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Felsbilder von Tassili

„Großer Marsgott“, Jabbaren (Lhote 1959, Abb. 21)

Das Tassili-Massiv in der Sahara (Algerien) ist reich an prähistorischen Felszeichnungen. Die Datierung der mehr als 15 000 Abbildungen von Menschen und Tieren bleibt bis heute umstritten; Schätzungen schwanken zwischen einem Alter von sechs- bis zwölftausend Jahren.3:5f Die dortigen Darstellungen grotesker humanoider Wesen bieten bereits seit ihrer Entdeckung Anlass zu Deutungen als außerirdische Raumfahrer, maßgeblich popularisiert durch Erich von Däniken seit dessen ersten Büchern.
Mit den Felsbildern von Tasili untrennbar verbunden ist der Name Henri Lhote. Der französische Forschungsreisende und Ethnologe – ein Schüler von Henri Breuil, dem Begründer der Erforschung der frankokantabrischen Höhlenkunst – widmete sein Leben der Entdeckung und Dokumentation jener prähistorischen Kunstwerke der Sahara, denen er einen Status gleichberechtigt mit den berühmten Höhlenmalereien Frankreichs einräumte. Auf sein Buch A la découverte des fresques du Tassili (1958, dt. Die Felsbilder der Sahara) geht auch die Bezeichnung eines gewissen Bildtypus als „Marsmenschen“ zurück, weshalb ihm oft eine Einstellung im Sinne der Prä-Astronautik – fast ein Jahrzehnt vor EvDs Erinnerungen an die Zukunft – unterstellt wird.

Verschiedene „Rundköpfe“ (u.a. Bogenschütze), Jabbaren (Lhote 1959, Abb. 22)

Am Sandsteinmassiv von Jabbaren (Tuareg für Riesen nach den dortigen Felsbildern) stieß Lhote 1938 auf einige der ältesten und schließlich berühmtesten Felszeichnungen.1:67-69 Neben zahlreichen Tierdarstellungen und verschiedenen Mischwesen (darunter gehörnte Menschen und ein Wesen mit Elefantenkörper und Giraffenkopf) finden sich dort rundköpfige humanoide Gestalten, die Lhote als „Marsmenschen“(Martian)-Typus bezeichnete.1:69, 71 Bekannt ist der rund sechs Meter messende „große Marsgott“ (Abb. 21), dessen seitliche Kopfstrukturen an einen Helm erinnern; neben diesem treten auch „Rundköpfe“ mit Schwänzen und ohne nähere Gesichtsstrukturen auf (Abb. 22). Manche der Marsianer besitzen kleine, spitze Brüste und sind somit anscheinend als weiblich klassifiziert (Abb. 22, Pl. II). Nach den „Rundköpfigen“ benannte Lhote auch die mutmaßlich älteste Stilperiode der Tassili-Bilder (wiederum unterteilt in mehrere Phasen, gefolgt von einer „bovinen“ Periode).1:192 ff           
Ein gewaltiges Felsbild an der Fundstelle Sefar zeigt neben mehreren weiblichen „Rundköpfen“ eine riesige humanoide Gestalt mit unförmigem Kopf, die Lhote als „großen Gott“ deutet (Pl. II). Die ritualhafte Handlung und die Darstellung einer anscheinend gebärenden Frau deuten bei diesem Bild auf den Kontext eines Fruchtbarkeitskultes hin.1:207

Rundköpfe und „Großer Gott“, Sefar (Lhote 1959, Pl. II)

Deutung als Außerirdische. Bereits in seinem Erstlingswerk Erinnerungen an die Zukunft stellte Erich von Däniken eine Deutung der „Rundköpfe“ von Tassili als Außerirdische vor: „Uns will, ohne die Phantasie sonderlich zu strapazieren, scheinen, daß der große Marsgott in einem Raum- oder Taucheranzug dargestellt wurde. Auf seinen wuchtigen, plumpen Schultern liegt ein Helm, der durch eine Art von Gelenk mit dem Rumpf verbunden ist. Dort, wo Mund und Nase hingehören, zeigt der Helm verschiedene Schlitze.“EvD 1:47 Den „großen Gott“ von Sefar nennt von Däniken im Kontext von RiesenEvD 2:49, die Auswüchse eines gehörnten Mannes interpretiert er als Antennen (Abb. 37)EvD 2:71. Einen schwerelos dahingleitenden „Rundkopf“ des Fundplatzes Ti-n-Tazarift deutet Lhote als „Schwimmer“, von Däniken als Figur in einem „enganliegenden Raumfahreranzug mit Steuergeräten an den Schultern und Antennenstäben am Schutzhelm“ (Abb. 43)EvD 2:18.

