The HoaX-Files 1: Horror, Spuk und Bloody Mary

Schon seit langem betreiben Alexa und Alexander Waschkau (und nein, das sind keine Pseudonyme) den Podcast „Hoaxilla“, in dem sie modernen Legenden und anderen Mysterien auf den Grund gehen. Dies brachte schließlich auch ein erstes Buch hervor: „The HoaX-Files: Horror, Spuk und Bloody Mary“ (dem bereits ein zweiter Band folgte).
Der Stil des Buches ist innovativ – eine Reihe kurzer Sachtexte zu verschiedenen Themen wird verbunden durch eine fiktionale Geschichte, in der die Autoren selbst in einem mysteriösen Fall auftreten. Nett gemeint, aber … meinen Geschmack trifft es irgendwie nicht ganz. Die Episoden beider Textsorten sind stets ziemlich kurz, sodass man alle paar Seiten im Wechsel begriffen ist. Die Verbindungen sind dabei meistens sehr gewollt; die Sachabschnitte werden durch meist ziemlich nebensächliche, für die Handlung nicht relevante Aspekte eingeleitet. Überhaupt ist der fiktionale Teil eher schwach und unspektakulär – ohne wirkliche Spannung und auch ohne letztendliche Auflösung, ohne dem Zweck der Überleitungen noch der eigenen Geschichte wirklich gerecht zu werden.
Anders dagegen die Sachtext-Abschnitte – die sind eher ambivalent zu betrachten. Ein jeder bietet jedenfalls eine verständliche, allgemeine Darlegung eines bestimmten Themas – darunter finden sich beispielsweise der Geistertyp der Weißen Frau, der Chupacabras, die Legenden von Spring Heeled Jack und der Bloody Mary oder auch ein allgemeines Kapitel zum Thema Hexen, jeweils unterhaltsam doch sachlich aufgezogen. Anders als eingangs erwartet bieten aber nur wenige davon neue Erkenntnisse bzw. „Forschungsergebnisse“ in Form von Widerlegungen oder einer Analyse der Ursprünge. Dies gelingt ganz gut beim mit dem Chupacabras in Verbindung gebrachten Phänomen der mysteriösen Tierverstümmelungen oder auch jener skurrilen Geschichte von einem angeblichen Bohrloch zur Hölle. Hingegen wird etwa beim Slenderman oder dem Thema Hexen nur die allgemein etablierte Datenlage zusammengefasst, die einschlägig Interessierten tendenziell bekannt sein dürfte.
So bleibt am Ende letztendlich ein ganz nettes, durchaus unterhaltsames und kurzweiliges Buch, dem es aber (wenn man mit zu hohen Ansprüchen darangeht) doch an Substanz fehlt. Weder Sachtext noch Geschichte wird genug Raum für eine (meiner Meinung nach) ausreichende Entfaltung gegeben, die Legenden werden eher oberflächlich behandelt. Zu bemerken ist außerdem noch das gelegentliche Vorkommen von Kommafehlern und fehlenden Wörtern, was zwar das Leseerlebnis nicht nachhaltig trübt, aber doch negativ auffällt. Im Endeffekt also: Ein Buch, dessen Thema viel Potenzial hätte, das aber leider nur unzureichend ausgeschöpft wurde – eben doch nur ein Kompromiss zwischen zwei Genres anstatt einer konstruktiven Symbiose.

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