Kritisches zur Grenzwissenschaft

Irrtümer und Fälschungen der Archäologie

Fand Heinrich Schliemann in Troia tatsächlich den Schatz des Priamos? Berichten Inschriften auf ägyptischen Skarabäen von der Erstumseglung Afrikas? Und wurde in Quedlinburg tatsächlich das Skelett eines Einhorns gefunden?
Vom 23.03. bis zum 09.09. fand im LWL-Museum für Archäologie in Herne die Ausstellung „Irrtümer und Fälschungen der Archäologie“ statt. Mit dabei: Zahlreiche Originale von mehr oder minder berühmten Funden der letzten Jahrhunderte, die sich als gefälscht oder falsch interpretiert herausstellten: Eine scheinbare „Bügelkrone“ aus einem Fürstengrab, die sich schließlich als Rand eines simplen Eimers entpuppte. Die sogenannten Necho-Skarabäen und zahlreiche andere neuzeitlich gefälschte ägyptische Altertümer, ebenso die vom Amateurarchäologen Johann Michael Kaufmann hergestellten „römischen“ Tonfiguren aus Rheinzabern. Die berühmte „Tiara des Saitaphernes“, deren Hersteller zwar außergewöhnlich begabt, doch kein Goldschmied der hellenistischen Zeit war. Ein Schädel, dessen Alter mal eben ein paar hunderttausend Jahre zu hoch datiert wurde, ein noch immer nicht identifiziertes Steinobjekt und nicht zuletzt eines der berühmten Hitlertagebücher des Fälschers Konrad Kujau. Allesamt Objekte, die ihrer Zeit manchen Archäologen und Historiker recht dumm dastehen ließen – und doch heute wieder von Interesse und wissenschaftshistorischer Relevanz sind. Highlight der Sammlung aber stellten – in Anlehnung an David Macaulays satirische Graphic Novel „Motel der Mysterien“ – eine Reihe von Funden dar, die der Archäologe Howard Carson im Jahre 4022 in einer Nekropole des untergegangenen Volkes der Yankees machte: Die durch ein magisches Siegel mit dem Bannspruch „Do not disturb“ verschlossene Grabkammer enthielt unter zahlreichen weiteren Funden etwa einen Altar (Fernseher), eine heilige Urne (Toilettenschüssel), mehrere wertvolle Ohrgehänge (Zahnbürsten) und ein magisches Amulett (Badewannenstöpsel).
Da es aber naturgemäß nicht jeder zu der (durchaus gelungenen) Ausstellung schaffen konnte und nicht zuletzt auch einige der Glücklichen ein gewisses Andenken begehren würden, erschien nebenher der gleichnamige und sehr schön aufgemachte Ausstellungskatalog. Das Werk ist in zwei Hälften geteilt: Die erste legt in relativ ausführlichen Kapiteln die Hintergründe zu den verschiedenen Themen der Funde dar, darunter auch eine Handvoll nicht in der Ausstellung vorkommende, die zweite Hälfte schließlich zeigt das gesamte Inventar der Ausstellungsstücke. An jenem Katalog ist nichts auszusetzen – ein jedes Objekt wird mit Foto, Grunddaten und einem erklärenden Text dargestellt, sodass man praktisch die gesamte Ausstellung in Buchform vorliegen hat. Und auch der Kapitelteil stellt sich als hervorragend heraus – jeweils von einem eigenen qualifizierten Forscher geschrieben, wird (mit Fußnoten!) fundiert und zugleich gut verständlich die Geschichte jedes Themas nacherzählt, von der mittelalterlichen Diskussion über Einhörner über die zahlreichen Fälschungen des 19. Jahrhunderts bis zu den Hitlertagebüchern und der fast noch aktuellen Affäre um den Schädel von Paderborn-Sande. Positiv hervorzuheben, obwohl natürlich in der zugrundeliegenden Ausstellung begründet, ist die Auswahl der Themen, von denen viele aus dem deutschen Raum stammen und trotzdem/daher weitgehend unbekannt sind, sodass man sich anstatt einer neuerlichen Exhumierung des Piltdown-Menschen und anderer „Klassiker“ interessanten neuen Funden konfrontiert sieht. Fachlich scheint nichts zu bemängeln sein; die Texte sind interessant und umfassend, Fragen bleiben keine offen. Einziger Durchhänger ist der Artikel um die „Würzburger Lügensteine“ (die nicht einmal in der Ausstellung auftauchten) – dieser ist völlig wirr und ohne konkreten roten Faden geschrieben, die Lügensteine selbst nur am Rande streifend, eine ziemliche Enttäuschung. Entschädigt wird man dafür immerhin durch einen recht guten Artikel über die ebenfalls nicht in der Ausstellung enthaltenen „Pseudo-Moabitica“.
Der Klassiker „Motel der Mysterien„, Grundlage für den humoristischen Einstieg der Ausstellung, ist passend zu dieser jüngst in einer neuen Ausgabe erschienen. Der Ausstellungskatalog stellt für diese indes eine hervorragende Ergänzung dar, indem er in einem Anfangskapitel auf zahlreiche Hintergründe des satirischen Werkes eingeht, so etwa die direkte Inspiration durch Bilder historischer Archäologen und die Veröffentlichungsgeschichte – hinzu kommt natürlich der Korpus der tatsächlichen Objekte im Objektteil.
Ausstellungskataloge gehören oft zu den Perlen archäologischer Literatur – und „Irrtümer und Fälschungen der Archäologie“ macht da keine Ausnahme. Eine hervorragende Einführung zu diversen spannenden Fällen der Wissenschaftsgeschichte, ergänzt durch einen umfassenden Katalog und die amüsanten „Motel der Mysterien“-Bezüge – letztlich bis auf das Lügenstein-Kapitel eine lohnenswerte Anschaffung für jeden an der Archäologie interessierten Leser.

Verbotene Ägyptologie

Schon Herodot war fasziniert von der uralten ägyptischen Hochkultur – und bis heute hat sich wenig daran geändert. So ist wohl auch keine andere Zivilisation mit so vielen grenz- und pseudowissenschaftlichen Theorien verbunden. Besonders die Pyramiden von Gizeh mussten schon für manchen erstaunlichen Zweck herhalten – als Kraftwerke, Kornspeicher, vorsintflutliche Archive oder gar Landemarkierungen für Außerirdische. Ein Paradefall für die grenzwissenschaftliche Ägyptenrezeption ist zweifellos das Werk „Verbotene Ägyptologie“ von Erdogan Ercivan. Die darin aufgestellten Thesen sind relativ schnell umrissen: Es gab schon vor Urzeiten eine hochtechnisierte Zivilisation als Vorläufer des antiken Ägypten, die etliche Jahrtausende vor die ersten bekannten Hochkulturen zurückreicht. Alle nennenswerten kulturellen Erfindungen wurden zuerst von dieser Kultur oder aber den Ägyptern gemacht, einschließlich Strom, Radioaktivität und der Entdeckung Amerikas und Australiens. Pyramiden und Sphinx sind natürlich viele Jahrtausende älter und auf keinen Fall von Cheops oder Chephren erbaut. Und bis heute gibt es systematische Bestrebungen, dieses Wissen zu unterdrücken, wobei die Vertreter der akademischen Wissenschaft keine Ahnung haben und/oder bewusst alle neuen Erkenntnisse vertuschen.