Gehörnte Gestalt und Frau, Aouanrhet (Lhote 1959, Abb. 37)

In der Tat ist die prä-astronautische Deutung schon längt in der von Lhote geprägten Bezeichnung „Marsmenschen“ für die rundköpfigen Gestalten mit seltsamem Gesicht angelegt. So wird dieser auch von verschiedener Seite – darunter (bislang) die deutsche und englische Wikipedia – als früher Anhänger der Prä-Astronautik dargestellt, der eine solche Deutung tatsächlich postuliert habe. Die Realität sieht jedoch anders aus, wie aus Lhotes eigener Erklärung für die Bezeichnung hervorgeht:

Die Umrisse sind einfach und kunstlos, der runde Kopf, bei dem als einzige Besonderheit ein doppeltes Oval in der Mitte des Gesichts angedeutet ist, erinnert an das Bild, das wir uns gewöhnlich vom Marmenschen machen. Marsmenschen! Wäre das nicht ein zugkräftiger Titel für eine Sensationsreportage, der ungeahnte Perspektiven erschließt! Sollten Marsmenschen wirklich in die Sahara gekommen sein, dann nur vor Jahrtausenden, denn die Malereien der Rundköpfe im Tassili sind, soweit wir wissen, die allerältesten.“2:88

Daraus geht eindeutig hervor, dass Lhote eben nicht tatsächlich von außerirdischen Besuchern in grauer Vorzeit ausging, sondern die zeitgenössische Vorstellung von Außerirdischen vielmehr satirisch rezipierte. Kreative Namen für die von ihm entdeckten Felsbilder prägt er auch an anderer Stelle – etwa als er eine weibliche Figur bei Jabbaren nach der Romanfigur von Pierre Benoit Antinea nannte, explizit ohne damit etwas über die tatsächliche Bedeutung des Kunstwerks aussagen zu wollen.1:182 Auf einem Missverständnis basiert weiterhin die bisweilen wiederholte Behauptung, Lhote habe den von ihm entdeckten „Margott“ Jabbaren getauft – hierbei handelt es sich um den Fundort, der in der Bildunterschrift „Jabbaren. Der große Marsgott.“2:88 wie auch bei allen anderen Illustrationen des Buches vor der Bezeichnung genannt wird.
Über die bloße Bezeichnung hinausgehende Spekulationen über Außerirdische finden sich in Lhotes Werk nicht – indes distanzierte er sich deutlich von für ihn unverständlichen Hypothesen, die in den von ihm entdeckten Felsbildern die Überreste von Atlantis erkennen wollten und sich dabei auf das angebliche Wissen gewisser „theosophischer Sekten“ beriefen. Platons Atlantis-Bericht betrachtete er als reine Fiktion.1:181-190

„Schwimmer“, Ti-n-Tazarift (Lhote 1959, Abb. 43)

Könnte aber – unabhängig von den Ansichten Henri Lhotes – die Deutung der „Rundköpfe“ als Außerirdische in Raumanzügen doch berechtigt sein? In manchen Darstellungen (Abb. 22) scheinen die „Marsmenschen“ neben normalen Menschen aufzutreten, was eine Verschiedenheit von diesen nahelegt.
Von akademischer Seite vorgeschlagen wurde eine Deutung der seltsamen Gesichter als Masken. In der Tat finden sich in Sefar auch verschiedene Darstellungen von Masken bzw. Menschen mit Masken (Abb. 52/53), die solchen gleichen, die zu Lhotes Zeiten noch immer in Westafrika Verwendung fanden.1:223 Auch wenn ein solcher Zusammenhang für die Gestalt der „Marsmenschen“ bislang nicht belegt ist und somit eine bloße Hypothese verbleibt, so wäre diese gemäß Ockhams Rasiermesser der außerirdischen Deutung doch tendenziell vorzuziehen.
Gegen eine Deutung der Gestalten als Raumanzüge sprechen außerdem weitere Details: Einige der weiblichen „Rundköpfe“ in Pl. II (um den „großen Gott von Sefar“ herum) besitzen eindeutig Brüste sowie in einem Fall die Andeutung einer Vulva, womit sie offenbar nackt (und nicht in Raumanzügen) dargestellt sind. Einer der „Rundköpfe“ in Abb. 22 trägt in seiner Hand außerdem einen Bogen, was schwer mit der Vorstellung technologisch fortgeschrittener Außerirdischer zu vereinbaren ist.

Wenn es sich tatsächlich, wie von den Anhängern der Prä-Astronautik angenommen, um Darstellungen jener Außerirdischen handeln sollte, die angeblich so viele verschiedene Kulturen besuchten – müssten sich dann nicht ganz ähnliche Darstellungen auch in anderen Kulturen finden? Die in einschlägigen Publikationen angeführten Felsbilder, Reliefs, Statuen und Figurinen teilen zwar ihren oberflächlichen Anschein technologischer Details (oder zumindest das Vorhandensein irgendeiner Form von Helmen), unterscheiden sich untereinander jedoch viel zu sehr, als dass sie einander bestätigen würden. Mit möglicherweise einer Ausnahme:

Figurine aus Cuenca, Ecuador (Quelle 1 / Quelle 2)

Eine Keramikfigurine der Jama-Coaque-Kultur in Ecuador, aufbewahrt im Museo de las Culturas Aborigines in Cuenca, besitzt einen ähnlichen runden Kopf mit seitlichen Aufsätzen/Schläuchen(?), einer runden Mund(?)öffnung und einer Art Collier oder Halskragen bei gleichzeitig recht stämmigem Körperbau. Obgleich die Figurine in grenzwissenschaftlichen Werken immer wieder erwähnt wird (sie war sogar in der Ausstellung Unsolved Mysteries zu sehen), scheint zu meiner eigenen Verwunderung bislang niemand einen Zusammenhang zu den „Marsmenschen“ von Tassili angemerkt zu haben. Wenn auch die Ähnlichkeit womöglich eher auf Zufall zurückgehen mag (wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es irgendwo in der weltweiten Kulturgeschichte mindestens eine oberflächlich ähnliche Darstellung gibt?), so ist sie doch zu bemerkenswert, um sie unerwähnt zu lassen.

