Kritisches zur Grenzwissenschaft

Tore zur Unterwelt: Das Geheimnis der unterirdischen Gänge aus uralter Zeit

Unsere Welt birgt viele Rätsel. Doch kann es sein, dass in Österreich, also fast schon vor unserer Haustür, der Erdboden durchzogen ist von teils kilometerlangen Gängen, penibel in den harten Stein gehauen, so alt, dass niemand weiß, wer sie erbaut hat? Heinrich und Ingrid Kusch jedenfalls sind dieser Ansicht und haben dem mysteriösen Phänomen der „Erdställe“ ein hübsch aufgemachtes Buch gewidmet, „Tore zur Unterwelt“ (später folgte noch ein zweiter Band „Versiegelte Unterwelt“).
Und tatsächlich, das Werk macht auf den ersten Blick einen seriösen Eindruck: Keine Aliens oder andere plakative Thesen, nicht im Kopp-Verlag erschienen, die Autoren sind beides Wissenschaftler mit akademischer Vorgeschichte und Position.
Und in der Tat, das Phänomen der Erdställe ist real (was auch eigentlich niemand abstreitet). Unter zahlreichen Häusern insbesondere in der Steiermark finden sich niedrige Tunnel, oft mit engen Schlupflöchern, die geradewegs mitten hinein in den Fels führen. Schon seit über hundert Jahren wird darüber geforscht; die Wissenschaft favorisiert einen Ursprung als „Schutzräume“, in die sich die Bewohner etwa bei Überfällen zurückziehen konnten. Eine Annahme, die schwerlich der teils hunderte von Metern oder gar Kilometer langen Tunnel gerecht wird, die die Kuschs in ihrem Buch beschreiben, zumal sich aus dem Mittelalter keine schriftlichen Quellen zu ihrer Entstehung finden. Mehr noch, vor kurzem soll im alten Stift Vorau eine Karte aufgetaucht sein, die ein ganzes Tunnelsystem unter der Ortschaft skizziert. Und kann es ein Zufall sein, dass die weiten unterirdischen Tunnel sich mit zahlreichen darüber aufgestellten Lochsteinen, Menhiren der Megalithzeit, decken?
Wer das Buch so liest, ohne sich ganz genau auf alle Einzelheiten zu konzentrieren, der bekommt in der Tat den Eindruck, hier habe man ein archäologisches Rätsel aus grauer Vorzeit vor sich, das noch am ehesten von einer verschwunden Hochkultur zeugt, die es niemals gegeben haben dürfte. (Aliens? Atlantis? Zwerge? Das bleibt der eigenen Fantasie überlassen.) Doch bei näherer Betrachtung fallen einem gewisse Unstimmigkeiten auf. Worauf basiert die dreidimensionale Grafik der Gänge unter Stift Vorau, wenn diese doch, wie im Text erwähnt, alle mit Erdreich verfüllt und daher unzugänglich sind? Woher kennen die Autoren die Maße eines unterirdischen Raumes, der nur mit einer Bohrung angeschnitten wurde? Wieso gibt es keine trockenen Zahlen und unverständliche Bilanzen naturwissenschaftlicher Untersuchungsmethoden wie Bodenradar oder Radiokarbondatierung?
Im Endeffekt stellt sich heraus, dass es sich bei dem gesamten Werk, obwohl schön aufgemacht mit den zahlreichen Fotos, um vollkommenen Murks handelt. Denn keiner der ewig langen, von den Kuschs so detailreich ausgemalten Gänge wurde wirklich betreten, geschweige denn mit wissenschaftlichen Methoden geortet. Vielmehr, das scheint im Buch nur peripher durch, wird jedoch durch Vorträge und andere Aussagen der Kuschs bestätigt, sind all diese Gänge mithilfe „radiästhetischer Untersuchungen“ – will heißen: mit der Wünschelrute – „gemutet“ worden. Im Klartext: Diese Gänge existieren nur in der Einbildung der Esoteriker, die an diese pseudowissenschaftliche Methode glauben. Es gibt keinerlei wissenschaftlichen Beleg – weder für die Länge der Gänge, noch ihren Zusammenhang mit den Lochsteinen, noch für ihr angebliches Alter, ja meistens nicht einmal für ihre Existenz. Aber was ist mit all den Fotos? Diese zeigen, teils ganz vermischt, verschiedene Gänge aus den letzten tausend Jahren, auf dem Cover etwa einen rund 300 Jahre alten, sprich neuzeitlichen, Wassergang. Die Erdställe indes, denn diese existieren tatsächlich, stammen aus dem Mittelalter, wie inzwischen durch Radiokarbondatierungen ziemlich zweifelsfrei erwiesen wurde, und sind nicht ansatzweise so lang und verzweigt wie die im Buch postulierten Gänge. Soweit die oberflächliche Kurzfassung der Fakten. Der Erdstallforscher Josef Weichenberger schrieb einen umfangreichen Kommentar zu dem Buch, in dem er dieses penibel auseinandernimmt, worauf zur näheren Beschäftigung verwiesen sei: http://www.erdstallforschung.at/?p=797
„Tore zur Unterwelt“ ist also ein pseudowissenschaftliches Buch – und gerade deshalb so verführerisch glaubwürdig auf den ersten Blick, weil es eben nicht mit plakativen Behauptungen von Aliens, Riesen und kosmischen Katastrophen hausieren geht wie die meisten Werke des Genres, und weil die pseudowissenschaftliche Methodik sich nur allzu leicht überlesen lässt. Der Autor Heinrich Kusch soll, wenn man verschiedenen Sekundärquellen im Internet glauben kann, auch einmal in einem Vortrag die Überzeugung geäußert haben, er werde infolge seiner Forschungen von vorzeitlichen Echsenmenschen verfolgt – doch davon merkt man kaum etwas im Buch selbst. Ein Werk, das lehrreich ist wie kaum ein anderes – wenn es um die Erkenntnis geht, wie leicht man durch ein Buch manipuliert werden kann.

Monstersärge und Pseudomumien – Kontroversen um ägyptische Stierbestattungen

Vor kurzem wurde mein erster Sachtext (außerhalb dieser Website) veröffentlicht! 

Die riesigen Steinsarkophage im Serapeum von Sakkara gelten der Geschichtswissenschaft als Begräbnisstätte der heiligen Apis-Stiere. Erich von Däniken und weitere Grenzwissenschaftler sind da anderer Ansicht, fand sich doch anstatt kompletter Stiermumien allenfalls eine bituminöse Masse voller zerbrochener Knochensplitter darin. Wurden im Serapeum etwa gefürchtete Mischwesen bestattet – oder gibt es eine naheliegendere Erklärung für solch groteske Bestattungsformen? 

Der Artikel entstand infolge eines Referates zu selbigem Thema, das ich in der Uni (Einführung in die ägyptische Archäologie und Denkmälerkunde) hielt – ergänzt durch einige zusätzliche Infos, die sich in der Zwischenzeit auftaten, nunmehr mit der Diskussion der grenzwissenschaftlichen Theorien im Zentrum. Bei der Suche nach einem geeigneten Medium zur Publikation stieß ich auf den kritischen Blog Mysteria3000, der den Text auch gleich veröffentlichte.