Wer nun auf den ersten Blick plausible Archäologie-Mystik im Stile Erich von Dänikens erwartet, wird herbe enttäuscht – diese Qualität nämlich erreicht Ercivan bei weitem nicht. So scheitert sein Werk zunächst einmal schon an der Form: Es gibt nicht wirklich abgegrenzte Kapitel oder Argumentationsgänge – vielmehr wird rein assoziativ von einem Gedanken zum benachbarten nächsten gesprungen, wie man es normalerweise allenfalls in einem Einleitungskapitel praktiziert: A ist so, A hängt zusammen mit B, B erinnert an C, in Quelle C fand man aber auch Information D … Insofern enthält das Buch zwar sehr viele, auch richtige Informationen zu unserer Vorgeschichte – doch sind diese zumeist für die (sollte man meinen) zugrundeliegende Argumentation völlig irrelevant. Oft wird gar nicht klar, was genau Ercivan mit einer Information eigentlich belegen will – stringente Beweisführungen sucht man weitgehend vergebens.

So dauert es auch über hundert Seiten, bis erstmalig tatsächlich (mutmaßliche) Funde präsentiert werden, die das etablierte wissenschaftliche Weltbild ins Wanken bringen könnten; bis dahin bleibt es überwiegend bei Behauptungen, Suggestivfragen und traditionell verschwörungstheoretischem Wissenschaftler-Bashing. Dabei kristallisieren sich einige charakteristische Argumentationsmuster heraus: Etwas hat irgendwie Ähnlichkeit zu einem Sachverhalt der altägyptischen Kultur, also stammt es ursprünglich aus dieser. Ein Wort klingt ähnlich wie ein beliebiges ägyptisches Wort, also ist das Ding eine ägyptische Erfindung – und die Bedeutung des ägyptischen Wortes verrät weiteres über seine Eigenschaften. Irgendetwas wurde irgendwann einmal von einem Wissenschaftler geschrieben – also kann man es je nach Fasson als unzweifelhaftes Faktum oder als Beweis für den Irrtum der gesamten wissenschaftlichen Zunft sehen. Eine weitere Eigenart Ercivans ist es, kuriose und beeindruckende, aber tatsächlich von niemandem in Frage gestellte Fakten als revolutionäre Erkenntnisse zu präsentieren, die die Wissenschaft nicht wahrhaben wolle – so beispielsweise die Zählsteine des altorientalischen Neolithikums (111), astronomische Kenntnisse und Schädeltrepanation in der Steinzeit etc. Wenn neue Funde alte Theorien widerlegen (das Grundprinzip der Wissenschaft), so stellt er dies suggestiv als Belege gegen die wissenschaftliche Lehrmeinung dar (die sich den neuen Belegen ja meist einfach anpasste).
Die sogenannte „Verbotene Archäologie“, mir zuvor nur als sensationsheischende Genre-Bezeichnung innerhalb der Grenzwissenschaften bekannt, ist Ercivan zufolge eine fast schon institutionalisierte Wissenschaft, die nur von einer kleinen Gruppe Eingeweihter praktiziert wird, welche sich an „vorherbestimmten Treffpunkten“ zur Diskussion kontroverser Funde zusammensetzen (92, 97). solcherlei verschwörungstheoretisches Gedankengut von geheimen Fraktionen und verheimlichten Fakten (natürlich nicht ohne im Kontext irrelevante Erwähnung der Freimaurer) zieht sich durch das ganze Buch.

Wo tatsächlich einmal Funde genannt werden, die den Theorien des wissenschaftlichen Mainstreams direkt widersprechen, da fehlen Quellen oder sind denkbar unscharf: „Darüber hinaus ist mir aus sicherer Quelle bekannt, daß in Gisr-el-Mudir eine unterirdische Anlage mit Tempelsäulen entdeckt wurde, die mit einem modern anmutenden Hydraulikmechanismus ausgestattet sind“ (93). Zwar gibt es sogar ziemlich häufig wörtliche Zitate im Text, von Wissenschaftlern und aus alten Überlieferungen – doch nur seltenst werden die exakten Quellen genannt, was diese Aussprüche faktisch unbrauchbar macht. Einzig Papyri werden öfters spezifisch benannt, mesopotamische Überlieferungen oder Aussagen von Wissenschaftlern hingegen nie. Aussagen von Wissenschaftlern gibt es dabei sehr wohl, bisweilen auch kritische – doch werden jene, selbst wenn sie Argumente nennen, stets trivial beiseite gewischt, allenfalls noch durch implizierte Verschwörungsthesen abgelehnt, während bestätigende Aussagen stets für bare Münze genommen werden, auch und gerade wenn sie nur Behauptungen und keine Argumente enthalten.
Auch wenn der Großteil des Buches aus rein assoziativ verbundenen Informationen ohne wirklichen argumentativen Wert besteht, so nennt Ercivan doch schließlich in der Tat einige Funde, die, wenn die vorgebrachten Aussagen stimmen, so manche bisherige Vorstellung von der Menschheitsgeschichte über den Haufen werfen würden. Darunter sind einerseits einige Klassiker, die immer wieder in den Grenzwissenschaften zitiert werden – wie die „Glühbirnen von Dendera“ und das Yonaguni-Monument -, aber auch einige, von denen ich zuvor nicht gehört hatte. Bei jenen handelt es sich überwiegend um Gebäude oder Schriftdenkmäler, denen schlichtweg ein wesentlich höheres Alter zugeschrieben wird als bislang, was sie jeweils in gewisse Perioden der Steinzeit (bzw. der hypothetischen vorzeitlichen Hochkultur) datieren würde. Dazu kann man jedoch in der Regel erst einmal wenig sagen, denn es fehlen explizite und verlässliche Quellen für die vorgebrachten Informationen. Sicherlich würde sich eine nähere Untersuchung und Diskussion so mancher dieser Funde lohnen – doch ist der Autor offensichtlich weder willens noch fähig dazu, zumal dies dem populärwissenschaftlichen Anspruch des Werkes schaden könnte. Manche Funde wie etwa das Megalithgrab von Newgrange werden zwar recht ausführlich dargestellt, bei anderen aber wundert die trotz potentiell revolutionärem Gehalt sehr oberflächliche, ja nebensächliche Darstellung (z.B. 144: Ägypter experimentierten mit Radioaktivität).

