Buchrezensionen

Mein Vater war ein MiB

„Mein Vater war ein MiB“ – ein sicher kontroverses Buch. All die gehirngewaschenen Systemsklaven werden es sicher gleich wieder als bloße Verschwörungstheorien abtun, ohne sich damit je näher auseinandergesetzt zu haben – da sieht man, welch gute Arbeit SIE geleistet haben! Tatsächlich nämlich handelt es sich um das größte Enthüllungswerk unseres Zeitalters, das uns endlich in all jene Geheimnisse einweiht, die die Regierungen und ihre Verbündeten immer vor uns verbergen wollten!
Und wer ist für all das qualifizierter als der Autor Jason Mason, dessen eigener Vater schließlich ein Mitglied der MiB (Men in Black) war? Ja, richtig, genau jene Men in Black, die seit Jahrzehnten versuchen, im Auftrag der reptiloid-satanistischen Illuminaten-Mafia die Wahrheit über UFOs und all das andere zu verbergen, von dem wir nichts wissen sollen! Und nicht nur das: Als Herausgeber fungiert niemand geringerer als der legendäre Enthüllungsjournalist Jan van Helsing – eine solche Koryphäe auf seinem Gebiet, dass bereits mehrere seiner Bücher wegen angeblich antisemitischem Inhalt verboten wurden! Was natürlich eine absolut lächerliche Beschuldigung ist. Wer dieses Buch liest, der lernt doch schnell, dass die Juden tatsächlich gar keine „Semiten“ sind, sondern vom Volk der Khasaren abstammen, die im Mittelalter zum Judentum konvertierten, um ihre satanistischen Machenschaften vor der Welt zu verbergen. Aber das ist tatsächlich gar nicht einmal das Hauptthema des vorliegenden Buches – ebenso wenig die Men in Black, denen im Wesentlichen das erste Kapitel gewidmet ist. Nein, hier wird ALLES aufgeklärt, was die khasaro-jüdischen Jesuiten-Nazis vor uns zu verbergen versuchten: die Wahrheit über die Verschwörung zur Errichtung einer Neuen Weltordnung, die geheimen Weltraumprogramme der Nazis und diverser Staaten, ihre Basen auf anderen Planeten des Sonnensystems, die deutschen Kolonien in der Antarktis und im Inneren der Erde, die Wahrheit über Zeitreisen und Paralleldimensionen – nicht zuletzt auch die wahre Natur Gottes und des holographischen Universums, in dem wir gefangen sind. Zentrales Thema des Buches sind die Außerirdischen – und davon gibt es viele: die Greys, die blonden Nordics vom Aldebaran, die Anunnaki, die Reptiloiden der Draco-Föderation, die Avianer, Insektoiden und Mantiden, die Animus und die mysteriöse „Alte Erbauer-Rasse“ – und das sind nur einige der mehrere tausend Spezies von Außerirdischen, die in unsere Geschicke eingreifen, nicht mitgerechnet die innerirdischen Rassen, die Langschädel und Riesen, die aus der Zukunft stammenden Wing Makers, außerdem die Archonten und zerstörerische KIs aus anderen Dimensionen. Das dürfte für die meisten Menschen schwer zu verkraften sein, schließlich sind sie längst so gehirngewaschen von der archontisch-reptiloiden Khasarenmafia, dass sie nichts davon akzeptieren können. Und dabei stehen wir gerade jetzt an einem Wendepunkt der Geschichte! Das Bündnis aus den Illuminaten (das sind die khasaro-jüdisch-jesuitischen Baals-Anbeter-Kapitalisten), den von den bösen Archonten gesteuerten Reptiloiden und einer noch böseren KI beherrscht uns längst – aber ihr Plan wird scheitern, steht doch der Erde nur allzu bald ein spiritueller Wandel bevor!
Woher Jason Mason all das weiß? Er ist nicht der einzige, der den Mut aufgebracht hat, seine revolutionären Enthüllungen an die Öffentlichkeit zu bringen. Tatsächlich nämlich besteht das Buch aus diversen Abschnitten, in denen jeweils einzelne Whistleblower mit ihren Enthüllungen wiedergegeben werden: Da wäre etwa Corey Goode, der als Supersoldat mit übernatürlichen Geisteskräften für die Illuminaten arbeiten musste, bis man nach seinem jahrelangen Dienst seinen Körper verjüngte und ihn in der Zeit zurückschickte. Oder Dr. Anderson, welcher die bedeutsame Zeitkapsel der Wing Makers (Menschen aus der Zukunft, die unsere Entwicklung vorantreiben wollen) untersuchte und ihr Material entschlüsselte. Nicht zuletzt auch eine Reptiloidin mit dem Namen „Lacerta“, die selbst Auskunft über die Geheimnisse ihrer Rasse gibt. Die gehirngewaschenen „Kritiker“, die die Rothschild-Reptiloiden-Roboter sicher in Kürze auffahren werden, werden sicher zahlreiche Widersprüche in den Ausführungen der Whistleblower anprangern. Das ist ja auch kein Wunder – schließlich hat keiner je das ganze Bild gesehen, dafür haben SIE viel zu gut gesorgt – jeder konnte ja nur einen Teil des Ganzen beschreiben. Hinzu kommt die Existenz zahlreicher Parallelwelten und alternativer Zeitlinien, wie im Buch erläutert wird – es kann also schwerlich ein Argument für fehlende Glaubwürdigkeit sein, wenn sich die einzelne Teile des Buches teils extrem widersprechen, was beispielsweise die Ursprünge der Menschheit oder der Reptiloiden angeht. Und außerdem: Auch die Bibel wurde von diversen Autoren geschrieben und weist dementsprechend Widersprüche auf. Würde man sie deshalb anzweifeln, ja gar als Phantasie ein paar irrer Verschwörungstheoretiker abtun?