Die Frage nach der tatsächlichen Bedeutung der spezifischen Darstellungsform der „Marsmenschen“ von Tassili muss bis auf Weiteres offen bleiben. Anders als die Alien-Deutung würden Interpretationen als mythische (Misch-)Wesen oder maskierte Menschen (Schamanen?) in dieser Kunst- und Kulturepoche jedoch eindeutige Parallelen finden.

Q Henri Lhote: A la découverte des fresques du Tassili

          1Englisch: The search for the Tassili frescoes; the story of the prehistoric rock-paintings of the Sahara. Hutchinon & Co., London u.a. 1959.

          2Deutsch: Die Felsbilder der Sahara. Entdeckung einer 8000-jährigen Kultur. Zettner, Würzburg u.a. 1963.

Anm.: Ich habe mich entschieden, vorwiegend aus der englischen Ausgabe zu zitieren, da diese im Internet allgemein zugänglich und die Überprüfung somit besser möglich ist.

3David Coulson / Alec Campbell: Rock Art of the Tassili n Ajjer, Algeria

T/R EvD 1, Erinnerungen an die Zukunft (47-49) / EvD 2, Zurück zu den Sternen (18, 49, 71, 96-99, 147) / Unsolved Mysteries (204) / Reinhard Habeck, Bilder, die es nicht geben dürfte (38 f)

Zur Figurine aus Ecuador: Reinhard Habeck, Dinge, die es nicht geben dürfte (146 f) / Unsolved Mysteries (209)

Die Träne der Zauberschen

Ein Jahr nach seiner unkonventionellen Novelle „In Ewigkeit“, die ich die Ehre hatte rezensieren zu dürfen, hat Ian Cushing nun mit „Die Träne der Zauberschen“ sein zweites Buch veröffentlicht. Der 460 Seiten starke Roman entführt uns in zwei Zeitebenen einer tragischen Geschichte von Ungerechtigkeit und Vergeltung.
Im Jahre 1611 wurde die Bäckerin Barbara unschuldig Opfer eines Schauprozesses wegen Hexerei. Die drei Freunde Jan, Dirk und Marcus ahnen vierhundert Jahre später nichts davon, dass sie ein verheerendes Erbe in sich tragen – denn der Geist Barbaras, jahrhundertelang zur Untätigkeit verdammt, sinnt auf Vergeltung an ihnen und ihren Familien …
Ian Cushing ist es einmal mehr gelungen, eine ganze Gruppe authentischer Charaktere zu entwerfen, ein jeder mit individuellem Profil und perfekt zusammenspielend in einem dicht inszenierten Szenario auf dem Weg Richtung Katastrophe. Abwechselnd beobachten wir den Prozess Barbaras im siebzehnten Jahrhundert und das zunächst so idyllische Zusammenspiel der gegenwärtigen Protagonisten, die zunehmend von dem rachsüchtigen Geist heimgesucht werden. Dabei ist die Prequel-Handlung weit mehr als nur bloße Erklärung für sinnlosen Hass einer mordenden Untoten, hat diese doch auch nach Jahrhunderten der Verdammnis und der Rachegedanken ihren ursprünglichen Charakter nicht ganz verloren. So ist dann auch das Ende ganz anders, als man es von anderen Heimsuchungsgeschichten gewohnt ist und überrascht einen schon ziemlich – ein kreativer Bruch mit Konventionen, der gleich in mehrfacher Weise zum Nachdenken anregt, doch ohne dabei weniger folgerichtig zu sein.
Gerade für ein im Self-Publishing veröffentlichtes Buch beweist „Die Träne der Zauberschen“ eine bemerkenswerte Qualität – nicht nur was das professionell gestaltete Cover angeht, sondern auch in Ausdruck und Sprache, die durchweg das Niveau massentauglicher Bestseller erreichen. Dabei ist das Buch sehr flüssig zu lesen – Cushing beweist das Talent, selbst dann unterhaltsam zu schreiben, wenn gerade nicht die spannende Handlung vorangetrieben wird und es vielmehr um die Charakterisierung der Protagonisten und ihrer Familiensituation geht, was einen guten Teil der ersten Hälfte einnimmt. Wenig später schon geht es aber Schlag auf Schlag und die Handlung zieht schneller an, als man es erwartet hätte. Man merkt durchaus, dass gar nicht einmal die Phantastik Kern des Romans ist, sondern vielmehr wirklich die handelnden (bzw. behandelten) Personen und ihr tragisches Schicksal. All das sorgt für eine umso lebendigere Identifikation mit den Figuren, gerade auch emotional außerordentlich mitreißend.
„Die Träne der Zauberschen“ ist letztlich voll und ganz zu empfehlen – spannende und flüssige Unterhaltung, schnell gelesen, doch trotzdem nicht ohne einige inhaltliche Tiefe.