Und wie es in den Grenzwissenschaften Sitte ist, wenngleich nicht zwangsläufig so extrem, gilt bei Ercivan doch grundsätzlich jede Überlieferung oder These als glaubwürdig, wenn sie nur ein gewisses Alter hat. Seien es antike Mythen – oder auch andere alte, doch nicht SO alte Aussagen wie die eines arabischen Historikers des Mittelalters über die Pyramiden und die Sphinx sowie eines englischen Hofarchitekten des 16. Jhds. über die Ursprünge von Stonehenge (zu deren Zeiten die wahre Bedeutung der Monumente längst vergessen war). Keine Stelle aber bringt seinen Umgang mit Quellen besser auf den Punkt als folgende:

„Bezeichnenderweise will sich kein Wissenschaftler mit Reputation mit den in Mythen überlieferten Fakten ernsthaft beschäftigen. Dabei hätten sie durchaus eine Legitimation dafür. Denn bereits 1865 [sic!] schrieb der hochangesehene Professor Alfred Wollheim da Fonseca über seine unzähligen Untersuchungen zur Mythologie: ‚Derjenige hat keine Ahnung von der Bedeutung, der hier nur unsinnige Fabeln und schöne Allegorien erblickt. Die Mythologie ist etwa ganz anderes: Sie ist der erhabenste Ausdruck der erhabensten Wahrheit. Eigentlich ist sie sogar weit mehr: Sie ist auch die Urgeschichte der Menschheit.“ (133-134)

Merke: Wenn ein Mann vor über hundert Jahren in einem protowissenschaftlichen Zeitalter Mythen sehr erhaben fand, dann musst auch du sie ernst nehmen. Was Erdogan Ercivan indes von den von mir hier so sehnsüchtig bemühten wissenschaftlichen Standards hält, wird an anderer Stelle klar:

„Deshalb wimmelt es in philologischen Fachbüchern von Erläuterungen und der heutigen Gesellschaftsordnung angepaßten Interpretationsversuchen der Gelehrten, die entweder in eckigen Klammern stehen oder in den sogenannten Fußnotenteil verbannt werden. Der interessierte Leser versinkt bei seinem Studium an diesen Textüberlieferungen im tiefen Morast akademischer Wichtigtuerei!“

Abseits all dieser vielen methodischen Unschönheiten finden sich jedoch auch simple Sachfehler in dem Buch: Seite 56 etwa zeigt einen bekannten sumerischen Statuenkopf, ohne jede Begründung als „Das älteste Volk von Jericho“ betitelt (nein, die Sumerer hatten nichts zu suchen im Jahrtausende vor ihnen florierenden Jericho). Laut Seite 65 stammen Schnabeltiere von Nagern ab (aber wieso legen sie dann Eier?). Das babylonische Epos Enuma Eliš ordnet er völlig anachronistisch den (viel früheren) Sumerern zu (127), den Unhold Humbaba aus dem Gilgamesch-Epos beschreibt er entgegen den Überlieferungen als „feurigen Stier“ und zeigt dazu noch zwei Siegelbilder ohne jede Verbindung zum Gilgamesch-Epos (148f). Soweit nur einige, die direkt ins Auge springen.

Was also bleibt im Fazit? Erdogan Ercivan nennt in der Tat eine ganze Reihe faszinierender Funde und Überlieferungen. Indes machen es seine selektive Auswahl von Fakten, selektive und willkürliche Quellenbewertung, der Hang zur Postulierung von Zusammenhängen auf rein assoziativer Basis, zutiefst dogmatisch-verschwörungstheoretisches Gedankengut sowie vor allem das grundsätzliche Fehlen konkreter Belege unmöglich, irgendetwas von all dem ohne aufwendige eigene Recherchen ernst zu nehmen, selbst wenn es einem gelänge, aus der völlig unübersichtlichen und zusammenhanglosen Textstruktur ohne jeden roten Faden einen konkreten Gehalt zu extrahieren. Ein Buch also, das mehr über geistige Strömungen unserer Zeit aussagt als über das Zeitalter der alten Ägypter.

Michael Tellinger und die Anunnaki in Afrika: Kritik

Die sumerischen Götter waren tatsächlich Außerirdische – das wissen wir spätestens seit Zecharia Sitchins Präastronautik-Klassiker “Der zwölfte Planet“. Anunnaki nannten die alten Sumerer und Babylonier diese Besucher, die vor über 400 000 Jahren von ihrem Heimatplaneten Nibiru, der auf einer elliptischen Umlaufbahn von 3 600 Jahren die Sonne umrundet, zur Erde kamen und dort mittels Gentechnik den modernen Menschen schufen, auf dass dieser an ihrer statt die Mühsal des Bergbaus ertrage. All dies geht aus den uralten Keilschrifttexten der Sumerer hervor – meint zumindest Sitchin. Und mittlerweile eine ganze Reihe weiterer selbsternannter Forscher, die den Mut fanden, auch gegen die Dogmen der ignoranten Schulwissenschaft den Geheimnissen der Anunnaki nachzuspüren.
Einer dieser Herren ist Michael Tellinger, nach Klappentext des Kopp-Verlages „Autor, Wissenschaftler und Forscher“, der gleich zwei Bücher zum Thema verfasste: In “Die Sklavenrasse der Götter“ erklärt er, wie die Anunnaki den sumerischen Tontafeln (sprich: den zweifelhaften Behauptungen Zecharia Sitchins) zufolge den Menschen als Arbeitssklaven schufen und ihm ein ganzes Paket genetischer Deformationen mit auf den Weg gaben, von denen Grausamkeit, Sklaverei und Gier nach Gold nur einige sind. Im zweiten Buch “Die afrikanischen Tempel der Anunnaki“ meint Tellinger sogar, die von Sitchin postulierten Goldminen und Monumente der Anunnaki in Südafrika gefunden zu haben, und präsentiert dem interessierten Leser stolz einen farbenfrohen Bildband voller uralter Steinkreise. Endlich die von uns allen ersehnte Offenbarung über die lange verheimlichten Ursprünge der Menschheit? Oder doch nur das wirre Werk eines Autors, der bestenfalls als drittklassiges Imitat eines in der Fachwelt verspotteten Pseudowissenschaftlers gelten kann? Die nähere Untersuchung der beiden Werke tendiert stark zu letzterem Urteil.

Im Falle dieser beiden Bücher war es mit einfachen Rezensionen nicht getan – zu groß ist das Ausmaß der darin zur Schau gestellten fachlichen Inkompetenz, zu leicht und verführerisch die gnadenlose Widerlegung durch die Wissenschaft. So entstand nach der Lektüre von „Die Sklavenrasse der Götter“ („Die afrikanischen Tempel der Anunnaki“ hatte ich schon zuvor gelesen und kommentiert) eine umfangreiche Replik – zu den Thesen der Bücher, der Methodik des Autors, seinen Fehlern und nicht zuletzt dem überschaubaren wissenschaftlichen Gehalt.