Hier online zu lesen:

Monstersärge und Pseudomumien

Und hier zum Download: Monstersärge und Pseudomumien

 

Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Egipto,_1882_“Sepulcro_de_Apis“_(20814894493).jpg

Die Zivilisation der Göttin

Bildergebnis für die zivilisation der göttinUnzählige Relikte der jungsteinzeitlichen Kulturen Europas wurden von Archäologen zu Tage gefördert, systematisiert, interpretiert – und doch ist vieles über unsere Vorgeschichte nach wie vor umstritten. Einen zweifellos beeindruckenden und wichtigen, wenngleich kontroversen Beitrag dazu liefert „Die Zivilisation der Göttin“ von Marija Gimbutas. Dabei handelt es sich buchstäblich um ein Monumentalwerk: Auf 400 dreispaltigen Seiten Text zuzüglich einem fast 150-seitigen Anhang wird praktisch das ganze Neolithikum Europas dargestellt – von Vinca, Karanowo und anderen Kulturen auf dem Balkan des 6. Jahrtausends vor Christus, Linienbandkeramik und Trichterbecher-Kultur in Mitteleuropa, Malta mit seinen beeindruckenden Megalithtempeln und den Erbauern von Henges und Hofgräbern in Britannien bis hin zu den wenig bekannten Kulturen des westlichen Mittelmeerraumes. Eingegangen wird dabei gleichsam auf die typische Keramik, Architektur, Begräbnisarten – und Religion und Gesellschaft. Ebendiese beiden letzten Punkte sind es, in denen die Autorin sich vom weitgehenden Mainstream der Wissenschaft abwendet und ein, nennen wir es alternatives, System der europäischen Vorgeschichte entwirft. Der Kern dessen ist, was populärwissenschaftlich gerne als „Matriarchatstheorien“ bezeichnet wird (ein Begriff, den Gimbutas selbst nicht verwendet und der das weite Feld der Angelegenheit wohl unzureichend charakterisiert): Ihr zufolge war die dominierende Religion des europäischen Neolithikums die Verehrung einer Göttin in verschiedenen Formen (vielleicht auch mehrerer), begleitet von einer nicht-patriarchalischen Sozialstruktur, in der auch und gerade Frauen zentrale Rollen in Kult und Gesellschaft innehatten. Dieses durchweg friedliche „alte Europa“ endete schließlich durch drei Invasionsströme indoeuropäischer, patriarchalisch veranlagter Steppennomaden aus dem heutigen Russland. Nur zur Erinnerung: Marija Gimbutas war in der Tat eine anerkannte Koryphäe ihres Faches (sie entwickelte u.a. die Kurganhypothese und leitete mehrere Ausgrabungen auf dem Balkan), was man auch an dem beträchtlichen Detailwissen das ganze Buch hindurch erkennt. Was also ist zu halten von der Religion der „Großen Göttin“, der „matrifokalen“/“matrilinearen“ Gesellschaft und der schlussendlichen Kurgan-Invasion? Handelt es sich um eine wissenschaftliche Revolution oder doch nur um eine Instrumentalisierung der Vergangenheit als Projektionsfläche für moderne Konflikte?
Mir fehlt es zweifellos an Fachwissen, die einzelnen Sachdetails der dargestellten Ausgrabungsbefunde zu kritisieren. Soweit beurteilbar, ist der Autorin diesbezüglich nichts vorzuwerfen. Anders jedoch, wenn es an das Thema Religion geht: Die zu diesem Thema vorgebrachten, als Tatsachen oder zwangsläufige Schlussfolgerungen verkauften Thesen sind letztlich nichts als Fantasie. Ja, Figuren und Darstellungen weiblichen Geschlechts mit deutlich betonten Geschlechtsorganen sind in großer Zahl aus jenen Kulturen belegt, was in der Tat einen Göttinnen- bzw. Fruchtbarkeitskult nahelegt. Doch Gimbutas geht weiter: Fast alles ist bei ihr irgendwie ein Symbol für Wiedergeburt und Lebenserneuerung, jede große Nase identifiziert eine Figur eindeutig als Vogelgöttin, jede weiß gefärbte Frauenstatuette ist die Göttin des Todes und der zyklischen Wiederauferstehung. Belege dafür? Keine. Vieles mag in Ansätzen berechtigte Hypothesen ergeben, doch weder die Sicherheit noch die expliziten Details, die Gimbutas darlegt, lassen sich an den Funden festmachen. So ist letztlich auch die weiblich geprägte Gesellschaft zwar denkbar, aber letztlich eine Fiktion – einziges Indiz dafür sind die fehlenden Geschlechtsdisparitäten in den neolithischen Gräbern, was allenfalls eine gewisse Gleichberechtigung denkbar erscheinen lässt, wenn auch nicht sicher belegt. Wahrlich utopisch erscheint die Vision einer schier pazifistischen Gesellschaft in damaliger Zeit. Es dürfte naheliegend sein, dass vor der Erfindung der Metallwirtschaft bei allgemein kleineren politischen Strukturen eine weniger hierarchische Gesellschaft bestand, was Kriege und andere strukturelle Konflikte begrenzte. Doch absoluter Friede scheint nicht nur dem gesunden Menschenverstand bei allgemeiner Anschauung aller bekannten historischen Kulturen zu widersprechen, auch die archäologischen Funde sprechen teils eine andere Sprache (Stichwort: Massaker von Asparn/Schletz). Auch die These der Kurgan-Invasion ist von verschiedenen Wissenschaftlern zurückgewiesen worden, wobei mir selbst die fachliche Qualifikation zur Beurteilung fehlt. Zu erwähnen ist zu guter Letzt, dass Gimbutas das ganze Alteuropa als mehr oder weniger einheitlichen Kulturraum darstellt, der sich zumindest in Sachen Religion und Gesellschaft ganz homogen als Ganzes betrachten lässt – ein sehr zweifelhafter Ansatz, wenn es um die mehr als dreitausendjährige Geschichte eines ganzen Kontinents geht.
Letztlich also sind religiöse Vorstellungen und Gesellschaftsmodell, wie sie Marija Gimbutas präsentiert, zwar zum Teil denkbare, aber letztlich gegenstandslose, weil weitgehend unbegründete Hypothesen. Zugutehalten muss man dem Buch jedoch, dass es, veranschaulicht an zahlreichen Bildern,  einen breiten und umfangreichen Überblick über die faszinierenden Kulturen des europäischen Neolithikums bietet. Hochinteressant etwa sind auch die Ausführungen zur schon im 6. Jt. v. Chr. entstandenen (Proto?-)Schrift der Vinca-Kultur oder auch dem Ursprung der minoischen Kultur Kretas. Nicht zuletzt übt sich an diesem Buch auch die Fähigkeit des quellenkritischen Lesens, wobei das schwerlich als Kompliment zu werten ist. Die darin vertretenen Thesen mögen zu kritisieren sein, doch lesenswert ist das Werk zweifellos.