Aber auch das wird die sogenannten „Skeptiker“ ganz bestimmt nicht von ihrem Werk der Desinformation abhalten. Sie werden sicher einwenden, dass hier auch sachliche Fehler vorlägen. Dass zum Beispiel die Trias der babylonischen Religion aus Nimrod, Semiramis und Tammuz in keiner babylonischen Quelle belegt sei, dass dort ebenso wenig Menschenopfer zu Ehren des Baal praktiziert wurden, ja dass die sumerische Sprache gar nicht der deutschen ähnlich sei, wie es doch hier geschrieben steht! Aber auch das ist kein Wunder, schließlich befindet sich der ganze irdische Universitätsbetrieb und insbesondere die sogenannte Altorientalistik längst in der Hand der reptiloid-khasarischen Anunnaki-Bänker. Nicht nur ist längst bekannt, dass in Studentenverbindungen regelmäßig sexuelle Perversionen und Menschenopfer praktiziert werden – so mancher Beweis findet sich vor aller Augen: So stammt zum Beispiel das Wort „Bachelor“, was Millionen Studenten so unwissend anstreben, ursprünglich vom sumerischen ba-ḫe-la2, was so viel bedeutet wie „Er möge abgewogen werden“ und sich auf die Bewertung und Selektion bezieht, die in der akademischen Laufbahn unvermeidlich sind. Aber anstatt darüber nachzudenken, werden die Skeptiker sicher lieber nachfragen, wieso in dem Buch denn andauernd die Bibel als Quelle herangezogen wird (etwa bezüglich des Menschen opfernden Baal-Kultes oder der in der Offenbarung dargelegten NWO-Pläne der Eliten), wenn doch die katholische Kirche schon immer in IHRER Hand war? Ganz einfach – dies ist ein Fall von doppelt verschachtelten Lügen: Indem die Verschwörer ihre Pläne schon vor Jahrtausenden in der Heiligen Schrift jedem offenlegten, machen sie diese heutzutage scheinbar unglaubwürdig, wo es doch alles „nur primitive Mythen“ seien. Planen Sie denn so langfristig? Das müssen SIE gar nicht – schließlich sind sie längst in der Lage, durch Zeitreisen auch alternative Zeitlinien zu erschaffen.
Weiter würden die „Skeptiker“ in ihrer Hybris sicher nach Belegen für all dies fragen – die Idioten! Schon die alten Sumerer wussten doch, dass zu viele Quellenangaben die natürliche Harmonie des Universums stören. Deshalb findet man auf sumerischen Tafeln auch keine Fußnoten. Ebenso wenig in den Veden, den Gathas oder dem Necronomicon (ja, das existiert wirklich!). Ein Zufall? Wohl kaum. Und außerdem – wem könnte man denn trauen, dass man ihn zitiert, außer den unabhängigen Whistleblowern und Augenzeugen, die hier ihre schockierenden Erlebnisse dargelegt haben?
Überhaupt erübrigt sich jede Spekulation darüber, der Inhalt des Buches würde nicht der Wahrheit entsprechen, schon durch ein simples Faktum: Was hier an Tatsachen präsentiert wird (nicht weniger als 672 großformatige Seiten!), ist so verworren, grotesk und fern jeder sogenannten „vernünftigen Logik“, dass es eine absolut absurde Vorstellung wäre, jemand könne sich dies einfach ausgedacht haben. Denken diese stumpfsinnigen Regimezombies, Enthüllungsautoren hätten nichts Besseres zu tun, als sich irgendwelche Berichte von Alien-Begegnungen, Zeitreisen und Verschwörungen auszudenken? Wirklich lächerlich.
Mir hat das Buch jedenfalls sehr geholfen, die Augen zu öffnen. Besonders erleichtert bin ich darüber, dass es tatsächlich so scharfe und natürlich gesetzte Grenzen zwischen Gut und Böse gibt, wie ich immer dachte. Avianer, Wing Makers, Jesus – gut; Reptiloiden, Illuminaten, Archonten – böse. So einfach ist das – nehmt das, ihr postfaktischen Moralrelativisten!
Doch zu guter Letzt muss ich das Buch und seine Autoren in einem Punkt stark kritisieren – verlieren sie doch kein Wort über eine Fraktion, die mindestens genauso gefährlich ist wie die Men in Black oder die Reptiloiden: die berüchtigten „Men in White“. Wie ihre schwarzen Cousins sind auch sie dafür verantwortlich, all jene Vertreter unangenehmer Fakten zu überwachen, unglaubwürdig zu machen und aus dem Verkehr zu ziehen. Tatsächlich halten sie mich jetzt schon seit Wochen gefangen – ich kann kaum noch essen, ohne dass sie mich beobachten. Selbst wenn ich schlafe, beobachten sie mich.  Sie tragen stets weiß… Oh nein, da kommen sie schon wieder! Ich weiß nicht, ob ich dies noch rechtzeeee Nein, nicht, nicht wieder die Jacke! nein, ichebzuzdgfjg fweeeeeebezfubsibv gdqweshrfd wezhrthgftjffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffff

Die afrikanischen Tempel der Anunnaki

Bereits vor Jahrzehnten stellte der umstrittene Autor Zecharia Sitchin die These auf, die sumerischen Götter seien tatsächlich Außerirdische gewesen, die die Erde auf der Suche nach Gold kolonialisierten und dazu schließlich den Menschen erschufen. So wenig bei genauerer Betrachtung auch daran sein mag – es reichte, um eine Reihe von Nachahmern auf den Plan zu rufen, die die moderne Mythologie um die „Anunnaki“ weiterführen. Einer von diesen ist Michael Tellinger, der in Südafrika (zufälligerweise seiner Heimat) die erste von den Anunnaki begründete Zivilisation gefunden haben will.
Das Buch heißt „Die afrikanischen Tempel der Anunnaki“ – auch wenn freilich nichts darin mit Tempeln zu tun hat. Vielmehr präsentiert Tellinger eine ganze Reihe von alten Steinkreisen, welche er als mystische Energiegewinnungsanlagen aus grauer Vorzeit deutet.
Zunächst einmal: Für bescheidene 9,95€ bekommt man hier ein Buch aus hochwertigem Papier, gefüllt mit haufenweise Farbfotos in hoher Qualität, sogar mit Lesebändchen. Soweit das positive, jetzt geht es an den Inhalt.
Erstaunlich sind zweifellos die große Zahl und die Form der südafrikanischen Steinkreise, die von der Schulwissenschaft als Viehgehege aus jüngerer Vergangenheit gedeutet werden. Dass sie aber keine Eingänge und mit ihren im Kreis angeordneten Kammern eine recht abnorme Form besitzen, das macht sich Tellinger zunutze – und scheitert trotzdem daran, eine glaubwürdige Theorie zu fabrizieren. Im gesamten Buch liefert er nicht einen Beleg für das von ihm postulierte Alter der Strukturen von hunderttausenden Jahren. Davon abgesehen deutet dort nichts auf den Einsatz anachronistischer Technologie hin – was im Genre der Präastronautik schon ziemlich armselig ist, wenn man sich ansieht, was andere Autoren vorzuweisen haben. Kaum nötig zu erwähnen, dass die von Tellinger immer wieder beschworene Verbindung zu den Sumerern und den Anunnaki gänzlich unbelegt bleibt – darüber hinaus offenbart er beträchtliche Wissenslücken und Fehlvorstellungen, was die Kultur und Überlieferungen der Sumerer angeht. Es scheint, dass er die ganze Anunnaki-Thematik nur von anderen einschlägigen Autoren wie etwa Sitchin abgeschrieben hat, ohne selbst die geringste Ahnung von Altorientalistik und sumerischer Mythologie zu besitzen. Besonders lustig: als Beleg führt er stets „die sumerischen Tontafeln“ an, ohne jemals näher zu bestimmen, auf welchen Text er sich denn bezieht (die meisten „den sumerischen Tontafeln“ zugeschriebenen Behauptungen finden sich dort im Übrigen nicht). Als wäre all das noch nicht genug, bekundet Tellinger offen seine Nähe zu manch esoterischem und verschwörungstheoretischem Gedankengut: Die Steinkreise dienten natürlich der Energiegewinnung auf Basis von Schall (!?) – ein Prinzip, das in der Gegenwart natürlich von der bösen Industrie unter Verschluss gehalten wird. Als glaubwürdige Quelle nennt Tellinger Credo Mutwa, einen traditionellen Schamanen, welcher schon David Ickes Reptiloiden-Theorie bestätigte. Und dass die Anunnaki unter ihrem Anführer Enki in Südafrika waren, ist ihm von mehreren Personen mit übersinnlicher Wahrnehmung bestätigt worden. Unnötig zu erwähnen, dass er außerdem die Bibel als glaubwürdige Geschichtsquelle angibt.
Im Endeffekt also wäre es besser gewesen, man hätte „Die afrikanischen Tempel der Anunnaki“ als Bilderbuch gedruckt. Die Bilder nämlich sind durchaus interessant anzusehen und öffnen das Bewusstsein für eine vielleicht erstaunliche Kultur, die man noch gar nicht auf dem Schirm hatte. Der Inhalt indes ist Murks von der ersten bis zur letzten Seite – unplausibel bis absurd, fachlich minderwertig und schrecklich esoterisch.

Die Thematik und der bescheidene Umfang machten es möglich, der Inhalt es nötig, sich mit diesem Buch etwas detaillierter auseinanderzusetzen. So verfasste ich parallel zum Lesen eine achtzehn Seiten lange Diskussion – will heißen Widerlegung – des Werkes, in der ich es Kapitel für Kapitel auseinandernehme und anhand von Zitaten so manchen Fehlschluss und Irrglauben des Autors offenlege.
Lesen Sie es hier: Der afrikanische Irrsinn der Anunnaki

HORRORSCHOCKER Grusel Gigant 2

Auf den ersten Blick macht das Comicbuch „Horrorschocker Grusel Gigant “ (Nr. 2) einen Eindruck wie aus einer anderen Zeit – doch tatsächlich entstammt die Reihe diesem Jahrtausend, so sehr sie auch an die klassischen Horror-Comics vergangener Jahrzehnte angelehnt ist. Auf 164 Seiten sind hier die Ausgaben 6 – 10 der ursprünglich dünneren Hefte zusammengefasst – 16 Geschichten insgesamt.
Riesige Mücken, Ungeheuer aus den Tiefen des Meeres und der Wüste, menschliche Ungeheuer und natürlich Untote – es wird eine breite Auswahl verschiedener Themen präsentiert. Wirklich beunruhigend sind sie meist nicht (oder ist das Buch einfach für eine jüngere Zielgruppe gemacht?), aber absolut unterhaltsam. Eigentlich jede Geschichte endet mit einer Pointe, die mitunter durchaus unerwartet und genial ist. Natürlich folgen die Geschichten nur allzu oft Stereotypen, wie bei dem geringen Umfang jeder einzelnen kaum anders zu erwarten. Besonders gefallen haben mir die Geschichte „Das Derby von Hadingen“ sowie die in diesem Band erstmals veröffentlichte Bonusgeschichte „Durst“ – beide sind irgendwie genial, besonders in Hinblick auf die Pointen am Ende.
Der Zeichenstil ist solide und variiert je nach Geschichte leicht, da natürlich verschiedenen Zeichnern entstammend. Ja, dieser Comicband ist irgendwie Trash, wie kaum anders zu erwarten, doch guter Trash – mal amüsant, mal unerwartet, wegen der kurzen Geschichten durchgehend unterhaltsam.