Eiskalte Entscheidung (Delta Operator I)

Was, wenn man auf einmal ausgerechnet den Menschen beschützen muss, an dem Rache zu nehmen man sich geschworen hat?
Mit seinem Thriller „Eiskalte Entscheidung“ entführt Marco Gruber den Leser in die blutige Parallelwelt skrupelloser Militärs und ihrer Opfer.

Steven Crowe war Elitesoldat des Delta-Kommandos, spezialisiert auf die gefährlichsten Missionen des amerikanischen Militärs – bis seine Vorgesetzten ihn bei einer tödlichen Geheimmission im Hinterland Chinas im Stich ließen. Jahre später, als ihm die Flucht aus der Gefangenschaft glückt und er sich von seinem einstigen Arbeitgeber vergessen sieht, sinnt er auf Vergeltung an jenen, die für sein Schicksal und den Tod seiner Kameraden verantwortlich sind. Doch sein Weg kreuzt ausgerechnet eine sich anbahnende Verschwörung: Aus Furcht vor dessen Abrüstungsplänen haben mehrere ranghohe Militärs ein Mordkomplott gegen den amerikanischen Präsidenten in die Wege geleitet – und mitten in den eisigen Tiroler Alpen gerät Crowe zwischen die Fronten …

Dass man mit Marco Grubers Roman ein im Self-Publishing veröffentlichte Erstlingswerk in Händen hält, davon spürt man beim Lesen nicht viel. Vielmehr wird über mehr als 400 Seiten ein spannender und unterhaltsamer Stil gehalten, gerade auch durch den häufigen Wechsel der Erzählperspektive angenehm kurzweilig, ohne den Leser mit Nebenhandlungen hinzuhalten. Unwichtige Zwischenschritte sind minimiert, wohingegen die spannungsgeladenen Episoden umso großzügiger ausgeführt werden. Dabei beobachtet der Leser zwar beide Parteien, eine vorzeitige Enthüllung zentraler Details wird trotzdem geschickt vermieden. Zwar treten eine Handvoll Kommafehler auf, inmitten eines ansonsten doch professionellen und gut lesbaren Ausdrucks fallen diese jedoch beim Gesamteindruck nicht wirklich in Gewicht.
Ungewohnt natürlich die Konzentration auf fast ausschließlich militärische Protagonisten, lebendig (jedoch bisweilen ähnlich) charakterisiert in ihrer tiefsitzenden, selbstgerecht-charakterfesten Soldatengesinnung und meist ganz besonders hoher Qualifikation – indes bleibt kriegsverherrlichend heroische Überzeichnung doch eher fern in diesem Pantheon verblendeter Antagonisten und desillusionierter Heldenfiguren. Über die die Richtigkeit vermag ich nicht zu urteilen, doch wirkt die penible Genauigkeit militärischer Details durchweg relativ glaubwürdig.
Der Untertitel „Delta Operator I“ deutet auf den Beginn einer geplanten Reihe hin – nicht unbedingt die schlechteste Idee, denn mit „Eiskalte Entscheidung“ ist definitiv ein solider und spannender Thriller gelungen.

Aliens zwischen Bergen – Ein Tag im JungfrauPark Interlaken

Ein Freizeitpark über die Theorien der Prä-Astronautik? Gibt es – in Interlaken (Schweiz). Eröffnet 2003 als Mystery Park unter Mitwirkung Erich von Dänikens, ist er nach Insolvenz und Verkauf seit 2010 unter dem Namen JungfrauPark zu besuchen. Das Programm besteht neben einigen Bereichen für Kinder vor allem aus mehreren Filmvorführungen und Rekonstruktionen zur Prä-Astronautik, angelehnt an die Werke von Dänikens. Zusammen mit meinem Freund Sait Can Kutsal habe ich den Park letzten Juli im Rahmen eines Uniprojekts besucht und näher unter die Lupe genommen. Was hat man sich unter einem Freizeitpark zur Grenzwissenschaft vorzustellen, was ist inhaltlich von den Darbietungen zu halten – und was sind die Gründe für den bis heute ausbleibenden Erfolg des JungfrauParks? Unsere Eindrücke schildern wir im folgenden Artikel:

Aliens zwischen Bergen – Ein Tag im JungfrauPark Interlaken

ParaMagazin 9: Meganthropus & Denisova-Mensch

ParaMagazin: Ausgabe 9ParaMagazin Augabe 9 – in Kürze erhältlich!

Das Titelthema: Ein Aufsatz von mir über Meganthropus und die Denisova-Menschen. Vermögen Skelettfunde vorzeitlicher Hominiden wirklich die einstige Existenz von Riesen zu belegen?