Herunterzuladen ist das 27-Seiten-Werk genau hier: Michael Tellinger und die Anunnaki in Afrika

Wie schon mein Artikel zum Serapeum von Sakkara wurde auch diese Kritik auf der kritischen Infoseite Mysteria3000 veröffentlicht, wenn auch der Länge wegen in drei Teilen:

Teil I / Teil II / Teil III

Tore zur Unterwelt: Das Geheimnis der unterirdischen Gänge aus uralter Zeit

Unsere Welt birgt viele Rätsel. Doch kann es sein, dass in Österreich, also fast schon vor unserer Haustür, der Erdboden durchzogen ist von teils kilometerlangen Gängen, penibel in den harten Stein gehauen, so alt, dass niemand weiß, wer sie erbaut hat? Heinrich und Ingrid Kusch jedenfalls sind dieser Ansicht und haben dem mysteriösen Phänomen der „Erdställe“ ein hübsch aufgemachtes Buch gewidmet, „Tore zur Unterwelt“ (später folgte noch ein zweiter Band „Versiegelte Unterwelt“).
Und tatsächlich, das Werk macht auf den ersten Blick einen seriösen Eindruck: Keine Aliens oder andere plakative Thesen, nicht im Kopp-Verlag erschienen, die Autoren sind beides Wissenschaftler mit akademischer Vorgeschichte und Position.
Und in der Tat, das Phänomen der Erdställe ist real (was auch eigentlich niemand abstreitet). Unter zahlreichen Häusern insbesondere in der Steiermark finden sich niedrige Tunnel, oft mit engen Schlupflöchern, die geradewegs mitten hinein in den Fels führen. Schon seit über hundert Jahren wird darüber geforscht; die Wissenschaft favorisiert einen Ursprung als „Schutzräume“, in die sich die Bewohner etwa bei Überfällen zurückziehen konnten. Eine Annahme, die schwerlich der teils hunderte von Metern oder gar Kilometer langen Tunnel gerecht wird, die die Kuschs in ihrem Buch beschreiben, zumal sich aus dem Mittelalter keine schriftlichen Quellen zu ihrer Entstehung finden. Mehr noch, vor kurzem soll im alten Stift Vorau eine Karte aufgetaucht sein, die ein ganzes Tunnelsystem unter der Ortschaft skizziert. Und kann es ein Zufall sein, dass die weiten unterirdischen Tunnel sich mit zahlreichen darüber aufgestellten Lochsteinen, Menhiren der Megalithzeit, decken?
Wer das Buch so liest, ohne sich ganz genau auf alle Einzelheiten zu konzentrieren, der bekommt in der Tat den Eindruck, hier habe man ein archäologisches Rätsel aus grauer Vorzeit vor sich, das noch am ehesten von einer verschwunden Hochkultur zeugt, die es niemals gegeben haben dürfte. (Aliens? Atlantis? Zwerge? Das bleibt der eigenen Fantasie überlassen.) Doch bei näherer Betrachtung fallen einem gewisse Unstimmigkeiten auf. Worauf basiert die dreidimensionale Grafik der Gänge unter Stift Vorau, wenn diese doch, wie im Text erwähnt, alle mit Erdreich verfüllt und daher unzugänglich sind? Woher kennen die Autoren die Maße eines unterirdischen Raumes, der nur mit einer Bohrung angeschnitten wurde? Wieso gibt es keine trockenen Zahlen und unverständliche Bilanzen naturwissenschaftlicher Untersuchungsmethoden wie Bodenradar oder Radiokarbondatierung?
Im Endeffekt stellt sich heraus, dass es sich bei dem gesamten Werk, obwohl schön aufgemacht mit den zahlreichen Fotos, um vollkommenen Murks handelt. Denn keiner der ewig langen, von den Kuschs so detailreich ausgemalten Gänge wurde wirklich betreten, geschweige denn mit wissenschaftlichen Methoden geortet. Vielmehr, das scheint im Buch nur peripher durch, wird jedoch durch Vorträge und andere Aussagen der Kuschs bestätigt, sind all diese Gänge mithilfe „radiästhetischer Untersuchungen“ – will heißen: mit der Wünschelrute – „gemutet“ worden. Im Klartext: Diese Gänge existieren nur in der Einbildung der Esoteriker, die an diese pseudowissenschaftliche Methode glauben. Es gibt keinerlei wissenschaftlichen Beleg – weder für die Länge der Gänge, noch ihren Zusammenhang mit den Lochsteinen, noch für ihr angebliches Alter, ja meistens nicht einmal für ihre Existenz. Aber was ist mit all den Fotos? Diese zeigen, teils ganz vermischt, verschiedene Gänge aus den letzten tausend Jahren, auf dem Cover etwa einen rund 300 Jahre alten, sprich neuzeitlichen, Wassergang. Die Erdställe indes, denn diese existieren tatsächlich, stammen aus dem Mittelalter, wie inzwischen durch Radiokarbondatierungen ziemlich zweifelsfrei erwiesen wurde, und sind nicht ansatzweise so lang und verzweigt wie die im Buch postulierten Gänge. Soweit die oberflächliche Kurzfassung der Fakten. Der Erdstallforscher Josef Weichenberger schrieb einen umfangreichen Kommentar zu dem Buch, in dem er dieses penibel auseinandernimmt, worauf zur näheren Beschäftigung verwiesen sei: http://www.erdstallforschung.at/?p=797
„Tore zur Unterwelt“ ist also ein pseudowissenschaftliches Buch – und gerade deshalb so verführerisch glaubwürdig auf den ersten Blick, weil es eben nicht mit plakativen Behauptungen von Aliens, Riesen und kosmischen Katastrophen hausieren geht wie die meisten Werke des Genres, und weil die pseudowissenschaftliche Methodik sich nur allzu leicht überlesen lässt. Der Autor Heinrich Kusch soll, wenn man verschiedenen Sekundärquellen im Internet glauben kann, auch einmal in einem Vortrag die Überzeugung geäußert haben, er werde infolge seiner Forschungen von vorzeitlichen Echsenmenschen verfolgt – doch davon merkt man kaum etwas im Buch selbst. Ein Werk, das lehrreich ist wie kaum ein anderes – wenn es um die Erkenntnis geht, wie leicht man durch ein Buch manipuliert werden kann.

Monstersärge und Pseudomumien – Kontroversen um ägyptische Stierbestattungen

Vor kurzem wurde mein erster Sachtext (außerhalb dieser Website) veröffentlicht! 

Die riesigen Steinsarkophage im Serapeum von Sakkara gelten der Geschichtswissenschaft als Begräbnisstätte der heiligen Apis-Stiere. Erich von Däniken und weitere Grenzwissenschaftler sind da anderer Ansicht, fand sich doch anstatt kompletter Stiermumien allenfalls eine bituminöse Masse voller zerbrochener Knochensplitter darin. Wurden im Serapeum etwa gefürchtete Mischwesen bestattet – oder gibt es eine naheliegendere Erklärung für solch groteske Bestattungsformen? 

Der Artikel entstand infolge eines Referates zu selbigem Thema, das ich in der Uni (Einführung in die ägyptische Archäologie und Denkmälerkunde) hielt – ergänzt durch einige zusätzliche Infos, die sich in der Zwischenzeit auftaten, nunmehr mit der Diskussion der grenzwissenschaftlichen Theorien im Zentrum. Bei der Suche nach einem geeigneten Medium zur Publikation stieß ich auf den kritischen Blog Mysteria3000, der den Text auch gleich veröffentlichte.