Die Bibel

Die „Bibel“ ist gilt als größter Klassiker der Fantasy-Literatur, die Verkaufszahlen stellen sogar „Harry Potter“ und den „Herrn der Ringe“ in den Schatten. Trotzdem scheint kaum jemand dieses Buch wirklich gelesen zu haben. So fragte ich mich also schon seit längerem, was angeblich so viele Menschen daran finden. Nach der Lektüre kann ich hiermit allerdings nur nach wie vor verkünden: Ich weiß es nicht.
Zunächst einmal zur Handlung (Achtung Spoiler):
Bei „Bibel“ handelt es sich um eine Anthologie, an der diverse (bezeichnenderweise oft anonyme) Autoren mitarbeiteten. Die Handlung erstreckt sich über mehrere Jahrhunderte und ist überwiegend im antiken Israel angesiedelt. Im Grunde genommen geht es um ein übernatürliches Wesen (abwechselnd als Gott, der Herr, Zebaoth und anderes bezeichnet), das wiederholt Pakte mit den Menschen schließt – doch diese erweisen sich nur allzu oft als Büchse der Pandora. Das erste Kapitel „Genesis“ handelt vor allem davon, wie Gott die Welt und ihre Bewohner erschafft, woraufhin sich die verschiedenen Völker des alten Orients herausbilden. Mit einem Nomadenfürsten namens Abraham schließt er schließlich seinen ersten fatalen Bund – zugleich lässt sich durch die eindrucksvolle Zerstörung der Städte Sodom und Gomorrha das Wutpotenzial Gottes erahnen, das im Folgenden noch eine große Rolle spielen wird.
Einen zweiten Bund schließt er Jahrhunderte später mit Mose, einem geflohenen Mörder, dessen Volk in Ägypten in der Sklaverei lebt. Durch eindrucksvollen Einsatz übernatürlicher Mittel wird das geknechtete Volk Israel wenig später befreit und auf einen Vernichtungsfeldzug in ihr zukünftiges Siedlungsland an der levantinischen Küste geführt. Danach muss man mit Resignation feststellen, dass sich über aberhunderte von Seiten immer dieselbe Handlung zu wiederholen scheint: Gott hat die Israeliten mit seinem Bund in eine fatale Knechtschaft gezwungen, die jene aber nicht davon abhält, regelmäßig eidbrüchig zu werden und sich anderen Göttern zuzuwenden. Infolgedessen erscheinen Propheten, die dieses Tun anklagen und Prophezeiungen der Vernichtung aussprechen – welche in der Regel auf dem Fuße folgt. Dieses Schema wiederholt sich vom Kapitel „Buch der Richter“ bis zu den letzten prophetischen Büchern unzählige Male und wird zunehmend ermüdend – es scheint wirklich, dass die Autoren bereits ihr ganzes kreatives Potenzial in der Exodus-Erzählung verbraucht hatten und dann nur noch weiterschrieben, um möglichst viele Seiten zusammenzubekommen. Nach etwa drei Vierteln des Buches gibt es dann noch einmal einen Hoffnungsschimmer: Mit Jesus von Nazareth, genannt Christus, taucht ein neuer Protagonist auf, der sich erfrischend von den zahlreichen früheren Propheten unterscheidet. Er bezeichnet sich selbst als Sohn Gottes und überdies als Messias – der große Retter, dessen Kommen in manchen der vorigen Bücher schon angedeutet worden war. Mit ihm nun nimmt der ganze Bund einen metaphysischen Charakter an – hatte Gott zuvor noch gnadenlos alle ausradiert, die seine Gebote brechen, wartet er nun auf deren Tod und überantwortet sie daraufhin ewigen Qualen in einer jenseitigen Folterwelt, der sogenannten „Hölle“. Mit der Aussicht auf ewiges Leben indes versucht er die Gläubigen zu ködern, nachdem dem vorigen Bund kein sonderlicher Erfolg beschieden war. Doch auch hier bleiben die Autoren letztlich hinter ihren Möglichkeiten zurück und verlieren sich in Wiederholungen – tatsächlich wird die Lebensgeschichte von Jesus mit geringen Variationen vier Mal erzählt! Auch tut Jesus trotz all seiner Kräfte nichts anderes, als durch die Gegend zu wandern, zu predigen und regelmäßig Wunder zu vollbringen – kein Interesse daran, weltpolitisch etwas zu verbessern. Darauf folgt noch eine Reihe von Briefen der Apostel (der Nachfolger Jesu nach dessen gewaltsamen Tod), die zwar das theologische Konzept noch weiter aufbauen und den Grund der Hinrichtung Jesu etwas erhellen, aber denkbar irrelevant für die Handlung sind. Noch mehr enttäuscht dann das letzte Kapitel, „Die Offenbarung des Johannes“. Anscheinend wussten die Autoren wirklich nicht, wie sie die Geschichte zu Ende bringen sollten, also wird hier einfach noch einmal ein Trash-Feuerwerk von Katastrophen, Ungeheuern und Gemetzel präsentiert, das – wie könnte es auch anders sein – mit dem allumfassenden Triumph Gottes endet.
Letztlich könnte das Werk enttäuschender kaum sein. Es fehlt an einem roten Faden, Spannung kommt niemals auf, auch Humor fehlt völlig. Am schlimmsten wiegen vielleicht die endlosen Passagen, in denen in ellenlangen Wiederholungen Vernichtungs- und Heilsprophezeiungen, Lobpreisungen Gottes und dessen unsinnige Gesetze referiert werden – diese langweiligen Füllpassagen, die das Werk auf weit über tausend Seiten aufblähen, hätte man getrost weglassen können.
Hinzu kommt die inhaltliche Inkonsistenz. Es scheint wirklich so, dass ein Autor nicht wusste, was der andere schreibt. So zeigen sich haufenweise Widersprüche und Dopplungen: Schon ganz am Anfang wird einmal erzählt, der Mensch werde als Mann und Frau direkt nach den Tieren erschaffen, im nächsten Kapitel ist es dann erst der Mann, dann die Pflanzen und Tiere und zuletzt die Frau. Und obwohl diese beiden der Geschichte zufolge die ersten Menschen sind, kann ihr Sohn Kain wenig später einfach in ein anderes Land gehen und eine Frau heiraten. Dann bei der Sintflut heißt es einmal, es seien zwei Tiere von jeder Art in die Arche zu nehmen, wenig später sind es dann (genau aufgezählt) wesentlich mehr. Schließlich sind da noch die Bücher der Chronik, die einfach noch einmal dieselbe Geschichte der letzten Kapitel nacherzählen, aber auch hier mit diversen Widersprüchen. Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen.