Außerdem enthalten: 
Ein dämonischer Kontakt – Eine junge Frau beschwört aus Interesse mit ihren Freundinnen Geister, doch aus dem Spiel wird schnell eine gefährliche Situation, als sich ein Dämon offenbart.

Der Fluch der alten Eiche – Eine Jahrhunderte alte Eiche in einem hessischen Waldstück, gespalten vom Blitz, ist immer wieder der Ort unheimlicher Begebenheiten.

Weitere Themen im Heft.

GILGAMESCHS AUFSTIEG als e-book erhältlich!

Der erste Teil der Gilgamesch-Reihe „Gilgameschs Aufstieg“ ist inzwischen als e-book unter anderem bei Amazon und Google Play erhältlich.

Wir schreiben das 27. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung: An den Ufern des Euphrat treffen die Armeen von Kisch und Uruk aufeinander. Auf der einen Seite: Dumuzi der Fischer, König von Uruk, und sein Bruder Gilgamesch, Nachkommen der Götter selbst. Auf der anderen: Akka von Kisch, mächtigster König seiner Zeit, in seinem Gefolge ein furchterregendes Ungeheuer. Der Ausgang der Schlacht soll das Schicksal der Stadt Uruk für immer verändern …
Preis: 2,99€
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 180 Seiten
 
Die Printausgabe verspätet sich aufgrund von Komplikationen im Vertrieb des Buchhandels leider noch etwas.
Gilgameschs Aufstieg (Chroniken von Tilmun: Gilgamesch 1) von [Inselmann, Leif]

 

Tucson-Artefakte

Tucson Artifacts (Robert C. Hyde)
Die Artefakte 18, 8, 13 und 1 (Foto: Robert C. Hyde, Quelle s.u.)

1924 kam es an der Silverbell Road bei Tucson, Arizona zur Entdeckung von 32 rätselhaften Bleiobjekten, die seitdem als Tucson- oder Silverbell-Artefakte bekannt sind.
Auf dem Rückweg von einem Ausflug nach Picture Rocks (westlich von Tucson) stießen der Polizist Charles Manier und seine Familie auf einen alten Kalkbrennofen, aus dem ein Metallstück ragte. Dieses stellte sich, nachdem Manier es aus dem Untergrund befreit hatte, als zwei aneinandergeklebte, mit Inschriften versehene Kreuze aus Blei heraus.1:8 Eine lateinische Inschrift auf beiden Kreuzen berichtete von einer scheinbaren römischen Expedition nach Amerika, die mit dem Jahr 800 A.D. angegeben wird.
Manier übergab den Fund an das Arizona State Museum. Zusammen mit Thomas Bent widmete er sich anschließend der Suche nach weiteren Artefakten, die bald von Erfolg gekrönt war: Eingeschlossen in zementartige Caliche (ein Sediment aus Kalziumkarbonat und Anteilen von Kies, Sand, Silt und Ton), wurden zwischen 1924 und 1925 insgesamt 32 Objekte ähnlicher Machart entdeckt. Bei den Ausgrabungen waren zeitweilig auch der Geologieprofessor Thomas S. Lovering und der ehemalige Geologieprofessor Cilfton J. Sarle anwesend.1:16 Die Artefakte wurden bereits kurz nach der Entdeckung an der University of Arizona untersucht, wo man jedoch von Anfang an eine skeptische Position einnahm.1:14 Aktuell werden die Artefakte vom Arizona Historical Society Museum verwahrt.

Beschreibung. Mit Ausnahme von Fund 2 bestehen sämtliche Objekte aus massivem Blei. Viele von ihnen sind mit eingeritzten Zeichen versehen, darunter geometrische Pläne (?) auf mehreren Schwertern und lateinische sowie hebräische Inschriften auf den Kreuzen. Diese scheinen von einer römisch-jüdischen Kolonie mit dem Namen Calalus zu berichten, die im Frühmittelalter in den heutigen Vereinigten Staaten bestand und Kriege mit den Tolteken ausfocht. Es werden die Namen von vier Königen – Theodorus, Jacobus, Israel I. und Israel II.  – erwähnt.1:28 Besonders sticht ein am 5. April 1925 entdecktes Schwert hervor, das auf dem Heft die eingeritzte Abbildung eines Dinosauriers (genauer: eines Sauropoden wie Diplodocus oder Apatosaurus) trägt.

Der Fund umfasst folgende Objekte sowie deren nach der Reihenfolge der Entdeckung vergebene Nummern (Fragmente desselben Objekts jeweils mit Bindestrich):

  • Fünf Kreuzpaare (1, 3, 5, 6, 7) sowie ein einzelnes Kreuz (4). Bei der Auffindung der ersten Kreuze wurden beide durch eine übelriechende, petroleumähnliche Substanz zusammengehalten.1:8 f
  • eine dreieinhalb Kilo schwere Tafel aus Caliche mit mehreren eingezeichneten Köpfen und Inschriften (2)
  • sechs Schwerter (8, 11, 16-23, 24, 26) sowie Schwert (12) mit der Darstellung eines Dinosauriers auf dem Griff, außerdem zwei Schwertfragmente (15 und 17)
  • drei vollständige Speere (9, 19-21, 25-28-30), ein Speerschaft (32) sowie fünf Speerspitzen (10, 14, 22, 27-29, 31)
  • ein flaches, schaufel- oder fächerartiges Objekt, beschrieben mit den Jahresdaten A.D. 560 und A.D. 7051:20 (13)
  • ein großes Kreuz mit einer darum gewundenen Schlange (18) sowie eines mit halbmondförmiger und mehreren runden Verzierungen (20)1:104-Ende