Das Rätsel der Donauzivilisation

Die ersten Hochkulturen, das waren die Ägypter, Sumerer, vielleicht noch Elamer (wobei die allzu gerne vergessen werden). Doch eine wird stets unterschlagen – meint zumindest der Sprachforscher Harald Haarmann. Die Rede ist von der von ihm postulierten „Donauzivilisation“. Bereits im Neolithikum ab 6.000 v. Chr. soll auf dem Balkan eine beeindruckend hoch entwickelte Kultur existiert haben, die bereits lange vor den Sumerern die Verarbeitung von Metall, die Töpferscheibe und sogar die Schrift gekannt habe.
Freilich – Haarmann Thesen werden von der Fachwelt weitgehend zurückgewiesen, obgleich man ihn immerhin nicht in die Reihe der Pseudowissenschaftler und Geschichtsrevisionisten zählt. Was also ist zu halten von jener ominösen vorgeschichtlichen Kultur des Balkans?
Es handelt sich jedenfalls nicht um eine jener nie entdeckten, untergegangenen Zivilisation in Tradition von Atlantis und Lemuria, sondern vielmehr um einen Oberbegriff für mehrere archäologisch nachgewiesene Regionalkulturen (darunter etwa Winca, Karanovo und Cucuteni), die der Ur- und Frühgeschichte eigentlich wohlbekannt sind. Das Buch „Das Rätsel der Donauzivilisation – Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas“ gibt einen interessanten, weitgehend allgemeinverständlichen Einblick in diese. Präzise erläutert Haarmann etwa Architektur und Kleinkunst, soweit sie durch Ausgrabungen belegt sind. Auch zeigt der Sprachforscher etliche Wörter des Altgriechischen auf, manche von denen nur allzu bekannt, die sich als ein vorgriechisches (d.h. nicht indogermanisches) Erbe direkt von dieser „alteuropäischen“ Kultur herleiten. So weit, so interessant, so wenig revolutionär.
Worum also geht es bei den spezifisch neuen Aspekten Haarmanns und wie sind diese zu bewerten? Da wäre zum einen, ganz maßgeblich, die Schrift. Der wissenschaftliche Konsens geht dahin, die sogenannten Winca-Zeichen, die ganze zwei Jahrtausende vor der Keilschrift auftraten, nicht als vollwertige Schrift zu klassifizieren. Darüber kann man wohl streiten. Ich wage diesbezüglich zu behaupten, dass es sich um eine eher sinnlose Diskussion handelt, da der Übergang von primitiven Symbolsystemen zur richtigen Schrift wohl als fließend anzusehen ist – auch mit den ersten Keilschriftzeichen konnte man noch keine richtigen Texte schreiben.
Und dann wäre da noch der Aspekt der Kultur mit besonderem Fokus auf der Religion. Hier tritt der ansonsten relativ empirische Haarmann auf ganzer Linie aufs Glatteis. Aus rudimentären Fundstücken will er auf allerlei ziemlich explizite kultische und religiöse Bräuche und Vorstellungen schließen, die allesamt durchaus denkbar sind, aber schwerlich eindeutig aus den Funden hervorgehen. Auch seine Annahmen einer weitgehend egalitären und friedlichen Gesellschaft mit Gleichberechtigung der Geschlechter bis hin zu einer Sonderstellung der Frauen scheinen eher Wunschdenken denn archäologisch nachweisbare Fakten zu repräentieren – hier scheint deutlich die Tradition von Marija Gimbutas und anderen Vertretern der populärwissenschaftlich oft so genannten „Matriarchatstheorien“ durch (ein nicht ganz treffender Begriff, aber doch der damit am meisten assoziierte). Auffällig ist die allzu positive Darstellung der Donauzivilisation, was fast an die Konstruktion einer Utopie in ferner Vergangenheit denken lässt.
Es bleibt zudem ein weiterer Kritikpunkt: Obwohl Haarmann tatsächlich eine Minderheitsmeinung vertritt, präsentiert er alles so, als handle es sich dabei ganz um den allgemein etablierten Konsens, wie er unbestreitbar aus den neuesten Erkenntnissen hervorgegangen sei. Das erschwert für all jene, die das Buch ohne zumindest oberflächliches Vorwissen lesen, leider das Aufkommen quellenkritischer Aufmerksamkeit – stattdessen wird der laienhafte Leser glauben, Haarmann spräche repräsentativ für die ganze Zunft der Wissenschaft. Das gilt auch etwa für die These des Schwarzmeer-Durchbruchs als Ursprung sämtlicher Sintflut-Mythen, was gleichsam umstritten ist.
Im Fazit also macht „Das Rätsel der Donauzivilisation“ eine ziemlich mittelmäßige Figur: Ja, definitiv ist das Buch informativ, bietet es doch eine Einführung in eine höchst interessante, doch wenig bekannte alte Kultur. Das aber kann leider nur unter der Voraussetzung quellenkritischer Kompetenzen beim Leser geleistet werden, denn zu einem weiten Teil besteht das Werk aus bloßen eher unbelegten Spekulationen, die als wissenschaftlich etablierte Tatsachen präsentiert werden. Für einen Kenner der Ur- und Frühgeschichte, vor allem nach Lektüre dieser oder einer vergleichbaren Rezension, dürfte das Buch sehr wohl von Wert sein – bei Leichtgläubigen indes könnte es mehr Fehlvorstellungen als Bildung vermitteln.

