Die Elementare

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„Die Elementare“ von Michael McDowell ist der vierte Band der Reihe „Pulp Legends“ – und abermals hat man im Rahmen dessen einen wahren Schatz ausgegraben, vielleicht sogar den bisher besten Band der Reihe. Oberflächlich betrachtet ist es eine Geisterhausgeschichte. Und doch wirkt das Buch nur allzu frisch und unverbraucht, was gleichsam an Setting wie Inszenierung liegt: Von großartiger Atmosphäre ist der Schauplatz Beldame, auch ohne langatmige Beschreibungen so plastisch und lebendig wie nur zu wünschen. Das Umfeld von amerikanischem Süden und Strand unterscheidet sich deutlich von dem klassischer Geisterhäuser – trotzdem und deshalb entsteht eine ganz besondere Wirkung schon allein des Ortes. Nicht die Dunkelheit der Nacht beherbergt hier das Böse; es tritt gleichsam in der brütenden Sonnenhitze des Tages auf. Die Natur des Grauens bleibt trotz zahlreicher Andeutungen doch irgendwie im Dunkeln, es wird durch keine Entmystifizierungen relativiert.
Doch ist der Großteil des Werkes letztlich den Figuren gewidmet, den eng verflochtenen Familien McCray und Savage mit ihrer weit zurückreichenden Geschichte, die durch zahlreiche Rückgriffe lebendig wird. Die Charakterzeichnung ist pointiert und individuell – zur großen Freude des Lesers gelingt es McDowell, in solchem Genre verbreitete Klischees weitgehend zu umschiffen. So bleibt auch das Handeln der Charaktere allzu nachvollziehbar, alles andere als gezwungen und irrational. Regelmäßig sorgt der beißende Zynismus der Figuren, ganz besonders aber des Luker McCray, der auch angesichts der verkorksten eigenen Familie kein Blatt vor den Mund nimmt, für Erheiterung. So liest sich auch das gesamte Buch flüssig weg, trotz des langsamen Spannungsaufbaus niemals langatmig, was vor allem dem fesselnden Spiel der Charaktere geschuldet ist.
„Die Elementare“ ist ein auf ganzer Linie vollendetes Werk: Komplexe und (im literarischen Sinne) sympathische Charaktere, ein einzigartig atmosphärisches Setting und ein sich dezent steigerndes Grauen, das beide verbindet.