Hier online zu lesen:

Monstersärge und Pseudomumien

Und hier zum Download: Monstersärge und Pseudomumien

 

Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Egipto,_1882_“Sepulcro_de_Apis“_(20814894493).jpg

Die Zivilisation der Göttin

Bildergebnis für die zivilisation der göttinUnzählige Relikte der jungsteinzeitlichen Kulturen Europas wurden von Archäologen zu Tage gefördert, systematisiert, interpretiert – und doch ist vieles über unsere Vorgeschichte nach wie vor umstritten. Einen zweifellos beeindruckenden und wichtigen, wenngleich kontroversen Beitrag dazu liefert „Die Zivilisation der Göttin“ von Marija Gimbutas. Dabei handelt es sich buchstäblich um ein Monumentalwerk: Auf 400 dreispaltigen Seiten Text zuzüglich einem fast 150-seitigen Anhang wird praktisch das ganze Neolithikum Europas dargestellt – von Vinca, Karanowo und anderen Kulturen auf dem Balkan des 6. Jahrtausends vor Christus, Linienbandkeramik und Trichterbecher-Kultur in Mitteleuropa, Malta mit seinen beeindruckenden Megalithtempeln und den Erbauern von Henges und Hofgräbern in Britannien bis hin zu den wenig bekannten Kulturen des westlichen Mittelmeerraumes. Eingegangen wird dabei gleichsam auf die typische Keramik, Architektur, Begräbnisarten – und Religion und Gesellschaft. Ebendiese beiden letzten Punkte sind es, in denen die Autorin sich vom weitgehenden Mainstream der Wissenschaft abwendet und ein, nennen wir es alternatives, System der europäischen Vorgeschichte entwirft. Der Kern dessen ist, was populärwissenschaftlich gerne als „Matriarchatstheorien“ bezeichnet wird (ein Begriff, den Gimbutas selbst nicht verwendet und der das weite Feld der Angelegenheit wohl unzureichend charakterisiert): Ihr zufolge war die dominierende Religion des europäischen Neolithikums die Verehrung einer Göttin in verschiedenen Formen (vielleicht auch mehrerer), begleitet von einer nicht-patriarchalischen Sozialstruktur, in der auch und gerade Frauen zentrale Rollen in Kult und Gesellschaft innehatten. Dieses durchweg friedliche „alte Europa“ endete schließlich durch drei Invasionsströme indoeuropäischer, patriarchalisch veranlagter Steppennomaden aus dem heutigen Russland. Nur zur Erinnerung: Marija Gimbutas war in der Tat eine anerkannte Koryphäe ihres Faches (sie entwickelte u.a. die Kurganhypothese und leitete mehrere Ausgrabungen auf dem Balkan), was man auch an dem beträchtlichen Detailwissen das ganze Buch hindurch erkennt. Was also ist zu halten von der Religion der „Großen Göttin“, der „matrifokalen“/“matrilinearen“ Gesellschaft und der schlussendlichen Kurgan-Invasion? Handelt es sich um eine wissenschaftliche Revolution oder doch nur um eine Instrumentalisierung der Vergangenheit als Projektionsfläche für moderne Konflikte?
Mir fehlt es zweifellos an Fachwissen, die einzelnen Sachdetails der dargestellten Ausgrabungsbefunde zu kritisieren. Soweit beurteilbar, ist der Autorin diesbezüglich nichts vorzuwerfen. Anders jedoch, wenn es an das Thema Religion geht: Die zu diesem Thema vorgebrachten, als Tatsachen oder zwangsläufige Schlussfolgerungen verkauften Thesen sind letztlich nichts als Fantasie. Ja, Figuren und Darstellungen weiblichen Geschlechts mit deutlich betonten Geschlechtsorganen sind in großer Zahl aus jenen Kulturen belegt, was in der Tat einen Göttinnen- bzw. Fruchtbarkeitskult nahelegt. Doch Gimbutas geht weiter: Fast alles ist bei ihr irgendwie ein Symbol für Wiedergeburt und Lebenserneuerung, jede große Nase identifiziert eine Figur eindeutig als Vogelgöttin, jede weiß gefärbte Frauenstatuette ist die Göttin des Todes und der zyklischen Wiederauferstehung. Belege dafür? Keine. Vieles mag in Ansätzen berechtigte Hypothesen ergeben, doch weder die Sicherheit noch die expliziten Details, die Gimbutas darlegt, lassen sich an den Funden festmachen. So ist letztlich auch die weiblich geprägte Gesellschaft zwar denkbar, aber letztlich eine Fiktion – einziges Indiz dafür sind die fehlenden Geschlechtsdisparitäten in den neolithischen Gräbern, was allenfalls eine gewisse Gleichberechtigung denkbar erscheinen lässt, wenn auch nicht sicher belegt. Wahrlich utopisch erscheint die Vision einer schier pazifistischen Gesellschaft in damaliger Zeit. Es dürfte naheliegend sein, dass vor der Erfindung der Metallwirtschaft bei allgemein kleineren politischen Strukturen eine weniger hierarchische Gesellschaft bestand, was Kriege und andere strukturelle Konflikte begrenzte. Doch absoluter Friede scheint nicht nur dem gesunden Menschenverstand bei allgemeiner Anschauung aller bekannten historischen Kulturen zu widersprechen, auch die archäologischen Funde sprechen teils eine andere Sprache (Stichwort: Massaker von Asparn/Schletz). Auch die These der Kurgan-Invasion ist von verschiedenen Wissenschaftlern zurückgewiesen worden, wobei mir selbst die fachliche Qualifikation zur Beurteilung fehlt. Zu erwähnen ist zu guter Letzt, dass Gimbutas das ganze Alteuropa als mehr oder weniger einheitlichen Kulturraum darstellt, der sich zumindest in Sachen Religion und Gesellschaft ganz homogen als Ganzes betrachten lässt – ein sehr zweifelhafter Ansatz, wenn es um die mehr als dreitausendjährige Geschichte eines ganzen Kontinents geht.
Letztlich also sind religiöse Vorstellungen und Gesellschaftsmodell, wie sie Marija Gimbutas präsentiert, zwar zum Teil denkbare, aber letztlich gegenstandslose, weil weitgehend unbegründete Hypothesen. Zugutehalten muss man dem Buch jedoch, dass es, veranschaulicht an zahlreichen Bildern,  einen breiten und umfangreichen Überblick über die faszinierenden Kulturen des europäischen Neolithikums bietet. Hochinteressant etwa sind auch die Ausführungen zur schon im 6. Jt. v. Chr. entstandenen (Proto?-)Schrift der Vinca-Kultur oder auch dem Ursprung der minoischen Kultur Kretas. Nicht zuletzt übt sich an diesem Buch auch die Fähigkeit des quellenkritischen Lesens, wobei das schwerlich als Kompliment zu werten ist. Die darin vertretenen Thesen mögen zu kritisieren sein, doch lesenswert ist das Werk zweifellos.