Diskussion. Als Hauptargument für die Echtheit der Funde wurde wiederholt deren vollkommene Einbettung in festes Sediment angeführt. Dies stellte sich jedoch als Fehleinschätzung heraus: Der Geologe James Quinlan untersuchte die Fundstätte und datierte die Entstehung der Caliche ins Pleistozän, womit dieses mindestens 10 000 Jahre alt und damit viel älter wäre als die Artefakte gemäß ihren Inschriften sein sollten.1:62f James Frank Breazeale, ein Experte für Caliche in Arizona, geht sogar von einer Entstehung noch vor der Erhebung der nahen Tucson-Berge und somit einem Alter von vielmehr 100 000 Jahren aus.1:66 Es ist folglich auszuschließen, dass die Artefakte, wie oft behauptet, tatsächlich mit der Entstehung des Sediments eingeschlossen wurden; ein solches Alter widerspräche nicht nur allen bisherigen Erkenntnissen über die Entwicklung der menschlichen Zivilisation, sondern auch den auf den Artefakten selbst genannten Daten. Weiterhin konnte Quinlan nachweisen, dass ein Gemisch von Lehm, Sand und Kies innerhalb kurzer Zeit aushärten kann und danach von natürlicher Caliche kaum zu unterscheiden ist – so gelang ihm experimentell der Einschluss eines Bleistabes in scheinbar festes Gestein.1:64 Es lässt sich folglich die Einbettung in das Gestein nicht als Beleg für ein hohes Alter heranziehen, da die Zementierung des umgebenden Materials in nur wenigen Jahren erfolgen kann.1:68 Die Artefakte dürften folglich sekundär in ihrer Fundstelle deponiert worden sein. Für die nachträgliche Einführung der Objekte in den Untergrund spricht zudem ein Loch, das über das darin steckende Objekt hinausging.1:53
Für eine neuzeitliche Herstellung, d.h. Fälschung (wahrscheinlich im 20. Jhd.1:61), sprechen noch weitere Argumente:

  • Die Herstellung von Waffen aus Blei ist unrealistisch, da dieses zu schwer ist und sich nicht zu einer Klinge schärfen lässt. Bleierne Waffen sind aus keiner anderen Kultur bezeugt.1:69
  • Der Hüttenprüfer Thomas G. Chapman identifizierte das verwendete Blei als eine synthetische Antimon-Legierung, die rezentem „type metal“ (welches zum Drucken Verwendung findet) gleicht und somit mit ziemlicher Sicherheit modernen Ursprungs sei.1:71
  • Die Inschriften auf den Kreuzen sind unzusammenhängend und ergeben keinen wirklichen Sinn. Wie Frank Fowler 1926 und präziser George Hawley 1928 herausstellten, handelt es sich bei den Sätzen zudem fast ausschließlich um Versatzstücke aus einem von drei zeitgenössischen Lehrbüchern: Harkness‘s Latin Grammar (1881), Allen and Greenough‘s Latin Grammar (1903) oder Rouf‘s Standard Dictionary of Facts (1914). Jene Auflage von Allen and Greenough‘s Latin Grammar von 1903, die als einzige alle fraglichen Phrasen enthält, wurde in der High School von Tucson verwendet.1:72-75
  • Auch der Dinosaurier auf dem Schwert (einschließlich des erhoben dargestellten Schwanzes) erinnert stark an die Darstellung eines Sauropoden in dem damals verbreiteten Sachbuch The First Story Ever Told.1:18 f
  • Es besteht keinerlei archäologischer Kontext für eine römische Gemeinde im präkolumbischen Tucson – weder für die anzunehmenden Siedlungen, noch deren materielle Erzeugnisse oder die angeblich geschlagenen Schlachten.1:69 Auch eine rituelle Deponierung kann mangels eines entsprechenden Kontextes und aufgrund der weiten, scheinbar willkürlichen Streuung der Funde eher ausgeschlossen werden.1:70