Auch um die historische Genauigkeit ist es mager bestellt: Obwohl weite Teile des Werkes sich um einen historischen Rahmen bemühen, verbleiben fatale Schnitzer wie etwa der babylonische König Belsatzar, der tatsächlich nie König, sondern nur Stellvertreter seines Vaters Nabonid war.
Es besteht zudem ein Mangel an positiven Identifikationsfiguren – alle in der Handlung als Helden inszenierten Gestalten sind durchweg verabscheuungswürdige Psychopathen und Massenmörder, mit denen eine Identifikation unmöglich ist. Mose etwa wird zunächst gemäß dem klassischen Topos der Heldenreise zum Protagonisten aufgebaut, doch später wandelt er sich zum skrupellosen Schlächter und Völkermörder, der an der Spitze seines befreiten Volkes auf der Suche nach Lebensraum (eine Allegorie auf den Nationalsozialismus?) ganze Völkerschaften ausrotten lässt, zugleich aber auch an seinem eigenen Volk Massaker begeht. Ganz ähnlich versucht man später auch den (zukünftigen) König David als Held aufzubauen – doch outet auch dieser sich schließlich als Völkermörder, der dem Dritten Reich alle Ehre gemacht hätte (2. Samuel 12,31), zudem als Vergewaltiger und Exhibitionist (2. Samuel 6,20). „Gott“ indes, als einzige Figur im ganzen Buch präsent, überbietet alle anderen an menschenverachtender Grausamkeit: Er nutzt die Notlage eines geknechteten Volkes aus, um dieses an sich zu binden und ihm kaum einhaltbare Gesetze aufzuzwingen, wobei er Nichteinhalten mit Katastrophen jeder Art bis hin zum Genozid sanktioniert. Kaum besser sieht es aus, wenn die Leute ihm zu Diensten sind – dann nämlich hetzt er sie zu ebenso verheerenden Vernichtungskriegen gegen andere Völker. Im späteren Teil, dem „Neuen Testament“ um Jesus (in dem Gott selbst gar nicht direkt auftaucht), hält er sich mit solch offensichtlichen Grausamkeiten zurück und kultiviert stattdessen seine Hölle, die viel größere Gräuel für alle bereithält – freilich bis zur „Offenbarung“, da Gott sich aller aufgestauten Vernichtungsträume Luft macht und in wenigen Schritten fast die gesamte Menschheit ausmerzt. Das liest sich wie die Fantasien eines präpubertären Zehnjährigen mit arg bedenklichem Geisteszustand. Als einziger nicht direkt gewalttätig ist Jesus – doch dieser erscheint als völlig überzeichneter Charakter, ein Moralist und Übermensch ohne menschliche Regungen, die eine Identifikation ermöglichen würden, schier unerträglich mit seinen selbstgerecht-narzisstischen Vorträgen (gerade in der Johannes-Version seiner Geschichte, in der er fast nur damit beschäftigt ist, allen gegenüber seine Göttlichkeit zu betonen).
Eine Gegenseite zu all diesen Verrückten wird nicht dargeboten – die wenigen Abweichler werden  kollektiv als bösartige Untermenschen dargestellt (natürlich nie individuell charakterisiert) und in der Regel schnell wieder entsorgt. Man fragt sich schließlich wirklich, ob all dies eine bitterböse Satire sein soll, eine Dystopie in Tradition von Orwells 1984, zu der man selbst seine Schlüsse ziehen kann, oder ob das Werk tatsächlich der Erguss einer Reihe krankhafter Psychopathen und Sadisten ist. Für ersteres finden sich erschreckend wenig Belege, tatsächlich überhaupt keine.
In Anbetracht dessen kann dieses Werk definitiv als höchst fragwürdig gelten. Für Kinder ist es definitiv nicht geeignet; Jugendliche sollten es nur bei ausreichender Reife und Reflexion konsumieren – womöglich dürfte hier in der Tat ein ziemliches Potenzial ethischer Desorientierung vorliegen. Tatsächlich erfüllt die „Bibel“ nicht nur einen, sondern eine ganze Reihe von Kriterien, die die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien für eine Indizierung aufgestellt hat: Anreizen zu Gewalttätigkeit (fast das gesamte Alte Testament, besonders plakativ etwa das Buch Josua), Anreizen zu Rassenhass (z.B. 5. Mose 20, 16-17 sowie in weiten Teilen des Alten Testaments), Nahelegung von Selbstjustiz (z.B. die Erzählung über die Mörderin Jaël in Richter 4,21) und nicht zuletzt Unsittlichkeit (z.B. die vom Ehemann des Opfers nicht nur gleichgültig hingenommene, sondern erst ermöglichte Massenvergewaltigung mit tödlichem Ausgang in Richter 19). Wenn jemals ein Werk die Indizierung verdient hat, dann dieses. Die beiden „Bücher der Makkabäer“, von denen das zweite ein wahres Splatterfest in Saw-Tradition darlegt, sind nur in einigen Ausgaben des Werkes enthalten, doch wirkt diese Zensur bei all den anderen gewaltverherrlichenden Stellen bestenfalls heuchlerisch. In Anbetracht dessen ist es fast als positiv anzusehen, dass das Buch durch die schier endlosen Traktate der Ödnis (s.o.) fast unlesbar wird und daher nur von den wenigsten entsprechend durchgelesen werden dürfte.
Fazit: Es ist absolut unverständlich, wie sich dieses Machwerk zu einem Bestseller hat entwickeln können. Nicht nur ist es unerträglich öde, sondern auch durch zahllose Widersprüche und Wiederholungen handwerklich miserabel, darüber hinaus vollgestopft mit unzähligen Abartigkeiten eines menschenverachtenden Weltbildes, die es als moralisch höchst fragwürdig erscheinen lassen.