Das Rätsel der Donauzivilisation

Die ersten Hochkulturen, das waren die Ägypter, Sumerer, vielleicht noch Elamer (wobei die allzu gerne vergessen werden). Doch eine wird stets unterschlagen – meint zumindest der Sprachforscher Harald Haarmann. Die Rede ist von der von ihm postulierten „Donauzivilisation“. Bereits im Neolithikum ab 6.000 v. Chr. soll auf dem Balkan eine beeindruckend hoch entwickelte Kultur existiert haben, die bereits lange vor den Sumerern die Verarbeitung von Metall, die Töpferscheibe und sogar die Schrift gekannt habe.
Freilich – Haarmann Thesen werden von der Fachwelt weitgehend zurückgewiesen, obgleich man ihn immerhin nicht in die Reihe der Pseudowissenschaftler und Geschichtsrevisionisten zählt. Was also ist zu halten von jener ominösen vorgeschichtlichen Kultur des Balkans?
Es handelt sich jedenfalls nicht um eine jener nie entdeckten, untergegangenen Zivilisation in Tradition von Atlantis und Lemuria, sondern vielmehr um einen Oberbegriff für mehrere archäologisch nachgewiesene Regionalkulturen (darunter etwa Winca, Karanovo und Cucuteni), die der Ur- und Frühgeschichte eigentlich wohlbekannt sind. Das Buch „Das Rätsel der Donauzivilisation – Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas“ gibt einen interessanten, weitgehend allgemeinverständlichen Einblick in diese. Präzise erläutert Haarmann etwa Architektur und Kleinkunst, soweit sie durch Ausgrabungen belegt sind. Auch zeigt der Sprachforscher etliche Wörter des Altgriechischen auf, manche von denen nur allzu bekannt, die sich als ein vorgriechisches (d.h. nicht indogermanisches) Erbe direkt von dieser „alteuropäischen“ Kultur herleiten. So weit, so interessant, so wenig revolutionär.
Worum also geht es bei den spezifisch neuen Aspekten Haarmanns und wie sind diese zu bewerten? Da wäre zum einen, ganz maßgeblich, die Schrift. Der wissenschaftliche Konsens geht dahin, die sogenannten Winca-Zeichen, die ganze zwei Jahrtausende vor der Keilschrift auftraten, nicht als vollwertige Schrift zu klassifizieren. Darüber kann man wohl streiten. Ich wage diesbezüglich zu behaupten, dass es sich um eine eher sinnlose Diskussion handelt, da der Übergang von primitiven Symbolsystemen zur richtigen Schrift wohl als fließend anzusehen ist – auch mit den ersten Keilschriftzeichen konnte man noch keine richtigen Texte schreiben.
Und dann wäre da noch der Aspekt der Kultur mit besonderem Fokus auf der Religion. Hier tritt der ansonsten relativ empirische Haarmann auf ganzer Linie aufs Glatteis. Aus rudimentären Fundstücken will er auf allerlei ziemlich explizite kultische und religiöse Bräuche und Vorstellungen schließen, die allesamt durchaus denkbar sind, aber schwerlich eindeutig aus den Funden hervorgehen. Auch seine Annahmen einer weitgehend egalitären und friedlichen Gesellschaft mit Gleichberechtigung der Geschlechter bis hin zu einer Sonderstellung der Frauen scheinen eher Wunschdenken denn archäologisch nachweisbare Fakten zu repräentieren – hier scheint deutlich die Tradition von Marija Gimbutas und anderen Vertretern der populärwissenschaftlich oft so genannten „Matriarchatstheorien“ durch (ein nicht ganz treffender Begriff, aber doch der damit am meisten assoziierte). Auffällig ist die allzu positive Darstellung der Donauzivilisation, was fast an die Konstruktion einer Utopie in ferner Vergangenheit denken lässt.
Es bleibt zudem ein weiterer Kritikpunkt: Obwohl Haarmann tatsächlich eine Minderheitsmeinung vertritt, präsentiert er alles so, als handle es sich dabei ganz um den allgemein etablierten Konsens, wie er unbestreitbar aus den neuesten Erkenntnissen hervorgegangen sei. Das erschwert für all jene, die das Buch ohne zumindest oberflächliches Vorwissen lesen, leider das Aufkommen quellenkritischer Aufmerksamkeit – stattdessen wird der laienhafte Leser glauben, Haarmann spräche repräsentativ für die ganze Zunft der Wissenschaft. Das gilt auch etwa für die These des Schwarzmeer-Durchbruchs als Ursprung sämtlicher Sintflut-Mythen, was gleichsam umstritten ist.
Im Fazit also macht „Das Rätsel der Donauzivilisation“ eine ziemlich mittelmäßige Figur: Ja, definitiv ist das Buch informativ, bietet es doch eine Einführung in eine höchst interessante, doch wenig bekannte alte Kultur. Das aber kann leider nur unter der Voraussetzung quellenkritischer Kompetenzen beim Leser geleistet werden, denn zu einem weiten Teil besteht das Werk aus bloßen eher unbelegten Spekulationen, die als wissenschaftlich etablierte Tatsachen präsentiert werden. Für einen Kenner der Ur- und Frühgeschichte, vor allem nach Lektüre dieser oder einer vergleichbaren Rezension, dürfte das Buch sehr wohl von Wert sein – bei Leichtgläubigen indes könnte es mehr Fehlvorstellungen als Bildung vermitteln.

