Metallbibliothek von Ecuador

Eine undurchsichtige Kontroverse rankt sich um die angebliche Existenz eines gewaltigen Höhlensystems unter Ecuador und eine darin verborgene sogenannte „Metallbibliothek“.

Die Däniken-Kontroverse. Als Entdecker der Höhlen gilt der Argentinier Juan Moricz, der 1965 auf erste unterirdische Gänge gestoßen sein soll.1:10 19681:46 oder ‘69 habe er eine Expedition an jenen Ort geführt und mehrere Nebeneingänge untersucht, das Vorhaben dann jedoch wegen Unstimmigkeiten innerhalb der Gruppe abgebrochen.2:122 Bereits 1969 hinterlegte Moricz eine amtliche Urkunde, in der er „seine“ Entdeckung für sich beanspruchte und eine wissenschaftliche Erforschung durch die ecuadorianische Regierung forderte.1:8 Obwohl alle Teilnehmer der Expedition zur Verschwiegenheit verpflichtet worden waren, kam es zu einer Meldung in der Zeitung El Telegrafo, von der 1970 Erich von Däniken Kenntnis erhielt.2:119 Diesem gelang es mit einigem Aufwand, mit Moricz Anwalt Matheus Pena Kontakt aufzunehmen und schließlich 1972 ein Treffen mit diesem in Ecuador zu organisieren.1:10 In seinem kurz darauf erschienenen dritten Buch Aussaat und Kosmos beschrieb von Däniken den anschließenden Besuch der Höhlen zusammen mit Moricz und Pena:
Hinter einem in den Fels geschnittenen Eingang, „breit wie ein Scheunentor“, ginge es mit einem Seilzug hinab in jene Gänge mit rechtwinkligen und glatt polierten Steinwänden. Sie erreichten eine Halle, „groß wie der Hangar für einen Jumbo-Jet“, von der weitere Stollen in verschiedene Richtungen abgingen.1:12 Man fand ein mit Gold beschichtetes Skelett am Boden sowie in einem riesigen Saal von 110 x 130 m1:13 schließlich einen Tisch mit Stühlen aus unbekanntem Material1:14, dahinter zahlreiche Figuren von Tieren aus Gold – darunter auch Saurier und Elefanten – sowie gegenüber eine „Bibliothek“ aus tausenden von dünnen Metallplatten, mit einer unbekannten Schrift beschrieben.1:14 Auch zahlreiche Steinfiguren, darunter ein aus Stein gemeißeltes Skelett und eine groteske an einen Clown und Astronauten erinnernde Figur auf einem Sockel hätten sich dort befunden, zudem zwei Meter hohe Statuen mit drei oder sieben Köpfen.1:15-19
Die auf die Veröffentlichung folgenden Ereignisse (bzw. seine Version von diesen) beschrieb von Däniken detailliert in dem 2007 erschienenen Buch Falsch informiert!. 1972 veröffentlichte der Stern einem Artikel, demzufolge Moricz und Pena abgestritten hätten, von Däniken je in die fragliche Höhle geführt zu haben.2:146f Von Däniken selbst, bereits zuvor von der vernichtenden Kritik informiert, gab wenig später zu, tatsächlich nie selbst in jenen Höhlen gewesen zu sein. Vielmehr habe er nur einen Blick in einen Seiteneingang werfen dürfen; die Beschreibung in Aussaat und Kosmos entspräche den Erzählungen Moriczs und auch die gezeigten Fotos stammten von jenem.2:145f Moricz habe ihm erlaubt, die Fotos und Informationen für ein Buch zu verwenden, um die Entdeckung noch vor Moricz eigener Publikation bekannt zu machen2:131,138; im Gegenzug habe von Däniken angeboten, finanzielle Mittel für eine neue Expedition aufzutreiben.2:131 Die Konzipierung des Kapitels gehe vielmehr auf den Verleger Utz Utermann zurück2:140 und sei zudem vor der Veröffentlichung mit Moricz abgesprochen worden.2:138
Im Anschluss habe von Däniken versucht, Moricz und Pena zu kontaktieren und nach mehreren vergeblichen Versuchen die Antwort erhalten, man habe den Journalisten des Stern dieselben Ausführungen gegeben wie seinerzeit ihm; die Leugnungen im Artikel seien Lügen.2:147f Zusammen mit dem Econ-Verlag plante von Däniken in der Folge tatsächlich eine Expedition, um die Existenz des Höhlensystems nachzuweisen und sich selbst zu entlasten – doch scheiterte diese wiederum an Moricz und Pena, die von Däniken nun direkt beschuldigten, alles in Aussaat und Kosmos Publizierte erfunden und gegen deren Willen veröffentlicht zu haben.2:155 Bei dieser Aussage blieb Moricz weiterhin, so auch in einem Interview des Spiegel 1973, wo er erneut aussagte, von Däniken nie in die beschriebenen Höhlen geführt oder dessen Falschaussagen abgesegnet zu haben.4 Schließlich forderte er mehrfach hohe Geldsummen als Schadenersatz.2:163 Obgleich er von Däniken der Lüge bezichtigte, hielt Juan Moricz bis zu seinem Tod am 27.02.1991 an der Existenz des Höhlensystems fest.2:174

Weitere Expeditionen. Später plante der Filmemacher James Mobley eine neue Expedition zu den von Däniken und Moricz beschriebenen Höhlen, die er bereits anderthalb Jahre vor Moricz ausgiebig untersucht habe2:162 – ein Film jedoch erschien nie, nach angeblichen Aussagen von Däniken gegenüber aufgrund gewaltiger Bestechungsgelder.2:174     
Bekannter ist eine Expedition zu den „Tayos-Höhlen“, die Stanley Hall 1976 gemeinsam mit dem Astronauten Neil Armstrong führte – diese jedoch habe nichts Relevantes gefunden und auch Armstrong verneinte Däniken gegenüber jede Kenntnis der angeblichen Geheimnisse.2:164 Auch weitere Expeditionen, so eine deutsche im Jahr 1982, erkundeten die Tayos-Höhlen und fanden sie leer vor; die riesigen Hallen und angeblichen Schätze existierten nicht.2:166
Später indes zeigte sich Stanley Hall Erich von Däniken gegenüber überzeugt, die „Metallbibliothek“ befände sich nicht in den Tayos-Höhlen, sondern an einem anderen Ort.2:171 In seinem Buch Tayos Gold veröffentlichte er die Geschichte des angeblich einzigen wirklichen Augenzeugen Lucio Petronio Jaramillo Abarca, der bereits vor Juan Moricz die eigentliche Höhle mit der Metallbibliothek betreten und dort einen Tag und eine Nacht verbracht habe.2:172 Im Mai 1998 jedoch wurde Jaramillo vor seinem Haus erschossen2:173 Bis heute wurden die von Moricz, von Däniken und Jaramillo beschriebenen Höhlen und Schätze weder lokalisiert noch untersucht und fotografiert; unabhängige Belege für ihre Existenz existieren nicht.

T 1Erich von Däniken: Aussaat und Kosmos. Spuren und Pläne außerirdischer Intelligenzen. Kopp, Rottenburg 2015.

Q 2Erich von Däniken: Falsch informiert! Vom unmöglichsten Buch der Welt, Henochs Zaubergärten und einer verborgenen Bibliothek aus Metall. Kopp, Rottenburg 2007.

T 3Stan Hall: Tayos Gold. Neue Beweise für die Metallbibliothek und ihre Herkunft aus Atlantis. Kopp, Rottenburg 2008.

Q 4https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-42645392.html

R Luc Bürgin, Geheimakte Archäologie (51-62)

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