Der Krieger: Blutorks 1

Es ist im Genre der klassischen tolkienoiden Fantasy natürlich schwer, noch etwas wirklich Neues und Innovatives zu schaffen (nicht dass das unbedingt nötig wäre). Bernd Frenz jedenfalls ist mit dem ersten Teil der „Blutorks“-Trilogie „Der Krieger“ ein durchaus unterhaltsames Werk gelungen.
Arakia, das Land der Orks, ist in Gefahr – denn der skrupellose Menschenkönig Gothar ist scharf auf das Geheimnis des sogenannten Blutstahls, das die Orks im Herzen ihrer Heimat hüten. Währenddessen verwirft sich der Orkkrieger Urok mit seinen Stammesgenossen – er hatte zu viel Sympathie für einen gefangenen Menschen gezeigt. Während Gothars Vielvölkerheer gen Arakia marschiert, gerät Urok zwischen die Fronten…
„Der Krieger“ ist der erste Teile einer Trilogie, man kann also keine abgeschlossene Handlung erwarten. Tatsächlich passiert auf der Handlungsebene gar nicht allzu viel – der ganze Roman kann hier als eine Art Einleitung gelten. Gleichsam macht dieser geradlinige, auf einen kurzen Zeitrahmen beschränkte Plot die Handlung jedoch kurzweilig und flüssig zu lesen. Zu Beginn fallen regelmäßige Absätze mit Hintergrundinformationen etwas unangenehm auf, doch nach den ersten hundert Seiten ist der Lesehunger geweckt und die Handlung schreitet (zumal mit regelmäßigen Actionszenen gewürzt) dynamisch vorwärts.
Positiv anzumerken sind auch die inhaltlichen Einfälle: Beim im Mittelpunkt stehenden Volk der Orks schafft der Autor recht gut den Spagat zwischen Klischee und Glaubwürdigkeit, auch wenn die Stärke und Überlegenheit der Orks gerade im ersten Teil vielleicht etwas zu oft betont werden. Zudem recht innovativ sind die Gestalten auf Seiten der Menschentruppen, die sich aus verschiedenen Spezies zusammensetzen – auch wenn diese sich zunächst etwas unübersichtlich sind. Die Charaktere des Buches sind angemessen detailliert gezeichnet, soweit dies im Umfang ihres Auftretens möglich ist. Ein gewisser Kritikpunkt indes ist das Fehlen eines absehbaren Zieles der Handlung, aus dem sich weitere Spannung hätte ergeben können.
Im Endeffekt ist „Der Krieger“ ein absolut solider Fantasy-Roman, der durch die Perspektive der Orks ein wenig aus dem Mainstream hervorsticht. Zwar kein einzigartiges Meisterwerk, aber flüssig, unterhaltsam und macht Lust auf die Fortsetzungen.

Die Wahrheit über die griechischen Mythen: Palaiphatos‘ „Unglaubliche Geschichten“

Wo mögen wohl all jene mythischen Geschichten herkommen, die die alten Griechen sich erzählten, vom Minotauros bis zum goldenen Vlies? Tatsächlich fragte man sich das auch schon in der Antike – und ein Mann namens Palaiphatos machte es sich zur Aufgabe, Antworten darauf zu finden. Leider ist von seinen „Unglaublichen Geschichten“, in denen er allerlei klassische Mythen dekonstruiert, nur ein Ausschnitt erhalten geblieben, doch den immerhin hat Reclam nun in einer zweisprachigen Ausgabe für 5€ neu herausgebracht. 45 bekannte oder weniger bekannte Geschichten nimmt sich Palaiphatos darin vor mit dem Ziel, nur allzu irdische Erklärungen für ihre Entstehung zu finden. Europa wurde etwa nicht von einem Stier entführt, sondern von einem Mann namens Tauros (dt. „Stier“) – genauso hieß übrigens auch der nur allzu menschliche Vater des Minotauros. Bei der vielköpfigen Hydra handelte es sich vielmehr um die Verteidigungsmannschaft der gleichnamigen Stadt, bei denen für jeden Bogenschützen, der von der Mauer geschossen wurde, zwei andere an seine Stelle traten. Und Niobe wurde nicht zu Stein, sondern stellte vielmehr eine steinerne Statue von sich an das Grab ihrer Kinder, die später mit ihr verwechselt wurde. Hierbei fasst Palaiphatos immer zunächst den Mythos zusammen und erklärt, weshalb dieser unglaubwürdig sei (meist ziemlich salopp, aber auch nach modernen Kenntnissen einigermaßen solide); anschließend folgt die alternative Ursprungsgeschichte. Zugegeben, manche dieser Erklärungen wirken etwas an den Haaren herbeigezogen – umso mehr, da Palaiphatos sie nicht als mögliche Hypothesen, sondern als unbezweifelbare Tatsachen präsentiert. Oft geschieht die Erklärung auf Basis von missverstandenen Namen (siehe Tauros) oder Metaphern, die beim Weitererzählen in einen falschen Zusammenhang gebracht wurden. Empirisch belegt indes sind die Erklärungen nicht. Doch sehr wohl mögen sie einen neuen Blickwinkel darauf öffnen, wie es denn gewesen sein könnte. So oder so ähnlich mag in der Tat der Ursprung manches bekannten Mythos ausgesehen haben, bevor er durch mündliche Tradition immer mehr ausgeschmückt wurde – egal, ob nun die spezifischen Thesen des Palaiphatos der Wahrheit entsprechen oder nicht.  Eine rein naturalistische Weltauffassung vertritt der Autor dabei nicht – die Götter etwa werden, anstatt auch sie wegzuerklären, dezent ausgelassen und als wirklich vorausgesetzt. Wenig Sinn indes ergeben meines Erachtens die „Späteren Zusätze“ zu den unglaublichen Geschichten, die im Anschluss an den Hauptteil präsentiert werden – hier nämlich fehlt die jeweilige Erklärung; der Autor erzählt bloß die Mythen nach.
Die Reclam-Ausgabe, obwohl wenig umfangreich, bietet über den Primärtext hinaus noch eine gewisse Einleitung sowie – für den, den es interessiert – Ausschnitte aus den originalen mythischen Erzählungen, auf die sich Palaiphatos mutmaßlich bezogen hat (v.a. die „Bibliotheke“ des Pseudo-Apollodor). Das Büchlein von 149 Seiten (von denen rund die Hälfte die griechische Fassung ist) ist letztlich natürlich nicht der Weisheit letzter Schluss – aber sehr wohl interessant zu lesen und anregend, um sich selbst Gedanken zu der Thematik zu machen. Da billig und schnell durchgelesen, kann man mit dem Kauf eigentlich wenig falsch machen.