Mein Vater war ein MiB

„Mein Vater war ein MiB“ – ein sicher kontroverses Buch. All die gehirngewaschenen Systemsklaven werden es sicher gleich wieder als bloße Verschwörungstheorien abtun, ohne sich damit je näher auseinandergesetzt zu haben – da sieht man, welch gute Arbeit SIE geleistet haben! Tatsächlich nämlich handelt es sich um das größte Enthüllungswerk unseres Zeitalters, das uns endlich in all jene Geheimnisse einweiht, die die Regierungen und ihre Verbündeten immer vor uns verbergen wollten!
Und wer ist für all das qualifizierter als der Autor Jason Mason, dessen eigener Vater schließlich ein Mitglied der MiB (Men in Black) war? Ja, richtig, genau jene Men in Black, die seit Jahrzehnten versuchen, im Auftrag der reptiloid-satanistischen Illuminaten-Mafia die Wahrheit über UFOs und all das andere zu verbergen, von dem wir nichts wissen sollen! Und nicht nur das: Als Herausgeber fungiert niemand geringerer als der legendäre Enthüllungsjournalist Jan van Helsing – eine solche Koryphäe auf seinem Gebiet, dass bereits mehrere seiner Bücher wegen angeblich antisemitischem Inhalt verboten wurden! Was natürlich eine absolut lächerliche Beschuldigung ist. Wer dieses Buch liest, der lernt doch schnell, dass die Juden tatsächlich gar keine „Semiten“ sind, sondern vom Volk der Khasaren abstammen, die im Mittelalter zum Judentum konvertierten, um ihre satanistischen Machenschaften vor der Welt zu verbergen. Aber das ist tatsächlich gar nicht einmal das Hauptthema des vorliegenden Buches – ebenso wenig die Men in Black, denen im Wesentlichen das erste Kapitel gewidmet ist. Nein, hier wird ALLES aufgeklärt, was die khasaro-jüdischen Jesuiten-Nazis vor uns zu verbergen versuchten: die Wahrheit über die Verschwörung zur Errichtung einer Neuen Weltordnung, die geheimen Weltraumprogramme der Nazis und diverser Staaten, ihre Basen auf anderen Planeten des Sonnensystems, die deutschen Kolonien in der Antarktis und im Inneren der Erde, die Wahrheit über Zeitreisen und Paralleldimensionen – nicht zuletzt auch die wahre Natur Gottes und des holographischen Universums, in dem wir gefangen sind. Zentrales Thema des Buches sind die Außerirdischen – und davon gibt es viele: die Greys, die blonden Nordics vom Aldebaran, die Anunnaki, die Reptiloiden der Draco-Föderation, die Avianer, Insektoiden und Mantiden, die Animus und die mysteriöse „Alte Erbauer-Rasse“ – und das sind nur einige der mehrere tausend Spezies von Außerirdischen, die in unsere Geschicke eingreifen, nicht mitgerechnet die innerirdischen Rassen, die Langschädel und Riesen, die aus der Zukunft stammenden Wing Makers, außerdem die Archonten und zerstörerische KIs aus anderen Dimensionen. Das dürfte für die meisten Menschen schwer zu verkraften sein, schließlich sind sie längst so gehirngewaschen von der archontisch-reptiloiden Khasarenmafia, dass sie nichts davon akzeptieren können. Und dabei stehen wir gerade jetzt an einem Wendepunkt der Geschichte! Das Bündnis aus den Illuminaten (das sind die khasaro-jüdisch-jesuitischen Baals-Anbeter-Kapitalisten), den von den bösen Archonten gesteuerten Reptiloiden und einer noch böseren KI beherrscht uns längst – aber ihr Plan wird scheitern, steht doch der Erde nur allzu bald ein spiritueller Wandel bevor!
Woher Jason Mason all das weiß? Er ist nicht der einzige, der den Mut aufgebracht hat, seine revolutionären Enthüllungen an die Öffentlichkeit zu bringen. Tatsächlich nämlich besteht das Buch aus diversen Abschnitten, in denen jeweils einzelne Whistleblower mit ihren Enthüllungen wiedergegeben werden: Da wäre etwa Corey Goode, der als Supersoldat mit übernatürlichen Geisteskräften für die Illuminaten arbeiten musste, bis man nach seinem jahrelangen Dienst seinen Körper verjüngte und ihn in der Zeit zurückschickte. Oder Dr. Anderson, welcher die bedeutsame Zeitkapsel der Wing Makers (Menschen aus der Zukunft, die unsere Entwicklung vorantreiben wollen) untersuchte und ihr Material entschlüsselte. Nicht zuletzt auch eine Reptiloidin mit dem Namen „Lacerta“, die selbst Auskunft über die Geheimnisse ihrer Rasse gibt. Die gehirngewaschenen „Kritiker“, die die Rothschild-Reptiloiden-Roboter sicher in Kürze auffahren werden, werden sicher zahlreiche Widersprüche in den Ausführungen der Whistleblower anprangern. Das ist ja auch kein Wunder – schließlich hat keiner je das ganze Bild gesehen, dafür haben SIE viel zu gut gesorgt – jeder konnte ja nur einen Teil des Ganzen beschreiben. Hinzu kommt die Existenz zahlreicher Parallelwelten und alternativer Zeitlinien, wie im Buch erläutert wird – es kann also schwerlich ein Argument für fehlende Glaubwürdigkeit sein, wenn sich die einzelne Teile des Buches teils extrem widersprechen, was beispielsweise die Ursprünge der Menschheit oder der Reptiloiden angeht. Und außerdem: Auch die Bibel wurde von diversen Autoren geschrieben und weist dementsprechend Widersprüche auf. Würde man sie deshalb anzweifeln, ja gar als Phantasie ein paar irrer Verschwörungstheoretiker abtun?
Aber auch das wird die sogenannten „Skeptiker“ ganz bestimmt nicht von ihrem Werk der Desinformation abhalten. Sie werden sicher einwenden, dass hier auch sachliche Fehler vorlägen. Dass zum Beispiel die Trias der babylonischen Religion aus Nimrod, Semiramis und Tammuz in keiner babylonischen Quelle belegt sei, dass dort ebenso wenig Menschenopfer zu Ehren des Baal praktiziert wurden, ja dass die sumerische Sprache gar nicht der deutschen ähnlich sei, wie es doch hier geschrieben steht! Aber auch das ist kein Wunder, schließlich befindet sich der ganze irdische Universitätsbetrieb und insbesondere die sogenannte Altorientalistik längst in der Hand der reptiloid-khasarischen Anunnaki-Bänker. Nicht nur ist längst bekannt, dass in Studentenverbindungen regelmäßig sexuelle Perversionen und Menschenopfer praktiziert werden – so mancher Beweis findet sich vor aller Augen: So stammt zum Beispiel das Wort „Bachelor“, was Millionen Studenten so unwissend anstreben, ursprünglich vom sumerischen ba-ḫe-la2, was so viel bedeutet wie „Er möge abgewogen werden“ und sich auf die Bewertung und Selektion bezieht, die in der akademischen Laufbahn unvermeidlich sind. Aber anstatt darüber nachzudenken, werden die Skeptiker sicher lieber nachfragen, wieso in dem Buch denn andauernd die Bibel als Quelle herangezogen wird (etwa bezüglich des Menschen opfernden Baal-Kultes oder der in der Offenbarung dargelegten NWO-Pläne der Eliten), wenn doch die katholische Kirche schon immer in IHRER Hand war? Ganz einfach – dies ist ein Fall von doppelt verschachtelten Lügen: Indem die Verschwörer ihre Pläne schon vor Jahrtausenden in der Heiligen Schrift jedem offenlegten, machen sie diese heutzutage scheinbar unglaubwürdig, wo es doch alles „nur primitive Mythen“ seien. Planen Sie denn so langfristig? Das müssen SIE gar nicht – schließlich sind sie längst in der Lage, durch Zeitreisen auch alternative Zeitlinien zu erschaffen.
Weiter würden die „Skeptiker“ in ihrer Hybris sicher nach Belegen für all dies fragen – die Idioten! Schon die alten Sumerer wussten doch, dass zu viele Quellenangaben die natürliche Harmonie des Universums stören. Deshalb findet man auf sumerischen Tafeln auch keine Fußnoten. Ebenso wenig in den Veden, den Gathas oder dem Necronomicon (ja, das existiert wirklich!). Ein Zufall? Wohl kaum. Und außerdem – wem könnte man denn trauen, dass man ihn zitiert, außer den unabhängigen Whistleblowern und Augenzeugen, die hier ihre schockierenden Erlebnisse dargelegt haben?
Überhaupt erübrigt sich jede Spekulation darüber, der Inhalt des Buches würde nicht der Wahrheit entsprechen, schon durch ein simples Faktum: Was hier an Tatsachen präsentiert wird (nicht weniger als 672 großformatige Seiten!), ist so verworren, grotesk und fern jeder sogenannten „vernünftigen Logik“, dass es eine absolut absurde Vorstellung wäre, jemand könne sich dies einfach ausgedacht haben. Denken diese stumpfsinnigen Regimezombies, Enthüllungsautoren hätten nichts Besseres zu tun, als sich irgendwelche Berichte von Alien-Begegnungen, Zeitreisen und Verschwörungen auszudenken? Wirklich lächerlich.
Mir hat das Buch jedenfalls sehr geholfen, die Augen zu öffnen. Besonders erleichtert bin ich darüber, dass es tatsächlich so scharfe und natürlich gesetzte Grenzen zwischen Gut und Böse gibt, wie ich immer dachte. Avianer, Wing Makers, Jesus – gut; Reptiloiden, Illuminaten, Archonten – böse. So einfach ist das – nehmt das, ihr postfaktischen Moralrelativisten!
Doch zu guter Letzt muss ich das Buch und seine Autoren in einem Punkt stark kritisieren – verlieren sie doch kein Wort über eine Fraktion, die mindestens genauso gefährlich ist wie die Men in Black oder die Reptiloiden: die berüchtigten „Men in White“. Wie ihre schwarzen Cousins sind auch sie dafür verantwortlich, all jene Vertreter unangenehmer Fakten zu überwachen, unglaubwürdig zu machen und aus dem Verkehr zu ziehen. Tatsächlich halten sie mich jetzt schon seit Wochen gefangen – ich kann kaum noch essen, ohne dass sie mich beobachten. Selbst wenn ich schlafe, beobachten sie mich.  Sie tragen stets weiß… Oh nein, da kommen sie schon wieder! Ich weiß nicht, ob ich dies noch rechtzeeee Nein, nicht, nicht wieder die Jacke! nein, ichebzuzdgfjg fweeeeeebezfubsibv gdqweshrfd wezhrthgftjffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffff

Die afrikanischen Tempel der Anunnaki

 

Bereits vor Jahrzehnten stellte der umstrittene Autor Zecharia Sitchin die These auf, die sumerischen Götter seien tatsächlich Außerirdische gewesen, die die Erde auf der Suche nach Gold kolonialisierten und dazu schließlich den Menschen erschufen. So wenig bei genauerer Betrachtung auch daran sein mag – es reichte, um eine Reihe von Nachahmern auf den Plan zu rufen, die die moderne Mythologie um die „Anunnaki“ weiterführen. Einer von diesen ist Michael Tellinger, der in Südafrika (zufälligerweise seiner Heimat) die erste von den Anunnaki begründete Zivilisation gefunden haben will.
Das Buch heißt „Die afrikanischen Tempel der Anunnaki“ – auch wenn freilich nichts darin mit Tempeln zu tun hat. Vielmehr präsentiert Tellinger eine ganze Reihe von alten Steinkreisen, welche er als mystische Energiegewinnungsanlagen aus grauer Vorzeit deutet.
Zunächst einmal: Für bescheidene 9,95€ bekommt man hier ein Buch aus hochwertigem Papier, gefüllt mit haufenweise Farbfotos in hoher Qualität, sogar mit Lesebändchen. Soweit das positive, jetzt geht es an den Inhalt.
Erstaunlich sind zweifellos die große Zahl und die Form der südafrikanischen Steinkreise, die von der Schulwissenschaft als Viehgehege aus jüngerer Vergangenheit gedeutet werden. Dass sie aber keine Eingänge und mit ihren im Kreis angeordneten Kammern eine recht abnorme Form besitzen, das macht sich Tellinger zunutze – und scheitert trotzdem daran, eine glaubwürdige Theorie zu fabrizieren. Im gesamten Buch liefert er nicht einen Beleg für das von ihm postulierte Alter der Strukturen von hunderttausenden Jahren. Davon abgesehen deutet dort nichts auf den Einsatz anachronistischer Technologie hin – was im Genre der Präastronautik schon ziemlich armselig ist, wenn man sich ansieht, was andere Autoren vorzuweisen haben. Kaum nötig zu erwähnen, dass die von Tellinger immer wieder beschworene Verbindung zu den Sumerern und den Anunnaki gänzlich unbelegt bleibt – darüber hinaus offenbart er beträchtliche Wissenslücken und Fehlvorstellungen, was die Kultur und Überlieferungen der Sumerer angeht. Es scheint, dass er die ganze Anunnaki-Thematik nur von anderen einschlägigen Autoren wie etwa Sitchin abgeschrieben hat, ohne selbst die geringste Ahnung von Altorientalistik und sumerischer Mythologie zu besitzen. Besonders lustig: als Beleg führt er stets „die sumerischen Tontafeln“ an, ohne jemals näher zu bestimmen, auf welchen Text er sich denn bezieht (die meisten „den sumerischen Tontafeln“ zugeschriebenen Behauptungen finden sich dort im Übrigen nicht). Als wäre all das noch nicht genug, bekundet Tellinger offen seine Nähe zu manch esoterischem und verschwörungstheoretischem Gedankengut: Die Steinkreise dienten natürlich der Energiegewinnung auf Basis von Schall (!?) – ein Prinzip, das in der Gegenwart natürlich von der bösen Industrie unter Verschluss gehalten wird. Als glaubwürdige Quelle nennt Tellinger Credo Mutwa, einen traditionellen Schamanen, welcher schon David Ickes Reptiloiden-Theorie bestätigte. Und dass die Anunnaki unter ihrem Anführer Enki in Südafrika waren, ist ihm von mehreren Personen mit übersinnlicher Wahrnehmung bestätigt worden. Unnötig zu erwähnen, dass er außerdem die Bibel als glaubwürdige Geschichtsquelle angibt.
Im Endeffekt also wäre es besser gewesen, man hätte „Die afrikanischen Tempel der Anunnaki“ als Bilderbuch gedruckt. Die Bilder nämlich sind durchaus interessant anzusehen und öffnen das Bewusstsein für eine vielleicht erstaunliche Kultur, die man noch gar nicht auf dem Schirm hatte. Der Inhalt indes ist Murks von der ersten bis zur letzten Seite – unplausibel bis absurd, fachlich minderwertig und schrecklich esoterisch.

Die Thematik des Buches machte es möglich, der Inhalt es nötig, sich mit den vorgetragenen Thesen etwas detaillierter auseinanderzusetzen. So verfasste ich zu beiden Büchern Michael Tellingers eine umfangreiche Kritik, in der ich sie penibel auseinandernehme. Zu lesen hier: Kritik zu Michael Tellinger