Mein Vater war ein MiB

„Mein Vater war ein MiB“ – ein sicher kontroverses Buch. All die gehirngewaschenen Systemsklaven werden es sicher gleich wieder als bloße Verschwörungstheorien abtun, ohne sich damit je näher auseinandergesetzt zu haben – da sieht man, welch gute Arbeit SIE geleistet haben! Tatsächlich nämlich handelt es sich um das größte Enthüllungswerk unseres Zeitalters, das uns endlich in all jene Geheimnisse einweiht, die die Regierungen und ihre Verbündeten immer vor uns verbergen wollten!
Und wer ist für all das qualifizierter als der Autor Jason Mason, dessen eigener Vater schließlich ein Mitglied der MiB (Men in Black) war? Ja, richtig, genau jene Men in Black, die seit Jahrzehnten versuchen, im Auftrag der reptiloid-satanistischen Illuminaten-Mafia die Wahrheit über UFOs und all das andere zu verbergen, von dem wir nichts wissen sollen! Und nicht nur das: Als Herausgeber fungiert niemand geringerer als der legendäre Enthüllungsjournalist Jan van Helsing – eine solche Koryphäe auf seinem Gebiet, dass bereits mehrere seiner Bücher wegen angeblich antisemitischem Inhalt verboten wurden! Was natürlich eine absolut lächerliche Beschuldigung ist. Wer dieses Buch liest, der lernt doch schnell, dass die Juden tatsächlich gar keine „Semiten“ sind, sondern vom Volk der Khasaren abstammen, die im Mittelalter zum Judentum konvertierten, um ihre satanistischen Machenschaften vor der Welt zu verbergen. Aber das ist tatsächlich gar nicht einmal das Hauptthema des vorliegenden Buches – ebenso wenig die Men in Black, denen im Wesentlichen das erste Kapitel gewidmet ist. Nein, hier wird ALLES aufgeklärt, was die khasaro-jüdischen Jesuiten-Nazis vor uns zu verbergen versuchten: die Wahrheit über die Verschwörung zur Errichtung einer Neuen Weltordnung, die geheimen Weltraumprogramme der Nazis und diverser Staaten, ihre Basen auf anderen Planeten des Sonnensystems, die deutschen Kolonien in der Antarktis und im Inneren der Erde, die Wahrheit über Zeitreisen und Paralleldimensionen – nicht zuletzt auch die wahre Natur Gottes und des holographischen Universums, in dem wir gefangen sind. Zentrales Thema des Buches sind die Außerirdischen – und davon gibt es viele: die Greys, die blonden Nordics vom Aldebaran, die Anunnaki, die Reptiloiden der Draco-Föderation, die Avianer, Insektoiden und Mantiden, die Animus und die mysteriöse „Alte Erbauer-Rasse“ – und das sind nur einige der mehrere tausend Spezies von Außerirdischen, die in unsere Geschicke eingreifen, nicht mitgerechnet die innerirdischen Rassen, die Langschädel und Riesen, die aus der Zukunft stammenden Wing Makers, außerdem die Archonten und zerstörerische KIs aus anderen Dimensionen. Das dürfte für die meisten Menschen schwer zu verkraften sein, schließlich sind sie längst so gehirngewaschen von der archontisch-reptiloiden Khasarenmafia, dass sie nichts davon akzeptieren können. Und dabei stehen wir gerade jetzt an einem Wendepunkt der Geschichte! Das Bündnis aus den Illuminaten (das sind die khasaro-jüdisch-jesuitischen Baals-Anbeter-Kapitalisten), den von den bösen Archonten gesteuerten Reptiloiden und einer noch böseren KI beherrscht uns längst – aber ihr Plan wird scheitern, steht doch der Erde nur allzu bald ein spiritueller Wandel bevor!
Woher Jason Mason all das weiß? Er ist nicht der einzige, der den Mut aufgebracht hat, seine revolutionären Enthüllungen an die Öffentlichkeit zu bringen. Tatsächlich nämlich besteht das Buch aus diversen Abschnitten, in denen jeweils einzelne Whistleblower mit ihren Enthüllungen wiedergegeben werden: Da wäre etwa Corey Goode, der als Supersoldat mit übernatürlichen Geisteskräften für die Illuminaten arbeiten musste, bis man nach seinem jahrelangen Dienst seinen Körper verjüngte und ihn in der Zeit zurückschickte. Oder Dr. Anderson, welcher die bedeutsame Zeitkapsel der Wing Makers (Menschen aus der Zukunft, die unsere Entwicklung vorantreiben wollen) untersuchte und ihr Material entschlüsselte. Nicht zuletzt auch eine Reptiloidin mit dem Namen „Lacerta“, die selbst Auskunft über die Geheimnisse ihrer Rasse gibt. Die gehirngewaschenen „Kritiker“, die die Rothschild-Reptiloiden-Roboter sicher in Kürze auffahren werden, werden sicher zahlreiche Widersprüche in den Ausführungen der Whistleblower anprangern. Das ist ja auch kein Wunder – schließlich hat keiner je das ganze Bild gesehen, dafür haben SIE viel zu gut gesorgt – jeder konnte ja nur einen Teil des Ganzen beschreiben. Hinzu kommt die Existenz zahlreicher Parallelwelten und alternativer Zeitlinien, wie im Buch erläutert wird – es kann also schwerlich ein Argument für fehlende Glaubwürdigkeit sein, wenn sich die einzelne Teile des Buches teils extrem widersprechen, was beispielsweise die Ursprünge der Menschheit oder der Reptiloiden angeht. Und außerdem: Auch die Bibel wurde von diversen Autoren geschrieben und weist dementsprechend Widersprüche auf. Würde man sie deshalb anzweifeln, ja gar als Phantasie ein paar irrer Verschwörungstheoretiker abtun?
Aber auch das wird die sogenannten „Skeptiker“ ganz bestimmt nicht von ihrem Werk der Desinformation abhalten. Sie werden sicher einwenden, dass hier auch sachliche Fehler vorlägen. Dass zum Beispiel die Trias der babylonischen Religion aus Nimrod, Semiramis und Tammuz in keiner babylonischen Quelle belegt sei, dass dort ebenso wenig Menschenopfer zu Ehren des Baal praktiziert wurden, ja dass die sumerische Sprache gar nicht der deutschen ähnlich sei, wie es doch hier geschrieben steht! Aber auch das ist kein Wunder, schließlich befindet sich der ganze irdische Universitätsbetrieb und insbesondere die sogenannte Altorientalistik längst in der Hand der reptiloid-khasarischen Anunnaki-Bänker. Nicht nur ist längst bekannt, dass in Studentenverbindungen regelmäßig sexuelle Perversionen und Menschenopfer praktiziert werden – so mancher Beweis findet sich vor aller Augen: So stammt zum Beispiel das Wort „Bachelor“, was Millionen Studenten so unwissend anstreben, ursprünglich vom sumerischen ba-ḫe-la2, was so viel bedeutet wie „Er möge abgewogen werden“ und sich auf die Bewertung und Selektion bezieht, die in der akademischen Laufbahn unvermeidlich sind. Aber anstatt darüber nachzudenken, werden die Skeptiker sicher lieber nachfragen, wieso in dem Buch denn andauernd die Bibel als Quelle herangezogen wird (etwa bezüglich des Menschen opfernden Baal-Kultes oder der in der Offenbarung dargelegten NWO-Pläne der Eliten), wenn doch die katholische Kirche schon immer in IHRER Hand war? Ganz einfach – dies ist ein Fall von doppelt verschachtelten Lügen: Indem die Verschwörer ihre Pläne schon vor Jahrtausenden in der Heiligen Schrift jedem offenlegten, machen sie diese heutzutage scheinbar unglaubwürdig, wo es doch alles „nur primitive Mythen“ seien. Planen Sie denn so langfristig? Das müssen SIE gar nicht – schließlich sind sie längst in der Lage, durch Zeitreisen auch alternative Zeitlinien zu erschaffen.
Weiter würden die „Skeptiker“ in ihrer Hybris sicher nach Belegen für all dies fragen – die Idioten! Schon die alten Sumerer wussten doch, dass zu viele Quellenangaben die natürliche Harmonie des Universums stören. Deshalb findet man auf sumerischen Tafeln auch keine Fußnoten. Ebenso wenig in den Veden, den Gathas oder dem Necronomicon (ja, das existiert wirklich!). Ein Zufall? Wohl kaum. Und außerdem – wem könnte man denn trauen, dass man ihn zitiert, außer den unabhängigen Whistleblowern und Augenzeugen, die hier ihre schockierenden Erlebnisse dargelegt haben?
Überhaupt erübrigt sich jede Spekulation darüber, der Inhalt des Buches würde nicht der Wahrheit entsprechen, schon durch ein simples Faktum: Was hier an Tatsachen präsentiert wird (nicht weniger als 672 großformatige Seiten!), ist so verworren, grotesk und fern jeder sogenannten „vernünftigen Logik“, dass es eine absolut absurde Vorstellung wäre, jemand könne sich dies einfach ausgedacht haben. Denken diese stumpfsinnigen Regimezombies, Enthüllungsautoren hätten nichts Besseres zu tun, als sich irgendwelche Berichte von Alien-Begegnungen, Zeitreisen und Verschwörungen auszudenken? Wirklich lächerlich.
Mir hat das Buch jedenfalls sehr geholfen, die Augen zu öffnen. Besonders erleichtert bin ich darüber, dass es tatsächlich so scharfe und natürlich gesetzte Grenzen zwischen Gut und Böse gibt, wie ich immer dachte. Avianer, Wing Makers, Jesus – gut; Reptiloiden, Illuminaten, Archonten – böse. So einfach ist das – nehmt das, ihr postfaktischen Moralrelativisten!
Doch zu guter Letzt muss ich das Buch und seine Autoren in einem Punkt stark kritisieren – verlieren sie doch kein Wort über eine Fraktion, die mindestens genauso gefährlich ist wie die Men in Black oder die Reptiloiden: die berüchtigten „Men in White“. Wie ihre schwarzen Cousins sind auch sie dafür verantwortlich, all jene Vertreter unangenehmer Fakten zu überwachen, unglaubwürdig zu machen und aus dem Verkehr zu ziehen. Tatsächlich halten sie mich jetzt schon seit Wochen gefangen – ich kann kaum noch essen, ohne dass sie mich beobachten. Selbst wenn ich schlafe, beobachten sie mich.  Sie tragen stets weiß… Oh nein, da kommen sie schon wieder! Ich weiß nicht, ob ich dies noch rechtzeeee Nein, nicht, nicht wieder die Jacke! nein, ichebzuzdgfjg fweeeeeebezfubsibv gdqweshrfd wezhrthgftjffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffff

Die afrikanischen Tempel der Anunnaki

 

Bereits vor Jahrzehnten stellte der umstrittene Autor Zecharia Sitchin die These auf, die sumerischen Götter seien tatsächlich Außerirdische gewesen, die die Erde auf der Suche nach Gold kolonialisierten und dazu schließlich den Menschen erschufen. So wenig bei genauerer Betrachtung auch daran sein mag – es reichte, um eine Reihe von Nachahmern auf den Plan zu rufen, die die moderne Mythologie um die „Anunnaki“ weiterführen. Einer von diesen ist Michael Tellinger, der in Südafrika (zufälligerweise seiner Heimat) die erste von den Anunnaki begründete Zivilisation gefunden haben will.
Das Buch heißt „Die afrikanischen Tempel der Anunnaki“ – auch wenn freilich nichts darin mit Tempeln zu tun hat. Vielmehr präsentiert Tellinger eine ganze Reihe von alten Steinkreisen, welche er als mystische Energiegewinnungsanlagen aus grauer Vorzeit deutet.
Zunächst einmal: Für bescheidene 9,95€ bekommt man hier ein Buch aus hochwertigem Papier, gefüllt mit haufenweise Farbfotos in hoher Qualität, sogar mit Lesebändchen. Soweit das positive, jetzt geht es an den Inhalt.
Erstaunlich sind zweifellos die große Zahl und die Form der südafrikanischen Steinkreise, die von der Schulwissenschaft als Viehgehege aus jüngerer Vergangenheit gedeutet werden. Dass sie aber keine Eingänge und mit ihren im Kreis angeordneten Kammern eine recht abnorme Form besitzen, das macht sich Tellinger zunutze – und scheitert trotzdem daran, eine glaubwürdige Theorie zu fabrizieren. Im gesamten Buch liefert er nicht einen Beleg für das von ihm postulierte Alter der Strukturen von hunderttausenden Jahren. Davon abgesehen deutet dort nichts auf den Einsatz anachronistischer Technologie hin – was im Genre der Präastronautik schon ziemlich armselig ist, wenn man sich ansieht, was andere Autoren vorzuweisen haben. Kaum nötig zu erwähnen, dass die von Tellinger immer wieder beschworene Verbindung zu den Sumerern und den Anunnaki gänzlich unbelegt bleibt – darüber hinaus offenbart er beträchtliche Wissenslücken und Fehlvorstellungen, was die Kultur und Überlieferungen der Sumerer angeht. Es scheint, dass er die ganze Anunnaki-Thematik nur von anderen einschlägigen Autoren wie etwa Sitchin abgeschrieben hat, ohne selbst die geringste Ahnung von Altorientalistik und sumerischer Mythologie zu besitzen. Besonders lustig: als Beleg führt er stets „die sumerischen Tontafeln“ an, ohne jemals näher zu bestimmen, auf welchen Text er sich denn bezieht (die meisten „den sumerischen Tontafeln“ zugeschriebenen Behauptungen finden sich dort im Übrigen nicht). Als wäre all das noch nicht genug, bekundet Tellinger offen seine Nähe zu manch esoterischem und verschwörungstheoretischem Gedankengut: Die Steinkreise dienten natürlich der Energiegewinnung auf Basis von Schall (!?) – ein Prinzip, das in der Gegenwart natürlich von der bösen Industrie unter Verschluss gehalten wird. Als glaubwürdige Quelle nennt Tellinger Credo Mutwa, einen traditionellen Schamanen, welcher schon David Ickes Reptiloiden-Theorie bestätigte. Und dass die Anunnaki unter ihrem Anführer Enki in Südafrika waren, ist ihm von mehreren Personen mit übersinnlicher Wahrnehmung bestätigt worden. Unnötig zu erwähnen, dass er außerdem die Bibel als glaubwürdige Geschichtsquelle angibt.
Im Endeffekt also wäre es besser gewesen, man hätte „Die afrikanischen Tempel der Anunnaki“ als Bilderbuch gedruckt. Die Bilder nämlich sind durchaus interessant anzusehen und öffnen das Bewusstsein für eine vielleicht erstaunliche Kultur, die man noch gar nicht auf dem Schirm hatte. Der Inhalt indes ist Murks von der ersten bis zur letzten Seite – unplausibel bis absurd, fachlich minderwertig und schrecklich esoterisch.

Die Thematik des Buches machte es möglich, der Inhalt es nötig, sich mit den vorgetragenen Thesen etwas detaillierter auseinanderzusetzen. So verfasste ich zu beiden Büchern Michael Tellingers eine umfangreiche Kritik, in der ich sie penibel auseinandernehme. Zu lesen hier: Kritik zu Michael Tellinger