Beren und Luthien

Endlich ein neuer Tolkien!
Diese Nachricht tönte durch alle Medien, als vor kurzem die baldige Veröffentlichung von „Beren und Luthien“ angekündigt wurde. Natürlich war von Anfang an klar, dass niemand einen zweiten Herrn der Ringe aus dem Hut gezaubert hatte, sondern dass es sich um eine neue Rekombination gewisser Fragmente aus dem Nachlass des legendären Autors handeln müsse. Ich hatte mir das Werk ähnlich vorgestellt wie „Die Kinder Húrins“ (von dem ich recht angetan war), wo aus den verschiedenen unvollständigen Fassungen Tolkiens ein einheitliches, als Roman lesbares Manuskript „rekonstruiert“ wurde. Dies zu meiner Enttäuschung war bei „Beren und Luthien“ nicht der Fall.
Bei dieser Geschichte handelt es sich zweifellos um eine der bedeutendsten des gesamten Mittelerde-Kosmos, zumal die, die Tolkien selbst vielleicht am wichtigsten war. Angesiedelt im Ersten Zeitalter Mittelerdes, berichtet sie von der problematischen Liebe der Elbenprinzessin Luthien/Tinúviel (letzteres der Name in der ersten Fassung, später Beiname) mit Beren (der in der ersten Fassung noch ein Elb, später dann ein Mensch war). Luthiens Vater, Elbenkönig Thingol, will die Verbindung unbedingt verhindern und fordert von Beren, einen Silmaril (legendärer Edelstein) aus der Krone des dunklen Herrschers Morgoth zu entwenden. Tatsächlich macht sich nun Beren auf den Weg, die unlösbare Aufgabe zu erfüllen, wobei ihm Luthien natürlich wenig später zur Hilfe eilt.
Tolkien begann zu Lebzeiten mehrmals, die Geschichte niederzuschreiben. Weitgehend vollständig, aber noch in einem sehr frühen Stadium der Entwicklung des Legendariums beheimatet, ist die „Geschichte von Tinúviel“ (erschienen im zweiten „Buch der verschollenen Geschichten“). Später begann er das sogenannte „Leithian-Lied“, eine Fassung der Sage in Stabreimform, doch blieb diese unvollendet. Und schließlich gibt es noch die verkürzte, zusammenfassende Version aus dem Manuskript, das post mortem das Silmarillion wurde. Doch anders als bei „Die Kinder Húrins“, wo die Quellenlage wenig anders aussah, verzichtete Erbe und Herausgeber Christopher Tolkien hier darauf, aus all dem einen einheitlichen Text zu formen. So liest sich das Buch nun weniger wie eine Fantasy-Geschichte, als vielmehr wie eine literaturwissenschaftliche Arbeit darüber. Auf einige einleitende Kapitel folgt die komplette „Geschichte von Tinúviel“, daran wiederum schließen sich abwechselnde Abschnitte der anderen beiden Fassungen an. Die Geschichte wird letztlich also in drei verschiedenen Versionen teils nacheinander, teils parallel durchgekaut. Jeglicher Spannung beugt das natürlich vor – zumal die Stabreimform nicht nur ungewohnt, sondern in der deutschen Übersetzung auch vollkommen unrhythmisch ist. Man muss Christopher Tolkien zugutehalten, dass er durchaus eine sehr gute Quellenedition angefertigt hat, ausgezeichnet kommentiert und kontextualisiert. Alles was, man sich nur wünschen kann also – würde es sich doch bei der Grundlage um eine echte mythische Erzählung handeln, wären die Fragmente doch wirklich irgendwelchen jahrtausendealten Tontafeln entnommen. So aber bleibt es bei der Faszination, dass das Werk eines modernen Autors sich letztlich genauso verhält wie ein wirklich historisch gewachsener Mythos in all seiner Vielgestalt.
Zweifellos ist das Buch interessant für Tolkien-Interessierte, nicht aber für all jene, die nur mit der Herr-der-Ringe-Filmtrilogie sozialisiert wurden. Jenen, die bloße Fantasy-Unterhaltung aus Mittelerde suchen, sei neben dem HdR und Hobbit vielmehr „Die Kinder Húrins“ empfohlen, allenfalls noch die „Verschollenen Geschichten“. „Beren und Luthien“ indes ist keine Fantasy – es ist eine Studie zu einer Mythologie, deren einziger Fehler es ist, noch keine tausend Jahre alt zu sein.

