Hochebene von Nazca gekratzt und eine Landeplattform in Baalbek errichtet haben? Und wieso ist auf einem alten Tempel in Kambodscha ein Stegosaurus dargestellt – könnten unsere Vorfahren den Urzeitechsen noch begegnet sein?

Schon seit längerem interessiere ich mich für grenzwissenschaftliche Theorien über unsere Vergangenheit (die Leser meiner Rezensionen dürften es längst bemerkt haben). Da wäre die Hypothese der Prä-Astronautik, die besagt, dass die Erde vor vielen Jahrtausenden von Außerirdischen besucht wurde. Diffusionistische Theorien (zum Beispiel in diesem Buch) gehen von Kontakten zwischen Kulturen aus, die nach konventioneller Lehrmeinung keinen Kontakt gehabt haben – eine ganze Reihe scheinbar der alten Welt entstammender Fundstücke in Amerika zeugt davon. Kreationisten versuchen mit kuriosen Funden die Evolution zu widerlegen (siehe meine Rezension zu „Mein Vater war ein MiB 2„), Nationalisten die Überlegenheit eines Volkes zu beweisen. Manche Legende hat sich als Wahrheit herausgestellt – Troja und Rungholt wurden ausgegraben, die Wikinger waren tatsächlich in Amerika. Viele mehr wurden durch die Wissenschaft widerlegt – die Michigan-Relikte sind Fälschungen, Tiahuanaco wurde wirklich mit Steinwerkzeugen errichtet und die Denisova-Menschen waren doch keine Riesen. Einige wenige schließlich bleiben bis heute rätselhaft – noch immer etwa hat niemand eine Erklärung für die „Karrenspuren“ von Malta gefunden.
Für Laien sind derartige Theorien und ihre Beweismittel oft auf den ersten Blick glaubwürdig und kaum zu überprüfen, umso mehr, da die einschlägigen Publikationen die Argumente der Gegenseite oft verschweigen. Und obgleich zahlreiche scheinbare Mysterien längst von der Wissenschaft aufgeklärt wurden, erzielen solche Gegendarstellungen doch keine nennenswerte Reichweite und die Thesen bleiben de facto unwidersprochen in der öffentlichen Wahrnehmung.

Nach bisher nur vereinzelten Essays zum Thema – so zum Serapeum von Sakkara, den Mischwesen im Werk des Eusebius von Caesarea und den kruden Theorien Michael Tellingers – habe ich nun das Projekt „Wunderkammer der Kulturgeschichte“ ins Leben gerufen. In Form eines enzyklopädischen Nachschlagewerkes sollen nach und nach immer mehr Beweismittel der Grenz- und Pseudowissenschaften aufgearbeitet und allgemeinverständlich dem Stand der Forschung gegenübergestellt werden. Bei allem theoretischen Anspruch auf Vorurteilsfreiheit läuft dies doch in der Regel auf eine Widerlegung hinaus. Das Rückgrat der Wissenschaft ist die kritische Überprüfung – was widerlegt werden kann, ist zu widerlegen, und erst die Überprüfung mit positivem Ergebnis adelt eine neue Theorie. So mag dieses Lexikon jeden Interessierten über all die vielen erwiesenen Irrtümer und Fehldarstellungen aufklären, die noch immer in vielen Publikationen weiter kursieren, und dem Unentschlossenen als kritisches Nachschlagewerk zur Verfügung stehen. Profitieren können auch nicht zuletzt die Vertreter unkonventioneller Theorien – schließlich kann jede seriöse Suche nach Außerirdischen, verschwundenen Völkern und anderen Rätseln erst dann erfolgversprechend sein, wenn sie nicht länger durch einen Wust von Fakes und Fehlinterpretationen behindert wird.

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Wunderkammer der Kulturgeschichte

Bisher sieht’s dort noch etwas kahl aus, doch das dürfte sich in nächster Zeit ändern. Ein paar erste Artikel sind schon hochgeladen, weitere (bereits fertig geschrieben) werden in den nächsten Tagen folgen. Immerhin hab ich’s schon geschafft, einen griffigen Titel zu finden und ein dazu passendes Logo zu entwerfen. Dank gebührt Gimp, Powerpoint und den ausgezeichneten Tafeln von Austen Henry Layard in „The Monuments of Ninive“.

Anregungen für weitere Themen sowie insbesondere Hinweise auf fundierte wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit diesen sind jederzeit willkommen!