Das verschollene Buch Enki

Zecharia Sitchin hat seit jeher die Meinungen gespalten, sein Werk „Das verschollene Buch Enki“ wohl umso mehr. Was hat es damit auf sich?
Sitchin ist bekannt dafür, dass er in zahlreichen grenzwissenschaftlichen Sachbüchern die These vertrat, die Erde sei vor langer Zeit von einer Rasse von Außerirdischen, den Anunnaki, besucht worden. Diese hätten unter anderem den Menschen geschaffen und wurden von jenen als Götter verehrt. Dabei beruft sich Sitchin vor allem auf eine (recht eigenwillige) Interpretation der mesopotamischen Mythologie; dementsprechend besteht seine Weltchronologie maßgeblich aus den Geschichten um die sumerisch-akkadischen Götter.
„Das verschollene Buch Enki“ ist hierbei eine Art Abschluss der Sachbuchreihe um die Anunnaki, jedoch in einer sehr speziellen Form geschrieben: All seine bisherigen „Erkenntnisse“ hat Sitchin in einer Chronik zusammengefasst, die in ihrer Form an ein sumerisches/akkadisches Epos erinnert. Einen solchen Text, behauptet er, müsse es gegeben haben, wobei das vorliegende Buch freilich nur eine Nachdichtung ist (wenn auch mit einer hypothetischen „Offenbarungsgeschichte“ ausgestattet, in der es einem sumerischen Schreiber vom Gott Enki diktiert wird). Während alle vorherigen Werke nur Teile der „Sitchin’schen Geschichtsschreibung“ beleuchten, gibt es hier die gesamte Geschichte von der angeblichen Landung der Anunnaki vor hunderttausenden von Jahren bis zum Zusammenbruch der sumerischen Kultur gegen 2.000 vor Christus – freilich ohne jegliche Quellenanalyse und Schlussfolgerungen, die (ob nun vernünftig oder nicht) alle anderen Bücher bestimmt hatten.
Wer einmal eine deutsche Übersetzung des Gilgamesch-Epos oder eines vergleichbaren Textes gelesen hat, dürfte sich den Stil des „Buches Enki“ gut vorstellen können: voller Pathos, stilistischer Wiederholungen, archaischer Sprache, eben die (zugegebenermaßen beeindruckende) Nachbildung eines antiken Epos. Das ist nichts, was man so eben als Trivialliteratur wegliest. Natürlich muss man sich erst an den Stil gewöhnen, wobei es sich dann schließlich auch einigermaßen flüssig lesen lässt. Wer Sitchins Bücher kennt, der dürfte hier wenige Überraschungen erwarten können, d.h. eine Spannung besteht nicht. Und wer sie nicht kennt, der dürfte definitiv überfordert sein mit den zahlreichen Namen und der vielschichtigen Geschichte.
Was ist nun davon zu halten?
Wie immer kommt es darauf an, was man davon erwartet. Weniger noch als alle anderen Bücher Sitchins (die schon arg zweifelhaft sind) kann man dieses ernst nehmen. Dem Leser mit Hintergrundwissen offenbaren sich nicht nur zahlreiche Widersprüche des Werkes zu den zugrundeliegenden mythologischen Texten und naturwissenschaftlichen Fakten, sondern auch zu Sitchins anderen Werken. Das Konzept ist weiterentwickelt worden, um ein in sich stimmiges Epos daraus zu machen – und das heißt, an vielerlei Stellen wurden Zusammenhänge stark verkürzt oder in einen neuen Kontext gebracht. Ein beträchtlicher Teil des Werkes entbehrt jeglicher historischen bzw. mythologischen Grundlage und ist somit als rein fiktiv anzusehen. Dazu gehören etwa die Geschichte des Anunnaki-Heimatplaneten Nibiru vor der Kolonisation der Erde (und letztlich auch Nibiru selbst, aber das ist ja in diesem Buch nichts Neues) und diverse Zwischensequenzen, die Zusammenhänge zwischen (eigentlich nicht zusammenhängenden) Sachverhalten bilden. Kurios ist auch, dass die Anunnaki in diesem Buch selbst an eine höhere Macht in Form eines theistischen Gottes glauben, welcher sich sogar (anscheinend) in der Gestalt des mysteriösen „Galzu“ bemerkbar macht und bedeutsame Schicksalssprüche von sich gibt. (Das sumerische Wort „galzu“ bedeutet nach meinem Grundwortschatz Sumerisch schlicht und einfach „weise (sein)“; ein so betitelter Gott existiert indes nicht.) Möglich, dass dies eine Art symbolischer Alter Ego des Autors sein soll, vielleicht schimmert hier auch einfach nur der Rest eines christlichen Weltbildes durch, das auf Gott und Schicksal nicht verzichten kann.
Wie auch immer, Fazit: „Das verschollene Buch Enki“ ist ein literarisches Werk, das in Anlehnung an die (vor allem mesopotamische) Mythologie eine phantastische Weltchronik darstellt, interessant für alle an Präastronautik und hypothetischen Vorzeitvölkern Interessierten. Ein Setting, in dem man großartig Science-Fiction-Blockbuster oder Fantasy-Romane ansiedeln könnte. Aber eines ist das Werk nicht: Ernstzunehmen. Dafür ist viel zu viel erfunden, weggelassen, willkürlich verändert oder unglaubwürdig interpretiert.

 

Phantastische Orte: Exkursionen in die Vergangenheit

Diverse Autoren, darunter auch in der Grenzwissenschaft bekannte, legen eine Sammlung von Artikeln über erstaunliche und geheimnisvolle Seiten der menschlichen Geschichte vor. Was hat man nun von „Phantastische Orte“ zu halten?
Zunächst fällt auf, dass die Themenvorgabe für die Mitwirkenden anscheinend recht frei war, denn es findet sich nicht wirklich ein roter Faden oder ein einheitliches Thema. Stattdessen beleuchtet eben jeder, was ihm so in den Sinn kommt – entsprechend verschieden sind die Ergebnisse. Überwiegend aber geht es um erstaunliche Orte, die Spuren früher Kulturen bergen. Immer wieder präsent dabei sind die steinzeitlichen Megalithkulturen und insbesondere die Spuren, die sie in Deutschland hinterließen, d.h. vor allem Monolithen und Kultplätze. Das ist wenig spektakulär, aber in Hinblick auf die räumliche Nähe recht interessant, gerade wenn man die beschriebenen Plätze selbst einmal besuchen will. Gerade dies, der Besuch der alten Relikte, wird immer wieder thematisiert in Form von Berichten der Autoren, wie sie selbst die Plätze der Geheimnisse erreicht haben. In Hinblick auf eine Nutzung als Reiseführer ganz nützlich, um solche Orte auch selbst zu finden, doch beim normalen Lesen eher ziemlich langweilig.
Natürlich kommen auch altbekannte Mysterien wie etwa Göbekli Tepe (steinzeitliche Kultanlage in der Türkei) sowie die Megalithtempel und „Cart Ruts“ auf Malta nicht zu kurz. Letztere, die bis heute nicht wissenschaftlich erklärten „Karrenspuren“ (die zweifellos keine solchen sind) finden sich übrigens auch in anderen Ländern, etwa auf den Azoren und in Österreich – mit diesen Kapiteln liefert das Buch wirklich erstaunliche Informationen. Dann wären da noch so einige andere Kapitel wechselnder Thematik und Qualität:

  • die Feststellung einer Megalithkultur im Italien vorrömischer Zeit – bewegende Erkenntnis, doch leider zu wenig aufgeführt (Zusammenhänge mit dem Reich der Hethiter werden nebensächlich angesprochen, aber nicht begründet)
  • ein Kapitel über Mythologie und Volksglauben in Bali – sehr informativ, aber leider ohne kritische Distanz und daher teils eher esoterisch
  • sehr interessante Erörterung über den heidnischen Gott Krodo, über dessen Existenz sich die Wissenschaftler noch immer streiten
  • Kapitel über die Entwicklung der Schrift – informativ, aber nicht mysteriös oder überraschend
  • Bericht über archäologische Sehenswürdigkeiten des Emirats Ras Al Khaimah, vollkommen oberflächlich, sinnfrei und uninteressant
  • ein Museum über Sirenen irgendwo in Frankreich – wieso sollte das irgendwen interessieren? Ganz abgesehen davon, dass der altbekannte Zusammenhang zwischen Meerjungfrauen und Seekühen als bahnbrechende neue Erkenntnis dargestellt wird, was nicht der Fall ist; des Weiteren wirkt der Grundton des Kapitels viel zu amateurhaft.
  • eine gewisse Ausstellung im Berliner Pergamon-Museum und noch ein Kapitel über die Exponate von ebendiesem – auch hier nicht das Geringste, was irgendwie mysteriös wirken würde

Es offenbart sich also eine sehr wechselnde Qualität der Beiträge, die von ganz interessant bis grottig reicht. So manches dabei wirkt nicht allzu gut recherchiert oder zumindest oberflächlich. Immer wieder kommt es vor, dass sich der Text irgendwie abschweifend an der Oberfläche eines Themas entlanghangelt, ohne zu einer wirklichen Pointe zu kommen, d.h. dem Kern der Angelegenheit. Wenigstens zwei sachliche Fehler konnte ich ausfindig machen: Im Sirenen-Kapitel wird der babylonische Gott Oannes mit Ea (auch bekannt als Enki) gleichgesetzt, was historisch falsch ist (vielmehr entspricht Oannes dem U-An der sumerischen Mythologie, einem von sieben Dienern Enkis). Das Göbekli-Tepe-Kapitel erwähnt indes ein „Sumerisches Reich“ – was es de facto nie gab, da die Sumerer zeitlebens eine Gruppe ziemlich unabhängiger Stadtstaaten waren, unter denen bestenfalls die Dominanz von einem bestand.
Auch wenn kaum jemals direkt angesprochen, schwebt permanent über allem das Gespenst der Präastronautik, d.h. der These, Außerirdische hätten die alten Kulturen beeinflusst, begründet für gewöhnlich durch die mehr oder minder fundierte These, jene seien von alleine nicht in der Lage zu solchen Leistungen gewesen. Bei Göbekli Tepe ist das ziemlich explizit, während in den übrigen Kapiteln oft fast verzweifelt versucht wird, dem ganzen etwas Unerklärliches abzugewinnen, ohne aber direkt solch große Thesen aufzustellen.