Viereckige Bonsai-Katzen: Die weltgrößten modernen Mythen

Jeder kennt doch einige dieser Geschichten, die ständig durchs Internet geistern und doch nicht der Wahrheit entsprechen. Doch es ist dieses Buch, „Viereckige Bonsai-Katzen“ von Alex Boese, das einem klarmacht, dass die heutige Menschheit noch genauso leichtgläubig ist wie vor Jahrhunderten und nicht weniger, sondern vielleicht sogar mehr Sagen und Legenden im Umlauf sind als je zuvor.
Da wäre etwa die titelgebende Geschichte, dass eine Website Katzen verkauft, die durch Haltung in viereckigen Einweckgläsern zu einer handlicheren Gestalt umgeformt wurden. Dann der immer wieder in diversen Medien zitierte Bericht, ein kleinwüchsiger Zirkusdarsteller sei versehentlich von einem Nilpferd verschluckt worden. Bis hin zu der Meldung der BBC (!), im Iran habe eine Frau einen Frosch geboren.
Dies sind einige der modernen Legenden, derentwegen man das Buch wahrscheinlich kauft. Es zeigt sich aber schon bald, dass diese nur einen Teil des Werkes ausmachen. Das Oberthema wäre viel besser mit „Fakes, Lügen und Hoaxes“ beschrieben, denn darum geht es: Um allerlei Formen von Fälschungen und Betrug, von den Schönheitskorrekturen Prominenter durch Photoshop, Agenturen für imaginäre Freunde und die altbekannten Spam-Mails betreffend Penisvergrößerungen und freigiebiger nigerianischer Prinzen bis hin zum schier inflationären Lügen in Werbung und Politik. Illustriert wird dies einerseits durch Fakten, die über die wahren Verhältnisse aufklären, andererseits durch zahlreiche teils extrem groteske Anekdoten, wozu es tatsächlich schon gekommen ist oder angeblich gekommen sein soll. Am Ende eines jeden Kapitels stehen noch einmal einige solcher Anekdoten, bei denen man selbst raten kann, ob es sich um Wahrheit oder Mythos handelt, bevor auf den nächsten Seiten die (bisweilen sehr überraschenden) Antworten präsentiert werden.
Ein letztlich nur allzu unterhaltsames Buch, dessen Informationsgehalt dem nicht nachsteht. Es bereichert den Leser um eine schier erschlagende Masse erstaunlicher Begebenheiten und Berichte sowie um das grundlegende Rüstzeug, damit vernünftig umzugehen (womit es auch durchaus einen Beitrag zur Medienkompetenz leistet). Ich persönlich hätte mir einen größeren Schwerpunkt auf den modernen Legenden und ähnlichem vorgestellt und gewünscht, doch nichtsdestotrotz stellte sich die Lektüre als lohnend heraus.

Fünf Minuten: Ein Tagebuch

Zu was führt Nihilismus – zu Resignation oder Hoffnung, Anstand oder Verbrechen ?
Die Geschichte „Fünf Minuten: Ein Tagebuch“ von Ian Cushing beweist, dass all dies sich keinesfalls ausschließen muss. 56 Kindle-Seiten umfasst das e-book – ein eher kurzes Vergnügen, doch zweifellos ein Lesegenuss.
Geschrieben in Form eines Tagebuchs, halb Autobiografie, halb Manifest, berichtet darin ein namenloser Erzähler von seiner Lebens- und Leidensgeschichte. Eine unauffällige Person war er, vierzig Jahre lang – verheiratet, mit einem wenig geliebten Job gesegnet, sozial und doch introvertiert. „Der Tod ist die einzige Gewissheit im Leben“ – diese nihilistische Erkenntnis hat er längst zum Lebensmotto erhoben. Er hält es mit den Existentialisten, denen zufolge die Entscheidungsfreiheit des Menschen das einzige ist – und merkt doch, dass er selbst nichts aus seinem Leben gemacht hat. Etwa die Hälfte des Buches lässt er den Leser vor allem an diesen seinen Geisteshaltungen teilhaben, erst danach beginnt sich so etwas wie eine konkrete Handlungsebene abzuzeichnen. Was freilich nicht heißt, der Rest sei uninteressant gewesen; im Gegenteil, die pointierte Ausdrucksweise macht auch die bloße Selbstreflexion des Erzählers absolut unterhaltsam. Obwohl (oder vielmehr weil?) diese Ansichten von denen der meisten Menschen abweichen, konnte ich mich mit so manchen Aussagen nur allzu gut identifizieren. In der zweiten Hälfte schließlich kommt es zu wirklichen Ereignissen, als unerwartete Situationen den Protagonisten zu spontanem Handeln nötigen. Dem irgendwie nur allzu nachvollziehbaren und doch nach allgemeiner Ansicht wohl verwerflichen Handeln eines Menschen, der alle Werte schon längst begraben, der im Angesicht der allgemeinen Sinnlosigkeit nichts mehr zu verlieren hat, freilich ohne dabei jemals ein bösartiger Mensch geworden zu sein. Hier zahlt sich aus, dass der vorherige Abschnitt mit dem Berichten eines nur allzu gewöhnlichen Mannes mit einer nur allzu gewöhnlichen Vorgeschichte und lebendigen Innenansichten einen beeindruckenden Realismus gezeichnet hat, von dem auch nun kaum abgewichen wird. Eine Geschichte ist es, die hypothetisch durchaus passieren könnte, eben weil all ihre Prämissen so menschlich, so real und alltäglich sind. Gelegentlicher Witz und eine Reihe von Literatur- und Filmbezügen garnieren den Unterhaltungswert noch zusätzlich. Es sei nicht zuletzt noch einmal hervorgehoben, dass, obwohl im Self-Publishing erschienen, die Schreibqualität von „Fünf Minuten“ absolut mit den meisten Verlagsveröffentlichungen konkurrieren kann.
Hier müsste für eine differenzierte Bewertung fairerweise noch irgendein Einwand kommen, doch fiel beim Lesen keiner auf. Die Kürze und der lebendige Stil beugen Längen und Langeweile vor, das Thema ist interessant und realistisch inszeniert. Mit Ian Cushings „Fünf Minuten“ (der Titel erschließt sich übrigens erst auf der letzten Seite) kann man nichts falsch machen – die Geschichte garantiert eine hervorragende Lesestunde, nicht nur für Philosophen und Nihilisten.