Im Jahr 2016 machte schließlich der Philologe und Grenzwissenschaftler Donald Yates von sich reden, indem er einen neuen Katalog der Artefakte veröffentlichte und für deren Echtheit eintrat. Ihm zufolge belegten diese eine Kolonie von Juden aus dem Heiligen Römischen Reich im 8. oder 9. Jhd.. Die Zitate von klassischen Autoren seien in einer mittelalterlichen Quelle absolut zu erwarten. Auch fänden sich auf einem Objekt das seltene frühmittelalterliche Wort urre für Erz (sonst stets als urbe „Stadt“ gelesen) sowie Zitate einer lateinischen Bibelfassung, die potenziellen Fälschern Anfang des 20. Jahrhunderts nicht bekannt gewesen sein könnten.2 Jason Colavito kritisierte Yates‘ Thesen: So weise etwa dessen historisches Modell verschiedene chronologische Fehler auf; auch entsprechen Yates‘ geglättete Übersetzungen nicht dem stark fehlerhaften Latein der Inschriften. Die Übereinstimmung der ausgewählten Textbausteine mit den neuzeitlichen Lehrbüchern gehe zudem weit über eine zufällige Korrelation hinaus; im Gegensatz zu Zitaten klassischer Autoren im Mittelalter seien zudem bei Änderungen die Formen nicht grammatikalisch korrekt angepasst worden. Die von Yates angeführte Bibelfassung Vetus Latina sei anders als von diesem behauptet nie verloren und durchaus auch (u.a. in Form zahlreicher Zitate) im frühen 20. Jhd. verfügbar gewesen. Das Wort urre für Erz sei sonst im Lateinischen selbst gar nicht belegt, sondern eine rein hypothetische Form, abgeleitet u.a. aus dem Baskischen. Zudem seien die beiden r im angeblichen urre deutlich verschieden, wobei letzteres vielmehr an ein missglücktes b (also doch urbe „Stadt“) erinnere.3
Die Tucson-Artefakte können also mit großer Sicherheit als Fabrikate des frühen 20. Jahrhunderts betrachtet werden. Wer sie allerdings herstellte und an ihrem Fundplatz deponierte, ist bis heute nicht aufgeklärt worden. In Betracht gezogen wurden neben den Findern selbst bereits Freimaurer (aufgrund einschlägiger Symbolik), Mormonen und sogar der bereits mit den Michigan-Relikten verbundene Daniel Soper, all diese jedoch ohne konkrete Belege.1:92

Die Publikation der Wahl zu den Tucson-Artefakten stellt Don Burgess‘ umfangreicher Artikel Romans in Tucson? dar, welcher neben einem detaillierten Abriss der Ereignisse und der beteiligten Personen auch die zentralen Forschungsergebnisse, zahlreiche mit den Artefakten zusammenhängende Quellen im Originalwortlaut sowie hochauflösende Fotos sämtlicher Objekte beinhaltet.

Q/T Thomas Bent: The Tucson Artifacts. Privatdruck, Tucson 1964.

Q/T Robert Hyde / Donald N. Yates: The Tucson Artifacts. A Photography Album with Transcriptions and Translations of the Medieval Latin. Privatdruck, Minneapolis 2016.

Ü/GD 1Don Burgess: Romans in Tucson?: The Story of an Archaeological Hoax. Journal of the Southwest 51/1 (2009), 3-102.

T/B 2Tara Macisaac: Tucson Artifacts Suggest Romans Made It to New World in 8th Century: Expert

GD 3Jason Colavito: Is Early Medieval Latin the Key to Unlocking the Tucson Lead Artifacts?

R Luc Bürgin, Lexikon der verbotenen Archäologie

Sie erwacht

Bildergebnis für sie erwacht festaJack Ketchum ist bekannt als Autor harter, tendenziell realistischer Thriller – nicht aber von phantastischen Geschichten. Eine Ausnahme bildet hierbei allerdings der Roman „Sie erwacht “ (engl. She wakes), jüngst erschienen als sechster Teil von Festas Pulp-Legends-Reihe.
Jordan Chase ist ein erfolgreicher Geschäftsmann – und mit hellseherischen Fähigkeiten begabt. Als er auf einer Reise nach Griechenland das Schatzhaus des Atreus in Mykene betritt, spürt er plötzlich das Erwachen einer uralten Macht. Auf Kreta trifft zur selben Zeit Robert Dodgson auf die geheimnisvolle Lelia – und er, der eigentlich noch dabei ist, den tragischen Selbstmord seiner Frau zu verwinden, muss bald feststellen, dass diese weit mehr ist als eine harmlose Affäre …
„Sie erwacht“ ist kein einfacher Fantasy- oder Horrorroman. Das Buch lässt sich Zeit, das Übernatürliche und Schreckliche über die Welt hereinbrechen zu lassen. So ist zunächst ein Großteil des Buches den trivial-erotischen Urlaubsverwicklungen der Protagonisten gewidmet – freilich ohne langweilig zu werden, gelingt Jack Ketchum doch in gewohnter Manier die allzu lebendige Charakterisierung lebensnaher Figuren. Und obwohl Sachbeschreibungen kaum vorkommen, wird doch hervorragend die ganz eigene Atmosphäre Griechenlands, genauer: des exotisch-unbeschwerten Griechenland-Tourismus der achtziger Jahre, heraufbeschworen. Die Sprache ist eher schlicht und prägnant, maßgeblich ausgerichtet auf wörtliche Rede. Bei dieser Knappheit bleibt manches zunächst undurchsichtig oder angedeutet, was der Spannung aber eben keinen Abbruch tut, sondern sie eher zusätzlich entfacht. Tatsächlich wirkt das Werk trotz 400 Seiten eher wie ein Novelle, so verdichtet ist die Handlung, zwar nicht von großer inhaltlicher Tiefe, dafür aber Lebendigkeit. Und natürlich – wäre es sonst Jack Ketchum? – mündet auch diese mystisch-erotische Reise schließlich mehr und mehr in drastische Schrecken, blutig aber folgerichtig. Auch ganze vierhundert Seiten sind so in kürzester Zeit gelesen, flüssig schon von Anfang an, spannender mit jeder Seite, die das Werk langsam auf das unbekannte Finale zusteuert. Der einzige Grund, weshalb „Sie erwacht“ nicht unbedingt als Meisterwerk in Erinnerung bleibt, ist seine Kurzweiligkeit – war es bei mir doch an einem Tag durchgelesen, da so flüssig ohne irgendwelche Zäsuren dahinfließt und sich einfach kaum aus der Hand legen lässt.