Fazit folglich: Diverse zum Teil sehr interessante Themen, aber oft handwerklich von mäßiger Qualität und zwanghaft mystisch dargestellt.

Ein Buch über das Thema Kulturverfall, dessen Name zu lang ist, ihn hier in Gänze zu nennen


Man ahnt nichts Böses, wenn man das Buch mit dem höchst wissenschaftlich klingenden Namen „Deutsche Geschichte und Ethik: Teil I. Der Kosmos der Geschichte 2. Nieder- und Untergänge“ von Hans Graeve kauft und aufschlägt. Der Klappentext verspricht „die erste bündige Gesamtdarstellung und schlüssige Deutung der Gründe des Scheiterns von Kulturen wie den Maya, Sumerern (Uruk, Lagasch, Ur), der Osterinsel, den Minoern, Mykenern, Hethitern, Teotihuacán, den Khmer und Alba Longa“. Tatsächlich ein interessantes Thema, jene Frage, weshalb so viele Hochkulturen so plötzlich verschwanden. Doch leider wird man beim Lesen schon schnell eines Besseren belehrt:
Es beginnt mit einer sehr umfangreichen „Vorbemerkung und Einführung“, in der sich der Autor zunächst einmal selbst feiert. So stellt er sein vorheriges Buch vor, in welchem er sich mit dem Thema Kulturblüten befasste, und erörtert allerlei Rezensionen zu ebendiesem. Dabei stellt er ganz bescheiden fest, dass der gesamte Wissenschaftsbetrieb ihn aus Gründen der Verblendung – schließlich stamme er selbst nicht aus dieser Kaste – ablehne, ohne auch nur seine tatsächlichen Thesen und Argumente zu untersuchen. Über jene erfährt man freilich auch von ihm noch nichts im Vorwort; es bleibt auf der unkonkreten Meta-Ebene. Hier schon beginnt der Leser eine gewisse Selbstverliebtheit des Autors zu vermuten. Umso tragischer sei diese Ablehnung und Inkompetenz der etablierten Wissenschaftler, wo doch sein „Nachweis der Existenz universaler Gehalte der Geschichte“ eine „größere Sensation [sei] als die Dingfestmachung des letzten Elementarteilchens, der experimentelle Nachweis des Higgs-Boson, oder auch als die Entdeckung von Spuren einstigen Lebens auf dem Mars, wenn es ein solches je gegeben haben sollte, mag die breitere Öffentlichkeit dies auch völlig anders sehen“. Dies wird im Folgenden weiter ausgeführt: „Welche gedankliche Revolution die Theorie der universalen ethischen Prozesse bedeutet […] zeigen die Verständnislosigkeit der gelehrten Welt und ihr fast schon demonstratives Desinteresse an dem grundsätzlichen universahistorischen Zusammenhang, den wir kennen“; auch sei das Buch „zusammen mit dem Vorgängerband der feste Kern einer fundierten Universalgeschichte, die auf der geistigen Einheit der Menschheit gründet“. Die eben genannte vermutete Selbstverliebtheit des Autors wandelt sich spätestens hier in die Gewissheit von absolutem Narzissmus, gar Hybris. Doch freilich könnte man sich mit einem Autor, dessen einziger Fehler ein großes Ego ist, noch anfreunden, bin ich doch selbst ein begeisterter Leser von H. P. Lovecraft, der sich zeitlebens für etwas Besseres hielt als andere Menschen. Doch beginnen wir nun mit der Erörterung der tatsächlichen Theorien des Buches.
Zuerst wird der Untergang der Maya samt den gängigen Theorien dafür erläutert. Diese klingen zunächst in ihrer Gesamtheit recht einleuchtend, doch haben all diese Wissenschaftler ihre Rechnung nicht mit dem prophetischen Genie Hans Graeve gemacht: All dies nämlich, so weiß jener, sei keine hinreichende Erklärung für den Untergang der Maya. Punkt. Es folgt das Beispiel der Osterinsel, auch hier eine einstige Hochkultur, die doch bei ihrer Entdeckung durch Europäer zu einem erstaunlich primitiven Volk degeneriert war. Graeve weiß es zu erklären: Wie schon bei den Maya können prinzipiell keine klimatischen, ökologischen oder sonst wie wissenschaftlich feststellbaren Gründe den Niedergang bewirkt haben. Vielmehr seien es, wie bei allen anderen Fällen von Kulturverfall auch, „moralische“ Gründe. Alles zuvor Genannte seien nämlich stets nur Symptome eines sittlichen Verfalls in Form einer Revision der bisher bestehenden sozialen Verhältnisse. Es wird klar, dass die Ansicht Graeves eine Ideologie ist, und zwar eine, die ein radikal konservatives Weltbild propagiert. Stets nämlich sei es Grund für den Niedergang einer Kultur, dass althergebrachte Religion und Herrschaftsstrukturen in Frage gestellt werden, daraus resultieren alle anderen Probleme wie etwa innere Unruhen und die mangelnde Verteidigungsfähigkeit gegen äußere Feinde. Lange Zeit wird kaum klar, was genau nun mit dem großartigen Ethos, der jeweils verfällt, gemeint ist; dies erschließt sich dem Leser nur nach und nach. Wieder und wieder wird dieser etwa charakterisiert durch Verzicht und Anstrengung, betont vor allem in Bezug auf selbstloses Engagement für das Gemeinwohl. In Bezug auf die Weltanschauung des Autors lässt sich dies, zynisch gesprochen, nur auf zwei Arten interpretieren: konservatives Christentum oder Faschismus. Vermutlich, so denke ich, dürfte es eine Mischung aus beidem sein, dafür spricht Einiges. Hier dürfte, wie man es schon sinnvollerweise in der Schule gelernt hat, eine sprachliche Analyse zielführend sein: Zweifellos ist der Stil wissenschaftlich, ja akademisch, doch gibt es immer wieder Elemente, die unangenehm hervorstechen. Da wäre etwa der Gebrauch der Bezeichnung „Barbaren“, wenn auch nur in Abgrenzung weniger entwickelter Nachbarvölker zu der aktuell niedergehenden Hochkultur. Wesentlich bezeichnender ist die wiederkehrende Verwendung des Wortes „Entartung“, gern auch als Verb verwendet, um die negativen Verfallserscheinungen der betrachteten Kulturen zu charakterisieren. Dass dieser Begriff, unabhängig von der sachlichen Angebrachtheit in einem bestimmten Kontext, stark ideologisch vorbelastet ist, dürfte zur Allgemeinbildung zählen. Schwerlich kann man diesen offensichtlichen Gebrauch der Lingua Tertii Imperii, der Sprache des Dritten Reiches, als unbewusste Fahrlässigkeit sehen, bedient sich der Autor doch ansonsten einer Sprache auf hohem Niveau.
Andererseits scheinen auch an anderer Stelle inmitten des so großartig recherchierten Fachwissens eindeutige Fehler durch. Während mir bei den meisten Kulturen die nötigen Kenntnisse fehlen, diese zu erkennen, sind sie mir in Bezug auf die Kulturen des alten Mesopotamiens offensichtlich: Es wird vom „später mythisch verklärte[n] Gilgamesch“ gesprochen – mir indes ist nicht bewusst, dass es jemals wirkliche Belege für einen historischen Gilgamesch gab, welcher hätte mythisch verklärt werden können, ist dieser doch nach aktueller Wissenschaftsmeinung eher eine rein mythische Gestalt. Auch wird vom „Heiligtum der Eanna, der Stadtgöttin Uruks“ geschrieben, unwissend, dass Eanna nicht der Name irgendeiner Göttin, sondern des Heiligtums selbst war (in dem übrigens die Götter Inanna und An verehrt wurden). Nicht zuletzt wird der sumerische König Urnammu ziemlich eindeutig mit der biblischen Figur des Nimrod identifiziert, wofür aber alle historischen Belege fehlen. Nichtsdestotrotz mangelt es Graeve nicht an Selbstvertrauen, ist er doch zu ganz außergewöhnlicher argumentativer Leistung in der Lage, wie sich immer wieder in unbelegten Aussagen wie „Das ergibt sich aus den ungeschminkten Tatsachen“ äußert. Überhaupt wird nicht sonderlich viel darauf gegeben, die eigene Theorie zu belegen. Aus dem Nichtvorhandensein anderer Indizien (dies sei einmal dahingestellt) wird etwa stets gefolgert, ein degenerativer Prozess im eigenen Sinne hätte vorliegen müssen (z.B. „Tatsächlich muss sich in Alba Longa in der fraglichen Zeit ein umfassender ethischer Umbruch universalgeschichtlichen Zuschnitts, der schließlich zu seiner Selbstauslöschung führte, vollzogen haben“). Liegen aber andere Indizien vor, so werden diese als nicht hinreichend bzw. bloße Symptome des moralischen Verfalls dargestellt. Indes wird in keinerlei Weise begründet, wieso diese „moralischen Verfehlungen“ (wie immer man sie definieren mag) nicht selbst Symptom des vorliegenden Niedergangs sein könnten. Hier sei noch ein weiteres schönes Zitat genannt: „Der Autor ist weder ein Maya- noch ein Osterinsel-Spezialist, weder ein Archäologe noch ein Botaniker. Um sich ein wissenschaftliches Urteil über die Gründe des Scheiterns dieser Kulturen zu bilden, ist das auch nicht erforderlich.“ Doch, ist es. Andernfalls – und genau dies ist hier der Fall – handelt es sich nur um eine ideologische Lehre (vergleichbar etwa dem Kommunismus oder dem Sozialdarwinismus) und somit um ein dogmatisches Wahnsystem, nicht aber um eine wissenschaftliche Theorie.
Doch kehren wir noch einmal zurück zum Thema Weltanschauung. Folgende Zitate dürften für sich sprechen:

„Der Schlüsselbereich der Ethik, die Geschlechtsmoral, verkümmert, die Sitten entarten. Das eigentlich menschliche wird nicht mehr in der Beherrschung animalischer Triebe, sondern in deren Auslebung gesucht.“

„In den USA halten die Bewohner des Mittleren Westens an traditionellen Werten fest und sind ohne Falsch. Die Menschen der Ostküste und New Yorks gelten ihnen als verderbt, ohne dass ein solches Urteil aus der Luft gegriffen wäre.“

„Dabei ist gerade die schöpferische Pflege der Geschichtswissenschaften eine bleibende Großtat des deutschen Geistes.“

Keineswegs machen solche Bemerkungen den Großteil des Buches aus, der Gehalt liegt nichtsdestotrotz in dem Postulat eines universalen Phänomens moralischer „Entartung“, die immer wieder Hochkulturen zu Fall gebracht hat. Zwar bezieht sich dies stets auf vergangene Kulturen, doch sind Parallelen zu Ereignissen der jüngsten Vergangenheit oft nicht zu übersehen. Die Beschreibung des frühen römischen Kaiserreiches mit dem angeblichen Niedergang der alten Aristokratie lässt etwa an die Russische Revolution und die Zeit des Stalinismus denken (Jener ist zweifellos abzulehnen, doch in diesem Zusammenhang sollte man unbedingt die traditionelle Abneigung christlich-konservativer und nationalistischer Bewegungen gegenüber dem Kommunismus im Hinterkopf behalten). Grundsätzlich wird postuliert, in solcherlei Umbruchzeiten gebe es stets zwei miteinander streitende Bewegungen: Die Konservativen, die die gute alte Ordnung und somit das Fortbestehen der Blütezeit verteidigen, und die „Progressisten“ (hier eindeutig pejorativ verwendet, u.a. festzustellen an dem „isten“ bzw. „istisch“), die in Überzeugung, eine grundsätzlich bessere Welt zu schaffen, den Untergang der Kultur besiegeln. Letztere übernehmen somit trotz fehlender Homogenität die Rolle des Feindbildes (es wäre ja auch schwer gewesen, Juden oder Araber für den Untergang der Maya verantwortlich zu machen). Die Erhaltung althergebrachter Machtstrukturen und der traditionellen Situation wird letztendlich per se als wünschenswert dargestellt. Bei allen rechtsextremen Elementen ist dem Autor jedoch zugutezuhalten, dass er doch auf das Element des Rassismus verzichtet und auch das (in etablierten Theorien immer wieder aufgegriffene und mitunter gar nicht so unbedeutende) Eindringen fremder (oft weniger entwickelter) Völker als nicht wirklich ursächlich ansieht. Ob freilich auch der religiöse Aspekt im Sinne des christlichen Konservativismus eine Rolle spielt, bleibt indes mehr oder weniger offen. Zwar werden immer wieder Materialismus und Naturalismus als negative Verfallserscheinungen charakterisiert und ebenso die jeweilige traditionelle Religion verherrlicht, doch konkrete metaphysische Glaubensinhalte bleiben aus.
Die Erkenntnis, hier das irrational-ideologische Werk eines extrem Konservativen, womöglich gar Rechtsradikalen vorliegen zu haben, bleibt. Bezeichnend, dass die (bisher) einzige Bewertung auf Amazon von einem Nutzer namens K. Waldschrat stammt und folgendermaßen lautet:

„Ein Buch das fasziniert: Wissen pur, genial, interessant, eine Lektüre der Superlative!!!!!
Alle Bücher muss man gelesen haben!!
P E R F E K T !!!!“

Wenn es sich dabei nicht gerade um den Autor selbst handelt, dann wohl um eine jener kulturellen Entartungen, die in diesem Buch angeprangert werden.

 

Anmerkung: Da ich die (mittlerweile nicht mehr erhältliche) e-book-Version des Titels erwarb, war es mir nicht möglich, die zahlreichen Zitate mit Seitenangaben auszustatten. Dies bitte ich zu entschuldigen.

 

NACHTRAG:
Hans Graeve, der geehrte Autor persönlich, hat bei Amazon auf diese Rezension geantwortet. Was wiederum eine über tausend Wörter lange Antwort samt Beleidigung auf Sumerisch nötig machte. Erläuterungen sind unnötig, hier ist der Link:
https://www.amazon.de/review/R3T0E54IMEQMZX/ref=cm_cr_dp_title?ie=UTF8&ASIN=3957440483&channel=detail-glance&nodeID=299956&store=books