Die Halloweenbraut

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Wenn Sie Rezensionen lesen, um zu entscheiden, ob Sie das Buch kaufen möchten, dann sparen Sie sich die Zeit und überspringen Sie diese. Denn „Die Halloweenbraut“ von Bryan Smith, eine limitierte Sammlerausgabe aus dem Hause Festa, ist längst ausverkauft, die 666 Exemplare unter die Leute gekommen.
Und so gibt es nun 666 Menschen im deutschen Sprachraum, die sich über ein großartiges Buch freuen dürfen. An alle anderen da draußen: Pech gehabt – wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.
Jedenfalls besteht das Werk aus genau vier abgeschlossenen Novellen, die allesamt dem Genre Horror zuzuordnen sind. Alle haben sie eine perfekte Länge, bei der sie sich gerade noch in einem Stück lesen lassen.
Es geht los mit der Titelgeschichte „Die Halloweenbraut“. Der Protagonist hat vor kurzem seine Freundin bei einem Mordanschlag verloren – doch als er nun gerade in Depressionen versinkt, erscheint ihm kurz vor Halloween eine geisterhafte Frau. Er folgt ihr … und es zeichnet sich ab, dass sein Leben nicht mehr so sein wird wie zuvor. „Anstehen für die Todesmaschine“, die zweite Geschichte, ist denkbar derbe – auf mehreren Ebenen – das Ende dann umso überraschender, mehr sei hier nicht verraten. Die dritte Novelle „Blutrausch“ ist ein wahres Splatter-Fest des nicht umsonst als „Slasher-König“ betitelten Brian Smith. Mal wieder hat ein Mann seine Geliebte verloren – doch diesmal durch eigene Hand. Dann wird die Vergangenheit aufgerollt und man erkennt, welch schreckliche Vorgänge dorthin geführt haben. „Die diabolische Verschwörung“ schließlich ist die längste Geschichte, eine beklemmende Vision über einen Menschen, der gegen seinen Willen Teil eines Satanistenzirkels wird. Die Darstellung der Satanisten ist natürlich klischeehaft, doch das ist ein allgemein akzeptierter Topos in allen Formen der Unterhaltungsmedien.
Alle Geschichten bestechen zum einen durch ihre Spannung – man will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Der Vorteil des Horror-Genres ist natürlich, dass man sich nicht sicher sein kann, wie es für die Protagonisten ausgeht. Mehr noch aber brilliert Smith durch die Inszenierung. Es ist nicht nur die bloße Darstellung des Sachverhalts – zu loben ist maßgeblich die innere Handlung der Geschichten. Die nur allzu lebendigen Erzähler reflektieren ihre unschönen Schicksale ausführlich, ohne sich dabei aber im Kreise der eigenen emotionalen Befindlichkeiten zu drehen. So identifiziert man sich als Leser umso mehr mit der Situation; die Einfühlung in die Emotionen kommt ganz von selbst. Ja, die Werke von Bryan Smith enthalten einen gehörigen Anteil sehr expliziter Szenen. Doch der wahre Horror kommt vielmehr durch das, was man sich für den weiteren Verlauf der Handlung vorstellt, befürchtet, ist doch die menschliche Imagination oft schlimmer als jeder dargestellte Schrecken. Bei all dem lässt sich das Buch natürlich noch flüssig lesen; ich verschlang es an einem Wochenende.
„Die Halloweenbraut“ war also, trotz des stolzen Preises, eine lohnende Anschaffung. Bryan Smith versteht es offenkundig, unangenehme Szenarien zu entwerfen und den Leser zu zwingen, diese nicht nur zu beobachten, sondern im Geiste mitzuerleben.

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