Eat them Alive

„Eat them Alive“ – was klingt wie ein ziemlich blutiger Trash-Roman, ist bei genauerer Betrachtung ein ziemlich blutiger Trash-Roman. 1977 erstmals erschienen, wurde die zu Un(?)recht vergessene Perle von Pierce Nace nun vor kurzem als fünfter Teil der Pulp Legends-Reihe im Festa-Verlag erstmals in deutscher Übersetzung veröffentlicht.
Früher war Dyke Mellis ein Krimineller – bis er erfolglos versuchte, seine vier Gefährten zu hintergehen. Gefoltert und verstümmelt, kam er nur knapp mit dem Leben davon – und sinnt nunmehr seit Jahren auf Rache, zurückgezogen und vergessen auf einer kleinen Insel vor der Küste Kolumbiens. Als dann ein Tsunami die Insel verwüstet, dringen plötzlich aus unterirdischen Höhlen hunderte von riesigen, fleischfressenden Gottesanbeterinnen ans Tageslicht. Und in Dykes hasserfülltem Hirn wächst ein Plan heran. So beginnt er, die blutrünstigen Kreaturen zu zähmen, um sich mit ihrer Hilfe an seinen einstigen Gefährten zu rächen …
Zugegeben, „Eat them Alive“ ist nicht wirklich das, was man sich unter Hochliteratur vorstellt. Genau genommen besteht ein nicht unwesentlicher Teil des Buches aus plastischen Beschreibungen, wie Menschen von riesigen Gottesanbeterinnen gefressen werden. Das ist verständlicherweise nicht jedermanns Geschmack – der der großen Insekten hingegen schon. In Anbetracht dessen, dass der Verlag das Werk bereits als „Ein Gorefest, geschrieben mit der Wonne eines aggressiven Kleinkindes“ bewirbt, wäre auch keinesfalls etwas Anderes zu erwarten gewesen als diese vollendete Splatterorgie. Als kurzweilige Abwechslung aber funktioniert das Buch einigermaßen – mit rund 300 Seiten, jeweils nicht allzu eng bedruckt, ist das Werk durchaus innerhalb eines Tages durchzulesen. Der einfache, aber anschauliche und lebendige Stil ermöglicht dabei ein schnelles Eintauchen und flüssiges Durchlesen. Man würde sich freilich kein längeres Buch oder gar eine Fortsetzung wünschen – da wäre, wenn genauso inszeniert, das Thema doch recht ermüdend, woran es so schon gefährlich kratzt. Die Handlung ist zwar gerade in der ersten Hälfte gut und nachvollziehbar inszeniert (so etwa die Rückblicke und die gefährlichen ersten Zähmungsversuche), danach aber etwas zu geradlinig und wiederholend, auch wenn immerhin das Ende noch einmal mit einer weiteren Wendung überrascht. Der Hauptcharakter entwickelt sich zunehmend zum völlig überzeichneten Wahnsinnigen, was aber mit Sicherheit satirisch beabsichtigt sein dürfte (hoffentlich).
Trash? Ja, ohne Zweifel. Eigentlich der Inbegriff von Trash, Werke wie „Sharknado“ um Jahrzehnte vorwegnehmend – nur viel blutiger. Wenn man darauf steht, ist es relativ unterhaltsam. Gemessen an seinem Selbstanspruch, vermag „Eat them Alive“ voll und ganz zu überzeugen – völlig abgedrehter Tierhorror, wie man ihn noch nicht gelesen hat. Im Endeffekt also ein würdiger Kandidat für die Pulp Legends – außerhalb jeder Norm und allenfalls etwas für eingefleischte (suboptimale Wortwahl) Fans, diesmal erstmalig mehr Splatter statt einer niveauvollen Handlung. Wie viel Selbstironie in dem Werk steckt und ob es das Vermögen des Autors korrekt wiederspiegelt, ist schwer zu sagen – keine Ahnung also, ob der Autor hier ein Genre satirisch auf die Spitze treibt oder einfach nur ein infantiler Irrer ist. Zumindest eine flüssig zu lesende Ausdrucksweise scheint er (oder eher der Übersetzer?) aber beherrscht zu haben. Wer also Zerfleischungen durch riesige Gottesanbeterinnen mag, wird an dem Buch seine Freude haben. Jeder andere eher nicht.